> nur wie dreht sich das Koordinatensystem mit den Fixsternen mit? Bewegt es sich nicht mit der Erde um die
> Sonne? Wenn wir Frühling haben, wird ja am Schnittpunkt Ekliptik-Äquator der 0te Längengrad "festegelegt".
> Wenn sich die Erde nun weiter um die Sonne bewegt (Sommer, Herbst,...) dann rotiert das Koordinatensystem
> ja nicht um sich selbst, sondern nur mit der Erde mit um die Sonne, so dass z.B. die 0 immer in die gleiche Richtung
> ausgerichtet ist, oder? Könnte mir nur vorstellen, dass durch die hohe Entfernung der Fixsterne diese "annähernd
> gleiche Koordinaten zu allen Jahreszeiten" besitzen, zu Herbst und zu Frühling, zu Sommer und zu Winter. Obwohl
> es dann doch geringfügige Unterschiede zu den einzelnen Jahreszeiten gibt.
Ich habe gesagt, dass sich das äquatoriale Koordinatensystem 'mit den Sternen dreht' weil ich dachte, du denkst
an einen irdischen Beobachter, für den sich der Himmel (scheinbar) einmal am Tag um sich selbst dreht, und der
sich wundert, wie dabei die Koordinaten eines Sterns immer gleich bleiben können.
Wenn du dich auf einen festen Standpunkt ausserhalb der Erde stellst, drehen sich natürlich weder der Fixsternhimmel
noch das äquatoriale Koordinatensystem um sich selbst.
Was die Bewegung der Erde um die Sonne angeht: denk dir die Himmelskugel (ohne die Sterne) als eine unendlich
große Hohlkugel, in deren Zentrum das Sonnensystem liegt und auf deren Innenseite ein Gradnetz aufgemalt ist.
An einer Stelle dieses Gradnetzes liegt der Frühlingspunkt. Ein von einem irdischen Beobachter in diese Richtung
ausgesandter Laserstrahl verläuft 'in Richtung des Frühlingspunkts' und ein (zufällig) aus Sicht des Beobachters
in dieser Richtung stehender Stern oder Planet 'steht im Frühlingspunkt', d.h. er hat die äquatorialen Koordinaten
RA = 0h, Dek = 0°.
Nun denk dir gleichzeitig einen anderen Beobachter auf dem Mars einen Laserstrahl in Richtung Frühlingspunkt
aussenden. Dieser Laserstrahl verläuft parallel zu dem des irdischen Beobachters (eben auch 'in Richtung des
Frühlingspunkts'). Er wird aber, weil der Laserstrahl von woanders abgeschickt wurde, den oben erwähnten Stern
verfehlen. Dieser Stern hat für den marsischen Beobachter also andere Koordinaten als RA=0h, Dek=0°. Der
Unterschied liegt aber nicht im Koordinatensystem, sondern daran, daß der Stern aus einer anderen Richtung
betrachtet wird und daher vor einem anderen Hintergrund (sprich: vor einer anderen Stelle des unendlich entfern-
ten Gradnetzes) erscheint.
Mit anderen Worten: Koordinatenangaben sind immer nur Richtungsangaben. Wenn ein irdischer und ein
marsischer Beobachter den Punkt mit den Koordinaten RA=2h Dek=18° betrachten, dann verlaufen ihre Seh-
richtungen exakt parallel. Möglicherweise sieht der eine Beobachter an dieser Stelle einen Stern oder Planeten
und der andere nicht, dabei ist aber das Koordinatensystem dasselbe und nur die Koordinaten der Sterne hängen
vom Standpunkt des Beobachters ab.
Ähnliches gilt für die Bewegung der Erde um die Sonne: die Blickrichtungen eines Beobachters, der das ganze Jahr
über in Richtung Frühlingspunkt blickt, sind immer untereinander parallel, nur ihr Ausgangsort ändert sich, und
gelegentlich streift die Blickrichtung einen Stern. Dann hatte der betreffende Stern für den Beobachter einen
Augenblick lang die scheinbaren Koordinaten RA=0h Dek=0°. Als scheinbar bezeichnet man diese Koordinaten,
weil sie dem betreffenden Beobachter so oder so erscheinen, während sie für einen anderen Beobachter
zum selben Zeitpunkt anders sind. (Dieser Effekt heißt Parallaxe und ist eine der erwähnten Feinheiten, wegen
welcher die Koordinaten der Sterne nicht ganz genau konstant bleiben.)
> Ich hab mir mal die Kosmos drehbare
> Sternenkarte bestellt, ich denke dass ich einen besseren Einblick haben werde, wenn ich die mal in der
> Hand halten kann.
Für dieses Problem wird sie dir wenig helfen, aber sie vermittelt immer einen guten Eindruck davon, wie
die Sichtbarkeit eines bestimmten Himmelsausschnitts von der Tages- und Jahreszeit abhängt (wegen
der Kombination aus Rotation der Erde um sich selbst und Bahn der Erde um die Sonne). Wegen der
unmittelbar einleuchtenden Einfachheit und Begreifbarkeit kann sie das meiner Ansicht nach besser
als ein noch so ausgefeiltes Simulationsprogramm.
Tschau,
Thomas