Rolf_Geissinger
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
endlich wurde es war: Ich hatte das erste Mal die Gelegenheit, unter richtig gutem Alpenhimmel beobachten zu können. So vieles hatte ich bereits von Berichten gehört, wie unbeschreiblich ein richtig dunkler Gebirgshimmel sein soll. Und - um es vorweg zu nehmen - es ist wirklich ein einmaliges Erlebnis, das sich kein Amateurastronom entgehen lassen sollte.
Unser Urlaub fand dieses Jahr in einem Südtiroler "Tal" auf 1400m in unmittelbarer Nähe vom Jaufenpass statt. In den 10 Tagen, in denen wir unten waren, ergab es sich leider nur genau 1x, dass der Himmel einigermaßen wolkenfrei war. Diese Nacht sollte meine große Chance werden.
Um ca. 22 Uhr packte ich meine Ausrüstung zusammen und fuhr auf den 2094m hohen Jaufenpass. Mit dabei hatte ich: 8" f/4 Reisedobson von Hofheim Instruments, Okularsatz (25/15/10mm) + 3-fach Barlow, warme Klamotten, den Karkoschka und einen kleinen 3-Bein Hocker plus div. Kleinkram.
Auf der Passhöhe waren es gerade mal 0°C und geschätzte 5 Windstärken (wohlgemerkt am 09. Juni !!) Also fuhr ich wieder 2-3 Kehren weiter nach unten auf einen windgeschützten Parkplatz.
Als das Innenlicht vom Auto erlosch und sich meine Augen langsam an die Dunkelheit gewöhnten, war es wie eine Offenbarung: Mein erster Eindruck: Wow, das gibts ja gar nicht .......
Die Milchstraße im Schwan war absolut klar und hell zu erkennen. Die Teilung, welche sich bis zum Adler hinzieht war vollkommen eindeutig auszumachen. Kein Vergleich mit meinem normalen Beobachtungsplatz.
Ein kurzer Blick auf den Jupiter zeigte, dass das Seeing zwar ganz gut, der Spiegel jedoch noch nicht ganz ausgekühlt war. Aber egal, Planeten kann ich auch zuhause schauen. Als gegen 23.30 Uhr die noch recht schmale Mondsichel vollends hinter ein paar Wolken am Horizont verschwand, zeigte sich nun erst das wahre Alpenpotenzial. Unbeschreiblich, was so ein Spitzen-Nachthimmel hergibt. M13 war klar mit bloßem Auge zu erkennen. Es wurde bereits schwierig, sich aufgrund der riesigen Anzahl an sichtbaren Sternen zu orientieren.
Nu aber los: Das 15er Okular in den Dobson rein und auf gehts.
Angefangen habe ich in den Jagdhunden und Ursa Major. Sämtliche Galaxien in diesem Bereich aus dem Karkoschka konnte ich sofort, direkt, und klar umrissen erkennen. M51 mit Spiralarmen, M101, Eulennebel mit Augen.... alles kein Problem und wie aus dem Lehrbuch.
So macht Galaxienjagd Spaß.
Die große Überraschung an diesem Abend aber war M27. Was so ein 8-Zöller bei Spitzenbedingungen alles bringt ist echt erstaunlich.
So hell, detailiert und derartig beeindruckend habe ich den Hantelnebel noch nie gesehen. Bei Maximalvergrößerung belegte M27 fast 3/4 des Gesichtsfeldes und die "Ohren" waren klar zu erkennen.
Leider hatte ich meinen UHC-Filter vergessen (Schande über mich...), sodass trotz hervorragender Bedingungen Nordamerikanebel und Cirrus / Schleiernebel nicht so den Glanz und Detalilreichtum hatten, wie erhofft. Trotzdem waren sie gut zu erkennen.
Ich möchte an dieser Stelle nicht detailierter auf die ca. 35 von mir beobachteten Deep-Sky Objekte eingehen. Mir ging es eher darum, den unbeschreiblichen Gesamteindruck meiner ersten Alpenhimmel-Beobachtungsnacht darzustellen. Ich kann auf alle Fälle sagen, dass sämtliche Objekte mit dem 8" Dobson unter Alpenhimmel heller und deutlicher zu sehen waren, als mit meinem 12,5" Einsatzdobson
unter gutem Landhimmel ca. 70km entfernt von Stuttgart. Die Milchstraße ist hier übrigens so hell, dass man den Text im Karkoschka fast ohne Rotlichtlampe lesen kann. Auch die Wolken sind richtig schwarz, wie immer beschrieben, und nicht hellgrau wie bei uns.
Als die Temperatur gegen 2:30 Uhr noch weiter fiel, fasste ich dann schweren Herzens den Entschluss, lieber doch mal wieder alles einzupacken. Da meine Finger eiskalt waren, legte ich die Einzelteile des Reisedobsons einfach so ins Auto. Ich war auch zu müde, um alles wieder richtig einzusortieren. Jedoch wollte ich es mir nicht nehmen lassen, zum Abschluss nochmals auf die Passhöhe hochzufahren, um einen besseren Südhorizontblick zu haben. Oben angekommen, war dann klar zu erkennen, dass mein Standort deutlich südlicher lag als Stuttgart, da ein recht großer Teil vom Skorpion zu sehen war. Der Schütze lag leider genau hinter einem Hügel, aber ich war eh nicht mehr in der Lage, alles nochmal auszupacken, da ich auch noch fast eine Stunde Passabfahrt im Stockfinstern vor mir hatte.
Fazit: Leute, fahrt unbedingt mal in die Alpen... ich wage gar nicht dran zu denken, wie das dort oben in einer klaren Januarnacht rüberkommt. Für M42 sollte da vorsichthalber mal eine leicht getönte Sonnenbrille mitgenommen werden
Ich hoffe, ich konnte meinen Eindrücke ein wenig rüberbringen und wünsche allen "Clear Skies"
Begeisterte Grüße
Rolf
endlich wurde es war: Ich hatte das erste Mal die Gelegenheit, unter richtig gutem Alpenhimmel beobachten zu können. So vieles hatte ich bereits von Berichten gehört, wie unbeschreiblich ein richtig dunkler Gebirgshimmel sein soll. Und - um es vorweg zu nehmen - es ist wirklich ein einmaliges Erlebnis, das sich kein Amateurastronom entgehen lassen sollte.
Unser Urlaub fand dieses Jahr in einem Südtiroler "Tal" auf 1400m in unmittelbarer Nähe vom Jaufenpass statt. In den 10 Tagen, in denen wir unten waren, ergab es sich leider nur genau 1x, dass der Himmel einigermaßen wolkenfrei war. Diese Nacht sollte meine große Chance werden.
Um ca. 22 Uhr packte ich meine Ausrüstung zusammen und fuhr auf den 2094m hohen Jaufenpass. Mit dabei hatte ich: 8" f/4 Reisedobson von Hofheim Instruments, Okularsatz (25/15/10mm) + 3-fach Barlow, warme Klamotten, den Karkoschka und einen kleinen 3-Bein Hocker plus div. Kleinkram.
Auf der Passhöhe waren es gerade mal 0°C und geschätzte 5 Windstärken (wohlgemerkt am 09. Juni !!) Also fuhr ich wieder 2-3 Kehren weiter nach unten auf einen windgeschützten Parkplatz.
Als das Innenlicht vom Auto erlosch und sich meine Augen langsam an die Dunkelheit gewöhnten, war es wie eine Offenbarung: Mein erster Eindruck: Wow, das gibts ja gar nicht .......
Die Milchstraße im Schwan war absolut klar und hell zu erkennen. Die Teilung, welche sich bis zum Adler hinzieht war vollkommen eindeutig auszumachen. Kein Vergleich mit meinem normalen Beobachtungsplatz.
Ein kurzer Blick auf den Jupiter zeigte, dass das Seeing zwar ganz gut, der Spiegel jedoch noch nicht ganz ausgekühlt war. Aber egal, Planeten kann ich auch zuhause schauen. Als gegen 23.30 Uhr die noch recht schmale Mondsichel vollends hinter ein paar Wolken am Horizont verschwand, zeigte sich nun erst das wahre Alpenpotenzial. Unbeschreiblich, was so ein Spitzen-Nachthimmel hergibt. M13 war klar mit bloßem Auge zu erkennen. Es wurde bereits schwierig, sich aufgrund der riesigen Anzahl an sichtbaren Sternen zu orientieren.
Nu aber los: Das 15er Okular in den Dobson rein und auf gehts.
Angefangen habe ich in den Jagdhunden und Ursa Major. Sämtliche Galaxien in diesem Bereich aus dem Karkoschka konnte ich sofort, direkt, und klar umrissen erkennen. M51 mit Spiralarmen, M101, Eulennebel mit Augen.... alles kein Problem und wie aus dem Lehrbuch.
So macht Galaxienjagd Spaß.
Die große Überraschung an diesem Abend aber war M27. Was so ein 8-Zöller bei Spitzenbedingungen alles bringt ist echt erstaunlich.
So hell, detailiert und derartig beeindruckend habe ich den Hantelnebel noch nie gesehen. Bei Maximalvergrößerung belegte M27 fast 3/4 des Gesichtsfeldes und die "Ohren" waren klar zu erkennen.
Leider hatte ich meinen UHC-Filter vergessen (Schande über mich...), sodass trotz hervorragender Bedingungen Nordamerikanebel und Cirrus / Schleiernebel nicht so den Glanz und Detalilreichtum hatten, wie erhofft. Trotzdem waren sie gut zu erkennen.
Ich möchte an dieser Stelle nicht detailierter auf die ca. 35 von mir beobachteten Deep-Sky Objekte eingehen. Mir ging es eher darum, den unbeschreiblichen Gesamteindruck meiner ersten Alpenhimmel-Beobachtungsnacht darzustellen. Ich kann auf alle Fälle sagen, dass sämtliche Objekte mit dem 8" Dobson unter Alpenhimmel heller und deutlicher zu sehen waren, als mit meinem 12,5" Einsatzdobson
unter gutem Landhimmel ca. 70km entfernt von Stuttgart. Die Milchstraße ist hier übrigens so hell, dass man den Text im Karkoschka fast ohne Rotlichtlampe lesen kann. Auch die Wolken sind richtig schwarz, wie immer beschrieben, und nicht hellgrau wie bei uns.
Als die Temperatur gegen 2:30 Uhr noch weiter fiel, fasste ich dann schweren Herzens den Entschluss, lieber doch mal wieder alles einzupacken. Da meine Finger eiskalt waren, legte ich die Einzelteile des Reisedobsons einfach so ins Auto. Ich war auch zu müde, um alles wieder richtig einzusortieren. Jedoch wollte ich es mir nicht nehmen lassen, zum Abschluss nochmals auf die Passhöhe hochzufahren, um einen besseren Südhorizontblick zu haben. Oben angekommen, war dann klar zu erkennen, dass mein Standort deutlich südlicher lag als Stuttgart, da ein recht großer Teil vom Skorpion zu sehen war. Der Schütze lag leider genau hinter einem Hügel, aber ich war eh nicht mehr in der Lage, alles nochmal auszupacken, da ich auch noch fast eine Stunde Passabfahrt im Stockfinstern vor mir hatte.
Fazit: Leute, fahrt unbedingt mal in die Alpen... ich wage gar nicht dran zu denken, wie das dort oben in einer klaren Januarnacht rüberkommt. Für M42 sollte da vorsichthalber mal eine leicht getönte Sonnenbrille mitgenommen werden
Ich hoffe, ich konnte meinen Eindrücke ein wenig rüberbringen und wünsche allen "Clear Skies"
Begeisterte Grüße
Rolf