Alte Nikon HG-Gläser?

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einser00

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Hi,

auf der Suche nach einem vernünftigen 8x40 Glas bin ich auf dieses ebay Angebot gestoßen:

http://cgi.ebay.de/Nikon-Fernglas-8x40-D...1QQcmdZViewItem

Weiß jemand, ob es eine alte Vorgängerserie der HG-Gläser gibt und wie diese einzustufen sind?

Das Glas scheint einen guten Erhaltungszustand zu haben, der Verkäufer wirkt ebenfalls vertrauenswürdig.

Vielen Dank schon mal.

Matthias
 
Noch ohne Phasenbelag, vermutl. Uppendahl-Prismen

Es scheinen die damaligen Spitzenmodelle von Nikon zu seín; insofern könnte man sie als Vorläufer der HG-Modelle ansehen, mit denen sie aber sonst kaum etwas gemein haben. Denn sie hatten noch keinen Phasenbelag auf den Dachkantprismen (Zeiss entwickelte diesen 1988, alle anderen Hersteller, die ihn heute benutzen, folgten deutlich später) und haben ein anderes optisches System.

Die Bauform läßt vermuten, daß diese Ferngläser nicht die heute in den HG-Modellen verwendeten mdifizierten Abbe-König-Prismen, sondern Uppendahl-Prismen haben (so wie damals auch die Leica-Trinovid-Modelle bis 1988). Ein Uppendahl-Prisma ist kein Nachteil (auch wenn es aus drei statt nur zwei Teilen zusammengesetzt ist und eine etwas andere Glasweglänge hat), aber weil es eine andere Glasweglänge hat, sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch mindestens die Objektive anders als die heutigen. Daß auch die Okulare nicht den heutigen entsprechen, folgt daraus nicht zwingend, ist aber anzunehmen.

Über die Qualität der Objektive und Okulare kann ich nichts sagen, auch nicht darüber, ob Nikon auch schon damals eine Bildfeldebnungslinse und Silberverspiegelung der Prismenfläche ohne Totalreflexion verwendet hat.

Zumindest aufrund des fehlenden Phasenbelags und auch wegen geringerer Transmission (wegen damals noch nicht so guter MC-Vergütung und wahrscheinlich Alu-Verspiegelung) dürfte es den heutigen HG-Modellen klar unterlegen sein. Dennoch scheint es angesichts des günstigen (Start-)Preises kein Fehlkauf zu werden, wenn man diese Nachteile kennt und akzeptiert, denn in dieser Preisklasse wird heute neu sicher nichts Besseres (wenn auch mit Phasenbelag) angeboten. Selbst der Sofortkauf-Preis erscheint mir noch vertretbar.

Ich würde mich aber vor dem Bieten oder Sofortkauf noch nach der Sehfeldgröße (die nicht unter ca. 105 m auf 1000 m liegen sollte) und nach dem Gewicht erkundigen, um diesbezüglich keine Überraschungen zu erleben.

Walter E. Schön
 
Re: Noch ohne Phasenbelag, vermutl. Uppendahl-Pris

Hallo Walter,

ein paar Fragen:

1. Woher stammt die Information, dass Nikon modifizierte Abbe-König-Prismen benutzt?
2. Worin besteht die Modifikation (offensichtlich u.a. in einem anderen Strahlengang, der eine Verspiegelung notwendig macht)?
3. Was könnte deiner Ansicht nach der Grund für die Verwendung dieses wohl eher exotischen Prismentyps sein bzw. welche Vorteile könnte er gegenüber anderen Prismentypen (z.B. Schmidt-Pechan, normalen Abbe-König) bieten?
4. Welche Nachteile (z.B. Gewicht?) könnten mit der Verwendung solcher Prismen verbunden sein?

Gruß

Steve
 
Hallo Matthias,

so ein Nikon 8x40 war mein erstes "richtiges" Dachkantglas vor vielen Jahren und es war eins der Ferngläser, dessen Verkauf ich am längsten bereut habe <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />. Ich hatte das Fernglas seinerzeit für etwas weniger als 500 DM als Demoglas vom Fotohändler bekommen. Das Sehfeld von 7 Grad ist nicht besonders weitwinklig, aber Tunnelblick hat man keinen. Bei dem Fernglas sind mir drei Punkte in Erinnerung:

1. Die Bauweise ist sehr solide, alles Metall (bis auf die Optik <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />) und Plaste sucht man vergebens.

2. Das Fernglas ist vor den Objektiven mit einer planparallelen Glasplatte verschlossen und es müsste sogar eine Stickstofffüllung haben.

3. Schlechte Erinnerungen habe ich an ziemlich auffällige "Reflexe" beidseitig von hellen Lichtquellen. Das waren die typischen strahlenförmigen "Reflexe", welche an der Dachkante der Prismen entstehen (Beugungseffekte). Heute würde ich vermuten, dass die Dachkante bei dem Nikon Glas recht deutlich zu sehen ist. Bei modernen Ferngläsern aus gutem Haus muß man schon sehr genau hinschauen, um die Dachkante beim Blick durchs Objektiv oder auf die AP als haarfeinen Strich ausmachen zu können. Dementsprechend "reflex"-arm fällt das Bild einer hellen Lichtquelle beispielsweise bei einem Zeiss Victory FL aus. In dem Punkt war das Nikon 8x40 nicht berauschend. Aber auch alte Leitz Trinovid Gläser zeigen dieses Phänomen, machen aber bei Tag und am Sternhimmel trotzdem eine gute Figur.

Da das 8x40 in einem Nikon Prospekt von 1995 noch aufgeführt ist, würde ich eine Phasenkorrektur der Dachflächen der Dachkantprismen nicht ausschließen. Übrigens steht das 8x40 auf der selben Seite wie das damals noch recht neue 10x42 SE. Meine Vermutung geht dahin, dass man bei Nikon eine solche Prospektseite heute mit der Überschrift "High Grade" betiteln würde <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />. Es war damals wahrscheinlich Nikon's Top Dachkantglas, aber das liegt halt 10 Jahre zurück. Unabhängig davon kann man mit dem 8x40 genauso viel Spaß am Sternhimmel haben wie mit einem 15 Jahre alten CZJ 10x40 Notarem. Auch ohne Phasenkorrektur kann die Himmelsbeobachtung viel Freude machen und so übel war die Vergütung der teuren CZJ oder Nikon Gläser vor 10 oder 15 Jahren nicht ...

Frank.
 
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Noch eine Ergänzung

Hallo Matthias,

noch ein paar Infos, falls Du Interesse an dem Fernglas hast. Ich habe noch ein Schnittbild vom 8x40 Nikon aus einem alten Faltprospekt gefunden. Wenn ich dieses richtig deute, dann hat das Glas 3-linsige Objektive und 6-linsige Okulare. Die Innenfokussierung scheint wie beim alten Zeiss 8x30 oder 10x40 Dialyt durch Verschiebung der Objektive zu funktionieren (daher auch die planparallelen Glasplatten vor dem Objektiv zur Abdichtung). Das Prismensystem entspricht der weit verbreiteten Form nach Schmidt. Unterm Strich eine recht aufwendige Konstruktion und seinerzeit war das Glas wohl nicht gerade billig. Das hilft aber nicht, die letzten 10 oder 15 Jahre Entwicklung im Fernglasbau wettzumachen. Mit einem modernen Zeiss, Leica oder Swarovski wird das alte Nikon nicht mithalten können und ich vermute, auch ein Docter 8x42 B/CF schneidet bei Transmission und Kontrast besser ab. Bei der Randschärfe könnte das Nikon dank komplexerer Okulare einen Vorteil haben.

Frank.
 
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