Alter, Dummheit oder Abstinenz (BB 30.07.10)

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StefanF

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Servus miteinander,

gestern ist mir beim Beobachten sowas dummes passiert, dass ich den Verdacht habe, ich hab entweder keinen Plan mehr vom Sternhimmel, oder ich werde allmählich alt. Naja, das zweite trifft ja leider immer mehr zu, erschreckend ist es trotzdem. Aber der Reihe nach:

Der Wetterbericht versprach für gestern abend doch glatt mal wieder gutes Wetter, und nach letzten Regenschauern am Morgen trat das tatsächlich ein. Der abendlicher Himmel klarte auf, die Schichtwolken des Tages verzogen sich. Kurz an den Mond gedacht: der war 4 Tage nach Vollmond, also sollte bis mindestens 1 Uhr was gehen im Deep-Sky-Bereich.

Teleskop eingepackt, und zu meinem Beobachtungsplatz gefahren. Bis dorthin dauerte es schon 10 min länger als sonst (Unfall auf der Alternativroute mit Vollsperrung Bundesstraße; Normalstrecke war wegen Straßenfest gesperrt, was man erst erfuhr, wenn man schon fast in den Sitzbänken stand; Umleitung führte dann in eine Monster-Baustelle über mehrere Kilometer). Aber schließlich war ich kurz nach 22.30 Uhr oben am Platz. Es war noch nicht ganz dunkel, und ich baute meine Photonenfalle schnell auf.
Irgendwie wollte die Milchstraße noch nicht so recht herauskommen, aber am Nordhimmel war noch ein schwacher Lichtstreif zu sehen. Seltsamerweise auch am Südosthorizont, aber vielleicht war's da dunstig, oder Restwolken (vielleicht klopfen sich einige von Euch schon auf die Schenkel vor Lachen, aber ich hatte noch nichts bemerkt).
Nach Justage schwenkte ich in den Ophiuchus, um einige schwächere Objekte aufzusuchen, bevor sie zu tief standen.
Erstes Objekt - nach dem schnellen Vorbeischauen bei IC 4665, der dort in der Nähe stand, war die Galaxie NGC 6509: ziemlich schwach, recht klein, etwas länglich, mit hellerem Zentrum, eingerahmt von 2 sehr schwachen Sternen östlich und südlich der Galaxie. Trotz der nicht gerade üppigen Helligkeit von 13.m3 hatte ich mir mehr erwartet. Aber naja, mal sehen, was der Himmel sonst noch hergibt.
Schnell zur nächsten Galaxie geschwenkt: NGC 6570. Die war etwas gleichhell laut Katalog wie 6509. Im Teleskop hatte ich dann kämpfen müssen, um sie zu sehen: sehr schwach, klein, rund, und ohne Struktur.
Dann wollte ich einen offenen Sternhaufen ausuchen, und drehte mich Richtung Auto, wo meine Atlanten im Kofferraum lagen. Nanu, was ist das da helles über den Bäumen am Horizont ? Das darf doch nicht war sein: der Mond ! Mit dem hatt ich erst 2 Stunden später gerechnet. Aber alles Zaudern half nichts. Die Deep-Sky-Session war damit etwa 20 min nach Aufbauende schon wieder vorbei. :mauer:
Ich habe dann noch den Offenen Sternhaufen NGC 6525 aufgesucht. Der war recht hell, insgesamt 17 Sterne ab 8m zu sehen, und hob sich gut vom Hintergrund ab. Bei NGC 6525 handelt es sich um ein "verlorenes" NGC-Objekt: in den gängigen Versionen des NGC ist er nicht aufgeführt, auch nicht in der Uranometria verzeichnet. Trotzdem existiert das Objekt.
Mißmutig hab ich dann noch versucht, Neptun zu beobachten. Aber das horizontnahe Seeing war grausam schlecht, sodass ich zwar eine manchmal grüne Murmel fand, die aber genauso matschig war wie die Sterne drumherum.

Fazit: 2x 40 min Autofahrt für 4 Deep-Sky-Objekte, davon 3 Erstsichtungen. Und ziemlich Enttäuschung über die Tatsache, dass ich nicht mehr abschätzen kann, wann der Mond am Himmel steht und wann nicht.

Sternfreundliche Grüße
Stefan
 
Hallo Stefan.

Na, jetzt mach Dich doch selber nicht so runter. Der Mond steht halt tückischerweise jetzt gerade recht weit nördlich und geht naturgemäß auch "gefühlt" sehr früh auf, das macht der boshafterweise regelmäßig immer wieder. Und 3 Erstsichtungen an einem Abend innerhalb von 20 Minuten sind doch auch ganz gut, ich hatte schon etliche Nächte ohne jede Neusichtungen (wer hatte die nicht?) und bin dann nach 4-5 Stunden erfolglosen am-Nachthimmel-Rumrühren halt zu den Standardkerzen übergegangen um wenigstens irgendwas gesehen zu haben (und wenn's "nur" der Mond war).
Da ich selber auch nicht mehr zu den jüngeren Semestern zähle, tröste ich mich nach solchen Nächten wie von Dir beschrieben damit, dass ja auch Erfahrung und Reife sowie Beobachtungskönnen viel wert sind (man muss es sich halt nur lange genug einreden, dann hilft's schon, so wie ein Placebo, auch wenn trotzdem die Augen immer mieser werden bei mir), und irgendwann steht der Mond schliesslich auch wieder südlicher. Und da der Mond jetzt abnimmt, kommen wieder längere Nächte......also es geht aufwärts.
Viele Grüße, Jürgen

 
Hi Stefan,

ja das ist schon recht hart 80min Autofahrt für 20min spechteln. Aber was soll man machen daraus lernt man. Hast du deine Uhr auf UT eingestellt oder?

Aber so was ähnliches ist mir auch schon passiert. Mit Montierung + Apo losgefahren (allerdings nur 20 min einfache Strecke) und beim aufbauen gemerkt das die Gegengewichte fehlen. Alos wieder alles eingepackt, nach Hause gefahren, Gewichte geholt und wieder zurück.

Die Nacht war dann allerdings Super!

Immerhin 3 Erstsichtungen das ist doch was oder?
NGC6525 hatte ich das letzte mal im Schlangenträger auch drinnen. Der OC steht da so ziemlich alleine. Aber dennoch ein Hingucker in größeren Optiken (ab 8 Zoll) finde ich. IC4665 ist auch immer wieder toll im Widefield Okular. Die beiden Galaxien kenne ich noch nicht werde ich mir mal für nächstes Frühjahr vormerken. Die sollten auch mit 12,5" gehen.

Gruß
Lots
 
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Hallo Stefan,
war neulich in der Hauptstadt Kanadas, in Ottawa, wir kamen da Abends an, ich wollte im Hotelzimmer noch die Stadtkarte studieren, damit man tagsüber schon mal vorab ein wenig Orientierung hat, holte den Kompass raus und versuchte den auf Norden einzustellen, um dann die Karte entsprechend zu legen, die Kompassnadel hüpfte aber nervös und stellte sich mal und mal so ein, da gab es undefinierbare Störfanktoren. Also sage ich mir, dass ich dass nun vor dem Hotel an den Sternen schon richten werde, wozu ist man schliesslich Sternenfreak. Ich gehe hinter das Hotel, da gab es eine Wiese und ein Fluss, immerhin am Rande Ottawas, der Vollmond ging gerade auf, das zeigte mir immerhin die Nordostrichtung, nun war ich auf die Sterne gespannt und ich konnte erstmal nichts sehen, gar nichts.....dann irgend ein Sternlein, ich konnte es nicht zuordnen und war froh, dass ich nicht auch noch meinen Mann mit runter genommen habe, um ihm mit meinem Astrowissen zu imponieren.
Ich konnte es nicht fassen, ich kam so gar nicht klar und wartete noch eine Weile, dann erkannte ich noch drei oder vier Sterne, die Wega auf alle Fälle, Deneb im Schwan war gerade noch so zu erkennen und dann mit Mühe, aber mit grösster Mühe mache ich den Grossen Wagen aus und erahne den Polarstern.....doch bis ich soweit war dauerte das eine glatte halbe Stunde...ich kam mir so verloren vor, das war so peinlich..........nach all den Jahren Astrohobby sollte man doch auf Anhieb sofort da oben Bescheid wissen......und dann musste ich mich damit trösten, dass ich immerhin unter grottenschlechten Bedingungen eben doch den Polarstern gefunden habe, ich wette die Menschen in einer Millionenstadt haben da eher illusorische Vorstellungen von diesem Stern, so dass sie die Raelität erst gar nicht wahr haben wollen.....na, ja, dann war ich doch stolz auf mnich, habe ja immerhin die wahre Nordrichtung der Stadt gefunden, die Orientierung am Himmel erst lässt mich wissen, wo ich mich auf Erden einreihen kann, das ist beruhigend.....aber mit dem Alter machen die Augen schon Probleme, das merke auch ich, damit müssen wir leider fertig werden und es geht ja...Galilei wurde gegen Ende richtig blind....aber man sollte sich mal seine Okulare anschauen...der Einguck ist so klein wie eine Champagnerlinse zum Essen und deshalb darf man sich nicht wundern, dass der immer so ein gequollenes Matschauge hat, auf den Portraits............

Liebe Grüsse von Anette, die über Weitwinkelokulare so unglaublich glücklich ist
 
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