Alterungsbeständigkeit bei ölgefüllten Objektiven

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Carsten768

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Hallo zusammen,

weiß jemand, wie es mit der Alterungsbeständigkeit von ölgefüllen Objektiven bei APO Refraktoren aussieht? Wenn man mit einem Objektiv mit Luftspalt pfleglich umgeht, hält das ja „ewig“. Wie sieht es aber mit ölgefüllten Objektiv aus, wie sie bei TEC oder CFF verwendet werden? Muss das Öl irgendwann mal getauscht werden, weil es einfach altert? Wie groß ist die Gefahr, dass so ein Objektiv irgendwann einmal undicht wird und Öl austritt?

Mich interessiert die Frage brennend, weil ich über die Anschaffung eines CFF-APOs mit ölgefülltem Objektiv nachdenke.

Clear skies,

Carsten
 
Es ist ja wohl nur ein Tropfen Öl oder zwei, was zwischen die Linsen kommt. Ob da was auslaufen kann? Die Adhäsionskräfte halten ja auch das Öl auf der Oberfläche, neben der Tatsache, dass es ja zunächst in der dichten Fassung ist.
Irgendwo hatte ich aber einmal gelesen, dass das Öl sich chemisch verändern und eintrüben kann, spätestens dann ist ein aufwändiger Ölwechsel samt neuer Ausrichtung der Linsen fällig, der nicht ganz billig sein dürfte.
 
Hallo Carsten,

die Ölfügung hält u.U. nicht ewig und kann je nach Beschaffenheit der Objektivfassung und Nutzung des Teleskops (beispielsweise ständig im Außeneinsatz in einer Kuppel mit entsprechend ständig wechselnden Temperaturunterschieden) "altern".

Bei unserem 7" Starfire der Sternwarte Stuttgart war ein Ölwechsel nach ca. 25 Jahren Dauereinsatz fällig. Vom ursprünglichen Öl war nicht mehr genügend vorhanden, was im Laufe der Zeit zu immer deutlicheren optischen Fehlern geführt hat. Das Objektiv musste sehr aufwändig auseinandergenommen werden, neue Olfügung kam rein und natürlich mussten die Linsen wieder sauber unter dem Interferometer zentriert werden. Das kann nur ein wirklicher Fachmann vornehmen. In Mitteleuropa gibt es nur ganz wenige Leute, die sich an so etwas rantrauen und die das am Ende auch sehr schön hinbekommen. Ich habe an anderer Stelle im Forum vor einiger Zeit darüber berichtet.

Unser Objektiv erreicht nach der Aktion wieder einen Strehl von 0,95-0,96. Davor waren es um die 0,8 mit einem deutlichen Komafehler als Hauptproblem (neben anderen Fehlern). Natürlich gibt es sehr viele Sternfreunde, die mit dem Öl bisher keine Probleme hatten. Sicher sein kann man sich wie am Beispiel gezeigt aber nicht.

Viele Grüße
Werner
 
Auch bei meinem 7" Starfire mußte die Optik wegen einem Ölfehler
nach über 20 Jahre zu Baader eingeschickt werden. Letzendlich
ging die Optik zu Roland Christen. Dort wurde sie überholt, kam
nach einem dreiviertel Jahr dann zu mir zurück. Ausser den
Transportkosten brauchte ich nichts bezahlen!
Der 7-Zöller ist nun wieder fast 10 Jahre in meiner Sternwarte
und ich habe das Gefühl, eine Bessere bekommen zu haben. Der
Farbfehler ist z.B. an Venus wesentlich geringer als vorher.

Viele Grüße

Detlef, aus dem verschneiten Oberbergischen
 
Hallo Detlef,

oh, ist ja interessant zu hören, dass du ähnliche Probleme hattest. In unserem Fall hat es ein Experte und guter Bekannter in Österreich vorgenommen, den ich jetzt nicht ungefragt namentlich erwähnen möchte, da er dann vielleicht Aufträge bekommt, die er evtl. gar nicht möchte (falls noch mehr Leute unerwarteterweise Probleme mit Ölfügungen haben sollten). Ich weiss auch noch von anderen ölgefügten Apos (Zeiss war auch darunter), die er wieder erfolgreich repariert hatte. Die genaueren Umstände habe ich aber vergessen. Möchte jetzt aber nicht den Eindruck erwecken, dass irgendwie alle (oder nur ganz bestimmte) ölgefügten Apos Probleme machen könnten. Nur eben 100% sicher sein kann man halt v.a. nach längeren Zeitspannen nicht. Unser mehr als 100 Jahre altes 7" Luftspaltobjektiv von Zeiss musste bisher nur gereinigt werden.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Friedel, Werner und Detlef,

danke für die Antworten.

Meine erste Befürchtung, dass ein ölgefülltes Objektiv vielleicht undicht werden könnte, scheint unbegründet. Das leuchtet auch ein. Ein paar wenige Öltropfen „kleben“ durch ihre Adhäsionskräfte die Linsen zusammen, genau so hat CFF das auch bestätigt.

Dass eine Ölfüllung u.U. mal gewechselt werden muss, erscheint plausibel. Insbesondere, wenn das Teleskop in einer Sternwarte bei ständigen Temperaturschwankungen montiert ist, was bei mir nicht der Fall ist. 20 oder mehr Jahre sind ja schon mal eine Hausnummer, CFF spricht sogar von 50 Jahren, wobei ich das für unrealistisch halte.
Das man normalerweise einen Ölwechsel nicht bezahlen muss, ist ja die eine Sache. Aber was tun, wenn es, auch welchem Grunde auch immer, den Hersteller nicht mehr gibt? Findet man dann wohl immer noch jemanden, der sich mit ölgefüllten Objektiven auskennt und der diese Revision dann kompetent durchführen kann? Das ist so meine Sorge, die ich habe… Aber ist das ein Grund, einen CFF Refraktor nicht zu kaufen? Die Optiken scheinen ja sehr gut zu sein. Außerdem kommt mir das etwas langsamere Öffnungsverhältnis von f/7 entgegen. Was also tun? Wegen der Ölfüllung auf ein anderes Gerät ausweichen???

Clear skies,

Carsten
 
Hallo Carsten,

ich kenne die CFF-Apos nicht, kann mir deswegen kein Urteil erlauben.

Aus den mir vorliegenden Informationen ist es ganz offensichtlich nicht ganz leicht, ein ölgefügtes Objektiv über lange Zeiträume und Beanspruchungen so zu bauen, dass die optische Qualität erhalten bleibt. Die Fassungen müssen bestimmte Eigenschaften mitbringen, das schlägt sich dann im Preis nieder und verlangt auch sehr gutes Knowhow. Aber wenn beispielsweise erst nach ca. 50 Jahren die ersten Probleme auftauchen sollten, hat sich das Produkt sicher hervorragend bewährt.

Viele Grüße
Werner

 
Ich finde es beunruhigend, dass ölgefügte Objektive von solchen Effekten beeinträchtigt werden. Immerhin handelt es sich teilweise um sehr teure Objektive.

Tom
 
Ja, da wäre bei mir auch ein ungutes Gefühl, zu wissen, dass Öl austropfen kann oder durch das Lagern bzw. Umweltbedingungen seine Qualitäten ändert. Oder dass man nach Jahren einen Fachmann finden muss, der das Öl austauschen kann. Ist am Ende aber wohl Geschmackssache.
 
Hallo,

vermutlich darf man alte Optiken, die einen Ölwechsel notwendig machten, nicht mit den neueren, ölgefügten Apos vergleichen. Es wäre schon seltsam, wenn man in der Zwischenzeit keine alterungsbeständige Öle entwickelt hätte. Außer den beiden betroffenen Starfire-Objektiven ist mir auch kein Fall von einem Problem bekannt, das zum Beispiel an einem Objektiv von TEC aufgetreten wäre. Ich bin mir sicher, dass das sofort in den Foren dikutiert worden wäre. Gerade die Besitzer von solch hochwertigen und somit teuren Optiken sind da recht kritisch. Ich könnte mir vorstellen, dass bei der Fertigung der Starfire etwas falsch gelaufen ist und die Ausfälle auf eine begrenzte Zahl von Teleskopen beschränkt sind. Wurde das falsche Öl verwendet??? Wenn die Ölfügung ein grundsätzliches Problem hätte, müßten die Ausfälle jetzt und in naher Zukunft gehäuft auftreten. Wir werden es sehen. Ich habe einen Draht zu Zeiss und werde versuchen, von dort etwas darüber zu erfahren.

Grüße

Kurt
 
Man darf aber auch nicht vergessen, dass es ein schleichender Prozess ist, der einem Beobachter zunächst gar nicht auffallen dürfte. Erst bei viel später erfolgenden Messungen oder Vergleichsüberprüfungen wird man eine Differenz wahrnehmen können.
 
Hallo zusammen

Ich weis von Fällen, da musste auch schon das ein oder andere Zeiss APQ neu gefügt werden.

Ein fluides Medium hat nun einmal andere Eigenschaften wie ein festes(Distanzplättchen bzw. Ringe)

Über die Vor- und Nachteile der Öl- bzw. Luftspalt Objektive könnte man sich nun länger unterhalten.

Das Beide Arten gleich gut bzw. gleich schlecht hergestellt werden können, dazu gibt es genug Beispiele im Netz.

Doch durch das fluide Medium Öl bzw. Silikon würde ich dem Luftspalt Objektiv bei Sachgerechter Handhabung eine längere Standzeit zugestehen.

Da es genug Hersteller von Öl-APOs gibt und mindestens genau so viele Hobbytester und anderweitig berufene sehe ich jedoch kein Problem, seinen ÖL-APO nach 20-30 Jahren mal generalüberholen zu lassen.

Ein bedeutsamer Kenner dieser Optiken findest du übrigens unter: http://www.wolfgangbusch.eu/index.html

Gruß Uwe
 
Hallo Carsten,
seit letztem Sommer habe ich ein CFF 6,3/f8 mit einem Strehl von 98,3. Ich kann Dir nur sagen, dass erstens der Service und der Kontakt zu Catalin Fus mehr als perfekt war, über die Bauzeit des Teleskopes. Ich konnte meine Wünsche wie Back - Focus oder Starlight - Auszug etc. diskutieren und auch umsetzen lassen! Die Verarbeitungsqualität des Refraktors ist über jeglichen Zweifel erhaben!
Ich hatte leider bis jetzt nur durchschnittliche Beoachtungsnächte, wenn ich den einmal Zeit hatte, aber am Planeten war es sensationell was Kontrast und Schärfe angeht, wohlgemerkt bei wirklich schlechten Seeing. Jupitermonde waren klare Scheiben und der am Sonntag stattfindende Transit einfach nur genial. Die Plejaden z.B. ein extremer optischer Genuss, also alles in allem eine mehr als dicke Empfehlung was das Preis-/Leistungsverhältnis angeht! Zur Ölüroblematik kann ich logische Weise nichts sagen, denke aber auch, dies ist zu vernachlässigen! Ich wünsche Dir viel Glück bei Deiner Entscheidung pro CFF!
CS und Gruß Oliver
 
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