Re: Alu-Guss selbstgemacht???-Besser Finger weg!!!
Hi Haasi,
meine Absicht ist
als Fachmann eindringlich vor möglichen Gefahren warnen,
die so ein Vorhaben mit sich bringen kann,
vor allem wenn der Akteur lediglich mit Pseudo -oder Trivialwissen ausgestattet ist.
Zudem wird das Ergebnis ernüchternd sein, weil z.B. Hartholz eine bessere Festigkeit
als das unbrauchbare Gußstück eines Heimwerkers haben wird.
Wo die Schwierigkeiten liegen möchte ich mal ganz oberflächig beschreiben:
Druckguss, Sand und Kokillenguss sind verschiedene Verfahren der Großindustie
für die Massenproduktion von Gußstücken.
Diese sollten jedoch nicht miteinander verwechselt werden.
Hier geht es um das Thema Sandguß,
wobei es egal ist ob man eine Sand-oder Gipsform(wie von H. Drube beschrieben) verwendet.
Beim Sandguß wird ein Modell in eine Sandform abgebildet.
Man formt dieses Modell in einem Ober-und Unterkasten ab.
Hat das Modell Hinterschneidungen, d.h. es ist nicht aus einer 2-teiligen Form entnehmbar,
muß eine mehrteilige Form
mit Kernstückchen, welche dann mit sogenatten Formstiften fixiert werden hergestellt werden.
Zudem muß beim Modell eine Formschräge von min 3° vorhanden sein,
sonst wird die Form beim Ausheben des Werkstücks beschädigt.
Nach dem Abformen muß der Anschnitt, Gießlauf und Eingußtümpel mit einer Lanzette
(Kaffeelöffel geht auch) angebracht werden.
Einen Speiser setzt man auf die Stelle des späteren Gußstücks,
wo sich die größte Materialansammlung befindet.
Speißer und Einguß sind nicht dasselbe!!!
Einen Speißer benötigt man ,
um das Volumendefizit während des Erstarrens auszugleichen.
Der Guß erstarrt schalenförmig, ähnlich der Schalen einer Zwiebel.
Im Zentrum des Gußstücks , welches zuletzt erstarrt,
bildet sich ohne Speisung ein Volumendefizit, genannt Lunker.
Die Höhe des Speisers muß so gewählt werden ,
daß der hydrostatische Druck der Speiserhöhe das Defizit im Innersten des Gußstücks versorgen kann.
Dieses Funktioniert nur richtig wenn man das Flüssigmetall veredelt.
Unter Veredeln versteht man die Streckung des Erstarrungspunkt zu einer Zone von etwa 10°K,
damit überhaupt gespeist werden kann.
Man verwendet dazu Natrium oder Strontium in ppm Toleranzen .(= Gramm pro Tonne)
Unter- oder überveredeltes Metall ergibt keinen Guß mit brauchbarer Qualität.
Flüssiges Aluminium ist sehr empfindlich,
dh. Luftfeuchtigkeit verursacht ein Vergasen des Flüssigmetalls .
(der Wasserstoffanteil der Schmelze nimmt zu)
Eine sogenannte vergaste Schmelze erzeugt Feinstporositäten im Guß
(-sieht ähnlich aus wie Sektperlen)
Die Verarbeitungszeit nach dm Entgasen -per Lanze im Bad mit Stickstoff-
beträgt max .45 Minuten .
Zudem entsteht in kürzester Zeit auf der Oberfläche des Schmelzbades eine Oxidhaut,
die einen höheren Schmelzpunkt als die Aluminiumlegierung hat.
Vergasen und Oxidbildung an der Badoberfläche wird durch Behandeln der Schmelze mit Abdecksalzen verringert.
Diese müssen allerdings unmittelbar vor dem Gießen abgekrätzt werden.
Während des Gießvorgangs selbst läuft das Metall innerhalb eines Oxidschlauchs in die Form.
Um deshalb keine fehlerhaften Gußstücke zu erhalten gießt man durch ein Stahlsieb oder einen Keramikfilter ein.
Um eine optimale Füllung der Form zu erhalten müssen die Querschnitte von Gießlauf,
Filter, und Anschnitt aufeinander abgestimmt werden.
Deshalb kann guter Aluminiumguß nicht von Heimwerkern hergestellt werden.
Auch eine Vorbeheitze Form hilft nicht gegen Lunker!
Sie vermeidet wie richtig erkannt , gefährliche Feuchtigkeit in der Gießform
und senkt ungewollten Temperatursturz während des Gießvorgangs.
Ich warne nochmals vor Unfallgefahren bei Selbstversuchen
durch unsachgemässe Handhabung und fehlendes Fachwissen!
PS: Ich selbst verwende aus Gewichtsgründen fast immer Holz für meine Selbstbaugeräte!
Zudem wird Privatarbeit in vielen Betrieben nicht gerne gesehen!
Mit freundlichem Gruß,
Gerd (Gießereimeister)
www.bksterngucker.de