An die Mondfotografen hier

bortle4

Aktives Mitglied
Hey Leute,

war lange nicht mehr aktiv hier, aber habe jetzt ein paar Fragen - da der Mond die letzte Woche so schön war und ich irgendwie Abwechslung von Deep Sky brauche, wollte ich mal wissen, wie euer Workflow bei den krassen Monddetailfotos ist. Das ist halt was ganz anderes als Deep Sky, daher verzeiht mir die evtl. doofen Fragen :)

Ich bin mit 8" f5 Netwon und 2fach + 5fach Barlow unterwegs, und DSLR bzw DSLM, die 4k/8k Video aufnehmen kann.

Hatte letztens ein 4k Video mit (schlagt mich nicht, aber optisch sahs noch ganz gut aus) beiden Barlows hintereinander gefilmt. Belichtungszeit pro Frame waren 1/200s = 5ms.

Habe in AutoStakkert 15% von 1400 Frames gestacked. Bei der Sortierung sind ja vorne immer die besten Frames - mein Stack war aber viel viel unschärfer. Als die Einzelframes und es war auch nicht wirlich viel mehr rauszuholen.

Dass ich mit den beiden Barlows ineinander weit über dem Auflösungsvermögen des Teleskopes bin, darüber brauchen wir nicht sprechen - das ist mir klar - genau so, dass es dann nicht scharf sein kann.

Aber, dass das Einzelframe schärfer ist als der Stack - darüber möchte ich reden :)

Ist am Workflow was falsch, doch eher Fotos machen statt Video, sind es ggf. Einstellungen in AutoStakkert?

danke schon einmal,
Arne
 
Hallo Arne,

das gestackte Bild sieht nur unscharf aus ;) Darin steckt aber viel Potential. Hier mal ein Vergleich :

MondVergleich.jpg

Aufgenommen mit einem 8" f5 Newton, 2x Barlow und ASI178mm. 90s Video mit 15% Verwendungsrate in Autostakkert.
Links ein Ausschnitt aus dem Rohstack, rechts die geschärfte Version.
Dem Autostakkert liegt ein Filter Namens 'sharpened_filter.acf' bei, den man in Photoshop & Co. importieren kann.
Damit wurde das Bild geschärft.

Viele Grüße
Michael
 
Hey Michael,

ich hatte das schon fast befürchtet, dass der Stack automatisch etwas unschärfer wird als das Einzelframe - hatte sich mir aber nur so halb logisch erklärt :D Danke für den Tipp mit mit dem Filter, probiere ich mal aus - basiert der auf Deconvolution?

vg
Arne
 
Gute Frage. Das kann ich so gar nicht sagen was genau da passiert _affeaugen: funktioniert aber sehr gut.

Das Ziel des Stackens ist ja, den Signal-Rausch Abstand zu erhöhen. Das erst versetzt Dich ja in die Lage Station zu schärfen ohne dass es rauscht. Von daher kann das Bild zwar auf den ersten Blick unscharf sein, das S/N Verhältnisse aber ist so gut, dass Du stark schärfen kannst.

Das Aufnahmen bei F50 nicht unbedingt sinnvoll sind, hat Du ja schon gemerkt ;)

Viele Grüße
Michael
 
F50 - ja klar, da kommt schon lange nicht mehr Detail raus auf Pixelbasis, da müssen die Schärfungsradien halt auch dementsprechend auf größerer Scale sein.

Allerdings sind das an meiner Kamera auch keine 1:1 Daten bei Video, die 6000x4000 Pixel werden auf 4k runtergerechnet, daher wird das dann zumindest wieder ein bisschen reduziert :D

Werd mich erst mal auf 2x oder 5x Barlow alleine beschränken beim nächsten mal. Wenn da ein gutes Ergebnis rauskommt, kann man immer noch gucken, ob man die Methoden auf einen größeren Abbildungsmaßstab anwenden kann.
 
@DominikW
alles klar, danke - stimmt da war was mit den Wavelets, hatte ich ganz verdrängt.

@komposer
da das DSLM/DSLRs sind, wird da zusammengerechnet und bei einer sogar Line Skipping gemacht, daher bin ich auch lieber im krassen Oversampling.
Ich hab genug Rechenpower, dass ich die Bilder "zu groß" (für die Teleskop-Auflösung) verarbeite und später evtl. verkleinern kann, wenn ich noch einen Schärfegewinn möchte. Ich weiss halt nur nicht, ob die Programme damit klarkommen oder ob die eher darauf ausgelegt sind, dass man sich eher im engen Bereich um ein optimales Sampling bewegt.
 
Hallo Arne,

Unterstützt deine Kamera Videos im RAW Format, also unkomprimiert?
Wenn nicht musst Du durch ein komprimiertes Videoformat mit Auflösungsverlusten rechnen.
Ich hatte mal mit meiner 60D einen Vergleich gemacht mit identischer Verarbeitung.
Das Ergebnis zeigt sehr deutlich den Unterschied.

VG Cl.-D.
 
Hallo!

Ich denke, dass DSLR/DSLM Kameras für den Mond wie auch für Planeten nicht die erste Wahl sind. Echtes RAW Video ist mir bei keiner dieser Kameras untergekommen. Es gibt zwar bei einigen die Möglichkeit die Sensordaten unkomprimiert über HDMI auszugeben, aber da hat man dann wieder das Problem diese auf die Platte zu bekommen. Alles in allem bin ich der Meinung, dass, wenn es über gelegentliche Schnappschüsse hinaus gehen soll, eine 'richtige' Astrokamera der bessere Weg ist. Für den Mond würde sich z.B. der IMX678 Sensor anbieten wie er in z.B. der Touptek G3M678M bzw. der G3M678C verbaut ist. Der Sensor ist, im Vergleich zu vielen Planetenkameras, noch recht groß, die Pixel sind klein, so dass man keine 5x Barlow braucht und mehr aufs Bild passt.

Viele Grüße
Michael
 
Hallo,

Ein paar Bilder vom Mond und der Sonne, die mit einer Panasonic LUMIC G70 entstanden sind.


Der Mond:

Aufgenommen am 254/3048mm Cassegrain:


2023-05-27-Mond.webp



2024-03-19-Mond-3.webp



2024-09-21-Mond-1.jpg


Die Sonne:

Aufgenommen mit einem 152/1200mm ED-Refraktor.


2024-06-22-AR-3712-3713-3716.jpg



2024-08-06-AR-3780-81.jpg


Die Venus:

Aufgenommen am 152/1200mm ED-Refraktor.


2023-08-11-Venus.webp


Alle Bilder wurden mit der Serienbildfunktion der Kamera aufgenommen. Dazu nahm ich ungefähr an die 1.500 Bilder im jpg Format auf. Nachbearbeitung mit RegiStax6 und Gimp.

Viele Grüße
Gerd
 
Meine Canon EOS 60D unterstützt einen echten Cropmodus mit 640x480 Pixel.
Mit der Firmware Erweiterung "Magic Lantern" konnte ich ein Video im RAW Format aufnehmen.
Als Objektiv hatte ich das Tamron 70-300mm verwendet.
Man kann natürlich auch die Serienbildfunktion nutzen, würde aber da das RAW Format bevorzugen.

VG Cl.-D.
 
@Joschi @Gerd K
Danke für eure Beispielbilder! Ich finde, das zeigt genau das, was ich auch immer sage: es kommt oftmals mehr auf die Bearbeitungsskills an als auf die Technik. Klar muss die "Grundtechnik" stimmen - gute Optik, richtige Belichtungszeiten etc. Aber ich habe gerade auch bei Deep Sky schon so viele gesehen, die mit den besten Geräten unterwegs waren, aber schlechte Bilder (fehlende Bearbeitungsskills) gezeigt haben und andersrum mit DSLR so viele tolle Bilder gesehen, wo viele nicht denken würden, dass sie nicht mit einer gekühlten Astrokamera gemacht sind.

Ich kann Planeten und Mondbilder (im Gegensatz zu Deep Sky Bildern) noch nicht so richtig analysieren und Details sehen, was ggf. wo schiefgegangen ist - daher ist meine Aussage jetzt evtl. darauf zurückzuführen, ABER ich finde die Bilder von Gerd zeigen jetzt keine gravierenden Schwächen in Sachen Schärfe oder oder. Ich finde sogar eher, dass sehr sehr viele Detailaufnahmen vom Mond, die man so sieht, eher überschärft sind.

Wenn wir von Technik sprechen, denke ich, dass es für den Mond sogar gar nicht so einen gewaltigen Unterschied macht, ob wir RAW Video zur Verfügung haben oder nur ein gutes(!!) normales Videoformat mit hoher Bitrate. Das kann bei Planeten schon wieder anders aussehen, beim Mond denke ich aber, haben wir es mit einem so hellen Etwas zutun und einer so begrenzten Dynamik, dass wir eh nicht die gesamte Bittiefe vom RAW ausnutzen im Gegensatz zu Deep Sky oder ggf. auch Planeten.

Vielleicht auch noch mal in meinem Beispiel zu den Auflösungsverlusten, die Joschi gezeigt hat - ich bin ja so extrem im Oversampling, dass ich selbst auf 16x16 Pixelbasis, die den H.264 Codecs zugrunde liegt, nicht viel verlieren würde, da dort eh keine Details mehr zu erkennen sind. Wenn ich im idealen Sampling bin, dann kann das durch die Kompression sicher sein, dass dort etwas verloren geht bzw. unschärfer ist - das macht ja auch Sinn.
Aber auch da... das kann man ja wieder etwas hervorholen in der Bearbeitung - wie Wynnie oben ja auch gezeigt hat, dass der Stack eh erst mal unschärfer ist und man ihn bearbeiten muss (sieht man ja ganz krass an Planetenfotos).

Ich denke einfach, dass sehr viel mit weniger exquisiter Technik geht, wenn mehr Leute sich intensiver damit auseinandersetzen würden, statt einfach neues Gear zu kaufen, weil es da "auf jeden Fall" besser ist. Es ist halt ein handlicheres Werkzeug, ja. Aber man kommt auch mit dem etwas unhandlicheren zum Ergebnis. Ist halt nur nicht so bequem, aber muss in der Qualität nicht schlechter sein.

Und - ums mal kätzerisch zu sagen - da wir hier ja alle nicht wisschenschaftlich an die Bilder rangehen und aus den RAW-Daten noch sonstwas rauslesen, sondern nur schöne, qualitativ hochwertige, realistische Bilder haben wollen, müssen wir ja diese RAW-Geschichte nicht aus Prinzip durchziehen, wenn wir zum gleichen Ergebnis auch anders kommen können oder? :) Das ist für mich oft son bisschen das Ding zwischen optimal/idealistisch und praktisch/realistisch.

Wie ihr merkt, bin ich kein Fan von Gear-Schlachten und immer wenns ein Problem gibt, mit neuem Gear zu kommen. Mag da der Fels in der Brandung sein, weil die meisten Astrobegeisterten einfach Technik- & Gear-Dudes sind. Ich sage: beherrsche dein Gear, nutze die Möglichkeiten bis es nicht weiter geht, DANN kannst du dir was besseres kaufen ^^

Ok, kurzer langer Ausflug - darum gings ja eigentlich gar nicht :D


SER Video oder RAW Einzelframe sollte abgesehen von der Pixelauflösung der Datei dann ja keinen Unterschied machen oder? In beiden Fällen werden ja RAW-Daten gespeichert.

PS: ich hoffe, das ist so rübergekommen wie es sollte - also kein Angriff auf jemanden, sondern nur meine persönliche Sicht der Dinge mit Begründung dahinter, warum ich das so sehe. Jeder kann das natürlich so machen, wie er glücklich ist.
 
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