Hi Avanar,
Allerdings muss ich mittlerweile zugeben, dass das alles komplizierter ist als ich dachte... Weshalb ich nun ein wenig Hilfe gebrauchen könnte.
Du bist in Griesheim zu Hause. Das ist schon mal besser als die Darmstadter oder Frankfurter Innenstadt.
Hab hinter dem Haus im Garten schon mal Lang belichtungsaufnahmen ohne Teleskop vom Himmel gemacht.
was verstehst Du unter "Langbelichtet"? 10 Sekunden? 30 Sekunden?
Wenn Du nicht gerade Sonne, Mond und Planeten (mit Webcam) fotografieren möchtest, dann reden wir hier bei Astrofotografie von 3, 5 oder 10 Minuten Belichtungszeit für 1 Bild. Und viele davon. 20, 30, 40 Einzelbelichtungen vom selben Motiv. Die werden dann im Computer gestackt (übereinander gelegt). Dadurch geht das Rauschen weg und der Dynamikumfang steigt. Und dann kann man anfangen die Bilder zu bearbeiten.
Da Du einen eigenen Garten hast, wäre eventuell auch eine feste Aufstellung im Garten eine Option. Mit Schmalbandfiltern und einer gekühlten s/w Kamera kann man auch aus der Stadt raus ne Menge fotografieren.
Bei der Entscheidung: "ich werd jetzt Astrofotograf" mußt erstmal definieren, welche Objekte Du "da oben" fotografieren möchtest. Da gibt es nämlich unterschiedliche Kategorien.
a) Sonne, Mond und Planeten:
das geht selbst aus der Innenstadt, am besten mit Brennweiten um 3-4 Meter oder mehr, damit man feine Details erkennen kann. Als Kamera nimmt man da keine DSLR, sondern entweder ne astrotaugliche Webcam, oder eine bessere s/w Kamera mit kleinem Chip und hoher Ausleserate.
Sonne und Mond sind etwa gleichgroß, die Planeten sind 1/30 bis 1/100 mal kleiner als Sonne/Mond. Die Belichtungszeiten liegen hier für ein einzelnes Bild bei 1/25 bis 1/300 Sekunde.
b) helle, großflächige Objekte wie Orionnebel, Andromedagalaxie, Kalifornianebel, Cirrusnebel, Nordamerikanebel:
die sind 10 - 30 mal so groß wie der Vollmond. Da mußt mit Teleobjektiven (200 - 500 mm Brennweite) ran, sonst passen die nicht auf den Chip der DSLR. Die Belichtungszeiten liegen da zwischen 30 Sekunden und 10 Minuten, je nach Motiv. Dummerweise haben die DSLR´s vor dem eigentlichen Chip einen Filter, der IR-Licht wegschneidet. Das macht bei Tageslichtaufnahmen sehr viel Sinn, den der verbaute Chip sieht das IR-Licht. Aber die Nebel am Himmel strahlen hauptsächlich in H-Alpha Licht. Und das wird vom IR-Filter schon zum größten Teil weggeschnitten. Es fehlt also der Hauptanteil des Roten Leuchtens.
Abhilfe bringt da der Umbau der DSLR. Von Fachfirmen wird der Filter ausgebaut. Jetzt kommt das H-Alpha Licht prima auf den Chip. Damit kannst dann tolle Bilder machen. :super:
Aber für Tageslicht ist die Kamera jetzt nicht mehr so dolle. Tagsüber haben ihre Bilder einen Rotstich. Auch mit entsprechendem Weißabgleich sind sie nicht wirklich farbneutral.
Bei den hierfür langen Belichtungszeiten stört der aufgehellte Stadthimmel gewaltig. Da solltest raus ins dunkle Umland.
c) Kugelsternhaufen, Galaxien und kleinere Nebel, Planetarische Nebel:
die sind 1/2 bis 1/10 so groß wie der Vollmond. Und sie sind zappenduster. Mann muß lange Belichten, bis sie auf den Chip zu sehen sind. Mehere Minuten. Für die kannst auch die DSLR (umgebaut oder auch nicht) nehmen. Aber die Brennweite sollte etwa zwischen 500 und 1000 mm liegen.
Bei den hierfür langen Belichtungszeiten stört der aufgehellte Stadthimmel gewaltig. Da solltest ebenfalls raus ins dunkle Umland.
Du brauchst also je nach Objektklasse unterschiedliche Fernrohre/Teleobjektive und hast auch unterschiedliche Belichtungszeiten. Für b) und c) brauchst Autoguiding.
Hintergrundinfos zum Autoguiding:
Jede parallaktische Montierung hat innen drinn einen großen Zahnkranz auf der Stundenachse (das ist die, die zum Himmelspol in der Nähe vom Polarsten zeigen tut). Und eine Schnecke, die in die Zähne vom Zahnkranz greift und so die Achse bewegt. Damit die Rotation der Erde ausgeglichen wird, treibt ein Motor die Schnecke elektrisch an. Auch die Deklinationsachse (rauf, runter) hat so nen Zahnkranz und eine Schnecke zum Bewegen.
Das ist mechanisch Feinarbeit. Da hast immer Spiel. Im Motorgetriebe, an der Motorachse, an der Schneckenlagerung, am Zahnkranz. Daraus ergibt sich bei Langzeitbelichtungen eine eirige Sternspur. Immer. Das Spiel zwischen Schnecke und Zahnkranz kann man kleiner justieren. Die Lagerung der Schnecke kann man auch justieren. Aber auch dann eiert es noch. Halt weniger.
Um diese eirige Sternspur zu nem runden Stern hinzubekommen, brauchst "Autoguiding". Da guckt sich ne 2. Kamera einen Stern durch ein kleines Leitrohr (z.B. einen 8x50 Sucher) an und schickt mit Hilfe von nem Guidingprogramm Korrekturimpulse an die Steuerung, die die Stundenachse und auch die Deklinationsachse bewegt. Und zwar immer dann, wenn der Stern aus dem Fadenkreuz weglaufen will. Je nachdem, wie genau Du die Stundenachse auf den Himmelspol eingestellt hast und wie groß das Spiel in allen Achsen ist, blos alle 20 Sekunden oder aber alle 2 Sekunden einen.
Neben der Guidingkamera brauchst Du also an der Steuerung für Deine Montierung einen Autoguider-Eingang (ST-4 genannt) für die Autoguidinggeschichte. Darauf mußt achten, wenn Du eine Steuerung für die Montierung kaufst.
Bei den Montierungen wird eine Tragekraft angegeben. Die bezieht sich auf das Durchgucken, nicht auf das Fotografieren. Fürs Fotografieren mußt mindestens 30 % der Tragekraft abziehen. Bei Teleskopen, die lang sind (Dein Refraktor) sogar eher 40 %. Wegen dem Hebel des langen Rohrs.
Wie anfangen?
Ich würde an Deiner Stelle erstmal ein Planetariumsprogramm auf den Rechner ziehen und parallel mit dem Seben im Garten spechteln (den Himmel kennenlernen) und ein Gefühl für den Himmel und den Umgang mit der Montierung bekommen.
Es spricht absolut nix dagegen, im eigenen Garten den großen Refraktor auf ne EQ6 aufzubauen und tagsüber Sonnenflecken (mit Baaderfolie vor der Teleskopöffnung) sowie den abends Mond (komplett oder einzelne Krater) sowie die Planeten zu beobachten. Dann merkst recht schnell ob er ein schönes Bild liefert oder "ne Gurke" ist. Und mal ein paar Euro für ne Webcam auszugeben. Dann kannst in die Astrofilmerei einsteigen. Dafür brauchst kein Autoguiding.
http://www.teleskop-express.de/shop...Kamera---Mond---Planeten---1-25--Adapter.html
Zusätzlich noch den UV-IR Sperrfilter und die Barlow für 64 Euro aus dem empfohlenen Zubehör, feddisch. Damit kriegst solche Fotos wie oben hin. Du brauchst dann nur noch den Film mit den Sonnenflecken, Mondkratern oder Planeten durch ein Freewareprogramm wie Giotto, Registax oder Autostackert zu jagen und hast damit den Einstieg in die Astrofotografie. :super:
Die EQ6 trägt dann auch alle anderen Optiken, mit denen Du später mal geguidete Deepsky Fotografie machen könntest...