Anfänger & Fragen zur Brennweite

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SebastianZ

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Einen schönen guten Abend allerseits,

nach den ersten Erfahrungen mit meinem kleinen Dobson (Firstscope von Celestron) möchte ich mir im Frühling ein größeres Teleskop zulegen. Es soll ein 6"Newton auf einer parallaktischen (deutschen) Montierung auf einem Stahlstativ werden. Vorwiegend will ich optisch beobachten. Da ich aber auch eine recht gute Kompaktkamera zur Verfügung habe, wollte ich später die Stundenachse nachträglich motorisieren und erste Versuche mit Afokaler Fotografie wagen.

Nun frage ich mich, welche Brennweite unter den o.g. Randbedienungen die beste wäre? 750mm? 900mm? Oder sogar 1200mm?
Von der afokalen Fotografie verspreche ich mir nicht allzu viel. Ich frage mich nur, ob es nicht trotzdem Brennweiten gibt, die in meinem Fall besser oder schlechter dazu geeignet sind (Stichwort: Belichtungszeit)?

Ich habe mal gehört, dass bei schnelleren Öffnungsverhältnissen (z.B. f/5) höhere Anforderungen an das Okular gestellt werden, als z.B. bei f/8 (ganz unabhängig von der Astrofotografie). Stimmt das?

Abschließend noch einige, allgemeine Fragen:
-Ist eine EQ5 Montierung von Skywatcher mit einer EXOS-2 von Bresser vergleichbar?

-Kann eine EXOS-2 ein 150/1200 Newton noch vernünftig tragen?

-Wo ist der Unterschied zwischen einem Crayford-Auszug und einem Auszug mit Zahnstange?

Vielen Dank, wenn jemand meine Fragen beantworten könnte :help:

Gruß Sebastian
 
Hallo Sebastian.

Zitat von SebastianZ:
Ich habe mal gehört, dass bei schnelleren Öffnungsverhältnissen (z.B. f/5) höhere Anforderungen an das Okular gestellt werden, als z.B. bei f/8 (ganz unabhängig von der Astrofotografie). Stimmt das?
Ja. Zu beachten ist, daß der 150-mm-Newton bei 1200 mm Brennweite nur als Dobson mit einem 2"-Auszug geliefert wird, nicht aber als OTA zur Montage auf eine parallaktische Montierung. Das ist insofern ärgerlich, als daß man mit dem längstbrennweitigen Okular für 1,25", was man noch leicht bekommt, auf nur 5 mm Austrittspupille kommt, und das wahre Gesichtsfeld wegen der kleinen Feldblende bei großer Teleskopbrennweite auch klein ist. Im Deep-Sky-Bereich wirkt beides mitunter als Problem. Findet man ein Objekt und paßt es ins Okular, bekommt man aber eine gute Abbildung. Gründe: kaum zu vermasselnder Hauptspiegel, präzise zu justieren, dejustagetolerant, wenig Obstruktion, einfache Okulare mit viel Kontrast einsetzbar.

-Wo ist der Unterschied zwischen einem Crayford-Auszug und einem Auszug mit Zahnstange?
Ein Crayford arbeitet mit Reibung. Es kann sehr gleichmäßig laufen und ist auch mit Untersetzung erhältlich. Dafür kann der Zahnstangenauszug nicht so leicht durchrutschen, sofern sein Antrieb schwergängig genug ist.

Grüße

fquadrat
 
Hallo Sebastian,

Ich filme mir einer Nikon Coolpix S9100 in FullHD durchs Okular meines GSO 8'' F6 Dobson.

Da die Okulare bei afokaler Technik besser eine größere Augenlinse haben sollten ist es meiner Meinung nach schon von Vorteil ein Teleskop mit mehr Brennweite zu wählen. Ich bin mit den 1200mm sehr zufrieden und verwende da Okulare mit 25mm, 15mm und 8mm Brennweite.

Was für eine Kamera kommt bei Dir denn zum Einsatz ?

Übrigens, wenn man sich da reinarbeitet ist mit der Technik eine Menge möglich:
Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/gallery/58/full/33385.jpg
Hier noch mein letztes Mondmosaik.

Gruß,
Holger
 
Zitat von fquadrat:
Ja. Zu beachten ist, daß der 150-mm-Newton bei 1200 mm Brennweite nur als Dobson mit einem 2"-Auszug geliefert wird, nicht aber als OTA zur Montage auf eine parallaktische Montierung.

Hallo fquadrat,

ich dachte an das Teleskop hier:
http://www.astroshop.de/bresser-teleskop-n-150-1200-messier-exos-2/p,21520#tab_bar_0_select
Das wäre auch ein 2" OAZ
Ich frage mich nur, ob die Montierung und das Stativ noch für den "Klopper" geeignet sind.


Zitat von komposer:
Was für eine Kamera kommt bei Dir denn zum Einsatz ?

Hallo Holger,

wow, dass sind schöne Bilder. Jetzt muss ich aber mal doof fragen: Ich bin immer davon ausgegangen, dass man solche Bilder nur mit motorisierter Nachführung hinbekommt??

Ich würde eine Panasonic Lumix DMC-FZ100 einsetzen.

Danke an Euch zwei.

Gruß Sebastian
 
Hallo Sebastian,

eine Motorisierung ist natürlich immer am Besten, aber nicht unbedingt notwendig.
Je heller das Objekt, und Planeten sind hell, desto kürzer die Belichtungszeit, desto weniger Anforderung an die Nachführung.

Planeten filmt man am Besten und sucht sich anschließend die besten Einzelbilder heraus und stagged diese. Da dürfen auch viele Bilder verwackelt sein, einige gute sind normalerweise immer dabei. Je mehr gute Bilder, desto besser das Resultat.

Wenn jedoch für Deepsky Objekte die Brennweite hoch und die Belichtungszeit lang wird, wird es sehr schwer. Aber es gibt dennoch einige die mittels eines Leitrohrs und Justierokulars ihr Teleskop händisch nachführen.

Das ist zwar mühselig, aber zum Einstieg durchaus machbar. Statt Leitrohr geht natürlich auch ein Off-Axis-Adapter für den Einblick durchs Teleskop.

Gruß

Martin
 
Hallo Martin,

aha, danke für die Info.
Kann man also sagen, je kürzer die Brennweite, desto kürzer darf die Belichtungszeit sein aber gleichzeitig braucht man höherwertigere Okulare?

Kann man sagen, wie sich typischerweiße die Belichtungszeiten für Deep Sky Objekte zwischen einen f/5 und einen f/8 verhalten? Mich würde mal interessieren, ob wir hier von 6´ auf 8´ oder von 6´ zu 12´ Belichtungszeit (zum Beispiel) reden oder ob der Unterschied noch größer ist :-)

Gruß Sebastian
 
Hallo Sebastian,

Deepsky ist bei mir nicht möglich, aber das stört mich nicht. Helle Planeten, Mond die ISS da gibt es schon einige interessante Objekte. Für meinen Dobson habe ich mir eine EQ-Plattform mit manuellem Nachführhebel gebaut. Damit kann ich bis zu 2 Min. aufnehmen und den Planeten im Display halten. Das reicht bei 30fps auch aus um genügend Bilder zum Stacken zu sammeln. Aber auch ohne Plattform habe ich schon Aufnhamen machen können und immer wieder nachgeschubst.

Gruß,
Holger
 
Hallo Sebastian,

wenn man ein weit entferntes Objekt nimmt, so braucht es eine hohe Brennweite, da es ja sehr klein ist und man dieses stark vergrößern muss.
Je kleiner jedoch der Himmelsausschnitt ist, desto schneller ist er durch das Okular "gewandert", da sich der Himmel ja um den Himmelsnordpol (nahe Polarstern) dreht.
Je weiter das Objekt vom Drehpunkt entfernt ist, desto schneller wandert es im Okular durch, desto mehr muss man nachführen. Dabei hilft eine gute Einnordung ungemein.

Zur Belichtungszeit ist zu sagen, die hängt von der Helligkeit des Objektes ab. Es gibt sehr helle Objekte die sehr weit weg sind und deswegen lange nachgeführt werden müssen, es gibt aber auch weniger helle Objekte die sehr nah sind und dadurch sehr hell erscheinen.

Ein paar Beispiele:
Die Planeten erscheinen sehr hell, da sie nahe sind. Sie leuchten aber nicht selbst und reflektieren nur das Licht der Sonne.

Der hellste Stern am Himmel (nach der Sonne) ist Sirius, dieser ist uns nahe aber ein Zwerg gegen Betelgeuze.

Einfache Objekte sind z.B.: Orionnebel oder Andromedagalaxie.


Die konkret notwendige Belichtungszeit hängt von Deinem Himmel und der Helligkeit des Wunschobjektes ab.
Der Optikdurchmesser gibt primär die maximale Auflösung an und als "Nebeneffekt" geht er in die Belichtungdsdauer ein.


Gruß

Martin
 
Hallo Sebastian,

noch ein Wort zu den Okularen.
Bei schnellen Systemen z.B.: f/4,5 sind die Anforderungen an die Bauweise und Qualität sehr hoch, da das Licht stark von der Seite einfällt. Hier hat man große Aufwände, wenn die Sterne noch nahe am Rand des Okulars rund und farbrein dargestellt werden sollen.

Je höher die Blende z.B.: f/10 desto paralleler ist der Strahlengang durchs Okular und auch günstige bauweisen sind optisch noch sehr gut.

Welches Okular für einem das Richtige ist, muss man individuell fest machen. Für den Einen ist eine leichte Farbverfälschung und Koma am Rand kein Thema für einen Anderen ein riesen Problem.

Am Besten, selbst durchschauen und sein Optimum zwischen Preis und Leistung finden.

Zu beachten gilt, dass man die Okulare auch bei einem späteren Teleskopkauf weiter verwenden kann. Ich meine damit nicht zu arg sparen, lieber etwas länger sparen und sich bessere Okulare kaufen.

Gruß

Martin
 
Danke für die ausführliche Information :)
Also hat das Öffnungsverhältniss keine Auswirkungen auf die Belichtungszeit?

Gruß Sebastian
 
Hallo Sebastian,

doch schon.
Letztendlich sammelst Du ein gewisses Lichtvolumen (Anzahl Photonen). Es spielen dabei mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle:

Brennweite:
Entweder Du sammelst aus einem kleinen Himmelsausschnitt (hohe Brennweite) wenig Photonen über eine lange Zeit oder Du holst Dir mit kleiner Brennweite (großer Himmelsauschnitt) viele Photonen in kurzer Zeit.

Durchmesser der Optik:
Großer Optikdurchmesser bedeutet viel Lichtsammelvermögen, hohe mögliche Auflösung daraus resultiert kürzere Belichtung.

Objektwahl:
Helles nahes Objekt bedeutet, weniger langes Belichten. Dadurch ist aus Belichtungssicht, ein kleinerer Optikdurchmesser oder eine kürzere Belichtungsdauer möglich.



Letztlich entscheidet das Objekt Deiner Begierde was Du benötigst.
- Ist es lichtschwach brauchst Du eine große Öffnung oder eine lange Belichtungszeit.
- Ist es klein und/oder fern, brauchst Du große Brennweite.
- Willst Du viele Details brauchst Du Optiköffnung.

Das Öffnungsverhältnis ergibt sich dann aus obiger Anforderung.

Du wirst für jedes Teleskop einen Himmel finden bei dem Du interessante Objekte aufnehmen kannst. Du wirst aber kein Teleskop finden in dem Du alles siehst.

Auch ist die Anforderung sehen und fotografieren eine wichtige Grundentscheidung. Entweder geht das eine gut oder das andere oder du machst einen Kompromiss bei dem beides geht aber beides etwas schlechter.
Das ist der Grund, warum viele mehrere Teleskope haben.


Die Anforderungen steigen aber mit:
- dunkleren Objekten,
- hohen Brennweiten bei der Nachführung und Tansportierbarkeit,
- langen Belichtungszeiten,
- kleineren Optiköffnungen bzgl Belichtung und Auflösung,
- großen Öffnungen bzgl. Gewicht und Auskühldauer,
- langen Teleskopen bzgl. Schwingungsverhalten,
- schweren Teleskopen bzgl. Kosten der Montierung und Transportierbarkeit,
- Teleskopen ohne Motorisierung bzgl. langem konzentriertem Nachführen,
- fotografischen Anforderungen bzgl. Ausleuchtung des Bildsensors und Nachführgenauigkeit

Gruß

Martin
 
Hallo Sebastian,

ich will es mal etwas umdrehen.
- mit jedem Teleskop siehst Du Mondkrater, die einem das Herz aufgehen lassen.
- mit jedem Teleskop siehst Du mit einer günstigen Sonnenfolie Sonnenflecken.
- mit jedem Teleskop siehst Du viele Sterne in offenen Sternhaufen wie den Plejaden.
- mit jedem Teleskop kannst du Doppelsternsysteme auflösen
- mit jedem Teleskop siehst Du Planeten
- mit jeder Kamera kannst Du Planeten durchs Okular aufnehmen
- mit so ziemlich jedem Teleskop kannst Du mit etwas Nachführung den Orionnebel und den Andromedanebel aufnehmen.

Ab dann steigen die Anforderungen kontinuierlich, je nach Objekt: an Teleskopöffnung, Brennweite, Nachführdauer, Ausleuchtung, Empfindlichkeit der Kamera.... aber auch an die Hintergrund Himmelshelligkeit, das Seeing die Temperaturen... und der Nachbearbeitung der Aufnahmen.
Sonst wäre das Hobby ja auch schnell langweilig. :-)

Gruß

Martin

 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Martin,

vielen Dank für Deine sehr ausführlichen Beiträge.
Aber mir fehlt trotzdem noch ein bisschen der Durchblick.

Heißt das alles, für mich als Anfänger mit meinen allgemeinen Anforderungen wären f/5, f/6 und f/8 gleichermaßen geeignet (von der 5mm AP bei f/8 mal abgesehen)?


Gruß Sebastian
 
Hallo Sebastian,

du möchtest ja ein Newton-Teleskop auf einer paralaktischen Montierung haben. Ein 150mm/750mm-Newton ist ein schönes, kompaktes, Teleskop, mit dem man wunderbar Astronomie betreiben kann, denn es bietet in vielen Bereichen eine gute Leistung, sowohl in der Deep-Sky-Beobachtung, als auch am Mond und den Planeten. Viele preiswerte Marken haben so ein Gerät in ihrem Sortiment. Wenn ich mich also für ein praxistaugliches Newton auf einer paralaktischen Montierung im Bereich 6-Zoll entscheiden müsste, würde ich das kompakte 150mm/750mm-Newton mal näher betrachten, unter anderem weil die verwendete Montierung damit besser klarkommen wird. Das Öffnungsverhältnis f/5 hat etwas mehr Anforderungen an die Okulare. Zum Thema Okulare an f/5 gibt es schon viele Infos auch hier auf Astronomie.de.


Gruß
Christian
 
Hallo Sebastian,

was ich Dir damit sagen wollte ist, es gibt nicht das Teleskop, sondern je nach Anforderungen unterschiedliche Lösungen. Du kannst mit jeden Teleskop ein Stück weit alles machen, aber nicht alles sehr gut.

Was Christian oben geschrieben hat stimme ich voll zu. Bei f/5 sind die Okulare kritisch, bei höheren Öffnungsverhältnissen als f/8 wird es schnell unhandlich und alles kritischer.

Hast Du keine konkreten Anforderungen an ein bestimmtes Objekt, so ist es, zwischen f/6 und f/8, so wie Du schreibst eigentlich egal was Du nimmst, Du wirst Objekte finden die Dir gefallen und Du wirst nicht überfordert sein.
Die AP spielt bei Dir als junger Mensch noch nicht so die Hauptrolle, da sind die älteren unter uns eher betroffen.

Hol Dir ein Komplettsystem mit Optik und Montierung in dem Bereich und Du kannst nicht viel falsch machen.
Falls irgend möglich schau vorher durch das Teleskop Deiner Wahl. Denn egal wie die Theorie ist, Du musst damit klar kommen um das sehen was Du Dir vorstellst.

Gruß

Martin
 
Guten Morgen :)
danke nochmal für Eure ausführlichen Antworten.
Ich glaube, ich habe im Moment noch zu wenig spezifische Anforderungen um ein bestimmtes Teleskop auszuwählen.

Leider gibts bei mir in der Nähe keinen Teleskophändler.
Ich werde mal versuchen, hier in meiner Region bei Sternwarten oder Astronomievereinen ein bisschen Praxiserfahrungen mit den vorgeschlagenen Geräten zu bekommen.

Gruß Sebastian
 
Hallo Sebastian,

gute Entscheidung, erst sicher sein was man eigentlich will, sonst kommt schnell der Frust. Schau doch mal hier im Forum unter Treffpunkt. Vielleicht findest Du einen Astrokollegen in Deiner Nähe.

Gruß

Martin
 
Hallo Martin,

da habe ich schon vor einiger Zeit einen Beitrag gestartet. Leider ist die Resonanz nicht ganz so groß...

Gruß Sebastian
 
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