Hallo Sten,
die Sache mit dem "darum ein 12 Zoll" ist für mich ein Indiz, dass bei Dir ein paar Astro-Mären untegebracht worden sind. Zum Beispiel, dass man nur unter dunklem Himmel eine große Öffnung gut nutzen kann.
Ich sehe das auch nicht so easy, wenn man unkritisch diese "ich will mal probieren" Mentalität beim ersten Teleskop nennt. Sehr leicht ist ein zu billig gekauftes Teleskop gleich der Ausstieg aus dem Hobby. Denn unser Hobby bedeutet, bei kalten Temperaturen in feuchter Luft (Tau) draußen stehen, wenn andere im warmen Bettchen schlafen. Bei aller Romantik (die das Hobby definitiv hat) sollte man sich da aber nicht irgendwie einen kleinen Wackeldackel nach dem Motto "zu wacklig, zu dünn und zu kurz" antun. Es sollte eher um ein Gerät mit Zukunftsperspektive gehen. Das muss keine lebenslange Verbindung werden, aber ein optisch solides Gerät lässt sich wieder verkaufen im Gegensatz zu verramschen.
Sternwarten: Die taugen prima zum Kontakte knüpfen. Wie wäre es damit, dort mal eine Truppe aktiver Beobachter zu finden? Vielleicht darfst Du nach einer Vorstellung dort mal mit "auf den Acker"? Wenn da ein paar Teleskope stehen, durch die man schauen darf, bekommt man ein Gefühl für die Handhabung, die Größe und mit etwas Glück bekommt man auch demonstriert, dass ein gutes Teleskop mit einem (dafür) schlechten Okular rein gar nichts taugt. Weniger kann mehr sein! Weniger als drei sollten es aber auch nicht sein.
Damit wäre ich mal kurz beim 12" Dobson. Der hat normalerweise f/5 (1500mm Brennweite) und ist entsprechend ausladend. Das kann auch auf einem großen Balkon zu Einschränkungen führen. Zumindest sollte man damit rechnen, dass es nicht so geräumig sein könnte, wie geplant. Klappen wird es wohl.
Bei f/5 ist die Justage eine wichtige Sache. Das will gelernt werden und kann eine einfache Sache sein, wenn man es von jemandem auf dem Acker und am eigenen Gerät beigebracht bekommt. Es kann aber auch zu tiefem Frust und mieser Abbildung führen, wenn man es nämlich nicht richtig hinbekommt.
Dabei denke ich dann auch an die Okularwahl. Ich kann mir vorstellen, dass das Gefühl aufkommt, man würde etwas verschenken, wenn man erstmal kein Okular für die maximalvergrößerung hat. (Ich würde sie konservativ und aus gutem Grund bei Öffnung durch 0,7 sehen, also ca. 430x.) Was für die Einschätzung dazu fehlt ist die Kenntnis darüber, dass man an sehr vielen Abenden und besonders auf einem thermisch schwierigen Balkonstandort einfach zuviel Luftunruhe haben wird, um eine solche Vergrößerung nutzen zu können. Es wird sich bezüglich der maximal nutzbaren Vergrößerung viel mehr Beobachtung im Bereich zwischen 150x und 230x abspielen. Übrigens, die 110% Sehvermögen betreffen wohl nur die Fähigkeit, Details aufzulösen, also Linien voneinander zu trennen. Die ist etwas über dem Durchschnitt, was definitiv nett ist.
Filter doppelt: Sein lassen! Ein Reduzierstück von 2" auf 1,25" sollte unbedingt so lang sein, dass eine 1,25" Steckhülse darin so verschwindet, dass der Filter im 2" Filtergewinde des Reduzierstücks sitzen kann, ohne dass die 1,25" Steckhülse aufsetzt. Der perfekte Reduzierer schützt den eingeschraubten Filter durch eine kleine Anschlagkante im unteren Bereich der 1,25" Aufnahme. Einmal einen vernünftigen Reduzierer gekauft und viel Geld bei den Nebelfiltern gespart. Daneben braucht man für den Anfang eigentlich nur einen Graufilter. Ich glaube, dass ein 4x Grau erstmal reicht. Die Farbfilterei für Planetenbeobachtung kann man anfangen, wenn man etwas Erfahrung gewonnen hat.
Pferdekopf - Thema Filter: Vom Balkon ist es wahrscheinlich, auch mit dem besten Filter gar nichts davon zu sehen! Für den Pferdekopf braucht man verdammt guten Himmel, eine nette Öffnung und... einen guten H-Beta-Filter. Und so ein H-Beta-Filter wäre wirklich nicht der erste Filter, den ich zum Kauf vorschlagen würde. Für die Beobachtung auf dem Balkon schlage ich einen harten OIII-Filter vor. Meiner Meinung nach macht man da mit einem Baader OIII den besten Griff. Thousand Oaks ist eine Alternative. Diese Filter dunkeln den Himmelshintergrund sehr stark ab, auch im Vergleich mit anderen OIII-Filtern. Das ist schon wichtig, wenn man mit 12" auf dem Balkon steht, denn ich bezweifle, dass Dein Balkon so gut gelegen ist, dass Du Sterne der 6. Größenklasse ausmachen kannst. Falls ich mich da jedoch täusche, darf es auch ein weniger kräftiger OIII sein.
So, das war jetzt einiges an Beratung ins Blaue, indem ich Deine Beiträge aufgegriffen habe.
Um das etwas systematischer anzugehen:
Wo willst Du beobachten? Ist Deine Vorstellung wirklich so richtig, dass Du Dein Gerät nicht transportieren willst?
Wer wird unter welchen Bedingungen Beobachten? Balkontür auf, Grill daneben? Oder sich auf dem Balkon aussperren lassen, damit keine warme Luft aus dem Innern Luftunruhe produziert?
Soll das Gerät immer schnell mal draußen stehen und sofort am Start sein? Oder darf es auch mal zwei Stunden auskühlen?(Beobachtung mit wenig Vergrößerung quasi nach einer kurzen Aufbauzeit.)
Eine Sache ist so richtig komfortabel: Zeit bis Dezember 2015. Da kann man doch in aller Ruhe mal nach Beobachtergruppen in der näheren Umgebung schauen.
Clear Skies
Sven