Hallo Christian,
ich finde das keine so leichte Aufgabe. Zunächst mal meine ich, das eine EQ-5 ja schon recht enge Grenzen setzt. Also wenn es der klassische GP-Clone ist, also von der Form her so ausschaut:
Link zur Grafik:
http://www.svenwienstein.de/Pics/EXP395-2.jpg
Auf so eine Montierung setzt man maximal mit 8" Öffnung einen 200/1000 Newton. Also f/5. Das wiederum hätte zur Folge, dass man für die Planetenbeobachtung langfristig gezwungen ist, eine sorgfältige und damit verbunden auch leicht teure Okularwahl zu treffen. Es ist dabei individuell verschieden, wo man nach einiger Zeit ankommen wird, so dass man schlecht eine langfristige Okularberatung machen kann. Allerdings meine ich, dass man für den Anfang sehr viel Leistung abrufen kann, indem man grundsätzlich die Gerd Düring Barlow heranzieht, um damit kombinierte Okulare (die klassischen Planetenokulare wie z.B. Orthos) zu guter Leistung an f/5 zu bringen. Man erreicht durch diese 2,7 Barlow ein effektives Öffnungsverhältnis von rechnerisch f/13,5 und kann dadurch mit einem Okular um 9,5mm das Gerät schon ganz gut ausreizen. Natürlich benötigt man dazu noch abgestufte Vergrößerungen für Tage mit weniger guten Bedingungen. Ca. 13mm und ca. 16mm.
Das ist aber noch nicht alles. Ich meine, man sollte von einem 200/1000 Newton zur Planetenbeobachtung unbedingt fordern, dass das Gerät den Regeln der Kunst nach (und nicht bloß ab Werk als Alibi) belüftet wird. Dabei geht es nicht um das herunterkühlen des Hauptspiegels mit einem Quirl, der hinter dem Hauptspiegel versucht, auf den Hauptspiegel zu blasen, sondern um das Absaugen und Verwirbeln von Warmluftschlieren im Tubus. Das sieht meiner Meinung nach sehr stark nach Selbstbau aus. Jedenfalls ob gekauft oder gebastelt, ohne ein sauberes Belüftungskonzept hinkt die Sache.
Das tut sie übrigens auch, wenn man über einen 200/1200 Dobson nachdenkt, als Alternative. Auch das Gerät müsste dahingehend überprüft oder umgebaut werden und f/6 erleichtert zwar die Okularwahl, stellt einen dann aber auch vor der Alternative, wie man die Maximalvergrößerung(en) denn erzielen will: Direkt oder auch hier mit Barlow drunter? Auch da würde ich vom Start weg keine Lösung für die Ewigkeit anbieten wollen.
Jetzt nochmal zurück zur EQ-5, denn zu dieser wäre auch zu bemerken, dass sie ja vermutlich auf dem Zettel steht, um auch in ferner Zukunft der Astrofotografie dienlich zu sein. Das kann sie auch, aber ich würde doch bezweifeln, dass sie es in Kombination mit dem 200/1000 tut. Die Kombi dürfte mindestens zu windanfällig sein. Nun würde ich es zwar grundsätzlich befürworten, für die Astrofotografie eine weitere, kleinere, leichtere Optik anzuschaffen, aber ich frage mich dann auch wieder, ob es denn für die EQ-5 dann noch genug Gründe gibt. Die Patentalternative ist da aber auch nicht recht zu finden, denn eine EQ-Plattform für einen Dobson, dürfte wohl kaum günstiger zu kaufen sein, als eine EQ-5. Immerhin, sie lässt sich günstig selbst bauen, aber das ist trotz allem ein Projekt und keine Nachmittagsbastelei.
Also zusammengefasst: Choose your poison!
- EQ-5 mit 200/1000, mehr geht nicht auf die Montierung, die Okularwahl muss sich nach f/5 richten, Belüftungskonzept muss her, Taukappe nachzurüsten wäre eine kleine, sinnvolle Bastelei. Nachgeführt sollte die EQ-5 schon sein, sonst ist die ganze Idee unsinnig.
- 8" Dobson auf EQ-Plattform, keine Montierung, die sich astrofotografisch wiederverwenden lässt, im Preisrahmen wohl auch keine fotografisch steuerbare EQ-Plattform, Umbau genauso nötig (Lüfter, Taukappe) und Okularwahl entspannter aber davon nicht einfacher.
- Dobson ohne EQ-Plattform ist nicht natürlich eine gewisse Standardempfehlung, aber auch da wieder Lüftung/Taukappe, Okulare mit kleinem scheinbaren (und damit wahren) Gesichtsfeldern könnten frustrieren, was individuell verschieden ist.
Wenn in der Anfrage wenigstens Deepsky eine größere Rolle gespielt hätte, dann hätte ich den 8" f/5 auf EQ-5 für eine wirklich brauchbare Lösung erachtet. Speziell für die Planetenbeobachtung wäre mir mit 200/1200 wohler, aber die EQ-5 verbaut das.
Ich glaube alles zusammengenommen habe ich am ehesten meine Zweifel an der EQ-5. Rein für Astrofotografie kann man sie auch kaufen, wenn es soweit ist. Im Moment stören die Grenzen, die sie setzt.
Clear Skies
Sven