Shmendric
Neues Mitglied
Liebe Forenuser!
Ich heiße Andreas, wohne in Köln-Nippes und bin Anfänger
Der folgende Bericht ist hoffentlich nicht zu lang geworden, aber ich wollte meine ersten Erfahrungen doch gerne ausführlich mitteilen und vielleicht anderen etwas Mut machen. Auch beschäftigt er sich mit mehreren Aspekten, die in verschiedenen Anfänger-Threads immer wieder diskutiert werden aus meiner, ersten, Sicht der Dinge.
Vor Jahren hatte ich einen "Tschibo"-Newton zu Weihnachten bekommen, der mir und meiner Tochter damals schon einiges an Spass gebracht hatte. Dann war 10 Jahre nix mit Astronomie und nun bin ich doch wieder darauf gestossen. Ich habe lange in diversen Foren recheriert wie man heutzutage wieder einsteigen könnte. Refraktor hin, Dobson her, Goto-Montierung igitt! Das war meist der Tenor in entsprechenden Threads.
Aus Zeitgründen und aufgrund meines Standortes (s.u.) wollte ich ein leicht (!) zu transportierendes, unkompliziertes Teleskop, mit dem ich ab und an mal einen Blick in den Himmel werfen kann und mich nicht arm macht. Planeten und der Mond sollten es sein. Vielleicht auch einmal ein Sternhaufen/Doppelstern. Fotografie erst einmal nebensächlich.
Die Entscheidung fiel zunächst auf ein Celestron Mak 127/1500 SLT mit Goto-Montierung. Also eigentlich ein Gerät, von dem die meisten Profi-Amateure eher abraten (sicher auch teilweise zu recht): Zu geringe Öffnung fürs Geld, teure und unnötige Elektronik. Ich war quasi schon am Bestellen da trudelte auf astronomie.de ein unschlagbares Angebot aus der Nähe ein (danke nochmal Monotron/Pascal!):
6 Monate altes und nur im Wozi benutztes Celestron Nexstar 5 SE 127/1250 SC, Polwiege und Goto-Montierung, mit Zoomokular, Barlow, Sonnenfilter, Webcam und weiterem Zubehör wie Taukappe und Netzteil. Zwei Tage später war ich um "nur" 550 Öre ärmer und um ein Telesköpchen reicher.
Erst mal aufgebaut und ein paar Trockenübungen im Wozi. Das Teil sieht echt süß aus, die beiden Katzen sind ganz wuschig danach, vor allem wenn die Motoren laufen
Alles absolut problemlos zu handhaben und aufzustellen ...
Zuerst Sonne mit Filter, kein Problem aber leider nur ein Mini-Sonnenfleckchen.
Sonnensystem-Align probiert. Geht, aber Sonne wandert trotzdem langsam aus (Ist aber zu erwarten bei einem Align mit nur 1 Objekt).
Mein Blickfeld in Nippes ist sehr eingeschränt da erster Stock und Balkon oben zu, Mehrstöckige Wohnhäuser teilweise gegenüber. Altitude nur von etwa 15° bis 70°. Blicke etwa von Südwest bis knapp Nord (Polaris geht gerade nicht mehr). Also eher ein "Guckloch". Möbelhausbeleuchtung im Nordwesten die erst um 1 ausgeht und grelle Parkplatzlampe links gegenüber. An Dunkeladaptation war natürlich nicht zu denken! Also alles in allem mit die besch...eidensten Beobachtungsbedingungen die man sich denken kann!
Hab dann hippelig auf den ersten hellen Punkt am Himmel gewartet. Der kam dann auch kurz nach Sonnenuntergang. Und wer wars? Saturn natürlich! Das war schon mal ganz nett. Titan war zu sehen, Rhea (?) zu erahnen. Ging leider schon früh hinterm Haus unter da war der Himmel noch recht hell. Daher keine großen Strukturen zu sehen aber immerhin...
Der Red-Dot-Sucher des Nexstar funktioniert übrigens echt prima! Viel einfacher als ein Sucherfernrohr wie auf meinem Tschibo Newton. Alle angepeilten Sterne waren nach einer kurzen Justierung sofort im 25mm Okular sichtbar.
Scharfstellen ist sehr wackelig aber man gewöhnt sich daran. Das sind halt dann doch die Grenzen der (einarmigen) Montierung, aber immer noch besser als ein 35 Kg-Stück mal eben herumwuchten!
Als dann die ersten Sternlein funkelten habe ich Skyalign (3 Objekte) ausprobiert. Wegen des Blickfelds lagen die nicht allzu weit auseinander, wie es eigentlich sein sollte ...
1. Arktur (a Boo)
2. Alkaid (n UMa)
3. Merak (b UMa)
Das Align dauerte keine 2 Minuten (allerdings: Uhrzeit und Align merkt sich die Steuerung nach abschalten nicht. Ist aber kein wirkliches Problem).
Dann fröhlich nach Objekten aus der Datenbank der Steuerung (unterstützt von Stellarium) gesucht und tatsächlich funktioniert das Goto erstaunlich gut!
Die Kugelsternhaufen die ich probierte wurden sofort getroffen und waren mit dem 25mm im Blickfeld! Aufgrund der Bedingungen (und der Optik?) zwar nur als relativ dunkler und verschwommener Lichtfleck, aber immerhin! Das Teil funktioniert. Die Sterne, die ich nach dem Align angepeilt hatte wurden richtig identifiziert und angezeigt (Info-Taste, mit Stellarium überprüft). Prima!
Webcam an Arktur probiert und Filmchen gemacht (ca. 20 s). Der funkelt im Film ganz schön wild herum, nach ein-Klick Bearbeitung in Giotto (Freeware) sieht er dann aber fast wie ein richtiger Stern aus
Hätte nie gedacht was die Software da rauskitzeln kann! Das macht Hoffnung für Planetenfotografie!
Als Abschluss huschte dann noch eine Sternschnuppe (Irdidium? Anderer Satellit?) durchs Okular, das war schön! Für mich das Zeichen mir etwas zu wünschen
und den langsam etwas frostigen Balkon zu verlassen.
Eingepackt war genauso schnell wie aufgestellt, ca. 5 Minuten. Genau das wollte ich!
Was will man erstmal mehr für auspacken, aufstellen und gucken an einem Abend, mitten aus Köln-Nippes und vom ersten Stock aus!
Übrigens zum Thema "mit Goto lernt man als Anfänger nix":
Immerhin weiss ich nach ein paar Stündchen wo Arktur ist und wie schön er pfunkelt in der Stadtluft.Und wie Bärenhüter aussieht und dass Nördliche Krone bzw. Jagdhunde sehr lichtschwach sind und nur zu erahnen. Wie n-UMa und b-UMa mit Vornamen heissen und Arktur mit Nachnamen. Wo ungefähr M3, M5, M10 und M12 und der Herkuleshaufen zu finden sind und warum letzterer so heisst! Und kenne, wenn ich mich nicht verguckt habe, ausser Titan nun auch noch Rhea als Saturnmond.
Ich finde das (als Lehrer) schon einmal keine schlechte pädagogische Ausbeute für den ersten Abend! Ohne Stellarium auf dem Netbook und Goto wäre das vielleicht auch irgendwie gegangen, aber vermutlich nicht so schnell und unproblematisch! Nur wenn im Feld einmal die Akkus leer sind ist die Beobachtung beendet (keine Ausrichtung per Hand möglich). Alles hat seinen Preis...
Mir hat der Abend jedenfalls unheimlich Motivation gebracht und ich freu mich auf die ersten Feld-Beobachtungen. Gut dass Tochter und Enkelchen im holländischen Friesland wohnen (grüner Lichtverschmutzungsbereich!) und ich das kleine Schätzchen bei meinen Besuchen dort so einfach einpacken, aufstellen und loslegen kann ...
Fazit: Ich habe genau das bekommen was ICH gesucht habe. Andere mögen anderes suchen, aber wer in etwa ähnliche Anforderungen hat, für den ist ein Mak oder SC auf Goto sicher kein Fehlkauf. Besonders wenn man sich nach guten Gebrauchtgeräten umguckt.
Ich hätt jetzt gern noch ein Okular für Übersicht ca. 40mm und vielleicht ein 5er oder 4er (?). Welche günstigen wären da zu empfehlen?
Mit "klaren" Grüßen us Kölle
Andreas
Ich heiße Andreas, wohne in Köln-Nippes und bin Anfänger
Der folgende Bericht ist hoffentlich nicht zu lang geworden, aber ich wollte meine ersten Erfahrungen doch gerne ausführlich mitteilen und vielleicht anderen etwas Mut machen. Auch beschäftigt er sich mit mehreren Aspekten, die in verschiedenen Anfänger-Threads immer wieder diskutiert werden aus meiner, ersten, Sicht der Dinge.
Vor Jahren hatte ich einen "Tschibo"-Newton zu Weihnachten bekommen, der mir und meiner Tochter damals schon einiges an Spass gebracht hatte. Dann war 10 Jahre nix mit Astronomie und nun bin ich doch wieder darauf gestossen. Ich habe lange in diversen Foren recheriert wie man heutzutage wieder einsteigen könnte. Refraktor hin, Dobson her, Goto-Montierung igitt! Das war meist der Tenor in entsprechenden Threads.
Aus Zeitgründen und aufgrund meines Standortes (s.u.) wollte ich ein leicht (!) zu transportierendes, unkompliziertes Teleskop, mit dem ich ab und an mal einen Blick in den Himmel werfen kann und mich nicht arm macht. Planeten und der Mond sollten es sein. Vielleicht auch einmal ein Sternhaufen/Doppelstern. Fotografie erst einmal nebensächlich.
Die Entscheidung fiel zunächst auf ein Celestron Mak 127/1500 SLT mit Goto-Montierung. Also eigentlich ein Gerät, von dem die meisten Profi-Amateure eher abraten (sicher auch teilweise zu recht): Zu geringe Öffnung fürs Geld, teure und unnötige Elektronik. Ich war quasi schon am Bestellen da trudelte auf astronomie.de ein unschlagbares Angebot aus der Nähe ein (danke nochmal Monotron/Pascal!):
6 Monate altes und nur im Wozi benutztes Celestron Nexstar 5 SE 127/1250 SC, Polwiege und Goto-Montierung, mit Zoomokular, Barlow, Sonnenfilter, Webcam und weiterem Zubehör wie Taukappe und Netzteil. Zwei Tage später war ich um "nur" 550 Öre ärmer und um ein Telesköpchen reicher.
Erst mal aufgebaut und ein paar Trockenübungen im Wozi. Das Teil sieht echt süß aus, die beiden Katzen sind ganz wuschig danach, vor allem wenn die Motoren laufen
Zuerst Sonne mit Filter, kein Problem aber leider nur ein Mini-Sonnenfleckchen.
Sonnensystem-Align probiert. Geht, aber Sonne wandert trotzdem langsam aus (Ist aber zu erwarten bei einem Align mit nur 1 Objekt).
Mein Blickfeld in Nippes ist sehr eingeschränt da erster Stock und Balkon oben zu, Mehrstöckige Wohnhäuser teilweise gegenüber. Altitude nur von etwa 15° bis 70°. Blicke etwa von Südwest bis knapp Nord (Polaris geht gerade nicht mehr). Also eher ein "Guckloch". Möbelhausbeleuchtung im Nordwesten die erst um 1 ausgeht und grelle Parkplatzlampe links gegenüber. An Dunkeladaptation war natürlich nicht zu denken! Also alles in allem mit die besch...eidensten Beobachtungsbedingungen die man sich denken kann!
Hab dann hippelig auf den ersten hellen Punkt am Himmel gewartet. Der kam dann auch kurz nach Sonnenuntergang. Und wer wars? Saturn natürlich! Das war schon mal ganz nett. Titan war zu sehen, Rhea (?) zu erahnen. Ging leider schon früh hinterm Haus unter da war der Himmel noch recht hell. Daher keine großen Strukturen zu sehen aber immerhin...
Der Red-Dot-Sucher des Nexstar funktioniert übrigens echt prima! Viel einfacher als ein Sucherfernrohr wie auf meinem Tschibo Newton. Alle angepeilten Sterne waren nach einer kurzen Justierung sofort im 25mm Okular sichtbar.
Scharfstellen ist sehr wackelig aber man gewöhnt sich daran. Das sind halt dann doch die Grenzen der (einarmigen) Montierung, aber immer noch besser als ein 35 Kg-Stück mal eben herumwuchten!
Als dann die ersten Sternlein funkelten habe ich Skyalign (3 Objekte) ausprobiert. Wegen des Blickfelds lagen die nicht allzu weit auseinander, wie es eigentlich sein sollte ...
1. Arktur (a Boo)
2. Alkaid (n UMa)
3. Merak (b UMa)
Das Align dauerte keine 2 Minuten (allerdings: Uhrzeit und Align merkt sich die Steuerung nach abschalten nicht. Ist aber kein wirkliches Problem).
Dann fröhlich nach Objekten aus der Datenbank der Steuerung (unterstützt von Stellarium) gesucht und tatsächlich funktioniert das Goto erstaunlich gut!
Die Kugelsternhaufen die ich probierte wurden sofort getroffen und waren mit dem 25mm im Blickfeld! Aufgrund der Bedingungen (und der Optik?) zwar nur als relativ dunkler und verschwommener Lichtfleck, aber immerhin! Das Teil funktioniert. Die Sterne, die ich nach dem Align angepeilt hatte wurden richtig identifiziert und angezeigt (Info-Taste, mit Stellarium überprüft). Prima!
Webcam an Arktur probiert und Filmchen gemacht (ca. 20 s). Der funkelt im Film ganz schön wild herum, nach ein-Klick Bearbeitung in Giotto (Freeware) sieht er dann aber fast wie ein richtiger Stern aus
Als Abschluss huschte dann noch eine Sternschnuppe (Irdidium? Anderer Satellit?) durchs Okular, das war schön! Für mich das Zeichen mir etwas zu wünschen
Eingepackt war genauso schnell wie aufgestellt, ca. 5 Minuten. Genau das wollte ich!
Was will man erstmal mehr für auspacken, aufstellen und gucken an einem Abend, mitten aus Köln-Nippes und vom ersten Stock aus!
Übrigens zum Thema "mit Goto lernt man als Anfänger nix":
Immerhin weiss ich nach ein paar Stündchen wo Arktur ist und wie schön er pfunkelt in der Stadtluft.Und wie Bärenhüter aussieht und dass Nördliche Krone bzw. Jagdhunde sehr lichtschwach sind und nur zu erahnen. Wie n-UMa und b-UMa mit Vornamen heissen und Arktur mit Nachnamen. Wo ungefähr M3, M5, M10 und M12 und der Herkuleshaufen zu finden sind und warum letzterer so heisst! Und kenne, wenn ich mich nicht verguckt habe, ausser Titan nun auch noch Rhea als Saturnmond.
Ich finde das (als Lehrer) schon einmal keine schlechte pädagogische Ausbeute für den ersten Abend! Ohne Stellarium auf dem Netbook und Goto wäre das vielleicht auch irgendwie gegangen, aber vermutlich nicht so schnell und unproblematisch! Nur wenn im Feld einmal die Akkus leer sind ist die Beobachtung beendet (keine Ausrichtung per Hand möglich). Alles hat seinen Preis...
Mir hat der Abend jedenfalls unheimlich Motivation gebracht und ich freu mich auf die ersten Feld-Beobachtungen. Gut dass Tochter und Enkelchen im holländischen Friesland wohnen (grüner Lichtverschmutzungsbereich!) und ich das kleine Schätzchen bei meinen Besuchen dort so einfach einpacken, aufstellen und loslegen kann ...
Fazit: Ich habe genau das bekommen was ICH gesucht habe. Andere mögen anderes suchen, aber wer in etwa ähnliche Anforderungen hat, für den ist ein Mak oder SC auf Goto sicher kein Fehlkauf. Besonders wenn man sich nach guten Gebrauchtgeräten umguckt.
Ich hätt jetzt gern noch ein Okular für Übersicht ca. 40mm und vielleicht ein 5er oder 4er (?). Welche günstigen wären da zu empfehlen?
Mit "klaren" Grüßen us Kölle
Andreas