j4s8.de
Mitglied
Hallo liebe Sternenfreunde,
einige Monate bin ich nun stiller Mitleser und Lerner hier und im Nachbar-Forum und hab (mir) einen kleinen Erfahrungsbericht zum Einstieg in die Astrofotografie geschrieben. Ich hoffe einigen anderen Anfängern damit helfen zu können.
Letzten Herbst hatte ich mit ein Teleskop mit 127mm Öffnung und 1500mm Brennweite (MAK 127/1500) auf einer azumitalen Montierung mit GoTo gekauft. Zuerst habe ich auch fleißig den Mond, Saturn, Jupiter und Doppelsterne beobachtet. Bei den Plejaden habe ich dann (unter meinen Bortle 6 Himmel, wie ich mittlerweile weiß) leider die schönen blauen Schleier nicht sehen können, auch nicht in grau ;-( Da ich nun Blut geleckt und gelesen habe, dass ich das selbst unter meinem Stadt-Himmel (Mitten in Mainz) mit Fotografieren schaffen kann, dazu aber eine parallaktische Montierung brauche, habe ich mir erstmal die MiniTrack für normale (Tele-)Objektive gekauft. Diesen Kauf bereue ich bisher absolut nicht, sie hält mehr, als sie verspricht, sie ist leicht, klein, ohne Auto überall mit hin genommen und braucht keinen Strom. Damit habe ich dann im Winter (wenn kein Nebel war) den Orion-Nebel vom Balkon fotografiert und schön bunte Bilder heraus bekommen. Anfangs noch etwas unscharf, aber mit der Zeit klappte das Fokussieren immer besser. Nun waren das aber Bilder mit maximal 20sec Belichtung und schon einiges an Ausschuss. Die MiniTrack Empfehlung bei 300mm MFT (crop-Faktor 2) ist 10sec. Ich hab dann noch versucht den Flammen-, Pferdekopf- und Rosettennebel zu fotografieren, die aber alle im Rauschen untergegangen sind und es viel Fantasie brauchte sie zu erkennen. Hier wurde mir auch bewußt, dass weniger Brennweite mehr gewesen wäre, denn ich habe nur mit dem bereits vorher vorhandenem 100-300mm Telezoom-Objektiv fotografiert.
Irgendwann habe ich einen Satz Bilder vom Orion-Nebel mit der azumitalen Montierung und dem MAK gestackt, mit dem Gedanken, die Ränder kann ich ja rausschneiden. Das funktioniert aber nur bedingt, da sich ja, je länger die Gesamtbelichtungszeit wird, ein Kreis bildet, in dem sich alle Einzelbilder überlappen. Wenn ich den dann quadratisch ausschneide, bleibt nicht viel übrig ;-(
Jetzt wollte ich dann doch länger belichten und eventuell auch vollständige Bilder mit dem MAK machen. So habe mich auf die Suche nach einer passenden parallaktische Montierung gemacht, die ich über Linux (Astroberry) steuern und nachführen kann. Außerdem sollte sie leicht sein und keinen 3-stelligen Betrag kosten. Zumeist wird hier und im Nachbarforum mindestens die Celestron AVX empfohlen. Ich konnte sie mir bei einem netten Mitglied der AAG-Mainz anschauen und habe festgestellt, dass sie nicht nur mein Budget übersteigt, sondern auch meine Größen- und Gewichtsvorstellung. Zuvor hatte ich bereits die Skywatcher EQM-35 ins Auge gefasst, die es auch schlussendlich geworden ist. Plus dann noch ein 50/200 Guidescope und eine 1.25" Kamera (veLOX 178C). Da kommt doch ganz schön was zusammen. Die veLOX 178C habe ich direkt an meinem PC leider nicht zum Laufen gekriegt, mein USB-Port scheint zu wenig Strom zu liefern, obwohl ich sie an die USB-3 Ladebuchse angeschlossen hatte. Also mußte noch ein Raspberry Pi her, leider hatte ich keines übrig und musste lange warten bis ich eines zu einem akzeptablen Preis gefunden habe.
Da war es dann auch schon Sommer und es wurde erst recht spät dunkel, was dazu führte, dass ich zum Teil zu früh angefangen habe und die Guiding-Sterne ähnelten eher Kartoffeln als Punkten, was zu > 50% Ausschuss führte. Mittlerweile wird es ja wieder früher dunkel und ich weiß, dass ich mich etwas gedulden muss.
An weiterem Equipment kam noch eine Doppelhalterung für Leuchtpunktsucher und Guidescope dazu, ein T2 auf MFT Adapter und ein Leuchtpunksucher für den Blitzschuh der Kamera. Letzterer ist Gold wert und spart viel Zeit bei der Suche nach dem Fotoobjekt.
Ein Fehler den ich nicht mehr mache:
Ich habe in der Dunkelheit den USB-Stecker in den Multi-Purpose-Port der Motorsteuerung der EQM-35 gesteckt und einen Kurzschluss ausgelöst. Zum Glück ist nur ein Kondensator durchgebrannt und es wurde vom Händler repariert. Jetzt habe ich ein altes Telefonkabel abgeschnitten und hinein gesteckt, dass mir das nicht nochmal passiert.
Fehler die ich immer wieder mache (aber hoffentlich immer seltener):
Ich werde wahrscheinlich mit dem aktuellen Equipment keine superbunten knackscharfen Bilder machen, für meine Ansprüche reicht es aber allemal. Ich habe auch Spass daran, im Nachhinein die Bilder mehrmals über verschiedene Methoden mit Siril, GraXpert, starnet++ und Gimp zu bearbeiten.
Den Bericht in etwas anderen Worten und mit Bildern gibt es nochmal auf meiner private Webseite.
Gruß
Jörg
einige Monate bin ich nun stiller Mitleser und Lerner hier und im Nachbar-Forum und hab (mir) einen kleinen Erfahrungsbericht zum Einstieg in die Astrofotografie geschrieben. Ich hoffe einigen anderen Anfängern damit helfen zu können.
Letzten Herbst hatte ich mit ein Teleskop mit 127mm Öffnung und 1500mm Brennweite (MAK 127/1500) auf einer azumitalen Montierung mit GoTo gekauft. Zuerst habe ich auch fleißig den Mond, Saturn, Jupiter und Doppelsterne beobachtet. Bei den Plejaden habe ich dann (unter meinen Bortle 6 Himmel, wie ich mittlerweile weiß) leider die schönen blauen Schleier nicht sehen können, auch nicht in grau ;-( Da ich nun Blut geleckt und gelesen habe, dass ich das selbst unter meinem Stadt-Himmel (Mitten in Mainz) mit Fotografieren schaffen kann, dazu aber eine parallaktische Montierung brauche, habe ich mir erstmal die MiniTrack für normale (Tele-)Objektive gekauft. Diesen Kauf bereue ich bisher absolut nicht, sie hält mehr, als sie verspricht, sie ist leicht, klein, ohne Auto überall mit hin genommen und braucht keinen Strom. Damit habe ich dann im Winter (wenn kein Nebel war) den Orion-Nebel vom Balkon fotografiert und schön bunte Bilder heraus bekommen. Anfangs noch etwas unscharf, aber mit der Zeit klappte das Fokussieren immer besser. Nun waren das aber Bilder mit maximal 20sec Belichtung und schon einiges an Ausschuss. Die MiniTrack Empfehlung bei 300mm MFT (crop-Faktor 2) ist 10sec. Ich hab dann noch versucht den Flammen-, Pferdekopf- und Rosettennebel zu fotografieren, die aber alle im Rauschen untergegangen sind und es viel Fantasie brauchte sie zu erkennen. Hier wurde mir auch bewußt, dass weniger Brennweite mehr gewesen wäre, denn ich habe nur mit dem bereits vorher vorhandenem 100-300mm Telezoom-Objektiv fotografiert.
Irgendwann habe ich einen Satz Bilder vom Orion-Nebel mit der azumitalen Montierung und dem MAK gestackt, mit dem Gedanken, die Ränder kann ich ja rausschneiden. Das funktioniert aber nur bedingt, da sich ja, je länger die Gesamtbelichtungszeit wird, ein Kreis bildet, in dem sich alle Einzelbilder überlappen. Wenn ich den dann quadratisch ausschneide, bleibt nicht viel übrig ;-(
Jetzt wollte ich dann doch länger belichten und eventuell auch vollständige Bilder mit dem MAK machen. So habe mich auf die Suche nach einer passenden parallaktische Montierung gemacht, die ich über Linux (Astroberry) steuern und nachführen kann. Außerdem sollte sie leicht sein und keinen 3-stelligen Betrag kosten. Zumeist wird hier und im Nachbarforum mindestens die Celestron AVX empfohlen. Ich konnte sie mir bei einem netten Mitglied der AAG-Mainz anschauen und habe festgestellt, dass sie nicht nur mein Budget übersteigt, sondern auch meine Größen- und Gewichtsvorstellung. Zuvor hatte ich bereits die Skywatcher EQM-35 ins Auge gefasst, die es auch schlussendlich geworden ist. Plus dann noch ein 50/200 Guidescope und eine 1.25" Kamera (veLOX 178C). Da kommt doch ganz schön was zusammen. Die veLOX 178C habe ich direkt an meinem PC leider nicht zum Laufen gekriegt, mein USB-Port scheint zu wenig Strom zu liefern, obwohl ich sie an die USB-3 Ladebuchse angeschlossen hatte. Also mußte noch ein Raspberry Pi her, leider hatte ich keines übrig und musste lange warten bis ich eines zu einem akzeptablen Preis gefunden habe.
Da war es dann auch schon Sommer und es wurde erst recht spät dunkel, was dazu führte, dass ich zum Teil zu früh angefangen habe und die Guiding-Sterne ähnelten eher Kartoffeln als Punkten, was zu > 50% Ausschuss führte. Mittlerweile wird es ja wieder früher dunkel und ich weiß, dass ich mich etwas gedulden muss.
An weiterem Equipment kam noch eine Doppelhalterung für Leuchtpunktsucher und Guidescope dazu, ein T2 auf MFT Adapter und ein Leuchtpunksucher für den Blitzschuh der Kamera. Letzterer ist Gold wert und spart viel Zeit bei der Suche nach dem Fotoobjekt.
Ein Fehler den ich nicht mehr mache:
Ich habe in der Dunkelheit den USB-Stecker in den Multi-Purpose-Port der Motorsteuerung der EQM-35 gesteckt und einen Kurzschluss ausgelöst. Zum Glück ist nur ein Kondensator durchgebrannt und es wurde vom Händler repariert. Jetzt habe ich ein altes Telefonkabel abgeschnitten und hinein gesteckt, dass mir das nicht nochmal passiert.
Fehler die ich immer wieder mache (aber hoffentlich immer seltener):
- Ersatzakku für Kamera (oder andere wichtige Kleinigkeiten) vergessen
- vergessen, zuerst an hellem Stern zu fokussieren
- Bildstabilisator vergessen auszuschalten
- zu früh mit dem Guiding beginnen
- Brennweite ist nicht alles
- Auch mitten aus der Stadt heraus kann man schöne Astrofotos machen
- Es muss keine Montierung für einen dreistelligen Preis sein, sie sollte aber parallaktisch sein
- dunkle Wochenenden ohne Wolken sind selten
- Es kommt einiges Geraffel zusammen
Ich werde wahrscheinlich mit dem aktuellen Equipment keine superbunten knackscharfen Bilder machen, für meine Ansprüche reicht es aber allemal. Ich habe auch Spass daran, im Nachhinein die Bilder mehrmals über verschiedene Methoden mit Siril, GraXpert, starnet++ und Gimp zu bearbeiten.
Den Bericht in etwas anderen Worten und mit Bildern gibt es nochmal auf meiner private Webseite.
Gruß
Jörg