Anfängerfrage zu Sichtqualität (seeing?)

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Bleistift

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Seit einiger Zeit wohne ich im Dreiländereck Bayern/Österreich/Tschechien. Koordinaten: L:13g49m19s, B:48g41m12s, Höhe 680 m.
Hier kann man im Vergleich zu meinen bisherigen Wohnorten den Nachthimmel meiner Meinung nach extrem gut beobachten. Z.B. habe ich den Neumond (!) noch nie so klar als Scheibe mit z.T. erkennbaren Kratern so gesehen. Die Lichtverschmutzung ist ebenfalls sehr gering hier.
Auch Tagsüber ist die Sonneneinstrahlung z.T. sehr intensiv, vergleichbar mit Gebirgslagen ab 1500 m, soweit ich das beurteilen kann.
Meine Fragen: Ist das wirklich eine außergewöhnlich gute Sicht?
Wie sind die üblichen Einteilungen der Sichtqualität?
Sollte man sich hier mit der nächtlichen Himmelsbeobachtung beschäftigen?
Danke für Eure Antwort! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
 
Hi,

z.B. habe ich den Neumond (!) noch nie so klar als Scheibe mit z.T. erkennbaren Kratern so gesehen

Hmmm... muss eine begriffliche Verwechslung sein. Der Neumond ist für uns nämlich unbeobachtbar. Meinst du Vollmond? Der Mond ist eigentlich noch eines der Objekte, bei dem der Standort bei der Beobachtung eine eher geringe Rolle spielt.

Wie sind die üblichen Einteilungen der Sichtqualität?

Da gibt es drei wcithige Kriterien.

-Seeing: Seeing bezeichnet die Luftunruhe in der Atmosphäre. Ständig steigt warme Luft nach oben, während kältere Luftmassen nach unten fallen. Diese Luftunruhe ist auch dafür verantwortlich, dass manche Sterne zu flackern scheinen (Szintillation). Leider wirkt sich das Seeing auch negativ auf unser Bild im Teleskop bzw. Okular aus. Je höher wir vergrößern, umso deutlicher sehen nehmen wir die Luftunruhe war, welche unser Bild unscharf werden lässt. Aus diesem Grund können zum Beispiel selbst Teleskope mit 300mm Öffnung in schlechten Nächten nur bis 200fach vergrößern. Einen Vorteil hat hier das Weltraumteleskop "Hubble". Andererseits gibt es aber auch Nächte, in denen die Luft zu stehen scheint. Dann lassen sich Vergrößerungen von bis zu 500fach oder mehr (mit entsprechenden Teleskopen) erzielen. Um den Seeingeinfluss etwas zu reduzieren empfiehlt es sich, das Teleskop vor dem Beobachten auskühlen zu lassen. So erreicht zumindest das Teleskop (Spiegel, Metall...) Außentemperatur und sorgt für keine weitere Luftunruhe (Tubusseeing).

-Grenzgröße: Mit der visuellen Grenzgröße beschreiben wir, welche Sterne mit dem bloßen Auge gerade noch so wahrnehmbar sind. Grenzgröße = 5m5 bedeutet beispielsweise, dass wir einen Stern mit der für uns scheinbaren Helligkeit von 5m5 gerade noch so mit bloßem Auge sehen können. Hier spielt es eine Rolle, WO wir beobachten (Großstadt oder Hochalpen, Neumond oder Vollmond). Je dunkler der Himmel, je weniger störende Lichter, umso höher die Grenzgröße (Namibisches Hochland = ca. 7m). Gerade für die Beobachtung von DeepSky-Objekten ist ein dunkler Himmel noch viel wichtiger als viel Öffnung. Am besten aber hat man beides!

-Durchsicht: Dunstig oder klar? Wolkig oder Wolkenlos...?

Sollte man sich hier mit der nächtlichen Himmelsbeobachtung beschäftigen?

Naja, das würde ich sagen hängt weniger von den äußeren Bedingungen ab als von deinem Intersse. Aber warum nicht? Ich würds tun... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
 
Hallo Rostmu!
Ich denke schon, daß Bleistift den Neumond gemeint hat. Wieso sollte er Diesen ausdrücklich mit einem (!) versehen und auf die sichtbare Scheibe verweisen, die ja bei Vollmond selbstredend sichtbar ist?
Die grösstenteils verschneite Nordhalbkugel der Erde reflektiert soviel Sonnenlicht, daß bei guter Transparenz selbst der Neumond, gerade mit dem unbewaffneten Auge viel erkennen lässt.
@ Bleistift: Von einem solchermassen klaren Nachthimmel, können wir Stadtlichtgeblendeten nur träumen - Du musst! Astronomie betreiben.
Versuche mal am kleinen Bären die ( mit dem blossen Auge) sichtbaren Sterne zu erkennen. Der kleine Bär ist zum Ermitteln des seeings gut geeignet.
Sternklare Nächte
Berthold vom WIDATO
www.widato.de
 
Das ist so denke ich nicht ganz richtig.

Die Albedo - also das Rücktsrahlvermögen - der Erde wird sich nicht zwangläugig derart drastisch erhöhen, nur weil Schnee liegt. Das liegt schonmal daran, dass 70% der Erde Wasser sind und von den restlichen 30% maximal die Hälfte mit Schnee bedeckt ist. Lokal ist es zwar so, dass man im Schnee einen helleren Himmel hat. Das bezieht sich aber auf die lokale Atmosphäre und nicht auf den Mond.

Neumond bedeutet per Definiton einen Mondstand, der sich von uns aus gesehen zwischen Sonne und Erde befindet. Deshalb sind Sonnenfinsternisse ja auch nur bei Neumond möglich. Der Mond befindet sich also komplett am Taghimmel. Er geht mit der Sonne auf und mit ihr wieder unter. Nachts ist er unter Horizont und zwar überall auf der Erde. Der einzig beobachtbare Neumond ist der einer Sonnenfinsternis.
 
... muss mich wohl genauer erklären:
Neumond nicht 100%, aber praktisch nur mehr die dunkle Scheibe im W nach Sonnenuntergang am Horizont sichtbar.
Und dann konnte ich dort noch Strukturen (wohl eher die großen Mare) differenzieren.
Das auch im Sommer ohne Schnee.
Oder habe ich da fantasiert?
Auf jeden Fall werde ich das mit dem kl. Bären mal ausprobieren!

Danke!
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
 
Achso,

du meinst also, wenn der Mond als kleine Sichel erscheint. Ja, dann kann man tatsächlich die nicht von der Sonne beschienenen anderen Mondteile als dunkle Scheibe erkennen. Das liegt daran, dass man in dieser Phase vom Mond aus die Erde voll sehen kann. Da die Erde vom Mond aus gesehen heller ist als der Mond von uns aus gesehen (da größer und höheres Rückstrahlvermögen), ist die Nachtseite des Mondes nicht ganz dunkel. Du siehst also folgendes:

1. Sichel, de Sonnenlicht reflektiert

2. dunkle Mondscheibe, die Erdlicht reflektiert

Dafür brauchst du tatsächlich einen halbwegs dunklen Standort, da sonst die dunkle Mondscheibe vom Streulicht überblendet wird. Zu deiner Frage, ob man auf der dunklen Scheibe Details wie Krater oder Maria erkennen kann:

Theoretisch ja, allerdings eher die Maria. Um Krater zu erkennen brauchst du Kontraste, die nur das Sonnenlicht liefern. Dagegen zeichnen sich die Maria gegenüber den helleren Kontinenten auf dem Mond durch eine andere Albedo (Rückstrahlvermögen) aus. Liegt einfach daran, dass es ein etwas anderes Gesteinsmaterial ist. Also sind die Maria im Erdlicht auch dunkler als die Kontinente. Das jedoch zu beobachten, dürfte schon enorm schwer sein. Wenn es dir gelungen ist: Herzlichen Glückwunsch! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
 
Ja, die Bortle-Skala ist meiner Meinung nach die beste Methode seinen Beobachtungsort zu beschreiben. Mein bester Spechtelplatz schaffts auf Bortle 4. Versuch mal bei der nächsten Gelegenheit deine Beobachtungsverhältnisse anzugeben. Würde mich echt interessieren.
Neidvolle Grüße *g* und nen guten Rutsch an alle
 
Hi Udo,
habe ich nur einen zur Pickeringscala (ist auch auf der HP im Wissensspeicher verlinkt), aber der geht derzeit nicht.
Deshalb habe ich ihn weggelassen.
Aber jetzt habe ich einen neuen, danke Michel. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
CS und guten Rusch
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Bin jetzt schon einiges schlauer und gespannt und werde mich bei nächster Gelegenheit an der Bortle-Skala in Natura versuchen! Dzt. ist alles grau und es schneit... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />

Melde mich dann und werde kurz an dieser Stelle berichten.
Kurze Frage noch: Bei Bortle4 steht:
"M33 mit indirektem Sehen kaum noch zu erkennen".
Was ist "indirektes Sehen?"

Guten Rutsch und wünsche Euch alles, was sich Sternengucker so wünschen
Hans <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
 
Hi Hans
Na mal sehen ob ich das jetzt zusammenkriege.
Menschen besitzen zum Sehen, auf der Netzhaut Zapfen(Farbe) und Stäbchen(Licht). Nun sind wir auch Tagtiere und an der Stelle auf der Netzhaut wo das meiste Licht ankommt, besitzen wir hauptsächlich Zapfen, diese sind Licht unempfindlicher (wir würden uns tagsüber sonst die Augen verblitzen) sehen dafür farbig. Die überaus lichtempfindlichen Stäbchen befinden sich am Rand des Brennpunktes.
Willst Du also ein sehr lichtschwaches Objekt wahrnehmen, solltest du immer etwas daneben schauen. Dabei aber trotzdem auf dein Objekt zu achten ist die hohe Kunst des Indirekten Sehens. Indirektes Sehen muss erlernt und immer wieder trainiert werden. Hoffentlich einigermaßen verständlich.
Guten Rutsch
Udo S
 
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