Angst vor Farbe

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R_Morgenstern

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Leute,


mir ist etwas Seltsames widerfahren.

Ich laboriere an einem kleinen Fernrohr. Da ich mit der Hand nicht in den Tubus reinkomme, war Auskleidung mit Velours nicht möglich. So habe ich den Tubus (Material Pertinax, d. i. Hartpapier) mit Farbe behandelt.
Grundiert mit Histor-Universalgrundierung. Zwei Aufträge. Das Zeug ist "nach 24 Stunden nitrofest". Ich habe aber nicht so lange gewartet.
Geschwärzt habe ich mit Wohnraumlack tiefschwarz seidenmatt auf Acrylatbasis, wasserverdünnbar. Nebenbei: Matt war da nichts, bei streifender Beleuchtung glänzte das Rohrinnere wunderschön.

Der Erfolg war niederschmetternd. Zum Schutz gegen Staub hatte ich nach Abtrocknen des Farbauftrags den Tubus in einer Folie aufbewahrt, also luftdicht. Als ich ihn wieder auspackte, war auf den verkadmeten Stahlteilen eine käsige Ausfällung. Auf Stahlteilen mit unbehandelter Oberfläche hatte sich das Zeug nicht niedergeschlagen. Ich hatte auch mal ein bis zwei Wochen lang das Okular im Tubus gelassen. Auf meinem teuren Weitwinkel sah ich dann Flecken, die ließen sich jedoch mit Spiritus entfernen. Vier Monate scheinen nicht auszureichen, daß die Farbe "zur Ruhe kommt" und keine Ausfällung mehr geschieht. Denn nachdem ich die Schrauben einmal geputzt hatte, wiederholte sich der Vorgang.

Ich möchte natürlich nicht vor jeder Benutzung des Fernrohrs Objektiv und Okular ausbauen und Putzstunde machen. Der Farbenverkäufer hat für diesen Effekt keine Erklärung. Daß ich die 24 Stunden nicht abgewartet habe, sagt er, spielt dabei keine Rolle. Und ich habe nun angefangen, die dicken Farb- und Grundierungsschichten mit Schleifleinwand rauszuschmirgeln. Schöne Arbeit, das kann dauern.

Das Rohrinnere muß ja nicht geschwärzt, sondern es muß stumpf gemacht werden. Also dann lieber ohne Farbe, als mit solchem Mist. Aber vor dem Objektiv soll doch Farbe im Tubus sein. Das Fernrohr soll doch auch nach Abnehmen der Objektivkappe noch schön aussehen! Auf der Frontlinse des Objektivs soll sich aber keine Ausfällung ablagern. (Und ob das Zeug nicht doch durch die Ritzen nach hinten ins Rohrinnere kriecht, ist auch noch die Frage.)
Dann soll auch noch ein Refraktor AS 80/1200 gebaut werden. Ebenfalls Pertinaxtubus, der aber geräumig. Da kommt Velours zum Einsatz. Aber das Problem "vor dem Objektiv" ist dort noch größer.

Kinders, was soll ich nur tun? Was ist falsch gewesen?


Mit Gruß von Roland Morgenstern
 
Hallo,
kann es sein,dass durch den luftdichten Verschluss mit Folie die Gase durch das Lösemittel in der Grundierung nicht entweichen konnten?Oder ist das auch ein Lack auf Wasserbasis?
 
hallo roland,
bei kleinem tubusdurchmesser geht das auskleiden doch mit velours ganz einfach, wenn man sich einen veloursbeschichteten innentubus aus dünner pappe oder festem karton bastelt, den man dann in den eigentlichen tubus einschiebt.
den innentubus kann man sogar mit allen erforderlichen blenden versehen, wenn man will.
und wenn man will, nimmt man den tubus eben wieder raus und stellt den ursprünglichen zustand des gerätes wieder her...
so eine farbsauerei hatte ich vor vielen jahren auch mal, haber es mir seitdem aber nicht mehr angetan.
beste grüße!
wolf
 
Hallo Roland,

leider kann ich mir unter " käsige Ausfällung " nicht das geringste vorstellen.
Aber Probleme könnte es im Schichtaufbau dadurch gegeben haben, dass die Histor-Universalgrundierung auf einer Lösungsmittelhaltigen Basis ist, und, wie Du selber schreibst, nicht die angegebene Zeit zum aushärten hatte.
In der Verbindung mit Acryllack auf Wasserbasis kann es durchaus zu Problemen kommen, vielleicht kommen hiervon die " Ausfällungen " .
Im Zweifelsfall lieber Lacke auf gleicher Basis nehmen und Trocknungszeiten beachten.

Zum Thema "matt", wurde hier im Forum schon häufig Schultafellack empfohlen !
Habe ich noch keine Erfahrung mit gemacht, sollte aber gut funktionieren.
Gibt es im Baumarkt.

Grüße,

Michel
 
Schultafellack

Hallo,

ich habe bei meiner Spinne am 18"er Schultafellack verwendet. Das Zeug ist schön matt, genauso, wie man sich das vorstellt. Gut, mit Velour dc-fix kann es nicht ganz mithalten, aber Velour ist ne ziemliche Stückselei an der Spinne.
Damit die glatten Blechflächen nicht trotz Schultafellack anfangen zu reflektieren, habe ich bei mir noch Vogelsand mit beigemischt, und zwar nicht zu knapp. Ist der Lack mit dem Vogelsand (man kann auch kleine Sägespäne verwenden) einmal richtig getrocknet, so braucht man auch keine Angst haben, dass einzelne Bröckchen abfallen und auf dem Spiegel landen. Vor dem harten Einsatz im Feld kann man aber ja mal mit der Hand leicht über die lackierten Flächen drüberfahren, falls doch mal irgendwo ein loses Körnchen sein sollte.
Beim Lackieren selbst hat sich die Methode "tupfen" eindeutig gegen die Methode "streichen" bewährt. Ruhig auch mehrere Male über die Flächen gehen.
 
Danke Euch für die heißen Tips.

Leicht möglich, daß ich mich mit dem Ausdruck Ausfällung vertan habe und solches nur in Flüssigkeiten geschieht und man, wenn es sich in der Luft vollzeiht, von Ausdünstung reden muß.


Macht's gut!

Roland
 
Hallo Roland,
ich hab auch erst gerätselt wie man Verlour in den langen schmalen Tubus bekommt, aber ein Rundholz (z.B. Stück Besenstiel) hilft da ganz gut. Die passend geschnittene Folie wird mit einer Kante entlang aufs Holz geklebt. Wenige mm reichen und das wird auch nicht richtig angedrückt, sondern nur so dass es ausreichend hält. Der Rest der Folie wird nun entgegen der Klebung lose auf den Stiel gewickelt, so dass die Klebeseite aussen ist, und etwa eine Umdrehung mit ein wenig Überlappung dabei rauskommt. Der Durchmesser sollte nun klein genug sein, dass das in den Tubus reinpasst. Die Tubuswand sollte das ganze möglichst erst berühren wenn man soweit drinn ist wie es sein soll, sonst könnte es Salat im Rohr geben. Dann kann man das ganze im Tubus mit dem Stiel andrücken und abwickeln. Das Andrücken am besten da anfangen wo die Folie nicht gerade am Stiel klebt oder die Überlappung ist. Da die Klebeseite auf Velour nicht gut haftet löst sich die Überlappung leicht auf, was gut beim Auskleiden ist aber Vorsicht beim Einführen bedeutet.
Bei meinem Aldi-Rohr hat das gut funktioniert, obwohl ich die Blende drinn gelassen hab. Da gab es eben von beiden Seiten ein Stück Velour bis genau an die Blende heran. Beim OAZ gings so auch, allerdings dann mit nem dicken Stift statt Besenstiel.

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viel Spass beim Basten
Ralf

 
Hallo Roland

Auch ich habe meine kleinen Tuben, innen 80-100 mm Durchmesser, mit Velour ausgekleidet. Ich sprühe den Tubus innen mit Wasser und ein wenig Pril aus, so kann der Velour schwimmend auf dem Wasserfilm ausgerichtet werden, wenn alles ok ist rolle ich alles mit einer Gummirolle fest, hierbei wird der größte Teil der Flüssigkeit herausgetrieben, der Rest verdunstet in ein paar Tagen.

Gruß Werner
 
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