Anmerkungen zur heutigen Sonnenfinsternis

astrokluegler

Mitglied
Hallo Sternfreunde,

zwei Anmerkungen zur SoFi 2026AUG12:

1. Der Finsternisablauf zeigt das geometrische Kuriosum "Zentral in wahrer Mitternacht": Die geozentrische Konjunktion in Rektaszension von Mond und Sonne findet an einem geographischen Ort statt, an dem die Sonne zu diesem Zeitpunkt in UNTERER Kulmination steht. Das kann passieren, wenn die Erdachse jahreszeitlich bedingt noch stark geneigt ist und einer der Pole zur Sonne "schielt". Dann kann der Finsternisstrahl "nördlich" bzw. "südlich" des gleichnamigen Poles die Erdkugel knapp noch erreichen und eine zentrale (totale oder ringförmige) Finsternis auslösen.

Dies wird heute abend der Fall sein: Die Finsternis findet am europäischen Abend statt und betrifft also überwiegend die amerikanische Erdhälfte. Um 17h05m ET, gleich nach Beginn der Finsternis kommen Mond und Sonne in Konjunktion in RA, am geographischen Ort -106°E+85°N ist die Finsternis zentral, die Sonne steht in unterer Kulmination und es ist dort also wahre Mitternacht (Sonnenhöhe 10°). Der Ort -106°E+85°N ist im Nordpolarmeer nördlich der russischen Insel Severnaja Semlja. 10m später, um 17h15m ET, ist der Strahl schon an einen Ort im Norden Grönlands (21°W+84°N) und damit hinüber auf die andere Erdhälfte geschnappt (Sonnenhöhe 18°).

Auf den heute in den Medien überall präsenten NASA-Bildchen kommt das dadurch zum Ausdruck, dass die Zentralitätszone auf den Bildchen oben auf der russischen Seite des Nordpols einsetzt und dann auf den Bildchen weiter unten nach Grönland auf die amerikanische Seite wechselt.

Im Umkreis jeder Finsternis gibt es drei Eckmarken: Konjunktion in Rektaszension, Konjunktion (bzw. Opposition bei der MoFi) in ekliptikaler Länge (=Neu-/Vollmond) und Finsternismaximum (minimaler Abstand des Finsternisstrahls vom Mittelpunkt der Erde bzw. ihres Kernschattens). Die zeitliche Reihung der drei Marken hängt ab von der Jahreszeit, dem betroffenen Mondbahnknoten und davon, ob und wie stark nördlich oder südlich der Ekliptik die Finsternis abläuft.
SoFi26AUG12_geoSchema.jpg

In meinem Schema ist die sonnenzugewandte Hälfte des Erdäquators nach unten verkippt (es ist Nord-Sommer) und der Nordpol schielt zur Sonne. Die Mondbahn schießt knapp oberhalb des Nordpols vorbei, bezeichnet mit "Konjunktion in Rektaszension". Vollmond und Maximum folgen. Drehungszustand der Erde beim Maximum, d.h. man hat sich die amerikanische Erdmasse in der rechten Erdbild-Hälfte vorzustellen.

2. Mein zweites Schema zeigt die lokalen Verfinsterungsabläufe an drei europäischen Orten (Paris -2,3°E+48,8°N, Fürnheim -10,5°E+49,0°N, Rom -12,5°E+41,9°N) mit notierten Höhen über dem örtlichen Horizont zur fraglichen Zeit: Die zweite Ablaufhälfte fällt meistens ins Wasser, da unter Horizont.

Mer Mond verlässt die Sonnenscheibe nach links und eher nach oben - nicht nach unten, wie viele Medien behaupten. Mein Schema ist "lokaler Zenit oben"; die gängigen Ablaufschemen sind "Nordpol oben". "Lokaler Zenit oben" ist eine verwickelte Rechnerei, "Nordpol oben" gilt überall, ist einfach und an jeder Ecke zu haben, leistet aber derlei Fehlbehauptung leider Vorschub.

SoFi26AUG12_topoSchema.JPG


Ralf
 
Zurück
Oben