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Hallo,
durch die kurze Beobachtungsnotiz von Ralf (selenograph) angeregt, habe ich in der Nacht zum Mittwoch noch etwas genauer den Mond inspiziert. Eigentlich wollte ich ohne Umwege (zum Fenster) geradewegs in die Federn, doch ich konnte nicht widerstehen. Für ein paar Schnappschüsse wird doch wohl noch Zeit sein, dachte ich und so war dann ruckzuck die Digitalkamera mit Stativ aufgestellt. Nach Einstein ist Zeit relativ und so wurden daraus dann doch fast 90 Minuten, ehe ich im Kissen versank.
Zweifach gekrönter Mond
Doch zuerst eine kleine Rückblende. Am späten Sonntagabend, es war etwa 5 Minuten vor 22:00 MEZ, warf ich einen meiner Kontrollblicke aus dem Fenster und traute meinen Augen kaum. Die Begeisterung der anderen hielt sich dabei in Grenzen. Eine so klare und helle Mondkorona - gleich in doppelter Ausführung - hatte ich noch nie gesehen. Kurz gesagt: Ich war hin und weg. Der fast volle Mond (Phase bei 0,998) war in einen hellen Hof (Aureole) eingebettet, welcher von zwei sehr ausgeprägten Kränzen umgeben war. Wunderschöne konzentrische Ringe. Und zwischen den orangefarbenen Ringen befand sich ein Meer aus satten Farben. Die Mondkränze zeigten sich wirklich überdeutlich.
Mit Kamera und Stativ im Arm ging es hastig nach draußen. Noch während ich mit meinen ersten Versuchen beschäftigt war, das Schauspiel auf digitalem Papier festzuhalten, wurde die Leuchtkraft der Farben sogleich schwächer. Dann verschwand auch der äußere Kranz, die Blau- und Grüntöne und übrig blieb eine "normale" Aureole mit rötlichem Kranz. Alles spielte sich in schätzungsweise 10 Minuten ab. Dann waren alle Bilder im Kasten und auch wenn ich nicht die komplette Korona auf den Chip bannen konnte, war es doch ein farbenfroher Augenblick.
Mondspechteln im Warmen
Nun aber zurück zu letzter Nacht. So ab 0:30 MEZ setzte ich mich zum Mond und sah ihm durch's Fensterglas zu. Weitestgehend war der Himmel wolkenlos. Nur ab und an zogen ein paar weiß gekleidete Wolken am Horizont vorüber. Mit 350mm schnappte ich fleißig meine Schüsse vom schon wieder abnehmenden Mond (Phase bei 0,971).
"Cassinis heller Fleck" und mehr
Schon mit bloßen Augen war die abnehmende Gestalt zu erkennen; die wiederkehrende Nacht hatte sich schon dem Ostrand vom Mare Crisium genähert. Durch's 10x50-Glas geschaut, zeigte sich ein markanter Langrenus nahe des Terminators. Auch wenn "Cassinis heller Fleck" wieder strahlend hell den Südpol von Luna regierte, war er doch ein wenig schwächer - meine ich jedenfalls. Im Fernglas hingegen befand sich die schneeweiße Region nun deutlich inmitten Tychos weit gesponnenenem Strahlensystem. Die helle Kopernikus- und Kepler-Region konnte ohne Hilfsmittel sauber getrennt werden. Unter anderem beobachtete ich Kepler als punktförmiges Objekt. Er hob sich als nadelfeiner(!), weißer Punkt von der etwas dunkleren Umgebung ab.
Aristarchus ohne optische Hilfsmittel
Neben den grauen Maria und einigen besonders hellen Regionen, hielt ich desweiteren nach Aristarchus Ausschau. Bei meinem 10-minütigen Kurzspechtelerlebnis am Morgen des 23. Januar ist es mir erstmals gelungen, den hellen, aber nicht so leicht zu erspähenden Krater Aristarchus zu sehen - mit freiem Auge natürlich. Die Phase betrug zum Zeitpunkt 0,438, was sicherlich auch zur Sichtung beigetragen hat.
Zur lunaren Mittagsstund sah das schon ganz anders aus. Es war eine harte Nuss, aber nach erfolglosen Versuchen bekam ich langsam den Dreh raus. Ich muss nur gelegentlich das Auge vom Mondglanz erholen. Entweder schließt man für ein paar Sekunden die Augen, oder sucht sich ein dunkles Fleckchen am Himmel - er ist ja voll davon. Dann das Auge wieder auf die helle Scheibe richten und fokussieren lassen. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> Der Effekt ist nicht zu übersehen. Der Mond wird kurzzeitig sichtbar schärfer abgebildet und da tauchte schließlich im (fast) rechten Winkel zu Kopernikus und Kepler ein kleines helles Fleckchen auf. Nicht lang, so dass ich es auch nicht näher beschreiben kann, aber er war definitiv da. Eine harte Nuss namens Aristarchus. Ich habe hochkonzentriert das Spielchen viele Male wiederholt und manchmal klappte es und manchmal nicht.
Bei aufmerksamer Beobachtung ist der Krater nicht zu übersehen. Viel Geduld zahlte sich hier aus.
Mehr Wolken und Farbe
Ein kleines Wolkenfeld durchzog die Deichsel und den Kasten über mir. Im Streulicht der weißen Mondscheibe erkannte ich später endlich auch ein paar Sternkonstellationen. Vor mir breitete sich der Bärenhüter aus und ein paar funkelnde Juwelen in der Nördlichen Krone waren ebenfalls zu beobachten. Wolkenfetzen umringten die Kornähre in der Jungfrau. Sie mehrten sich. Nun erkannte ich auch, dass sich unser nächtlicher Begleiter etwas unterhalb der Hinterläufe vom Löwen befand. Über der Großkatze tauchte ein langes, nicht sehr breites Wolkenband auf, durchzog den Mond und verschwand im Südosten. Es nahm kein Ende.
Es brachte eine Aureole mit, welches sich um die kalte Mondscheibe legte. Um den hellen Hof bildete sich wieder ein rötlicher Kranz. Die Kamera hatte ich schon weggelegt, hierfür baute ich sie nochmal auf. So wie die Wolken zogen, veränderte sich laufend die Intensität und Größe des Lichtringes, der mit unter auch die Form eines Halbkreises annahm und so einem Regenbogen ähnelte.
Schwache Vorhänge wanderten am Mond vorüber und radiale Strukturen innerhalb des Kranzes ahmten teilweise den Helixnebel nach. Eine unbeschreibliche Atmosphäre, wie die von Luna angeleuchteten Wolkenzüge wie Gespenster durch die Nacht flatterten. Neben vom Mond beschienenen umrahmten auch dunkle Wolken das Himmelsbild, was hoffentlich mit den Bildern einigermaßen rüberkommt. Immerhin musste ich durch das geschlossene Fenster fotografieren ...
In den letzten Minuten meiner kurzfristigen Spechtelsession trat sogar, als die Hoferscheinung fast nicht mehr durch die Wolken kam, noch ein zweiter Kranz auf. Somit konnte ich noch zum Schluß einen schwachen (verglichen mit der Mondkorona vom Sonntag), aber gut erkennbaren farbigen Halbbogen zwischen den Lichtringen bewundern.
Alles in allem
Danach habe ich mich aber von Frau Luna endlich verabschiedet. Es war kurz vor 2:00 MEZ. Jetzt muss ich nur noch nach den Bildern sehen. Die werden natürlich nachgereicht. Die Highlights der Beobachtungen waren mit Abstand die doppelte Mondkorona und Aristarchus mit freiem Auge.
CS
Gruß - Nico
durch die kurze Beobachtungsnotiz von Ralf (selenograph) angeregt, habe ich in der Nacht zum Mittwoch noch etwas genauer den Mond inspiziert. Eigentlich wollte ich ohne Umwege (zum Fenster) geradewegs in die Federn, doch ich konnte nicht widerstehen. Für ein paar Schnappschüsse wird doch wohl noch Zeit sein, dachte ich und so war dann ruckzuck die Digitalkamera mit Stativ aufgestellt. Nach Einstein ist Zeit relativ und so wurden daraus dann doch fast 90 Minuten, ehe ich im Kissen versank.
Zweifach gekrönter Mond
Doch zuerst eine kleine Rückblende. Am späten Sonntagabend, es war etwa 5 Minuten vor 22:00 MEZ, warf ich einen meiner Kontrollblicke aus dem Fenster und traute meinen Augen kaum. Die Begeisterung der anderen hielt sich dabei in Grenzen. Eine so klare und helle Mondkorona - gleich in doppelter Ausführung - hatte ich noch nie gesehen. Kurz gesagt: Ich war hin und weg. Der fast volle Mond (Phase bei 0,998) war in einen hellen Hof (Aureole) eingebettet, welcher von zwei sehr ausgeprägten Kränzen umgeben war. Wunderschöne konzentrische Ringe. Und zwischen den orangefarbenen Ringen befand sich ein Meer aus satten Farben. Die Mondkränze zeigten sich wirklich überdeutlich.
Mit Kamera und Stativ im Arm ging es hastig nach draußen. Noch während ich mit meinen ersten Versuchen beschäftigt war, das Schauspiel auf digitalem Papier festzuhalten, wurde die Leuchtkraft der Farben sogleich schwächer. Dann verschwand auch der äußere Kranz, die Blau- und Grüntöne und übrig blieb eine "normale" Aureole mit rötlichem Kranz. Alles spielte sich in schätzungsweise 10 Minuten ab. Dann waren alle Bilder im Kasten und auch wenn ich nicht die komplette Korona auf den Chip bannen konnte, war es doch ein farbenfroher Augenblick.
Mondspechteln im Warmen
Nun aber zurück zu letzter Nacht. So ab 0:30 MEZ setzte ich mich zum Mond und sah ihm durch's Fensterglas zu. Weitestgehend war der Himmel wolkenlos. Nur ab und an zogen ein paar weiß gekleidete Wolken am Horizont vorüber. Mit 350mm schnappte ich fleißig meine Schüsse vom schon wieder abnehmenden Mond (Phase bei 0,971).
"Cassinis heller Fleck" und mehr
Schon mit bloßen Augen war die abnehmende Gestalt zu erkennen; die wiederkehrende Nacht hatte sich schon dem Ostrand vom Mare Crisium genähert. Durch's 10x50-Glas geschaut, zeigte sich ein markanter Langrenus nahe des Terminators. Auch wenn "Cassinis heller Fleck" wieder strahlend hell den Südpol von Luna regierte, war er doch ein wenig schwächer - meine ich jedenfalls. Im Fernglas hingegen befand sich die schneeweiße Region nun deutlich inmitten Tychos weit gesponnenenem Strahlensystem. Die helle Kopernikus- und Kepler-Region konnte ohne Hilfsmittel sauber getrennt werden. Unter anderem beobachtete ich Kepler als punktförmiges Objekt. Er hob sich als nadelfeiner(!), weißer Punkt von der etwas dunkleren Umgebung ab.
Aristarchus ohne optische Hilfsmittel
Neben den grauen Maria und einigen besonders hellen Regionen, hielt ich desweiteren nach Aristarchus Ausschau. Bei meinem 10-minütigen Kurzspechtelerlebnis am Morgen des 23. Januar ist es mir erstmals gelungen, den hellen, aber nicht so leicht zu erspähenden Krater Aristarchus zu sehen - mit freiem Auge natürlich. Die Phase betrug zum Zeitpunkt 0,438, was sicherlich auch zur Sichtung beigetragen hat.
Zur lunaren Mittagsstund sah das schon ganz anders aus. Es war eine harte Nuss, aber nach erfolglosen Versuchen bekam ich langsam den Dreh raus. Ich muss nur gelegentlich das Auge vom Mondglanz erholen. Entweder schließt man für ein paar Sekunden die Augen, oder sucht sich ein dunkles Fleckchen am Himmel - er ist ja voll davon. Dann das Auge wieder auf die helle Scheibe richten und fokussieren lassen. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> Der Effekt ist nicht zu übersehen. Der Mond wird kurzzeitig sichtbar schärfer abgebildet und da tauchte schließlich im (fast) rechten Winkel zu Kopernikus und Kepler ein kleines helles Fleckchen auf. Nicht lang, so dass ich es auch nicht näher beschreiben kann, aber er war definitiv da. Eine harte Nuss namens Aristarchus. Ich habe hochkonzentriert das Spielchen viele Male wiederholt und manchmal klappte es und manchmal nicht.
Bei aufmerksamer Beobachtung ist der Krater nicht zu übersehen. Viel Geduld zahlte sich hier aus.
Mehr Wolken und Farbe
Ein kleines Wolkenfeld durchzog die Deichsel und den Kasten über mir. Im Streulicht der weißen Mondscheibe erkannte ich später endlich auch ein paar Sternkonstellationen. Vor mir breitete sich der Bärenhüter aus und ein paar funkelnde Juwelen in der Nördlichen Krone waren ebenfalls zu beobachten. Wolkenfetzen umringten die Kornähre in der Jungfrau. Sie mehrten sich. Nun erkannte ich auch, dass sich unser nächtlicher Begleiter etwas unterhalb der Hinterläufe vom Löwen befand. Über der Großkatze tauchte ein langes, nicht sehr breites Wolkenband auf, durchzog den Mond und verschwand im Südosten. Es nahm kein Ende.
Es brachte eine Aureole mit, welches sich um die kalte Mondscheibe legte. Um den hellen Hof bildete sich wieder ein rötlicher Kranz. Die Kamera hatte ich schon weggelegt, hierfür baute ich sie nochmal auf. So wie die Wolken zogen, veränderte sich laufend die Intensität und Größe des Lichtringes, der mit unter auch die Form eines Halbkreises annahm und so einem Regenbogen ähnelte.
Schwache Vorhänge wanderten am Mond vorüber und radiale Strukturen innerhalb des Kranzes ahmten teilweise den Helixnebel nach. Eine unbeschreibliche Atmosphäre, wie die von Luna angeleuchteten Wolkenzüge wie Gespenster durch die Nacht flatterten. Neben vom Mond beschienenen umrahmten auch dunkle Wolken das Himmelsbild, was hoffentlich mit den Bildern einigermaßen rüberkommt. Immerhin musste ich durch das geschlossene Fenster fotografieren ...
In den letzten Minuten meiner kurzfristigen Spechtelsession trat sogar, als die Hoferscheinung fast nicht mehr durch die Wolken kam, noch ein zweiter Kranz auf. Somit konnte ich noch zum Schluß einen schwachen (verglichen mit der Mondkorona vom Sonntag), aber gut erkennbaren farbigen Halbbogen zwischen den Lichtringen bewundern.
Alles in allem
Danach habe ich mich aber von Frau Luna endlich verabschiedet. Es war kurz vor 2:00 MEZ. Jetzt muss ich nur noch nach den Bildern sehen. Die werden natürlich nachgereicht. Die Highlights der Beobachtungen waren mit Abstand die doppelte Mondkorona und Aristarchus mit freiem Auge.
CS
Gruß - Nico