mohlitz
Aktives Mitglied
Ich suche für Magellan
www.beobachterforum.de
noch Artikel oder Gedanken zur Fernglasjustierung.
Anbei meine "Weisheit".
Wer Neues berichten kann oder sich berufen fühlt,
Altes in neue, für Laien verständliche Formen zu bringen,
sollte mir (auch gerne mit Fotos----DSL
mailen.
Ich werde das Material sichten, mich freuen und alles
in einem Artikel zusammenfassen.
Natürlich mit Hinweis auf die jeweiligen Autoren.
Für eure Mails danke ich schon jetzt.
Dirk
mohlitz@t-online.de
Reinigung und Justierung von Ferngläsern
Von Dirk Mohlitz
Es begann alles recht harmlos mit dem Kauf eines fürchterlich dejustierten und zerbeulten 8 x 30 Feldstecher für damals 5,- DM. Er verstaubte 2 Jahre im Schrank, bevor ich mich endlich entschließen konnte, das „gute Stück“ doch einmal herauszukramen. Eigentlich wollte ich ihn nur ein wenig reinigen, entdeckte dabei aber jede Menge Schrauben und begann, ihn Stück für Stück auseinander zu bauen. Sorgfältig legte ich die einzelnen Teile nacheinander sortiert auf ein großes Blatt Papier und beschriftete darauf direkt die Lage der einzelnen Teile. Nicht verkittete Linsen und die Prismen weichte ich in Spülmittelwasser ein und säuberte dann alles mit einfachem Glasreiniger und Alkohol. Die nächsten Stunden verbrachte ich damit, die Prismen zu justieren. Da keine Stellschrauben vorhanden waren, musste ich immer erst alles zusammenbauen, prüfen, auseinander bauen und erneut leicht nachjustieren, in dem ich die Prismen leicht verdrehte und unterlegte, bis ich endlich doch ein akzeptables Ergebnis erreichte. Diese ersten Schritte waren eine interessante Erfahrung und ich kann einem Einsteiger nur empfehlen, auch mit einem alten, „wertlosen“ Fernglas zu beginnen. Die Erfolgserlebnisse bei Gläsern mit Justierschrauben werden um so größer sein. Doch vorab ein paar kleine Tipps zur Reinigung. Optische Flächen sind sehr empfindlich. Zeit, Ruhe und ein sauberer Arbeitsplatz sind unerlässlich. Stark verdreckte Flächen werden eingeweicht, bevor sie vorsichtig mit einem Pinsel oder weichen Lappen feucht (besser unter Wasser) abgerieben werden. Kreisförmige Bewegungen erzeugen möglicherweise durch kleine Staubkörnchen auch lange, kreisförmige Kratzer. Die Bewegung in nur einer Richtung ist also auf jeden Fall besser. Verkittete Linsen dürfen zum Einweichen nicht untergetaucht werden, da Feuchtigkeit in die Kittschicht eindringen könnte. Ich nehme dafür einfach nasse Haushaltstücher und lege sie auf die Linsen. Ist der grobe Dreck entfernt, reicht meist ein fusselfreier Lappen und etwas handelsüblicher Glasreiniger. In Fotogeschäften sind auch diverse Kamerapflegesprays erhältlich, welche sich teilweise sehr gut bewährt haben. Nun dürfen die Flächen natürlich nicht mehr mit bloßen Händen berührt werden. Sehr ärgerlich ist es, wenn nach erfolgreichem Zusammenbau ein schöner, großer Fingerabdruck auf einem der Prismen erscheint. Wenn man vom Objektiv aus in ein Fernglas schaut, kann man nicht nur Staub und Dreck erkennen, sondern sieht gerade bei Gebrauchtgeräten oft auch diese verräterischen Spuren, die einem zeigen, dass schon Jemand daran „herumgefummelt“ hat. Baumwollhandschuhe vermeiden aber jeden Ärger. Das Gehäuse wird selbstverständlich auch von losem Staub befreit und alle beweglichen Teile werden neu gefettet. Nun kann alles wieder montiert werden. Wenn die Prismen exakt im Winkel von 90 Grad zueinander stehen, ist das schon die halbe Miete. Sonst verkippen die Bilder zueinander. Sind keine Justierschrauben vorhanden, kann man nur durch unterlegen der Prismen mit Alufolie nach und nach ein brauchbares Ergebnis erzielen. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass dies sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Beschäftigen wir uns deshalb nur mit der Justierung über Schrauben. Wichtig ist, erst einmal festzustellen, welche Seite justiert werden muss. Ein Stativ ist dazu eine große Hilfe. Wenn nun die einzelnen Hälften des Fernglases um den Mitteltrieb herum verdreht werden, sollte das Bild sich nicht mitdrehen. Auch eine Hauswand kann angepeilt werden. Sie sollte auf beiden Seiten senkrecht stehen. Ist dies nicht der Fall, sind die Prismen nicht genau winklig ausgerichtet. Sind die Bilder nur verschoben, ist es mit Hilfe der Justierschrauben sehr einfach, sie wieder deckungsgleich zu bekommen. Anhand der Bilder sieht man gut, wo sie zu finden sind. (Mit freundlicher Genehmigung von Meade) Mit kleinen Schraubenziehern kann nun das Bild so lange verstellt werden, bis es in scheinbar Ordnung ist. Die Augen werden dabei abwechselnd geschlossen. Ein Patentrezept gibt es dafür leider nicht. Nach mindestens 10 Minuten Pause schaut man erneut durch das Fernglas und wird etwas nachjustieren müssen, weil die Augen nun wieder entspannt sind. Auch sollte man einige Zeit beidäugig schauen und dann den Blick ohne Fernglas schnell auf ein entferntes Objekt richten. Entsteht der Eindruck, die Augen müssten sich erst wieder etwas anpassen, wird erneut nachgestellt, bis man wirklich entspannt durchsehen kann. Eine weitere, recht schöne Möglichkeit besteht in der Justierung über die Objektive. Dazu müssen nur vorne die Ringe abgeschraubt werden. Sieht man nun einen Ring mit Gewinde und zwei kleinen Einschnitten, kann dieser mit einem Objektivschlüssel (sehr teuer) entfernt werde. Darunter liegen zwei ineinander exzentrisch gelagerte Ringe, welche durch Verdrehen den Strahlengang wieder korrigieren. Ohne Stativ ist dies nur sehr schwer möglich. Natürlich muss auch hier nach dem Zusammenbau alles erneut geprüft werden und gegebenenfalls wiederholt werden. Grundsätzlich ist fast jedes Fernglas anders und Justierschrauben sind gerade bei Belederungen oft nur schwer zu erkennen. Nur bei sehr alten Modellen fehlt diese Einstellmöglichkeit oft. Aber der Aufwand wird sich lohnen und man hat nachher das erste selbstjustierte Fernglas in den Händen, welches auch noch tolle Bilder liefert. Mit der Zeit traut man sich an immer teurere Geräte heran und wird so fast zum Profi. Mir macht es auch nach dem hundertsten Fernglas immer noch Spaß, einem Laien (Gruß an Max ;-) „mal eben“ ein Doppelbild „wegzuschrauben“. Bei Fragen (auch zu antiken Instrumenten) stehe ich gerne zur Verfügung.
Dirk Mohlitz
Am unteren Bend 2
41516 Grevenbroich
mohlitz@t-online.de
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noch Artikel oder Gedanken zur Fernglasjustierung.
Anbei meine "Weisheit".
Wer Neues berichten kann oder sich berufen fühlt,
Altes in neue, für Laien verständliche Formen zu bringen,
sollte mir (auch gerne mit Fotos----DSL
Ich werde das Material sichten, mich freuen und alles
in einem Artikel zusammenfassen.
Natürlich mit Hinweis auf die jeweiligen Autoren.
Für eure Mails danke ich schon jetzt.
Dirk
mohlitz@t-online.de
Reinigung und Justierung von Ferngläsern
Von Dirk Mohlitz
Es begann alles recht harmlos mit dem Kauf eines fürchterlich dejustierten und zerbeulten 8 x 30 Feldstecher für damals 5,- DM. Er verstaubte 2 Jahre im Schrank, bevor ich mich endlich entschließen konnte, das „gute Stück“ doch einmal herauszukramen. Eigentlich wollte ich ihn nur ein wenig reinigen, entdeckte dabei aber jede Menge Schrauben und begann, ihn Stück für Stück auseinander zu bauen. Sorgfältig legte ich die einzelnen Teile nacheinander sortiert auf ein großes Blatt Papier und beschriftete darauf direkt die Lage der einzelnen Teile. Nicht verkittete Linsen und die Prismen weichte ich in Spülmittelwasser ein und säuberte dann alles mit einfachem Glasreiniger und Alkohol. Die nächsten Stunden verbrachte ich damit, die Prismen zu justieren. Da keine Stellschrauben vorhanden waren, musste ich immer erst alles zusammenbauen, prüfen, auseinander bauen und erneut leicht nachjustieren, in dem ich die Prismen leicht verdrehte und unterlegte, bis ich endlich doch ein akzeptables Ergebnis erreichte. Diese ersten Schritte waren eine interessante Erfahrung und ich kann einem Einsteiger nur empfehlen, auch mit einem alten, „wertlosen“ Fernglas zu beginnen. Die Erfolgserlebnisse bei Gläsern mit Justierschrauben werden um so größer sein. Doch vorab ein paar kleine Tipps zur Reinigung. Optische Flächen sind sehr empfindlich. Zeit, Ruhe und ein sauberer Arbeitsplatz sind unerlässlich. Stark verdreckte Flächen werden eingeweicht, bevor sie vorsichtig mit einem Pinsel oder weichen Lappen feucht (besser unter Wasser) abgerieben werden. Kreisförmige Bewegungen erzeugen möglicherweise durch kleine Staubkörnchen auch lange, kreisförmige Kratzer. Die Bewegung in nur einer Richtung ist also auf jeden Fall besser. Verkittete Linsen dürfen zum Einweichen nicht untergetaucht werden, da Feuchtigkeit in die Kittschicht eindringen könnte. Ich nehme dafür einfach nasse Haushaltstücher und lege sie auf die Linsen. Ist der grobe Dreck entfernt, reicht meist ein fusselfreier Lappen und etwas handelsüblicher Glasreiniger. In Fotogeschäften sind auch diverse Kamerapflegesprays erhältlich, welche sich teilweise sehr gut bewährt haben. Nun dürfen die Flächen natürlich nicht mehr mit bloßen Händen berührt werden. Sehr ärgerlich ist es, wenn nach erfolgreichem Zusammenbau ein schöner, großer Fingerabdruck auf einem der Prismen erscheint. Wenn man vom Objektiv aus in ein Fernglas schaut, kann man nicht nur Staub und Dreck erkennen, sondern sieht gerade bei Gebrauchtgeräten oft auch diese verräterischen Spuren, die einem zeigen, dass schon Jemand daran „herumgefummelt“ hat. Baumwollhandschuhe vermeiden aber jeden Ärger. Das Gehäuse wird selbstverständlich auch von losem Staub befreit und alle beweglichen Teile werden neu gefettet. Nun kann alles wieder montiert werden. Wenn die Prismen exakt im Winkel von 90 Grad zueinander stehen, ist das schon die halbe Miete. Sonst verkippen die Bilder zueinander. Sind keine Justierschrauben vorhanden, kann man nur durch unterlegen der Prismen mit Alufolie nach und nach ein brauchbares Ergebnis erzielen. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass dies sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Beschäftigen wir uns deshalb nur mit der Justierung über Schrauben. Wichtig ist, erst einmal festzustellen, welche Seite justiert werden muss. Ein Stativ ist dazu eine große Hilfe. Wenn nun die einzelnen Hälften des Fernglases um den Mitteltrieb herum verdreht werden, sollte das Bild sich nicht mitdrehen. Auch eine Hauswand kann angepeilt werden. Sie sollte auf beiden Seiten senkrecht stehen. Ist dies nicht der Fall, sind die Prismen nicht genau winklig ausgerichtet. Sind die Bilder nur verschoben, ist es mit Hilfe der Justierschrauben sehr einfach, sie wieder deckungsgleich zu bekommen. Anhand der Bilder sieht man gut, wo sie zu finden sind. (Mit freundlicher Genehmigung von Meade) Mit kleinen Schraubenziehern kann nun das Bild so lange verstellt werden, bis es in scheinbar Ordnung ist. Die Augen werden dabei abwechselnd geschlossen. Ein Patentrezept gibt es dafür leider nicht. Nach mindestens 10 Minuten Pause schaut man erneut durch das Fernglas und wird etwas nachjustieren müssen, weil die Augen nun wieder entspannt sind. Auch sollte man einige Zeit beidäugig schauen und dann den Blick ohne Fernglas schnell auf ein entferntes Objekt richten. Entsteht der Eindruck, die Augen müssten sich erst wieder etwas anpassen, wird erneut nachgestellt, bis man wirklich entspannt durchsehen kann. Eine weitere, recht schöne Möglichkeit besteht in der Justierung über die Objektive. Dazu müssen nur vorne die Ringe abgeschraubt werden. Sieht man nun einen Ring mit Gewinde und zwei kleinen Einschnitten, kann dieser mit einem Objektivschlüssel (sehr teuer) entfernt werde. Darunter liegen zwei ineinander exzentrisch gelagerte Ringe, welche durch Verdrehen den Strahlengang wieder korrigieren. Ohne Stativ ist dies nur sehr schwer möglich. Natürlich muss auch hier nach dem Zusammenbau alles erneut geprüft werden und gegebenenfalls wiederholt werden. Grundsätzlich ist fast jedes Fernglas anders und Justierschrauben sind gerade bei Belederungen oft nur schwer zu erkennen. Nur bei sehr alten Modellen fehlt diese Einstellmöglichkeit oft. Aber der Aufwand wird sich lohnen und man hat nachher das erste selbstjustierte Fernglas in den Händen, welches auch noch tolle Bilder liefert. Mit der Zeit traut man sich an immer teurere Geräte heran und wird so fast zum Profi. Mir macht es auch nach dem hundertsten Fernglas immer noch Spaß, einem Laien (Gruß an Max ;-) „mal eben“ ein Doppelbild „wegzuschrauben“. Bei Fragen (auch zu antiken Instrumenten) stehe ich gerne zur Verfügung.
Dirk Mohlitz
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41516 Grevenbroich
mohlitz@t-online.de
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