Aschgraues Licht der Venus

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UwePilz

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Ist schon paar Tage her: Am ersten Weihnachtstag war hier in Leipzig überraschend klarer Himmel. Da er zwischen zwei Niederschlagsgebiten auftrat, war es wirklich *sehr* klar - Bortle 3 an meinem Beobachtungsplatz in der Dübener Heide.

Nach dem ich meinen 32cm-Dob hingestellt hatte, warf ich einen Blick auf die Venus, die kurz über dem Westhorizont stand. Und konnte meinen Augen kaum trauen: Das aschgraue Licht! Ich hatte es noch nie gesehen. Im Inneren der Venus-Sichel war eine graue Scheibe von etwa 3/4 des Durchmessers der Sichel. Ich habe ein Tiefviolettfilter - es zeigte die
Erscheinung noch deutlicher. (55x)

Das Leuchten war klar zu sehen, auf den ersten Blick, ohne Schätezn und Vermuten.
 
Hallo Uwe,

eine sehr interessante Beobachtung!

Viele Beobachter haben das aschgraue Venuslicht immer wieder gesehen.
Einiges darüber zu lesen ist z.B. hier:
http://www.geocities.com/~dniechoy/ven4.html
http://www-ssc.igpp.ucla.edu/personnel/russell/papers/ashen/

Eine ähnliche bzw. entgegengesetzte Wahrnehmung wie Du machte ich bei öfteren Venusbeobachtungen zwischen Juni und Aug.2004: der unbeleuchtete Venusteil erschien mir gelegentlich _dunkler_ als der helle Morgen- bzw. Taghimmel -- ich hab meistens schon nach Sonnenaufgang beobachtet. Bei etwa 20 Beobachtungen bemerkte ich diesen Effekt aber nur drei oder vier Mal. Ein aschgraues Venuslicht ist mir bei diesen Tagbeobachtungen nie aufgefallen. Es war öfters recht klar und Venus deutlich als feiner weisser Punkt im Himmelsblau mit freiem Auge sichtbar. Für die Fernrohrbeobachtungen benutzte ich einen 13cm Refraktor.

Bei uns ist übrigens seit Wochen sehr schlechtes Wetter und Venus daher unsichtbar.... hoffentlich klappts noch vor der Konjunktion!

Viele Grüsse
Wolfgang
 
Gratuliere zu dieser Beobachtung, Uwe. Was für ein Jahresausklang. Im Thread "Untergang der Venus" machte mich Mike Wölle auf dieses Phänomen aufmerksam, als er über seine Sichtung der aschgrauen Venus berichtete.

Zu historischen Beschreibungen des aschgrauen Lichts zitierte er aus "Planeten - Geschwister der Erde" diese Textstelle.

ASCHGRAUE LICHT DER VENUS

"Das Aschgraue Licht der Venus wurde von vielen Beobachtern gesehen. Es ist nur bei schmaler Sichel zu erkennen und gleicht in seinem Aussehen weitgehend dem altbekanntem Erdlicht auf dem Mond. Erstmals wurde es am 9.1.1643 vom Italiener Riccioli erkannt, dann 1715 von Derham und wieder am 7.6.1720 Kirch in Berlin, der es auch 1721 und 1726 wiederholt sah.(...) Im 19. und 20. Jahrhundert wird es von vielen beobachtet. Die Farbe wird verschieden angegeben, die Beobachter der Archenhold-Sternwarte in Berlin-Treptow nennen es 1949 auffällig, braunviolett, Helligkeit nicht gleichmässig verteilt.(...) Es handelt sich bestimmt um ein reales Phänomen, keine Täuschung. Zum Teil ist es aber wohl auch eine Kontrasterscheinung, wobei nicht einmal ganz sicher gesagt werden kann, ob sich der unbeleuchtete Teil heller oder dunkler vom Himmelhintergrund abhebt.(...) Fauth schreibt sogar einmal: Oft glimmt die dunkle Seite der Venuskugel in mattem Lichte."
Im Thread selbst gibt es dazu noch mehr zu lesen.

Gruß - Nico
 
Hi Nico,

also, den Thread mit dem "Untergang der Venus" finde ich eher peinlich.
(Was mich betrifft, jedenfalls.)

Und was Mike Wölle angeht: Da hat er mit seiner "Venusbanane" den richtigen Riecher gehabt!!!!!!!!!!
(Respekt.)

Das kann jedem passieren. So oder so ;-)

In diesem Sinne


Sabine
 
Hallo Uwe,

ich hatte mir vor 3 Jahren einen spez. Venusokulareinsatz gebaut:
in der Brennebene sitzt seitlich eine Blende mit einer Bohrung.
Mittels verschieben der Barlowlinse wird nun die Bildgröße des Venusbildes so angepasst, dass der Terminator möglichst genau dem Bohrdurchmesser entspricht.

Die sonnenbeleuchtete Sichel schiebt man also dann hinter die Blende, nur die dunkle Restvenus bleibt sichtbar.
Und sobald die Venussichel hinter der Blende verschwunden ist (parallakt.-motorisch betriebenes Teleskop sinnvoll), springt das aschgrue Venuslicht Dir förmlich ins Auge - jegliche Täuschung ist ausgeschlossen !!!
Es sah neben dem tiefblauen, noch nicht ganz dunklen Abendhimmel auch deutlich okerfarben aus!!!

Auch meine beobachterisch völlig unerfahrene bessere Hälfte sah diese Erscheinung und sogar die Farbe auf Anhieb.
Schiebt man die Venus wieder aus der Blende zurück, ist das aschraue Licht schwieriger - aber gerade noch sichtbar.

Für mich steht übrigens fest: das aschgr. Venuslicht ist wie beim Mond reflektiertes Erdlicht, denn

1. ist es nur in der Venussichel-Phase erkennbar, also nur dann, wenn die Erde besonders nahe der Venus ist.
Hätte das Licht andere Ursachen, müßte es in der Halbvenusphase genauso sichtbar sein!

2. entspr. es der Helligkeit des aschrauen Mondlichts im Mondalter von 7 - 8 Tagen; das bedeutet unter Berücksichtigung des zwar größeren Erdabstandes bei der Venus aber trotzdem das gleiches Rückstrahlverhalten, denn die Venus hat eine 10fach höhere Albedo als der Mond!

3. von der Venus aus ist die Erde in Opposition immerhin -6,6 mag hell (vergl. Ahnert, Kleine praktische Astronomie) , hinzukommt noch das Mondlicht...
Und schon auf der Erde wirft wiederum die Venus (-4,3 mag) (wie auch das Milchstraßenzentrum in südl. Breiten) einen ganz schwachen, aber erkennbaren Schatten.
Die Lichtwirkung der viel helleren Erde + Mond muss sich einfach an den schneeweißen Venuswolken widerspiegeln.

Gruß und cs
Ralf

www.herzberger-teleskoptreffen.de
 
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