Zitat von TobeyMaguire:
Mit zunehmendem sigma nimmt doch die Genauigkeit zu, richtig?
Hallo Tobey, nee, eher umgekehrt! Je größer sigma, desto größer ist die
Ungenauigkeit. Bei den elliptischen Schattenprofilen muss man jedoch grundsätzlich zweierlei verschiedene Effekte unterscheiden:
(1) Die Größe des Schattens als Projektion des Asteroidenquerschnitts auf der Erdoberfläche. Die Breite des Schattenkorridors ist ein direktes Maß für den Durchmesser des Asteroiden. Bei elongierten Körpern kommt es möglicherweise auch noch auf die achsiale Ausrichtúng an. Unsicherheiten in der Größe und Ausrichtung des Asteroiden ergeben dann auch eine Unsicherheit in der Breite des vorhergesagten Schattenprofils.
(2) Unsicherheiten in den Bahndaten des Asteroiden: diese verursachen eine entsprechende Unsicherheit in der Richtung des Schattenwurfs und in der Position des Schattenkorridors. Die genaue zeitliche Fixierung des Ereignisses für verschiedene geographische Beobachter hängt ebenfalls von der Genauigkeit der Bahndaten des Asteroiden ab.
Beide Effekte zusammen bestimmen, wie genau man ein Okkultationsereignis vorhersagen kann.
Eine Erklärung der graphischen Darstellung und der verwendeten Bezeichnungen findest Du hier:
Asteroid Occultation FAQ Page
What is path uncertainty? Unless labeled otherwise, uncertainty is an estimate of 1-sigma for the error in the predicted path (actual path vs predicted path). In theory, there is a 68% probability that the shift from the predicted path to the actual path will be within the estimated uncertainty. On the plots, uncertainty is plotted as an ellipse and the uncertainty in the movement of the path edge is shown with dashed lines. The detailed info for an events lists uncertainty in terms of an ellipse on the sky, in terms of RA,DE, in terms of time (seconds), and in terms of the path width.
Übrigens, die beiden von Dir verlinkten Kandidaten sind nicht besonders vielversprechend:
"rough path description: possibly Earth
path coordinates: path does not land on Earth"
Das sind also aller Wahrscheinlichkeit nach gar keine brauchbaren Okkultationskandidaten, der Schatten verfehlt höchstwahrscheinlich die Erde! Aber völlig auszuschließen ist es auch nicht. Jedenfalls gibt es keine geographischen Okkultationszonen dafür.
Asteroid Occultation Updates
www.euraster.net
Wenn der Schatten eines Asteroiden wie z.B.
Kalliope aber tatsächlich die Erde trifft, dann sieht der geographische Verlauf z.B. so aus wie am 5. Juni 2004:
Kalliope & Linus - Okkultationszone am 5. Juni 2004
Dabei sind für den Hauptkörper Kalliope und ihren Begleiter jeweils zwei unterschiedlich breite Okultationszonen markiert. Der innere Korridor markiert den wahrscheinlichsten Okkultationsverlauf, der äußere gestrichelt markierte Korridor schließt Unsicherheiten in den Parametern von plus/minus sigma mit ein.
Der Sinn der Übung ist natürlich,
Beobachtungergebnisse zu sammeln, um daraus ein Profil des Asteroiden zu extrahieren.
Ein sehr hübscher Sport, bei dem es weniger auf professionelles Equipment als auf geographisch weitgestreute Einzelbeobachter ankommt.
Da können gut organisierte Amateure mit einfachsten Mitteln noch wissenschaftlich wertvolle Beiträge leisten.
Gruß, Peter