Asteroidokkultationen Karten

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TobeyMaguire

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Hallo zusammen

Es geht um die Karten bei den Asteroidenokkultationen. Ich benutze meist jene auf asteroidoccultation.com .

Bis heute ist mir aber schleierhaft was eigentlich diese roten Ellipsen die neben der Erde gezeigt werden darstellen sollen. Sind das die geschätzten Asteroidenformen? Was dann aber zB bei folgenden Events dann doch unwahrscheinlich ist:
http://www.asteroidoccultation.com/2012_07/0725_2002PX170_26750.htm
http://www.asteroidoccultation.com/2012_07/0716_2001KF76_26721.htm

Kann mir jemand erklären was diese bedeuten?

Vielen Dank und CS

Tobey
 
Moin!

Na, wenn Du mal in den Menüpunkt "Detailed Info" bei jedem Deiner Links guckst, siehst Du bei den Bahnparametern des Planetoiden folgende Zeile: "1 sigma uncertainty ellipse (major, minor, PA): 1.980, 0.073, 100°" (Ellipse: Lange und kurze Achse, Positionswinkel (PA))
Das ist eine "Unsicherheits-Ellipse", d.h. das Objekt wird sich mit einiger Wahrscheinlichkeit in dieser Ellipse aufhalten. Da es sich hier um Planetoiden handelt, von denen nur sehr wenige astrometrische Daten vorliegen, die auch schon ein paar Jahre alt sind, ist die Unsicherheit für die Bahnvorhersage entsprechend groß.

Diese Ellipsen kennt man auch bei Landezonen von Raumschiffen (Apollo) und Raumsonden (aktuell: MSL/Curiosity-Landeellipse auf Mars).
 
Ah, vielen Dank. Das war es was ich wissen wollte "das Objekt wird sich mit einiger Wahrscheinlichkeit in dieser Ellipse aufhalten." .
Mit zunehmendem sigma nimmt doch die Genauigkeit zu, richtig?
Dann wäre der Schattenpfad - wo er dann auch immer sein möge - 100% Genauigkeit.
Wenn auch nur ein einziger Beobachter die Bedeckung sieht, dann sind diese Jahre alten astrometrischen Daten dann schlagartig aktualisiert. Wird das so auch praktiziert? Oder geht das Minor Planet Center und das JPL eigentlich nur auf ein wenig "offiziellere" HOHO :) Ergebnisse ein als zB jene vom euraster.net zu berücksichtigen?

Gruss
Tobey
 
Zitat von TobeyMaguire:
Mit zunehmendem sigma nimmt doch die Genauigkeit zu, richtig?
Hallo Tobey, nee, eher umgekehrt! Je größer sigma, desto größer ist die Ungenauigkeit. Bei den elliptischen Schattenprofilen muss man jedoch grundsätzlich zweierlei verschiedene Effekte unterscheiden:

(1) Die Größe des Schattens als Projektion des Asteroidenquerschnitts auf der Erdoberfläche. Die Breite des Schattenkorridors ist ein direktes Maß für den Durchmesser des Asteroiden. Bei elongierten Körpern kommt es möglicherweise auch noch auf die achsiale Ausrichtúng an. Unsicherheiten in der Größe und Ausrichtung des Asteroiden ergeben dann auch eine Unsicherheit in der Breite des vorhergesagten Schattenprofils.

(2) Unsicherheiten in den Bahndaten des Asteroiden: diese verursachen eine entsprechende Unsicherheit in der Richtung des Schattenwurfs und in der Position des Schattenkorridors. Die genaue zeitliche Fixierung des Ereignisses für verschiedene geographische Beobachter hängt ebenfalls von der Genauigkeit der Bahndaten des Asteroiden ab.

Beide Effekte zusammen bestimmen, wie genau man ein Okkultationsereignis vorhersagen kann.

Eine Erklärung der graphischen Darstellung und der verwendeten Bezeichnungen findest Du hier:

Asteroid Occultation FAQ Page

What is path uncertainty? Unless labeled otherwise, uncertainty is an estimate of 1-sigma for the error in the predicted path (actual path vs predicted path). In theory, there is a 68% probability that the shift from the predicted path to the actual path will be within the estimated uncertainty. On the plots, uncertainty is plotted as an ellipse and the uncertainty in the movement of the path edge is shown with dashed lines. The detailed info for an events lists uncertainty in terms of an ellipse on the sky, in terms of RA,DE, in terms of time (seconds), and in terms of the path width.

Übrigens, die beiden von Dir verlinkten Kandidaten sind nicht besonders vielversprechend:

"rough path description: possibly Earth
path coordinates: path does not land on Earth"


Das sind also aller Wahrscheinlichkeit nach gar keine brauchbaren Okkultationskandidaten, der Schatten verfehlt höchstwahrscheinlich die Erde! Aber völlig auszuschließen ist es auch nicht. Jedenfalls gibt es keine geographischen Okkultationszonen dafür.

Asteroid Occultation Updates

www.euraster.net

Wenn der Schatten eines Asteroiden wie z.B. Kalliope aber tatsächlich die Erde trifft, dann sieht der geographische Verlauf z.B. so aus wie am 5. Juni 2004:

Kalliope & Linus - Okkultationszone am 5. Juni 2004

Dabei sind für den Hauptkörper Kalliope und ihren Begleiter jeweils zwei unterschiedlich breite Okultationszonen markiert. Der innere Korridor markiert den wahrscheinlichsten Okkultationsverlauf, der äußere gestrichelt markierte Korridor schließt Unsicherheiten in den Parametern von plus/minus sigma mit ein.

Der Sinn der Übung ist natürlich, Beobachtungergebnisse zu sammeln, um daraus ein Profil des Asteroiden zu extrahieren.

Ein sehr hübscher Sport, bei dem es weniger auf professionelles Equipment als auf geographisch weitgestreute Einzelbeobachter ankommt.

Da können gut organisierte Amateure mit einfachsten Mitteln noch wissenschaftlich wertvolle Beiträge leisten.

Gruß, Peter

 
Moin Peter!

> Der Sinn der Übung ist natürlich, Beobachtungergebnisse zu sammeln, um daraus ein Profil des Asteroiden zu extrahieren.

Das Ganze ist wirklich eine interessante Sache. Ein Kollege vom Verein hat diesen Planetoiden-Bedeckungen auch angenommen. Er hat sich dazu eine Watec-120-Kamera und einen GPS-Zeitgeber angeschafft - letzterer versieht das Videobild mit einem hochgenauen Zeitsignal. Aufgenommen wird auf Rekorderband.
Bei bisher vier Versuchen im vergangenen Jahr hatte mein Kollege allerdings kein positives Ergebnis zu verzeichnen. Einmal spielte die Technik nicht mit, einmal zogen zwei Minuten vor dem Ereignis Wolken rein, und die beiden anderen Male änderte sich am Stern nichts - trotzdem diese Planetoiden um einiges besser vermessen und heller waren als die oben genannten Kandidaten.
 
Zitat von winnie:
Bei bisher vier Versuchen im vergangenen Jahr hatte mein Kollege allerdings kein positives Ergebnis zu verzeichnen. Einmal spielte die Technik nicht mit, einmal zogen zwei Minuten vor dem Ereignis Wolken rein, und die beiden anderen Male änderte sich am Stern nichts ...
Hallo Micha, Mr. Murphy spielt im Einzelfall natürlich immer mit. Mit hinreichend vielen und weit gestreuten Beobachtern kommt man im Kollektiv trotzdem zum Erfolg, siehe Venus-Transit. Wobei eine einwandfrei beobachtete Niete bei einem Okkultationsereignis genauso wertvoll sein kann, wenn sie nahe genug am erwarteten Schattenkorridor stattfindet.

Dieser Okkultationssport gehört sicher zu den wenigen noch verbliebenen Domänen, wo Amateure im Kollektiv mit bescheidenen Mitteln wissenschaftlich relevante Beitäge liefern können.

Gruß, Peter

 
"Tobey",

Mehr Info über die Wahrscheinlichtkeit:
http://www.astrosurf.com/eaon/Circulaires/Circulaire_10.htm

Mehr Info über Sternbedeckungen:
http://www.iota-es.de/

Diese Organisation organisiert jedes Jahr die ESOP (European Symposium on Occultation Projects".
Ich habe sie organisiert in 2006 in Leiden: www.esop2006.nl

Dieses Jahr ist sie in Pescara in Italien:
http://www.icranet.org/index.php?option=com_content&task=view&id=626

Gruss,

Telescopia / Harrie Rutten
President DOA
Dutch Occultation Association
 
Das Programm der ESOP Tagung der IOTA-ES wird immer besser!

Wolfgang
 
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