Astro + Erdbeobachtung

Sternendax

Neues Mitglied
Guten Tag liebe "Sternenfreunde"
Kurze Vorstellung: Mein Name ist Werner ich habe mir vor kurzem ein 8" Dobson gekauft und damit schon einige schöne Beobachtungen machen können. Ich wohne in der Schweiz nähe Luzern auf 850 M.ü.M. am Dorfrand wo es relativ dunkel ist und ich habe wunderbaren Blick Richtung Süden und Westen.
Nun interessiere ich mich auch für ein Celestron Evolution 8" SCT das ich gelegentlich auch für Erdbeobachtungen nutzen möchte. (Berggipfel in meiner Umgebung) Jetzt hätte ich Zwei fragen an euch erfahrene Astronomen:
1. Ist das Celestron Evolution 8" SCT wirklich so gut wie die Werbung es verspricht?
2. Kann man das Evo 8 auch für Erdbeobachtungen gebrauchen, natürlich mit Amici-Prisma?
Gerne lese ich eure Erfahrungen mit dem Celestron Evolution 8" SCT, (gute und schlechte) und danke euch für jeden nützlichen Tipp.
Werner
 
Ich weiß jetzt nicht, was die Werbung alles verspricht, aber ein C8 – gerade aufgerüstet auf 2"-Okulare – macht schon Spaß und wird von der Evo auch gut getragen.

Tagbeobachtung ist aber nicht seine stärke, einerseits wegen der hohen Brennweite (bedeutet recht hohe Startvergrößerung, und als katadioptrisches Teleskop siehst du den "Schatten" vom Fangspiegel als schwarzen Fleck mittig im Bild, wenn die Austrittspupille größer ist als deine tagadaptierte Pupille. So grob ab 80x dürfte das nicht mehr stören, und so hoch kann man terrestrisch selten vergrößern. Taukappe als Streulichtschutz ist bei Tag Pflicht.

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo Werner,

willkommen im Forum und viel Spaß hier.

Ich besitze auch einen C8 und Alex @Kerste hat schon alles wesentliche erklärt.

Ich weiß jetzt nicht, was die Werbung alles verspricht
ich auch nicht ;)

macht schon Spaß und wird von der Evo auch gut getragen.
jep :y:. Auf 2" macht das Teil wirklich Spaß.
Ich betreibe den allerdings auf einer iOptron AZ Pro Montierung. Die war damals schon vorhanden.
Aber Du kannst Alex vertrauen. Kennt sich mit Celestron sehr gut aus :y:.

Für Erdbeobachtung würde ich das Teil aber nicht nutzen. Aus angegebenen Gründen.
Taukappe ist schon Pflicht, auch für astronomische Beobachtung.
Bei den Katadioptern ist zu beachten das sie eine recht ausgedehnte Auskühlphase haben. Beim C8 so ca. 1 Stunde, bis er liefert was er kann. Vorher kannst natürlich auch schon beobachten, dann aber noch nicht in die hoch und höchst Vergrößerung gehen.
Empfehlenswert ist auch die Anschaffung eines Reducer ('Brennweitenverkürzer'). Ich nutze den von Celestron Reducer 0.63. Mit dem Teil 'verkürzt' Du die Brennweite auf ca. 1280mm.

Gruß - Mathias
 
Vielleicht noch ein Tipp hinterher: schon ein günstiger Achromat mit Vixen-Schiene langt für die Tagbeobachtung. Ich habe einen neuen Bresser 90/500 für vor zwei Jahren 169 Euro (Bericht im Blog: Neues Spielzeug: Bresser Messier AR 90/500 Achromat | Kerste.de ) und ein gebrauchtes Celestron Travelscope 70 für 10 Euro. Für die 50-60x, die man terrestrisch meist nutzen kann, langen die, auch wenn da der Farbsaum schon langsam auffällt.

Ein Apo oder ED-Apo ist natürlich besser, zeigt schönere Bilder auch bei hoher Vergrößerung und ist besser verarbeitet, aber es wenn es nur um eine Ergänzung für terrestrisch geht, wäre das eine Überlegung wert.

Für Astro ergänzen die Teleskope sich, weil ein kurzer Refraktor die weiten Felder liefern kann, die das C8 nicht zeigen kann.

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo,

also meiner Meinung und Erfahrung mit diversen SCTs nach, ist ein SCT so ziemlich das ungeeignetste Instrument zur Tagbeobachtung.
In seiner Urform ist ein SCT tagblind und wird erst durch faulen Kompromiss mit dem Blendrohr überhaupt tagfähig.
Die Tagbilder sind dennoch flau und kontrastlos und ein Amici-Prisma würde durch seine optische Unzulänglichkeit (Kante quer durch das Bild) die Lage noch weiter verschlechtern.
Ich habe das alles schon durch und als unbefriedigend abgehakt.
Mit einem Refraktor ist man am Tag wesentlich besser bedient.

VG
Günter
 
Hi!

Weitestgehend Zustimmung, nur zwei Ergänzungen: Die meisten Amici-Prismen taugen nur bis so ca. 60-100x, spätestens dann wird das Bild flau. Langt ja auch, weil mehr terrestrisch wegen der Luftunruhe selten nutzbar ist. Etwas teurere Amicis bieten mehr Öffnung, so lassen sich niedrige Vergrößerungen mit Weitwinkelokularen besser nutzen. Von daher kann das Amici guten Gewissens im Weitfeldrefraktor bleiben, und im C8 ein guter Zenitspiegel.

Ich habe noch ein gebrauchtes Baader T-2 Astro Amici Prisma im Einsatz, mit dem kann ich hoch vergrößern – am Mond macht das Spaß, an Jupiter sehe ich einen Spike, aber der Kontrast an sich ist in Ordnung. Der (Neu)Preis ist natürlich heftig dafür, dass ich das eigentlich nur für den Mond nutze. Gut möglich, dass nicht gebrauchte oder aktuelle Prismen einen weniger starken Spike zeigen, aber da ich normalerweise keine Newtons nutze, stört mich der Spike vielleicht auch mehr als andere Beobachter.

Mit dem stärkeren Stativ vom Evo 925 statt dem kleineren Stativ vom Evo 8 (oder einem schönen Berlebach-Stativ) sollte die Montierung auch einen leichten Achromat huckepack auf dem C8 tragen. Dann hat man beides :)

Beste Grüße,
Alex
 
Noch ein Nachtrag: Bei der Doppelmontage kann es passieren, dass die beiden nicht exakt in die selbe Richtung zeigen. Es gibt Justierbasen, aber die sind schwer, oder man arbeitet mit Unterlegscheiben oder lebt damit. Immer nur ein Teleskop auf der Montierung nutzen ist wahrscheinlich sinnvoller.

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo Werner

Du schreibst sehr wenig über deine Zielsetzung und Lebensumstände, Mobilität, usw.... weswegen Tipps schwierig sind.

Ich möchte mein SCT nicht missen, es hat mir sehr schöne Beobachtungen ermöglicht, vor allem von Planeten und Objekten, die zu lichtschwach für das freie Auge sind (mit Goto und der Objektdatenbank).
Es hatte aber auch eine Lernkurve (Ausrichtung, Kollimation, thermisches Verhalten, hohe Brennweite/kleines Feld,...).

Würde ich nochmal von vorne anfangen, ich würde mir vorher einen halbwegs handlichen Refraktor besorgen, auf einer Alt/Az Montierung.
Der bekommt durch sein Grab&Go deutlich mehr Beobachtungsnächte (ca. 1:4), und ist im Gegensatz zum C8 tages- und reisetauglich.
Ein mittelgroßer Spiegel (den du schon hast) und ein unkomplizierter 80-100mm Refraktor (je nachdem wie mobil es sein soll) sind eine sehr vielseitige Kombi, die einen schönen Bereich von Lichtstärke, Brennweite, Feld und Anwendungsfall abdecken.


Clear skies
Martin
 
Ich würde für Tag auch ein gutes Fernglas empfehlen. Das muss nicht gross sein ..8x40 bzw 10 x 50 reicht aber die Qualität ist wichtig. Es kann immer dabei sein und zeigt auch nachts eine ganze Menge
.
Felix
 
Da ich selber seit 33 Jahren ein C8 hab...tagsüber flimmert die Luft schon sehr, auch da das Gerät selber warm wird dann wabert es auch innendrin.Und herumschleppen ist auch nicht so schön.
Felix
 
Hallo zusammen
Erst mal ganz herzlichen Dank für die vielen konstruktiven Antworten und Tipps. Da hätte ich wohl ziemlich daneben gelangt! Das ist wohl nichts, mit dem kombinierten Einsatz vom Evo8.
Ich werde wohl die zwei Sparten (Astro- und Erdbeobachtung) besser trennen.
Da ich eigentlich ausschliesslich zu Hause auf meinen zwei Balkone (Süd und West) beobachte, muss das ganze nicht wirklich mobil sein. Die Idee mit dem 80 - 100 mm, (oder mehr?) Refraktor ist mir übrigens sehr sympathisch, ich weiss aber nicht wie gut dass sich sowas für Erdbeobachtung eignet. Das STC würde dann später noch dazu kommen. Wenn jemand konkrete Vorschläge für so ein Linsenteleskop hat, das sich besonders für die Beobachtung meiner umliegenden Gegend von ca. 1 - 7 Km. (Berggipfel, Wanderwege, Gleitschirmstartplatz) eignet, wäre ich sehr dankbar. Ein kleines, älteres Spektiv habe ich bereits, aber manchmal wäre ein bisschen mehr Vergrösserung willkommen.
Grüsse euch alle
Werner
 
Ein APO mit teurem Amici Prisma und guten Okularen wird sicher Spaß machen.
Ist nur ein Beispiel, soll keine Werbung sein. Habe selber die APOs 85mm und 106mm mit FCD100 Element.
Der 106er ist größer, unhandlicher, 120mm Öffnung noch deutlicher. Hier musst Du selber entscheiden, was Dir wichtiger ist.
In der Astronomie visuell zählt natürlich die Öffnung, aber 20 oder 30mm mehr machen in dem Fall keinen großen Unterschied.
Falls der Refraktor hauptsächliche für Tagbeobachtung vorgesehen ist, könnte man natürlich auch über ein hochwertiges Spektiv überlegen.
 
Hallo zusammen
Erst mal ganz herzlichen Dank für die vielen konstruktiven Antworten und Tipps. Da hätte ich wohl ziemlich daneben gelangt! Das ist wohl nichts, mit dem kombinierten Einsatz vom Evo8.
Ich werde wohl die zwei Sparten (Astro- und Erdbeobachtung) besser trennen.
Da ich eigentlich ausschliesslich zu Hause auf meinen zwei Balkone (Süd und West) beobachte, muss das ganze nicht wirklich mobil sein. Die Idee mit dem 80 - 100 mm, (oder mehr?) Refraktor ist mir übrigens sehr sympathisch, ich weiss aber nicht wie gut dass sich sowas für Erdbeobachtung eignet. Das STC würde dann später noch dazu kommen. Wenn jemand konkrete Vorschläge für so ein Linsenteleskop hat, das sich besonders für die Beobachtung meiner umliegenden Gegend von ca. 1 - 7 Km. (Berggipfel, Wanderwege, Gleitschirmstartplatz) eignet, wäre ich sehr dankbar. Ein kleines, älteres Spektiv habe ich bereits, aber manchmal wäre ein bisschen mehr Vergrösserung willkommen.
Grüsse euch alle
Werner
 
Hi!

Du kannst so einen Refraktor problemlos auf die Montierung vom Evo setzen, er braucht nur eine Vixen-kompatible Prismenschiene. Das einzige gewöhnungsbedürftige dabei ist, dass er – zumindest für die Feinverstellung – über den Handcontroller mit den Motoren bewegt wird. Du kannst die Achsen der Montierung auch völlig lösen, aber das ist dann ziemlich leichtgängig.

Ich habe einen alten Celestron ED80/600 (den Vorvorvorvorgänger von dem hier: Skywatcher Evostar 80EDX - 80/600 mm ED, die aktuellen ED-Apos sind auch nicht schlechter, nach dem was ich so höre. Vergrößerung bis 150x geht am Himmel problemlos, der limitierende Faktor terrestrisch ist die Luftunruhe. Theoretisch kann man mit idealer Optik eine Vergrößerung von doppelter Öffnung in Millimetern erreichen, aber einerseits ist das keine feste Grenze, andererseits habe ich kein Okular für 160x :)

80-100mm und ca. 600mm Brennweite ist für mich der Sweet Spot aus "die Optik macht Spaß, auch wenn ihr bei Galaxien, Kugelsternhaufen u.ä. schon irgendwie die Puste ausgeht, wenn man Details will" und handlich. Ich habe noch einen 90/500 Achromat (ebenfalls schön han dlich, aber halt als Achromat nichts für hohe Vergrößerungen) und einen alten Vixen 80/910 – zeigt schöne Bilder, ist mit knapp einem Baulänge aber schon unhandlich, wenn ich ihn durch die Wohnung ins Freie bringe.

Ebenfalls limitierend ist wie gesagt das Amici-Prisma. Bis 60x/80x geht eigentlich jedes, darüber hinaus werden die meisten matschig. Für höhere Vergrößerung kann ich (von denen, die ich in der Hand hatte) nur das T-2 BBHS® Astro Amici-Prisma von Baader empfehlen. Ich nutze das mit einer 25mm Verlängerung und einer 2"-Okularklemme, sodass ich auch ein 36mm 2" Hyperion-Okular ohne sichtbare Vignettierung nutzen kann (bei knapp 17x). Schaut etwas seltsam aus,
IMG_7531.JPG

funktioniert aber und ist immer noch billiger als ein 2" Astro Amici:) Wenn die Okularklemme direkt am Prisma montiert wird, sehe ich eher Vignettierung durch das Gehäuse. Diese T-2-Prismen sind von der Größe ein Mittelding zwischen 1,25" und 2".

Gerade wenn das C8 (auch wegen der Montierung) für Astro weiterhin im Raum steht, bist du mit 80-100mm Öffnung gut dabei. Dann ist nur der Preis die Frage, und was an Ausstattung dabei ist (Qualität vom Okularauszug etc.).

Beste Grüße,
Alex
 
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