Hallo!
Danke für die Antworten. Aber mit einer digitalen Kamera muss ich doch gar nicht lange belichten um auch Farben einzufangen, oder? Habe tolle Bilder z.B. mit einer Olympus 2020 durch ein 8" Newton gesehen die gerademal 20 sek belichtet wurden. Ohne Nachführung. Und die Kombi sollte es jawohl schaffen mal ne minute ruhig zu stehen oder?
Also am Anfang sprachst du von der Langzeitfotografie mittels einer Spiegelreflexkamera, und nun von einer kleinen digitalen Sucherkamera?
Also glaub mir, wenn ich dir Sage, dass man diese Sachen keinesfalls vergleichen kann.
Jene Digitalkameras wie auch die Olympus 2020 haben das Problem, dass sie kein abnehmbares Objektiv haben, man also immer durch das Objektiv hindurch fotografieren muss. Deswegen kann man grundsätzlich eine solche Kamera nicht ans Teleskop anschließen.
Man muss deswegen erstmal eine Zwischenoptik, also ein Projektiv bzw. Okular an Das Teleskop anbringen, welches ein Bild erzeugt, welches wir mit dem Objektiv abfotografieren können. Zu dem Bild muss man natürlich noch die Randunschärfe des verwendeten Okulares sowie eine Randabschattung durch die Größe der Austrittspupille hinzufügen.
Dann haben eigentlich alle Objektive die ich bislang an digitalen Sucherkameras sehen konnte eine nicht gerade herausragende Schärfe, weisen chromatische Fehler auf und Verzeichnen!!
Außerdem ist die Lichtempfindlichkeit sehr begrenzt. Deswegen halte ich solche Kameras eigentlich für weniger geeignet um damit Deep Sky Fotografie zu betreiben.
Okay, bei wenigen hellen Objekten ist es möglich mit recht kurzen Belichtungen schon ordentlich Strukturen und auch Farben aufzunehmen, aber damit diese Bilder wirklich gut aussehen, ist auch eine Menge Erfahrung und viel Bearbeitung nötig, weswegen ich jedem davon abraten würde wenn er sich eine solche Kamera extra für den deep sky Einsatz kaufen wollte!!!
Um Aufnahmen vom Mond oder der Sonne (nur mit speziellem Objektivsonnenfilter!!) zu machen, sind diese Kameras jedoch gut zu gebrauchen.
Und die Kombi sollte es jawohl schaffen mal ne minute ruhig zu stehen oder?
Auch wenn du meinst, mit 20sekunden Belichtungszeit, schöne Bilder herstellen zu können, so können Vibrationen dennoch das Bild vernichten, wenn ein Gerät mit viel Windangriffsfläche im Wind segelt.
Was die länge der Minute angeht, da stimme ich Andreas im übrigen voll zu!! In einer Minute kann eine Menge passieren, gerade meine Erfahrungen mit mehreren EQ-6 Montierungen hat gezeigt, dass man da nichtmal 2 sekunden lang den Leitstern aus dem Auge verlieren sollte, was schon eine recht anstregenden Geschichte ist. Bei meiner GP-DX kann ich bei 1,2m Aufnahmebrennweite auch mal kurz zwischen den Korrekturen die Blase hinterm nächsten Gebüsch entleeren.
Aber dies ist eben auch alles abhängig von der Genauigkeit der Einnordung und auch das will gelernt sein.
Astrofotografie ist bei weitem kein super komplexer Zauber, aber man muss in der Tat einiges bedenken wenn man Erfolgserlebnisse haben möchte.
Aber was bitte spricht den gegen den Einstieg, den ich ich weiter oben schon empfohlen habe? Also die Sache mit dem auf dem Teleskop aufgesatteltem leichten Teleobjektiv? Damit kannst du schon wunderschöne Aufnahmen machen, von Galaxienhaufen, ausgedehnteren Nebeln oder Milchstraßenwolken.
Dadurch, dass leichte Teleobjektive eben oftmals recht Lichtstark sind, im Vergleich zu Teleskopen, kommst du auch mit relativ kurzen Belichtungszeiten aus.
Wenn du so schon ein paar Aufnahmen erstellt hast, mit denen zu zufrieden bistm dann könntest du die Brennweite weiter hochschrauben und dann auch irgendwann die Kamera ans Teleskop schrauben.
Auch wenns dir am Anfang vielleicht garnicht passt, weil es ja nicht so groß ist wie die anderen Teleskope die man so oft sieht, so ist meiner Meinung nach die beste Möglichkeit in die Fotografie einzusteigen folgende:
Man investiert richtig viel Geld in eine wirklich gute und genaue, tragkräftige Montierung und setzt sich dann einen schönen Refraktor mit 80, 90 oder eventuell sogar 100mm Öffnung drauf. Das ganze sollte aber schon eher in Richtung mittel bis Langbrennweitig gehen, also f/8 bis f/11 oder so.
Auf diesen Refraktor dann schraubt man sich ein schönes Teleobjektiv mit ner Kamera dahinter. Damit fotografiert man dann, während man mit dem Refrakto nachführt. So kann man wirklich geniale Fotos machen und es gibt auch heute noch sehr erfarene und gute Astrofotografen die schon seit Jahren so eine atemberaubende Aufnahme nach der anderen Schießen. Wenn dann irgendwann mal wieder mehr Geld gesparrt ist, und man bereit für mehr Brennweite ist, dann schraubt man sich eben ein großes Teleskop auf die Montierung und kann den Refraktor immer noch als Leitrohr nehmen.
besten Gruß,
André