Achim
Aktives Mitglied
Hallo!
Anbei einige Zeilen, in denen ich meine Astronomischen Eindrücke niederschreibe. Nichts ernsthaftes. Doch Niederschreiben zwingt mich, alles Revue passieren zu lassen und hat den Vorteil, dass nichts verloren geht. Wenn schon für mich zusammengeschrieben, kann ich es ja auch posten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Diese Woche war ich auch am Montag unterwegs, mit dem 14er um die neu gebastelte Äquatorialplattform zu testen. Fazit hieraus: ich habe noch ein Problem mit dem Antrieb (Schlupf), das Schwingungsverhalten ist ganz ordentlich, etwas schlechter als ohne Plattform.
An dem Montag war das Seeing sehr schlecht für größere Optiken, das Trapez im Orion nur mit verwaschenen Sternen schon bei 100-fach. Auch war das Teleskop (da erst 60min vor Beobachtungsbeginn hinausgestellt, direkt nach dem Heimfahren von der Arbeit) noch nicht ausreichend ausgekühlt. Ich nutzte die Auskühlzeit, um den 106mm Newtonsucher ordentlich zu justieren. Erstaunlich: in der kleinen Optik mit der kleinen Optik konnte ich mit Gewinn hoch vergrößern (9mm + 2,5-fach Powermate = 123-fach) und hatte eine wunderbare Abbildung – Saturn klar abgegrenzt, Bandstrukturen am Planten, Cassini fast umlaufend), bei 350mm-Öffnung mit kaum mehr Details, nur VIEL heller. Nur mit der kleinen Optik hätte ich von gutem Seeing gesprochen, mit dem 14“ von recht schlechtem.
Diesmal wollte ich wieder mit Ursus losziehen.
Bericht vom 13.01.2005; 21.20h - 23.10h
Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 506mm, Brennweite 2385mm, (f/4,7) Ursus
Dobsonmontierung
verwendete Okulare: 26mm Nagler Typ4 ; 17mm Nagler Typ 4; 13mm Nagler Typ1, 9mm Nagler Typ6, 5mm Nagler Typ6
Ort: 5km außerhalb Emskirchen, 390m ÜNN
Temperatur: 21.10h 1,8 C ; 23.20h 0,4 C
Seeing: 2
Wetter: morgens klar, tags mehr und mehr bewölkt bis bedeckt, mit einsetzen der Dämmerung wieder aufklarend
Beobachtete Objekte:
Gasnebel: M42, M43, M1, NGC2023, NGC2024
Dunkelwolke: B33 (Pferdekopfnebel)
Planeten: Saturn
Kugelsternhaufen: M79
Da immer Donnerstags mit den Zug unterwegs ging es früher zurück von der Arbeit, um 18.30h war ich zurück und habe gleich die Spiegelzelle zum kühlen rausgestellt. Um 20.30h rausgesehen – nur teilweise klar, teils diesig – hmmm. Im Keller noch etwas am neuen Newtonsucher (127mm f/4,2) gebastelt. Nächster Blick vor die Tür um 21.00h – viel besser , richtig klar! Nun wird das Auto beladen, 4* muss ich laufen um Klappkiste (Okukoffer, Streulichtblenden Hut und Spiegelzelle, Klemmbrett, Aufsuchkarten-Ausdrucke, Karkoschka, Suchernewton, Batterieeinheit), Hut, Leiter, Tasche mit den 180cm langen Gitterrohrstangen, Spiegelzelle, Rockerbox und Basisdreieck zu verladen. Schnell noch die Lange Unterhose anziehen, warme Stiefel und los geht es.
Brr- es geht ein recht kräftiger, böiger Wind. So kräftig, dass ich mich entschließe weiter vorne, auf dem Weg (zwischen einem Holzstadel und eine Buschgruppe) das Teleskop aufzubauen. Nach 5 min bin ich am justieren. Hier fällt sofort auf: das Seeing ist recht gut, so wie schon länger nicht mehr. Einerseits ist der Spiegel gut temperiert, andererseits ist auch das Atmosphärische Seeing gut, trotz Wind. Diesmal drehe ich gleich richtig an den Justierschrauben, so bin ich nach 3 Minuten mit der Einstellung zufrieden. Auch Intrafokal sind nun Interferenzringe deutlich zu erkennen, mit weniger Kontrast als Extrafokal, der Rand etwas ausgefranst, aber doch viel besser als meist am Anfand der Beobachtung – das Ganze ohne Abblenden.
Es schweift mein Blick: im Zenit is es momentan sehr klar, unser Milchstraßenband sehr deutlich. Der Süden wird durch Orion dominiert, im Osten steigt Leo aus der Nürnberger Lichtglocke empor.
Mir fällt ein Ausdruck mit der Region um Zeta Orionis in die Finger – in der Ecke ist der bekannte Pferdekopfnebel, den ich noch nie gesehen habe. Also peilen in die Richtung Zeta: - Aua!, ist der Stern hell, da ist die Adaption gleich wieder beim Teufel. Knapp ½ Grad nach Süden (gut 1/2 GF in 26er Nagler) ein recht heller Stern (Mag 8) mit Halo. Ist die Optik beschlagen? Nein, FS ist frei, auch das Oku. Der Halo ist auch nicht gleichmäßig rund, mehr trapezförmig. Ich bin über
NGC2023 - GN- ORI - (mag? 10,8 * 8') GH 5,4
gestolpert. Ciel macht hier keine Helligkeitsangaben, doch ist diese recht kräftig, Flächenhelligkeit sicher mind. Mag12. Zum Rand hin etwas ausgefranst, sonst auch bei näherem Betrachten mit wenig Strukturen. Der helle Stern stört auch merklich.
Zurück zu Zetra Orionis (Alnitak) fahre ich nun direkt gen Süden. Es sind einzelne blasse Nebelfasern erkennbar, nichts wirklich deutliches, aber doch eindeutig. Mit geschätzten Mag 5,4 in der Region ist es vielleicht noch nicht dunkel genug für
B33 - DN- ORI - (mag? 6 * 4’) GH 5,4
Doch, es reicht. Jedoch mehr für die generelle Kontur, weniger für scharfe Kontraste. Für die Kopfform und die Schnauze reicht es gerade so. Größer, als ich vermutet hätte. Ich werde es bei dunklerem Himmel nochmals versuchen müssen. Bringt hier ein OIII-Filter gewinn? Ich hatte es damit nicht versucht
Ich sehe mich um: tief im Westen – Wolkenschleier! Mit entspannter Beobachtung wird es nichts werden. Also kein Programm durchspielen, vielmehr Spontanspechteln, auch nicht schlecht. Wegen des guten Seeings peile ich in die Orion-Trapez
M42 - GN - ORI - (mag 4 - sbr 11; 90 * 60') GH 5,4
M43 - GN - ORI - (mag 9 - sbr 13; 20 * 15') GH 5,4
blendend hell, sehr klar strukturiert. Im 26er, 17er, 13 klare, helle scharfe Sterne des Trapez. E- und F-Komponente deutlich, ruhig stehend. Seeing ist hier (fast) alles. In meinem 8“ hatte ich diese in einer Supernacht einmal permanent sehen können, mit der großen Optik + gutem Seeing aber kein Vergleich. Ich hatte versucht, evt. Weitere Kompontenten zu erhaschen, wusste nicht wo noch ein Fünkchen Stehen könnte. Dann im 9er bei 265-fach sind die Sterne nur selten punktförmig, meist leicht flächig. Ein „vielleicht“ habe ich mir noch skizziert, knapp neben der D-Komponente außerhalb. Nun finde ich keine Karte des Trapez um prüfen zu können, ob ich ein Phantom mir eingebildet habe, oder wirklich etwas sehen konnte. Wo kann ich so eine finden?
Nach all der technischen Suche wurde geschwelgt: Strukturen, Filamente, Lichtknoten, Dunkelregionen – einfach toll!
Die Wolkenbank rückt näher, nun schon dicht an Orion. Also ab nach Osten, spontan fällt mir
M1 - GN- TAU- (mag 8,4 - sbr 11,0; 8 * 4') GH 5,8
Ein. Wegen der Nähe zu Zeta Taurus (gut 1Grad) sehr leicht einzustellen. Deutlich bei Minimalvergrößerung die grob-ovale Außenkontur mit einem Höcker oben (S) mittig. Im 17er schon recht groß (140-fach) erkennt man mit steigender Vergrößerung immer mehr an Details, überwiegend fadenartige Nebelstrukturen und mehr und mehr blasse Sterne, im 9er bei 265-fach etwa ein Dutzend. Nach 5min wird das Bild auch hier flau. Weiter zu
Saturn
Gleißend hell bei so viel Lichtsammelfläche! Der Gasriese steht recht hoch, etwas unterhalb des Paares Castor und Pollux in Gemini. Ich muss mich bei meinem Spiegel entschuldigen – so schlimm wie letztes mal empfunden ist der Randbereich sicher nicht. Bei heutigen überdurchschnittlichem Seeing kann ich zwischen voller Öffnung und auf 480mm abgeblendet keinen Unterschied ausmachen, die Seeingschwankungen sind immer noch stärker. Die Bedingungen waren zumindest so gut, dass ich das 5er Oku (leicht) gewinnbringend verwenden konnte, d.h. 477-fach. Eine Pracht, der Herr der Ringe! Der Südliche Rand des Gasplaneten liegt auf einer Achse mit dem Rand des Ringsystems. Westlich, jeweils ca. ½ Bogenminute entfernt die Monde Dione (NW) und Thetys (SW). Noch etwas dichter am Planeten Encelade, dieser Mond aber deutlich schwieriger auszumachen. Östlich, etwa in doppelten Ringsystemdurchmesserentfernung Rhea, nochmals doppelt so weit in gleicher Richtung Titan, der heute ja Besuch von Huygens bekommen wird. Iaeptus folgt noch etwas weiter außerhalb. Der nächste Lichtfunkten in der gebogenen Kette mit Rhea, Titan, Iaaptus ist ein Hintergrundstern, wie mir nun Ciel offenbart. Mimas habe ich nicht gesehen, dicht am Ringsystem und nur 12,6Mag hell wurde der Mond überstrahlt. Der Hauptspiegel ist schon etwas eingestaubt, das macht Streulicht bei hellen Objekten das – wie hier – merklich stört.
.
Sicherlich 15 oder 20 Minuten verweile ich, erhasche die kurzen Momente mit guter Luftruhe, in denen man blickweise das Enke-Minimum warnimmt, soviel, um fast sicher zu sein: da ist es, um im nächsten Augenblick bei mehr Unruhe wieder zu zweifeln. Trotzdem, es macht mir heute richtig gute Laune.
Der Himmel ist nun zu 7/8 bedeckt, dazwischen immer wieder einzelne Lücken. Unterhalb des fast gänzlich verdeckten Orion Lepus, der Hase. Gibt es hier sehenswertes? Karkoschka bietet hier
M79 - GC- LEP- (mag 8,4 - sbr 12,0; 7,8 * 7,8') GH 5,0
Die Zielregion steht nur 15 Grad über dem Horizont. Die Transparenz ist erstaunlich gut, ich kann gerade so mit bloßem Auge den Stern HR1771 erkennen, das macht Auffinden leicht. Peilen mit dem Rigel, dann im 106er Sucher. Ja- auch im Sucher schon ein kleiner Nebelfleck. Knieend schaue ich nun durchs Oku am 20er. Nicht schlecht! Schon im 26er grieselig, besser im 17er, auch das 13er macht richtig Sinn und bringt einen Gewinn. Bei nunmehr 183-fach ist der GC schön aufgelöst in den Außenbereichen, die sich relativ weit erstrecken. Das Zentrum deutlich massiert, bis ca. 1/3 des GC-Durchmessers. Vom visuellen Eindruck etwa wie M92 im 6“ unter sehr guten Bedingungen. Weit mehr, als ich bei einem so niedrig stehenden Objekt erwartet hätte.
Die nächste ½-Stunde verbringe ich mit Optiktest wechselnd mit Saturnspechteln, wenn dieser zu sehen war, mein selbstgebasteltes Ronchi-Okular (Glasstück mit aufgedampften Chromlinien, 10 Linien/mm) kommt zum Einsatz. Ohne Blende kann ich ganz am Rand, vielleicht am äußersten cm einen leichten Abfall bei Ronchi erkennen, sonst sind alle Linien kerzengerade. Die ruhige Luft macht Beurteilungen deutlich einfacher. Gegen 23.20h packe ich ein.
Komisch – nur wenige Objekte betrachtet, nur „Hausmannskost“, und trotzdem fühle ich mich richtig gut, die Last des Jobs wie weggeblasen, entspannt und zufrieden. Gibt es Spechteln eigentlich auf Rezept?
Viele Grüße
Achim
Anbei einige Zeilen, in denen ich meine Astronomischen Eindrücke niederschreibe. Nichts ernsthaftes. Doch Niederschreiben zwingt mich, alles Revue passieren zu lassen und hat den Vorteil, dass nichts verloren geht. Wenn schon für mich zusammengeschrieben, kann ich es ja auch posten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Diese Woche war ich auch am Montag unterwegs, mit dem 14er um die neu gebastelte Äquatorialplattform zu testen. Fazit hieraus: ich habe noch ein Problem mit dem Antrieb (Schlupf), das Schwingungsverhalten ist ganz ordentlich, etwas schlechter als ohne Plattform.
An dem Montag war das Seeing sehr schlecht für größere Optiken, das Trapez im Orion nur mit verwaschenen Sternen schon bei 100-fach. Auch war das Teleskop (da erst 60min vor Beobachtungsbeginn hinausgestellt, direkt nach dem Heimfahren von der Arbeit) noch nicht ausreichend ausgekühlt. Ich nutzte die Auskühlzeit, um den 106mm Newtonsucher ordentlich zu justieren. Erstaunlich: in der kleinen Optik mit der kleinen Optik konnte ich mit Gewinn hoch vergrößern (9mm + 2,5-fach Powermate = 123-fach) und hatte eine wunderbare Abbildung – Saturn klar abgegrenzt, Bandstrukturen am Planten, Cassini fast umlaufend), bei 350mm-Öffnung mit kaum mehr Details, nur VIEL heller. Nur mit der kleinen Optik hätte ich von gutem Seeing gesprochen, mit dem 14“ von recht schlechtem.
Diesmal wollte ich wieder mit Ursus losziehen.
Bericht vom 13.01.2005; 21.20h - 23.10h
Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 506mm, Brennweite 2385mm, (f/4,7) Ursus
Dobsonmontierung
verwendete Okulare: 26mm Nagler Typ4 ; 17mm Nagler Typ 4; 13mm Nagler Typ1, 9mm Nagler Typ6, 5mm Nagler Typ6
Ort: 5km außerhalb Emskirchen, 390m ÜNN
Temperatur: 21.10h 1,8 C ; 23.20h 0,4 C
Seeing: 2
Wetter: morgens klar, tags mehr und mehr bewölkt bis bedeckt, mit einsetzen der Dämmerung wieder aufklarend
Beobachtete Objekte:
Gasnebel: M42, M43, M1, NGC2023, NGC2024
Dunkelwolke: B33 (Pferdekopfnebel)
Planeten: Saturn
Kugelsternhaufen: M79
Da immer Donnerstags mit den Zug unterwegs ging es früher zurück von der Arbeit, um 18.30h war ich zurück und habe gleich die Spiegelzelle zum kühlen rausgestellt. Um 20.30h rausgesehen – nur teilweise klar, teils diesig – hmmm. Im Keller noch etwas am neuen Newtonsucher (127mm f/4,2) gebastelt. Nächster Blick vor die Tür um 21.00h – viel besser , richtig klar! Nun wird das Auto beladen, 4* muss ich laufen um Klappkiste (Okukoffer, Streulichtblenden Hut und Spiegelzelle, Klemmbrett, Aufsuchkarten-Ausdrucke, Karkoschka, Suchernewton, Batterieeinheit), Hut, Leiter, Tasche mit den 180cm langen Gitterrohrstangen, Spiegelzelle, Rockerbox und Basisdreieck zu verladen. Schnell noch die Lange Unterhose anziehen, warme Stiefel und los geht es.
Brr- es geht ein recht kräftiger, böiger Wind. So kräftig, dass ich mich entschließe weiter vorne, auf dem Weg (zwischen einem Holzstadel und eine Buschgruppe) das Teleskop aufzubauen. Nach 5 min bin ich am justieren. Hier fällt sofort auf: das Seeing ist recht gut, so wie schon länger nicht mehr. Einerseits ist der Spiegel gut temperiert, andererseits ist auch das Atmosphärische Seeing gut, trotz Wind. Diesmal drehe ich gleich richtig an den Justierschrauben, so bin ich nach 3 Minuten mit der Einstellung zufrieden. Auch Intrafokal sind nun Interferenzringe deutlich zu erkennen, mit weniger Kontrast als Extrafokal, der Rand etwas ausgefranst, aber doch viel besser als meist am Anfand der Beobachtung – das Ganze ohne Abblenden.
Es schweift mein Blick: im Zenit is es momentan sehr klar, unser Milchstraßenband sehr deutlich. Der Süden wird durch Orion dominiert, im Osten steigt Leo aus der Nürnberger Lichtglocke empor.
Mir fällt ein Ausdruck mit der Region um Zeta Orionis in die Finger – in der Ecke ist der bekannte Pferdekopfnebel, den ich noch nie gesehen habe. Also peilen in die Richtung Zeta: - Aua!, ist der Stern hell, da ist die Adaption gleich wieder beim Teufel. Knapp ½ Grad nach Süden (gut 1/2 GF in 26er Nagler) ein recht heller Stern (Mag 8) mit Halo. Ist die Optik beschlagen? Nein, FS ist frei, auch das Oku. Der Halo ist auch nicht gleichmäßig rund, mehr trapezförmig. Ich bin über
NGC2023 - GN- ORI - (mag? 10,8 * 8') GH 5,4
gestolpert. Ciel macht hier keine Helligkeitsangaben, doch ist diese recht kräftig, Flächenhelligkeit sicher mind. Mag12. Zum Rand hin etwas ausgefranst, sonst auch bei näherem Betrachten mit wenig Strukturen. Der helle Stern stört auch merklich.
Zurück zu Zetra Orionis (Alnitak) fahre ich nun direkt gen Süden. Es sind einzelne blasse Nebelfasern erkennbar, nichts wirklich deutliches, aber doch eindeutig. Mit geschätzten Mag 5,4 in der Region ist es vielleicht noch nicht dunkel genug für
B33 - DN- ORI - (mag? 6 * 4’) GH 5,4
Doch, es reicht. Jedoch mehr für die generelle Kontur, weniger für scharfe Kontraste. Für die Kopfform und die Schnauze reicht es gerade so. Größer, als ich vermutet hätte. Ich werde es bei dunklerem Himmel nochmals versuchen müssen. Bringt hier ein OIII-Filter gewinn? Ich hatte es damit nicht versucht
Ich sehe mich um: tief im Westen – Wolkenschleier! Mit entspannter Beobachtung wird es nichts werden. Also kein Programm durchspielen, vielmehr Spontanspechteln, auch nicht schlecht. Wegen des guten Seeings peile ich in die Orion-Trapez
M42 - GN - ORI - (mag 4 - sbr 11; 90 * 60') GH 5,4
M43 - GN - ORI - (mag 9 - sbr 13; 20 * 15') GH 5,4
blendend hell, sehr klar strukturiert. Im 26er, 17er, 13 klare, helle scharfe Sterne des Trapez. E- und F-Komponente deutlich, ruhig stehend. Seeing ist hier (fast) alles. In meinem 8“ hatte ich diese in einer Supernacht einmal permanent sehen können, mit der großen Optik + gutem Seeing aber kein Vergleich. Ich hatte versucht, evt. Weitere Kompontenten zu erhaschen, wusste nicht wo noch ein Fünkchen Stehen könnte. Dann im 9er bei 265-fach sind die Sterne nur selten punktförmig, meist leicht flächig. Ein „vielleicht“ habe ich mir noch skizziert, knapp neben der D-Komponente außerhalb. Nun finde ich keine Karte des Trapez um prüfen zu können, ob ich ein Phantom mir eingebildet habe, oder wirklich etwas sehen konnte. Wo kann ich so eine finden?
Nach all der technischen Suche wurde geschwelgt: Strukturen, Filamente, Lichtknoten, Dunkelregionen – einfach toll!
Die Wolkenbank rückt näher, nun schon dicht an Orion. Also ab nach Osten, spontan fällt mir
M1 - GN- TAU- (mag 8,4 - sbr 11,0; 8 * 4') GH 5,8
Ein. Wegen der Nähe zu Zeta Taurus (gut 1Grad) sehr leicht einzustellen. Deutlich bei Minimalvergrößerung die grob-ovale Außenkontur mit einem Höcker oben (S) mittig. Im 17er schon recht groß (140-fach) erkennt man mit steigender Vergrößerung immer mehr an Details, überwiegend fadenartige Nebelstrukturen und mehr und mehr blasse Sterne, im 9er bei 265-fach etwa ein Dutzend. Nach 5min wird das Bild auch hier flau. Weiter zu
Saturn
Gleißend hell bei so viel Lichtsammelfläche! Der Gasriese steht recht hoch, etwas unterhalb des Paares Castor und Pollux in Gemini. Ich muss mich bei meinem Spiegel entschuldigen – so schlimm wie letztes mal empfunden ist der Randbereich sicher nicht. Bei heutigen überdurchschnittlichem Seeing kann ich zwischen voller Öffnung und auf 480mm abgeblendet keinen Unterschied ausmachen, die Seeingschwankungen sind immer noch stärker. Die Bedingungen waren zumindest so gut, dass ich das 5er Oku (leicht) gewinnbringend verwenden konnte, d.h. 477-fach. Eine Pracht, der Herr der Ringe! Der Südliche Rand des Gasplaneten liegt auf einer Achse mit dem Rand des Ringsystems. Westlich, jeweils ca. ½ Bogenminute entfernt die Monde Dione (NW) und Thetys (SW). Noch etwas dichter am Planeten Encelade, dieser Mond aber deutlich schwieriger auszumachen. Östlich, etwa in doppelten Ringsystemdurchmesserentfernung Rhea, nochmals doppelt so weit in gleicher Richtung Titan, der heute ja Besuch von Huygens bekommen wird. Iaeptus folgt noch etwas weiter außerhalb. Der nächste Lichtfunkten in der gebogenen Kette mit Rhea, Titan, Iaaptus ist ein Hintergrundstern, wie mir nun Ciel offenbart. Mimas habe ich nicht gesehen, dicht am Ringsystem und nur 12,6Mag hell wurde der Mond überstrahlt. Der Hauptspiegel ist schon etwas eingestaubt, das macht Streulicht bei hellen Objekten das – wie hier – merklich stört.
.
Sicherlich 15 oder 20 Minuten verweile ich, erhasche die kurzen Momente mit guter Luftruhe, in denen man blickweise das Enke-Minimum warnimmt, soviel, um fast sicher zu sein: da ist es, um im nächsten Augenblick bei mehr Unruhe wieder zu zweifeln. Trotzdem, es macht mir heute richtig gute Laune.
Der Himmel ist nun zu 7/8 bedeckt, dazwischen immer wieder einzelne Lücken. Unterhalb des fast gänzlich verdeckten Orion Lepus, der Hase. Gibt es hier sehenswertes? Karkoschka bietet hier
M79 - GC- LEP- (mag 8,4 - sbr 12,0; 7,8 * 7,8') GH 5,0
Die Zielregion steht nur 15 Grad über dem Horizont. Die Transparenz ist erstaunlich gut, ich kann gerade so mit bloßem Auge den Stern HR1771 erkennen, das macht Auffinden leicht. Peilen mit dem Rigel, dann im 106er Sucher. Ja- auch im Sucher schon ein kleiner Nebelfleck. Knieend schaue ich nun durchs Oku am 20er. Nicht schlecht! Schon im 26er grieselig, besser im 17er, auch das 13er macht richtig Sinn und bringt einen Gewinn. Bei nunmehr 183-fach ist der GC schön aufgelöst in den Außenbereichen, die sich relativ weit erstrecken. Das Zentrum deutlich massiert, bis ca. 1/3 des GC-Durchmessers. Vom visuellen Eindruck etwa wie M92 im 6“ unter sehr guten Bedingungen. Weit mehr, als ich bei einem so niedrig stehenden Objekt erwartet hätte.
Die nächste ½-Stunde verbringe ich mit Optiktest wechselnd mit Saturnspechteln, wenn dieser zu sehen war, mein selbstgebasteltes Ronchi-Okular (Glasstück mit aufgedampften Chromlinien, 10 Linien/mm) kommt zum Einsatz. Ohne Blende kann ich ganz am Rand, vielleicht am äußersten cm einen leichten Abfall bei Ronchi erkennen, sonst sind alle Linien kerzengerade. Die ruhige Luft macht Beurteilungen deutlich einfacher. Gegen 23.20h packe ich ein.
Komisch – nur wenige Objekte betrachtet, nur „Hausmannskost“, und trotzdem fühle ich mich richtig gut, die Last des Jobs wie weggeblasen, entspannt und zufrieden. Gibt es Spechteln eigentlich auf Rezept?
Viele Grüße
Achim