Bochumer1981
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
vorab - ich habe länger überlegt, ob mein folgender Beitrag besser hier oder im Unterforum "Treffpunkt" untergebracht ist. Die Entscheidung fiel dann für die Kategorie "Beobachtungen visuell". Ich berichte hier von meinem gestrigen Tag, der in meiner Wahrnehmung komplett von unserem Hobby Astronomie geprägt war. Im ersten Teil gehe ich auf meine Erlebnisse auf dem HATT ein, anschließend folgt ein Beobachtungsbericht aus meinem Vorgarten in Bochum mit kleinem Gerät.
Jedes Jahr zieht der HATT, der Hattinger Astronomische Trödel Tag, begeisterte Himmelsbeobachterinnen und Himmelsbeobachter aus ganz Deutschland an. Hier treffen sich Astrofans, Sammler und Händler aus allen Ecken des Landes, um in einer angenehmen Atmosphäre zu stöbern, zu verkaufen und sich auszutauschen. Der Markt bietet alles, was das Herz eines Astronomen höherschlagen lässt: gebrauchte Teleskope, seltene Messgeräte, Zubehör und jede Menge Fachwissen. Es ist ein guter Ort, um nicht nur neue Geräte zu entdecken, sondern auch seltene Schätze zu finden, die auf anderen Wegen kaum noch erhältlich sind. Ich habe hier bereits mehrere tolle und seltene Geräte gefunden (letztes Jahr ein Vixen FL 55 f8, 2022 einen feinen Dobson von Martini,...) Der diesjährige „Star“ war sicherlich ein älteres aber gut erhaltener VIXEN 100/1500 Refraktor. Mit Taukappe war dies ein wahrlich langes Gerät welches auch einen neuen Besitzer fand (nicht mich!). Von historischen Instrumenten bis hin zu modernen High-Tech-Montierungen – für jeden Geldbeutel und jedes Interesse war etwas dabei. Der HATT ist ein Treffpunkt für Gleichgesinnte, die ihre Leidenschaft für die Sterne teilen. Unser Bochumer Stammtisch hatte mehrere Verkaufstische nebeneinander gebucht, und so entstanden unzählige Gespräche und ein intensiver Austausch über unser Hobby mit alten und neuen Bekannten bei Kaffee, Brötchen sowie Kartoffelsalat mit Beilage.
Ich möchte mich an dieser Stelle kurz auch explizit bei der Volkssternwarte Hattingen für die Organisation des HATT bedanken, die ein solch positives Erlebnis für mich (und sicher viele andere Besucherinnen und Besucher) ermöglicht: herzlichen Dank für den schönen Tag!
Nach dem Abbau, ich hatte tatsächlich nur wenige Artikel dabei, zeigte sich auf dem Rückweg bereits das Wetter von seiner besten (astronomischen) Seite: klarer Himmel, strahlende Sonne und nur leichte Schleierwolken. Die Idee einer Beobachtung zur ersten Nachthälfte (der Tag war dann doch lang und anstrengend) wuchs in mir.
Gegen 19 Uhr baute ich meinen Beobachtungsplatz im Vorgarten auf. Zum Einsatz kam ein Takahashi FS-78 auf Vixen APZ mit einer kleineren Auswahl von Baader Morpheus (4,5; 6,5; 17,5) als mein „grab’n’go setup“. Der auf dem HATT neu erworbene Astrostuhl von Berlebach, ein Hydra 2, konnte so direkt eingeweiht werden. Zum Glück hat auf dem benachbarten Parkplatz der Tannenbaumhändler für die Weihnachtszeit noch nicht aufgebaut, sonst hätten die Lichterketten die Beobachtung vor dem Haus unmöglich gemacht. Die Nacht war zwar klar und die Luft kühl, aber das Seeing war doch deutlich sichtbar. Dafür war aber Neumond - man kann scheinbar nicht "alles haben". Die Sterne flimmerten leicht und der Himmel wirkte in den ersten Minuten der Beobachtung unruhig. Trotzdem war es ein besonderer Abend für mich, lag die letzte Beobachtungsnacht doch wieder mehrere Wochen zurück und ich war etwas „ausgehungert“, da nehme ich jede Möglichkeit gerne an.
Der erste Planet, den ich anvisierte, war Jupiter. Doch obwohl das Takahashi FS-78 eine exzellente Schärfe bietet, wurde die Bildqualität durch das mittelmäßige Seeing und den niedrigen Stand etwas getrübt. Die Bänder auf Jupiter, die sonst so klar und detailliert erscheinen, wogen sich im Teleskop hin und her. Auch die vier galileischen Monde, obwohl gut erkennbar, schienen in leicht verzerrten Umrissen zu flimmern. Trotz der Wellenbewegungen in der Luft konnte man sich gut vorstellen, welche immense Größe und Dynamik dieser Gasriese in Wahrheit besitzt. Das Seeing bremste das Detail jedoch ein wenig aus, und so musste ich mich mit einer etwas weniger scharfen Ansicht zufriedengeben.
Als nächstes wendete ich mein Augenmerk auf Saturn. Hier zeigte aufgrund des höheren Standes ein besseres Seeing. Die Ringe des Planeten stehen auf Kantenstellung, der Planet selbst zeigte sich zwar noch majestätisch, doch die feinen Nuancen in der Ringstruktur gingen leider verloren.
Ca. 20 Minuten verbrachte ich anschließend mit der Suche nach Uranus. Star Hopping mit dem geradsichtigen Sucher…das ist voller körperlicher Einsatz! Immer wieder wurden die Sternenmuster abgeglichen. Bin ich hier richtig? Ja…oder nicht?...Neuer Anlauf….wieder beim selben Zielmuster angekommen. Ein grüner Punkt, ggf. kleine Scheibe – oder eher nicht? Einblildung? Oder ist der Lichtpunkt doch etwas grünlich? Neuer Anlauf von anderer Startposition. Wieder am selben Ziel ausgekommen. Dann muss er es sein?! Ich verbleibe hier unsicher und verlasse die Planeten und wende mich zum Abschluss der Beobachtung leichteren Zielen zu.
Der Anblick der Pleiaden strahlte in der relativ klaren Nacht und funkelte wie ein Haufen Diamanten. Ich hatte Glück – ich hatte meine Ausrüstung begrenzt und ein 17.5 Morpheus war das Oklular mit längster Brennweite. Zum Glück passten die Pleiaden so gerade eben in das Gesichtsfeld. Die scharfen Umrisse der Sterne waren durch die Schwingungen der Atmosphäre zeitweise etwas verwischt, was den Anblick der „Sieben Schwestern“ zwar nicht weniger beeindruckend, aber doch weniger klar machte.
Die Beobachtung endete ca. 20.30 Uhr im offenen Sternhaufen H und Chi im Perseus. Trotz warmer Kleidung zog die Kälte langsam durch und auch der lange Tag machte sich mit zunehmender Müdigkeit bemerkbar. Der neue Astrostuhl hat eine breitere und gepolsterte Sitzfläche als mein alter Stuhl,die Investition hatte sich definitiv gelohnt! Ich baute dann ab und ließ den Samstagabend auf der warmen Couch ausklingen. Der 30.11 war ein Tag ganz nach meinem Geschmack!
Am nächsten Morgen war es weiterhin klar und ich bin tatsächlich nach dem Frühstück noch mal raus zur Sonnenbeobachtung. Zim Einsatz kam ein PST Mod mit einem TAL 100/1000. Es waren beeindruckende Protuberanzen auf der Sonne vorhanden, aber das Seeing war so miserabel, dass ich abgebrochen habe und meinen astronomischen "Marathon" mit diesem Bericht abschließe.
Liebe Grüße
Stephan
vorab - ich habe länger überlegt, ob mein folgender Beitrag besser hier oder im Unterforum "Treffpunkt" untergebracht ist. Die Entscheidung fiel dann für die Kategorie "Beobachtungen visuell". Ich berichte hier von meinem gestrigen Tag, der in meiner Wahrnehmung komplett von unserem Hobby Astronomie geprägt war. Im ersten Teil gehe ich auf meine Erlebnisse auf dem HATT ein, anschließend folgt ein Beobachtungsbericht aus meinem Vorgarten in Bochum mit kleinem Gerät.
Jedes Jahr zieht der HATT, der Hattinger Astronomische Trödel Tag, begeisterte Himmelsbeobachterinnen und Himmelsbeobachter aus ganz Deutschland an. Hier treffen sich Astrofans, Sammler und Händler aus allen Ecken des Landes, um in einer angenehmen Atmosphäre zu stöbern, zu verkaufen und sich auszutauschen. Der Markt bietet alles, was das Herz eines Astronomen höherschlagen lässt: gebrauchte Teleskope, seltene Messgeräte, Zubehör und jede Menge Fachwissen. Es ist ein guter Ort, um nicht nur neue Geräte zu entdecken, sondern auch seltene Schätze zu finden, die auf anderen Wegen kaum noch erhältlich sind. Ich habe hier bereits mehrere tolle und seltene Geräte gefunden (letztes Jahr ein Vixen FL 55 f8, 2022 einen feinen Dobson von Martini,...) Der diesjährige „Star“ war sicherlich ein älteres aber gut erhaltener VIXEN 100/1500 Refraktor. Mit Taukappe war dies ein wahrlich langes Gerät welches auch einen neuen Besitzer fand (nicht mich!). Von historischen Instrumenten bis hin zu modernen High-Tech-Montierungen – für jeden Geldbeutel und jedes Interesse war etwas dabei. Der HATT ist ein Treffpunkt für Gleichgesinnte, die ihre Leidenschaft für die Sterne teilen. Unser Bochumer Stammtisch hatte mehrere Verkaufstische nebeneinander gebucht, und so entstanden unzählige Gespräche und ein intensiver Austausch über unser Hobby mit alten und neuen Bekannten bei Kaffee, Brötchen sowie Kartoffelsalat mit Beilage.
Ich möchte mich an dieser Stelle kurz auch explizit bei der Volkssternwarte Hattingen für die Organisation des HATT bedanken, die ein solch positives Erlebnis für mich (und sicher viele andere Besucherinnen und Besucher) ermöglicht: herzlichen Dank für den schönen Tag!
Nach dem Abbau, ich hatte tatsächlich nur wenige Artikel dabei, zeigte sich auf dem Rückweg bereits das Wetter von seiner besten (astronomischen) Seite: klarer Himmel, strahlende Sonne und nur leichte Schleierwolken. Die Idee einer Beobachtung zur ersten Nachthälfte (der Tag war dann doch lang und anstrengend) wuchs in mir.
Gegen 19 Uhr baute ich meinen Beobachtungsplatz im Vorgarten auf. Zum Einsatz kam ein Takahashi FS-78 auf Vixen APZ mit einer kleineren Auswahl von Baader Morpheus (4,5; 6,5; 17,5) als mein „grab’n’go setup“. Der auf dem HATT neu erworbene Astrostuhl von Berlebach, ein Hydra 2, konnte so direkt eingeweiht werden. Zum Glück hat auf dem benachbarten Parkplatz der Tannenbaumhändler für die Weihnachtszeit noch nicht aufgebaut, sonst hätten die Lichterketten die Beobachtung vor dem Haus unmöglich gemacht. Die Nacht war zwar klar und die Luft kühl, aber das Seeing war doch deutlich sichtbar. Dafür war aber Neumond - man kann scheinbar nicht "alles haben". Die Sterne flimmerten leicht und der Himmel wirkte in den ersten Minuten der Beobachtung unruhig. Trotzdem war es ein besonderer Abend für mich, lag die letzte Beobachtungsnacht doch wieder mehrere Wochen zurück und ich war etwas „ausgehungert“, da nehme ich jede Möglichkeit gerne an.
Der erste Planet, den ich anvisierte, war Jupiter. Doch obwohl das Takahashi FS-78 eine exzellente Schärfe bietet, wurde die Bildqualität durch das mittelmäßige Seeing und den niedrigen Stand etwas getrübt. Die Bänder auf Jupiter, die sonst so klar und detailliert erscheinen, wogen sich im Teleskop hin und her. Auch die vier galileischen Monde, obwohl gut erkennbar, schienen in leicht verzerrten Umrissen zu flimmern. Trotz der Wellenbewegungen in der Luft konnte man sich gut vorstellen, welche immense Größe und Dynamik dieser Gasriese in Wahrheit besitzt. Das Seeing bremste das Detail jedoch ein wenig aus, und so musste ich mich mit einer etwas weniger scharfen Ansicht zufriedengeben.
Als nächstes wendete ich mein Augenmerk auf Saturn. Hier zeigte aufgrund des höheren Standes ein besseres Seeing. Die Ringe des Planeten stehen auf Kantenstellung, der Planet selbst zeigte sich zwar noch majestätisch, doch die feinen Nuancen in der Ringstruktur gingen leider verloren.
Ca. 20 Minuten verbrachte ich anschließend mit der Suche nach Uranus. Star Hopping mit dem geradsichtigen Sucher…das ist voller körperlicher Einsatz! Immer wieder wurden die Sternenmuster abgeglichen. Bin ich hier richtig? Ja…oder nicht?...Neuer Anlauf….wieder beim selben Zielmuster angekommen. Ein grüner Punkt, ggf. kleine Scheibe – oder eher nicht? Einblildung? Oder ist der Lichtpunkt doch etwas grünlich? Neuer Anlauf von anderer Startposition. Wieder am selben Ziel ausgekommen. Dann muss er es sein?! Ich verbleibe hier unsicher und verlasse die Planeten und wende mich zum Abschluss der Beobachtung leichteren Zielen zu.
Der Anblick der Pleiaden strahlte in der relativ klaren Nacht und funkelte wie ein Haufen Diamanten. Ich hatte Glück – ich hatte meine Ausrüstung begrenzt und ein 17.5 Morpheus war das Oklular mit längster Brennweite. Zum Glück passten die Pleiaden so gerade eben in das Gesichtsfeld. Die scharfen Umrisse der Sterne waren durch die Schwingungen der Atmosphäre zeitweise etwas verwischt, was den Anblick der „Sieben Schwestern“ zwar nicht weniger beeindruckend, aber doch weniger klar machte.
Die Beobachtung endete ca. 20.30 Uhr im offenen Sternhaufen H und Chi im Perseus. Trotz warmer Kleidung zog die Kälte langsam durch und auch der lange Tag machte sich mit zunehmender Müdigkeit bemerkbar. Der neue Astrostuhl hat eine breitere und gepolsterte Sitzfläche als mein alter Stuhl,die Investition hatte sich definitiv gelohnt! Ich baute dann ab und ließ den Samstagabend auf der warmen Couch ausklingen. Der 30.11 war ein Tag ganz nach meinem Geschmack!
Am nächsten Morgen war es weiterhin klar und ich bin tatsächlich nach dem Frühstück noch mal raus zur Sonnenbeobachtung. Zim Einsatz kam ein PST Mod mit einem TAL 100/1000. Es waren beeindruckende Protuberanzen auf der Sonne vorhanden, aber das Seeing war so miserabel, dass ich abgebrochen habe und meinen astronomischen "Marathon" mit diesem Bericht abschließe.
Liebe Grüße
Stephan
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