Astrowandertag am 7. April 2026, Teil 1

StKorth_privat

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Astrowanderung am 7.4.2026

Es hat wieder eine Weile gebraucht, bis ich mich auf einen weiteren Deep-Sky-Wandertag begeben konnte, am 7. April 2026 war es endlich wieder einmal soweit – unter verlockendem Bortle 4-5-Himmel (was bei mir in Meerbusch-Osterath extrem selten vorkommt).

Der 12“-TS-Dob war schon am Nachmittag im Garten geparkt worden, damit er sich ganz entspannt einkühlen konnte. Auf geht´s durch das Fahrtenbuch!


M 35 (Sternhaufen)
Zum WarmUp etwas Leichtes, Körniges – bei 68x schon fast zu große für das Sehfeld, aber wollte mir über das Feld einmal meine letzen Justierbemühungen nach der Vollreinigung von Optik und Tubus ansehen. Der Sternhaufen glittert einen schön an!


NGC 2158 (Sternhaufen)
Der Begleiter von M 35 ist schon im 21mm-Ethos (68x) als kleines, flitteriges Glitzern zu erahnen. Dann direkt das 3,5mm-Nagler in den Okularschlund – und schon sieht man gut dreißig eng gruppierte Sterne, der Haufen ist etwa 8 Bogenminuten groß. Das Seeing verträgt 429x einigermaßen.

NGC 2494 (Galaxie)
Nun geht es Richtung M 48 in der Hydra. Auf dem Weg dahin sehe ich diese Galaxie im DeepSkyAtlas – mit 13,1 mag und weniger als 1 Bogenminute Durchmesser nicht gerade ein Hingucker. Aber bei 167x habe ich sie mit indirektem Sehen sicher im Blick.

Herschel 1(Sternhaufen / Doppelstern)
Kleine kuriose Sterngruppe um den Doppelstern Struve 1141. Ca. 10 Sterne 7 – 10 Größe, am Rand eines Fünfecks aus Sternen 8. Größe. Sieht da etwas verloren aus… Der Doppelstern selber ist gut zu trennen, Komponenten 9. + 12. Große, ca. 18“ (68x).

Alessi J0743.0-0005 (Sternhaufen / Asterism)
Der Slalom-Haufen, bei 167x ca. 25 Sterne 9. – 13. Größe, Sternkette wie eine sich windende Schlange angeordnet. Fällt eigentlich auf, soll aber wohl nur eine zufällige Sternanordnung sein.

Alessi J0800.4-0452 (Sternhaufen / Asterism)
Ca. 20 Sterne 6 – 10 Größe, ein bisschen Zickzack, ansonsten sehr locker, lohnt nicht den Zwischenstopp (68x)

M 48 (Sternhaufen)
Der ist jetzt aber hübsch, im 21mm-Ethos ist er etwa 60 Bogenminuten groß, ca. 60 Sterne 8 – 13. Größe. Im Zentrum des ansonsten eher mäßig konzentrierten Haufens findet man eine auffällige Kette aus Sternen 9.-10. Grüße in NO-SW-Ausrichtung.

NGC 2583 / 84 / 85 (Galaxie)
Eine sehr schwierige Galaxiengruppe, alles schwächer als 13. Größe, alles kleine diffuse und strukturlose Fleckchen, die ich bei 214x nur indirekt wahrnehmen kann. Wenn ich noch einmal in die Ecke vorstoße, dann brauche ich eine bessere Aufsuchkarte zur Identifikation.

Struve 1270 (Sternhaufen)
Auf dem Weg zur nächsten Galaxiengruppe ein weiterer Doppelstern – schon bei 68x trennbar, bei 214x ist dann richtig viel Platz zwischen beiden einigermaßen ähnlich hellen Komponenten, Abstand 5“. Beim Nachlesen stelle ich fest, das Komponente A der Bedeckungsveränderliche MX Hya ist, 0,5 mag Amplitude, 0,796 Tage Umlaufszeit.

NGC 2698 + NGC 2699 (Galaxie)
Zwei nette Galaxien, die zu einer größeren Gruppe in unmittelbarer Nähe einer markanten Sternenkette 7. Größe zu finden sind. Bei 214x beide auf Anhieb erkennbar, bei 12,6 mag Helligkeit ein Beleg für den immer besser werdenden Himmel. NGC 2699 ist rundlich, NGC 2698 deutlich länglich.

NGC 2708 + NGC 2709 (Galaxie)
Im selben Feld wie die beiden vorhergehenden Milchstraßensysteme, aber schwieriger. NGC 2709 geht nur indirekt (13,7 mag), NGC 2708 ist leichter zu sehen und als längliche Aufhellung auszumachen, geht auch schon bei direktem Sehen, ist etwa 12,0 mag hell (214x). Die Galaxiengruppe als solche ist ca. 80 Millionen Lichtjahre entfernt.

Abell 31 (Planetarischer Nebel)
Bäm, das Ding ist geknackt! Mit 17´ x 13´ Ausdehnung ein echter Riesen-PN, der maximales Feld (1,6°), minimale Vergrößerung (48x), maximale AP (6,2 mm) und minimale Filterbandbreite (4 nm – OIII von Baader) braucht, aber dann steht er vor mir! Erst nur indirekt als Aufhellung sichtbar, nach ein paar tiefen Atemzügen und Momenten der Tiefenentspannung schält er sich dann als leicht fleckige Wolke aus dem Himmelshintergrund. Stellenweise sehe ich ihn auch direkt – man muss sich halt Zeit lassen, die Augen abdunkeln und entspannt schauen. Mein Highlight heute Nacht!

OΣ195 (Doppelstern)
Netter Doppelstern zum Durchpusten, noch im Feld von Abell 31. 10“ getrennt, 7. + 8. Größe, kann man so mitnehmen.

M 67 (Sternhaufen)
Eines meiner Standard-Durchlaufobjekte, wirft heute ca. 80 Sterne auf mich, die Form hat etwas von einem Springbrunnen oder einer Blumenblüte, ziemlich prachtvoller Anblick heute – zum Genießen.

γ Leo (Doppelstern)
Algieba ist eine weitere Doppelsterndurchgangsstation, hell, einfach, rötlich-gelblich Färbung der beiden Hauptkomponenten, ca. 4,4“ Abstand, 2,2 bzw. 3,5 mag – immer wieder hübsch.

NGC 3226/27 (Galaxien)
Das wechselwirkende Galaxienpaar ist auch als Arp 94 bekannt. So gut wie heute habe ich diese beiden noch nie gesehen, obwohl die jedes Frühjahr auf der Speisekarte stehen. Man sieht Konturen, Grauwertabstufung, die Ausrichtung der Längsachsen – sehr ansehnlich. Optimales Okular ist einmal mehr das 7mm-Nagler (214x).

NGC 3222 (Galaxie)
Im selben Feld wie Arp 94, heute direkt sichtbar, leicht längliches Wölkchen (214x).

NGC 3213 (Galaxie)
Zwischen NGC 3222 und Algieba, der tunlichst außerhalb des Sehfeldes vom 7mm Nagler sein sollte, nur indirekt erkennbar – ist ja aber auch nur 13,5 mag schwach (214x)

NGC 3185 / 87/ 90 / 93 (= Hickson 44)
Und noch ein Highlight – traumhaft! Alle auf Anhieb bei 214x gepackt. Am einfachsten geht NGC 3190, länglich und mit Helligkeitsabstufungen. NGC 3193, rund, hohe Flächenhelligkeit, sofort und direkt erkennbar. NGC 3185, erst nur indirekt, aber dann klappt es auch ohne Vorbeipeilen, rund und fluffig. Als länglicher, diffuser ist dann auch NGC 3187 auf Anhieb auszumachen, 13,4 mag schwach. Diese vier so unterschiedlichen Galaxien auch unterscheidbar im Gesichtsfeld bestaunen zu können, macht einfach nur Freude!

Fortsetzung folgt...

CS,
Stefan Korth
 
Hallo Stefan,

wau, sehr schöner detaillierter BB.
Von dem Galaxienpärchen NGC2708+9 und NGC2698+99 habe ich jeweils nur die erste gesehen, die beiden schwächeren sind mir wohl entgangen, da muss ich nochmal hin. NGC2695 und NGC2697 sind auch noch recht hell und stehen in der Nähe. Ich habe mal aus dem DSS ein Grob erstellt, damit man sich ein Bild machen kann.
Die Galaxie NGC2494 und die Gruppe um NGC2583 kenne ich gar nicht. Wieder viele Ziele für das nächste Jahr.
Bei den großen PN's habe ich immer "Probleme", Ich weiß noch welche harte Nuss Abell 33 dieses Jahr im Januar war. Bei 200x + UHC war vielleicht ein kleiner Teil des großen PN's zu sehen. Abell 31 ist ja noch schwietiger weil größer und tiefer stehend. Den habe ich bis dato nur 1 x negativ probiert.

cs
Lothar
 

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Vielen Dank für die Kommentare, Lothar! Ja, so eine Karte kommt dann bei der nächsten wirklich klaren Nacht mit ´raus zum Tubus.
Abell 33 steht auch noch auf dem Zettel, vielleicht bekomme ich den ja auch noch hin. Was mir bei Abell 31 geholfen hat, das war eben der schmalbandige Baader-OIII-Filter. UHC und Lumicon OIII hatten mir bei den ersten Versuchen nicht geholfen, wobei da die Durchsicht auch nicht so gut war.

Beste Grüße,
Stefan Korth
 
Hallo Stefan,

danke für Deinen Bericht voller interessanter Beobachtungsideen. Ich war in der gleichen Nacht draussen bei ebenfalls ungewöhnlich guter Transparenz, unter einem Himmel im Rheintal zwischen Frankfurt/Main und Heidelberg der dem Deinen wohl recht ähnlich ist. Ich war so überwältigt von der Transparenz, dass ich zwar recht lange aber zeimlich konzeptlos herumgeschaut habe.

Knapp sechs Stunden draussen war lang genug, um einen Viertel des gesamten Tagesumschwungs des Himmels zu erleben. Das war für mich das grosse Erlebnis in dieser Nacht.

Doch offenbar wäre es eine seltene Chance gewesen, den PN Abell 31 zu knacken. Naja, läuft nicht weg und ist notiert! Deiner Schilderung nach könnte das ein interessanter Fall für die engen OIII-Filter sein. Bei halber Mondgröße - das Ding ist ein Viertelgrad groß - geht es nicht um Vergrößerung, somit auch nicht um Öffnung, sondern rein um Himmelstransparenz, Hintergrundhelligkeit, Austrittspupille und Filterbreite. Hoffentlich gibt es diesen Frühling noch eine Gelegenheit mit 5nm und 3nm OIII am 4-Zöller ran zu gehen. Sonst halt nächstes Jahr.

Deine zwei Alessis und Herschel 1 hatte ich noch gar nicht auf dem Schirm. Die Alessis sind Sternhaufenkandidaten die vom Südamerikaner Bruno Alessi katalogisiert wurden. Bei der Kometenverfolgung stolpere ich regelmäßig über sie und habe dadurch ein freundschaftiches Verhältnis zu ihnen entwickelt. Die Alessis sind scheue Wesen, denen man sich mit Geduld und ohne Erwartungshaltung annähern muß.

Eine Frage zu Alessi J0743.0-0005 (wer's aufsuchen will: die Zahlen geben die Koordinaten an): kommt die Bezeichnung "Slalom-Haufen" von Dir?

Beste Grüße, Christopher
 
Danke für Deine freundlichen Worte, Christopher - ja, da hat es uns in der Tat einen richtig kernigen Schwung trockener Luft beschert, dass wir so großflächig mit guter Transparenz gesegnet worden sind. Ist ja oft genug auch ein lokales Phänomen.
Das mit dem "Slalom"-Haufen war so ein Spontaneinfall von mir, weil das Teil sich eben genauso über den Himmel schlängelt.
Was mich bei all der Euphorie nur nachdenklich macht - da ackert man sich Monat für Monat durch halbgaren Himmel, nur um dann von einem Himmel beglückt zu werden, der einen vielleicht einmal im Jahr ereilt. Was also tun? Öfter unter einen dunklen Himmel spechteln? Das wären bei mir ca. 100 km Anreise, egal, in welche Richtung. Oder nur noch unter lokalen Idealbedingungen spechteln? Das geht mir gegen die Natur, denn ich brauche Deep-Sky durch´s Fernrohrokular als Ausgleich zum pixelbehafteten Berufsalltag...
Tja, man hat´s nicht leicht...

CS,
Stefan
 
Lieber Stefan,
weiter ackern ist die Antwort, ganz klar. Durch Hartnäckigkeit - sprich möglichst oft rausgehen - bekommt man die guten Momente mit. Und den Rest der Zeit kann man es sich ja auch schön machen. Es geht ja um das Gesamterlebnis, die Abendluft, die Begegnungen mit Igel und Fledermaus. Und um das große Ganze, das ewige Kreisen des Himmels.
Beste Grüße,
Christopher
 
...schön gesagt - statt Igel und Fledermaus begleiten mich da aktuell die ersten Kröten und die sich prügelnden Nachbarkatzen. Aber ab Mitternacht ist dann meistens Ruhe...

CS,
Stefan
 
Hallo Stefan,

gestern konnte ich nachlegen. Es waren zwar nur 2 Stunden (dann zog der Himmel zu), aber für die Galaxien in de Hydra und im Kasten des großen Wagens hat es gereicht. :) Ca. 40 Galaxien in 2 Stunden hat man auch nicht alle Tage.

Bei NGC2690 die Edge On Galaxie UGX4640 auch noch mitgenommen.
Wie du beschreibst war NGC2709 mit 13m7 die schwierigste und nur indirekt zu 80% zu sehen. NGC2722 habe ich auch noch mitgenommen.

Zu NGC 2583 / 84 / 85 (Galaxie) muss ich auch noch hin, das hatte ich gestern nicht auf dem Schirm.

cs
Lothar
 

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...Glückwunsch, Lothar - bei uns war es die Tage entweder zu diesig oder aber der Abend nicht-astronomisch verplant. So ist mein Dob dann nicht auf die Weide gekommen...
40 Galaxien - ein echter Dob-Sprinter bist Du!

CS,
Stefan Korth
 
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