Stefan_Lilge
Aktives Mitglied
Hallo,
bevor das schon wieder verjährt, möchte ich kurz über meinen Urlaub auf La Palma berichten, wo ich vom 21.02. bis 04.03.2017 11 Nächte (und die dazugehörigen Tage ;-) verbracht habe.
Kai von Schauroth hat dort ein Paradies für Hobbyastronomen aufgebaut. Die Voraussetzungen für Beobachtung/Fotografie sind perfekt. Es gibt für jeden Astro-Gast eine eigene Plattform mit Stromversorgung, in eine Säule eingebaute Rotlichtlampe und einem an ein Geländer gehängten Laptop-Tisch. Der Weg von meinem gemieteten Häuschen bis zu der Plattform betrug ca. 20 Meter. Direkt neben den Plattformen gibt es ein Gerätehaus, in dem Ausrüstung tagsüber gelagert werden kann.
Das Anwesen liegt auf ca. 900m Höhe im Nordwesten La Palmas im "Windschatten" der hohen Berge. Von den 11 Nächten waren 10 mindestens teilweise klar. Eine von den zehn war astronomisch nicht nutzbar, da sie zwar eine hervorragende Transparenz hatte, aber ein so starker Wind wehte, dass keine vernünftigen Aktivitäten möglich waren. Oft war es den Tag über bewölkt, teilweise mit dicken Wolken und selten Regen, der Himmel ist dann aber meist im Laufe des Abends aufgerissen. Spätestens gegen 23 Uhr war es klar.
Anscheinend ist Athos perfekt gelegen, die hohen Berge schirmen es gegen die Passatwolken ab. Oft konnte man sehen, dass nördlich (und gelegentlich auch südlich) horizontnahe Wolken vorbeizogen, während über Athos der Himmel klar war.
Der Himmel war sehr dunkel (typischer SQM-L-Wert war 21,8) und meist von einer hervorragenden Transparenz. Die Wintermilchstraße war komplett von Horizont zu Horizont deutlich sichtbar und der Gegenschein auffällig hell. Oft waren die Sterne fast bis zum Horizont ohne Abschwächung zu sehen, wie ich es sonst nur aus Namibia kenne. Das Seeing war leider öfter (ca. 50% der Belichtungszeit) schlecht. Es gab aber aber auch Nächte, in denen meine 5-minütigen Einzelbelichtungen eine FWHM von 2 Bogensekunden hatten, was ich als sehr gut einschätzen würde, da in diesem Wert ja auch noch die Nachführfehler enthalten sind. Diese Werte habe ich übrigens ca. 35 Grad über dem Horizont erzielt.
Den "richtigen" Südhimmel bekommt man auf La Palma natürlich nicht, aber der Skorpion kommt komplett über den Horizont, ebenso das Milchstraßenzentrum. Und auch die Galaxien im südlichen Teil der Jungfrau bekommt man deutlich höher und damit besser vor die Kamera als in Deutschland.
Gemietet hatte ich einen Pentax 125 SDP auf Skywatcher AZ-EQ6 Montierung. Beides hat sehr gut funktioniert, wobei der Pentax für meinen eher kleinen Chip (ASI1600, 4/3 Zoll) etwas "überdimensioniert" ist, da er auch Mittelformat abbilden kann. Aber jedenfalls hatte ich ohne Herumfummeln runde Sterne bis in die Bildecken. Der Pentax hat auch über den Verlauf der Nacht den Fokus gut gehalten, ich musste nur geringfügig und selten (alle 2-3 Stunden) nachfokussieren. Es gab allerdings auch kein großes Temperaturgefälle in der Nacht. Das Fokussieren ist etwas umständlich, weil der Pentax keinen Crayford o.ä. hat, sondern eine Innenfokussierung, die durch einen großen Ring am Ende des Tubus betrieben wird. Das erfordert einen gewissen Kraftaufwand, so dass das Teleskop zwangsläufig wackelt und sich etwas bewegt. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Fokussierung nicht so feingängig war wie mit einem "normalen" Okularauszug mit Untersetzung. Dafür kann aber der Auszug auch nicht verkippen, egal wie schwer die Kamera ist. Durch den fest in den Tubus eingebauten Flattener gibt es keinen bestimmten Abstand zur Kamera, der eingehalten werden muss. Ich konnte daher mit Off-Axis-Guider, Filterrad und CCD fotografieren ohne Millimeter zählen zu müssen.
Zur AZ-EQ6 muss ich wohl nicht viel sagen, keine Luxusmontierung, funktioniert aber problemlos. Lediglich der Polsucher war irgendwie komisch, es ist mir nicht gelungen, dadurch den Polarstern zu sehen. Aber ich habe sowieso die Einnordungsroutine der Synscan-Steuerung benutzt, die sehr gut funktioniert.
Ich habe während des Aufenthalts keinerlei Belichtungszeit durch technische Probleme verloren.
Aus dem nichtastronomischen Bereich ist anzumerken, dass sich die Gastgeber sehr nett und hilfsbereit um ihre Gäste gekümmert haben. Mir und einem weiteren anwesenden Astrogast wurde auch die "Privatbesichtigung" eines Großteleskops auf dem Roque de los Muchachos ermöglicht, was neben dem dortigen Ausblick auf einen "Wolkenwasserfall" eines der Highlights des Urlaubs war.
Das von mir gemietete kleine Häuschen war nett hergerichtet und mit einem appetitlichen Bad ausgestattet. Die über meinen Schreibtisch verlaufende Ameisenstraße war zum Glück nicht immer belebt.
Das Anwesen befindet sich in einem wunderschön angelegten Garten, der immer wieder hübsche Anblicke bietet. Als Gemeinschaftsraum (dort ist auch die Gemeinschaftsküche) gibt es eine sehr beeindruckende Orangerie, die lichtdurchflutet und mit historischen Teleskopen geschmückt ist. Vor der Orangerie stehen Tische und Stühle, so dass man sein Frühstück mit Blick über das grüne Land auf das Meer essen kann. Das war jedes mal genial. Es ist dort so schön, dass ich kaum das Bedürfnis verspürte, diesen Ort für Ausflüge zu verlassen (was sehr praktisch ist, wenn man durch die Dauerbelichtungen übernächtigt ist).
Insgesamt war der Aufenthalt in jeder Hinsicht gelungen. Das einzige, was mich von weiteren Besuchen abhalten kann, ist die von mir befürchtete Vollauslastung. Es würde mich jedenfalls sehr wundern, wenn diese Möglichkeit, guten Himmel ohne den großen Aufwand (und Kosten) einer Namibiareise zu bekommen, keinen großen Anklang finden würde.
Irgendwann ist aber auch wieder Namibia fällig
Ich habe mit dem Dateimanager des Forums noch drei Bilder angehängt, mal schauen ob die nach dem Absenden des Beitrags auch irgendwo zu sehen sind...
bevor das schon wieder verjährt, möchte ich kurz über meinen Urlaub auf La Palma berichten, wo ich vom 21.02. bis 04.03.2017 11 Nächte (und die dazugehörigen Tage ;-) verbracht habe.
Kai von Schauroth hat dort ein Paradies für Hobbyastronomen aufgebaut. Die Voraussetzungen für Beobachtung/Fotografie sind perfekt. Es gibt für jeden Astro-Gast eine eigene Plattform mit Stromversorgung, in eine Säule eingebaute Rotlichtlampe und einem an ein Geländer gehängten Laptop-Tisch. Der Weg von meinem gemieteten Häuschen bis zu der Plattform betrug ca. 20 Meter. Direkt neben den Plattformen gibt es ein Gerätehaus, in dem Ausrüstung tagsüber gelagert werden kann.
Das Anwesen liegt auf ca. 900m Höhe im Nordwesten La Palmas im "Windschatten" der hohen Berge. Von den 11 Nächten waren 10 mindestens teilweise klar. Eine von den zehn war astronomisch nicht nutzbar, da sie zwar eine hervorragende Transparenz hatte, aber ein so starker Wind wehte, dass keine vernünftigen Aktivitäten möglich waren. Oft war es den Tag über bewölkt, teilweise mit dicken Wolken und selten Regen, der Himmel ist dann aber meist im Laufe des Abends aufgerissen. Spätestens gegen 23 Uhr war es klar.
Anscheinend ist Athos perfekt gelegen, die hohen Berge schirmen es gegen die Passatwolken ab. Oft konnte man sehen, dass nördlich (und gelegentlich auch südlich) horizontnahe Wolken vorbeizogen, während über Athos der Himmel klar war.
Der Himmel war sehr dunkel (typischer SQM-L-Wert war 21,8) und meist von einer hervorragenden Transparenz. Die Wintermilchstraße war komplett von Horizont zu Horizont deutlich sichtbar und der Gegenschein auffällig hell. Oft waren die Sterne fast bis zum Horizont ohne Abschwächung zu sehen, wie ich es sonst nur aus Namibia kenne. Das Seeing war leider öfter (ca. 50% der Belichtungszeit) schlecht. Es gab aber aber auch Nächte, in denen meine 5-minütigen Einzelbelichtungen eine FWHM von 2 Bogensekunden hatten, was ich als sehr gut einschätzen würde, da in diesem Wert ja auch noch die Nachführfehler enthalten sind. Diese Werte habe ich übrigens ca. 35 Grad über dem Horizont erzielt.
Den "richtigen" Südhimmel bekommt man auf La Palma natürlich nicht, aber der Skorpion kommt komplett über den Horizont, ebenso das Milchstraßenzentrum. Und auch die Galaxien im südlichen Teil der Jungfrau bekommt man deutlich höher und damit besser vor die Kamera als in Deutschland.
Gemietet hatte ich einen Pentax 125 SDP auf Skywatcher AZ-EQ6 Montierung. Beides hat sehr gut funktioniert, wobei der Pentax für meinen eher kleinen Chip (ASI1600, 4/3 Zoll) etwas "überdimensioniert" ist, da er auch Mittelformat abbilden kann. Aber jedenfalls hatte ich ohne Herumfummeln runde Sterne bis in die Bildecken. Der Pentax hat auch über den Verlauf der Nacht den Fokus gut gehalten, ich musste nur geringfügig und selten (alle 2-3 Stunden) nachfokussieren. Es gab allerdings auch kein großes Temperaturgefälle in der Nacht. Das Fokussieren ist etwas umständlich, weil der Pentax keinen Crayford o.ä. hat, sondern eine Innenfokussierung, die durch einen großen Ring am Ende des Tubus betrieben wird. Das erfordert einen gewissen Kraftaufwand, so dass das Teleskop zwangsläufig wackelt und sich etwas bewegt. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Fokussierung nicht so feingängig war wie mit einem "normalen" Okularauszug mit Untersetzung. Dafür kann aber der Auszug auch nicht verkippen, egal wie schwer die Kamera ist. Durch den fest in den Tubus eingebauten Flattener gibt es keinen bestimmten Abstand zur Kamera, der eingehalten werden muss. Ich konnte daher mit Off-Axis-Guider, Filterrad und CCD fotografieren ohne Millimeter zählen zu müssen.
Zur AZ-EQ6 muss ich wohl nicht viel sagen, keine Luxusmontierung, funktioniert aber problemlos. Lediglich der Polsucher war irgendwie komisch, es ist mir nicht gelungen, dadurch den Polarstern zu sehen. Aber ich habe sowieso die Einnordungsroutine der Synscan-Steuerung benutzt, die sehr gut funktioniert.
Ich habe während des Aufenthalts keinerlei Belichtungszeit durch technische Probleme verloren.
Aus dem nichtastronomischen Bereich ist anzumerken, dass sich die Gastgeber sehr nett und hilfsbereit um ihre Gäste gekümmert haben. Mir und einem weiteren anwesenden Astrogast wurde auch die "Privatbesichtigung" eines Großteleskops auf dem Roque de los Muchachos ermöglicht, was neben dem dortigen Ausblick auf einen "Wolkenwasserfall" eines der Highlights des Urlaubs war.
Das von mir gemietete kleine Häuschen war nett hergerichtet und mit einem appetitlichen Bad ausgestattet. Die über meinen Schreibtisch verlaufende Ameisenstraße war zum Glück nicht immer belebt.
Das Anwesen befindet sich in einem wunderschön angelegten Garten, der immer wieder hübsche Anblicke bietet. Als Gemeinschaftsraum (dort ist auch die Gemeinschaftsküche) gibt es eine sehr beeindruckende Orangerie, die lichtdurchflutet und mit historischen Teleskopen geschmückt ist. Vor der Orangerie stehen Tische und Stühle, so dass man sein Frühstück mit Blick über das grüne Land auf das Meer essen kann. Das war jedes mal genial. Es ist dort so schön, dass ich kaum das Bedürfnis verspürte, diesen Ort für Ausflüge zu verlassen (was sehr praktisch ist, wenn man durch die Dauerbelichtungen übernächtigt ist).
Insgesamt war der Aufenthalt in jeder Hinsicht gelungen. Das einzige, was mich von weiteren Besuchen abhalten kann, ist die von mir befürchtete Vollauslastung. Es würde mich jedenfalls sehr wundern, wenn diese Möglichkeit, guten Himmel ohne den großen Aufwand (und Kosten) einer Namibiareise zu bekommen, keinen großen Anklang finden würde.
Irgendwann ist aber auch wieder Namibia fällig
Ich habe mit dem Dateimanager des Forums noch drei Bilder angehängt, mal schauen ob die nach dem Absenden des Beitrags auch irgendwo zu sehen sind...