Rudi
Mitglied
Beobachtungsbericht vom 8.12.
Teleskop: TAL2M (6 Zoll Newton, 1200mm Bw)
Ort: Südbayern
Hallo frierende Astrogemeinde,
Das Wetter hatte nicht zuviel versprochen, ein strahlend schöner Tag ging zu Ende und die Nacht sollte noch besser werden (astromäßig). Der Mond stand tief und ging schnell unter, das einzige was doch arg störte, war dieser völlig überflüssige Wind, der die -4° Grad viel kälter erscheinen ließ. Was soll's, dem TAL war der Wind sowieso egal und wurde nach der Venusschau vom Mittag* wieder rausgestellt. Ziel war die äußerste nordöstliche Ecke vom Schwan Sieben Objekte in einem Bereich von nur 8°x5° hatte ich mir ausgesucht, dazu einige im Cepheus.
Zu Beginn ein Schlenker zu den Cirrusnebeln, dann Nordamerikanebel, alles noch da, gut so. Das Zielgebiet lag noch gut 10° östlich vom NAN. Start ist der OS M39 mit hellen Sternen, die etwas verstreut sind, mit etwas Phantasie könnte man einen sitzenden Dackel erkennen. Der Haufen ist in einem Meer von schwachen Sternen in der Milchstraße eingebettet, schöner Anblick.
Gut ein Grad südlich davon liegt der OS NC7082, er fällt in der sternreichen Milchstraße kaum auf, weil die Sterne des OS nicht viel heller sind, als die der Milchstraße im Hintergrund, nur wenige heben sich deutlich ab, die den Buchstaben 'Z' bilden.
Der Wind pfeift mir jetzt ganz schön um die Ohren, die Augen tränen mir etwas, nicht gerade ideal, aber es geht weiter. Leider mit einer Enttäuschung, der OS NGC7150 soll angeblich wie ein Hufeisen aussehen, aber meine Phantasie reicht nicht so weit, in diesem Sterngewimmel diese Form zu erkennen, obwohl ich mir sicher bin, an der richtigen Stelle zu sein.
Jetzt kommt mal was ganz anderes: der Dunkelnebel Barnard 168. Ist nicht ganz einfach zu erkennen, weil man was sucht, was gar nicht vorhanden ist. Staubwolken verhindern den Blick auf dahinterliegende Sterne, der Dunkelnebel hat die Form eine Zigarre und ist mit 2° x 0,3° zu groß, um ihn mit einmal im Teleskop zu sehen. Ein paar schwache Sternchen haben sich darin verirrt, in der Mitte wird der Nebel fast durchbrochen von ein paar helleren Sternen.
Jetzt werd' ich aber sauer, ständig bläßt mir der Wind den Karkoschka um. Ich halte zwar dagegen, aber erst eine Wäscheklammer hält mir die Blätter zusammen und verhindert lautstarke Fluchrufe.
Am östlichen Ende von B168 soll der Cocoonnebel liegen, puuh, bin mir nicht ganz sicher. Mit UHC meine ich zwischen zwei Sternen eine leichte Aufhellung erkennen zu können. Etwas weiter östlich davon mit NGC7209 ein recht ansehnlicher nicht dicht gedrängter OS, der von vier hellen Sternen, an jeder Ecke einer, wie eingekreist wirkt. Interessante Sternenkette in Form einer mehrfach geschwungenen Schlange, mit Kopf, dessen Maul gefräßig weit offen steht.
Wenn man sonst nicht's zu tun hat, kann man noch raufschwenken zu NGC 7243 wieder ein OS. Etwa so groß wie der vorherige, aber etwas hellere Sterne, die vier Gruppen bilden. Scheinbar geht quer durch den Sternhaufen ein Dunkelnebel hindurch, sieht komisch aus.
Blauer Schneeball NGC 7662:
Dieser planetarische Nebel liegt über den Pegasusquadrat und läßt sich schon im 25 mm TAL-Plössl bei 48fach als winziges Scheibchen erkennen. Deutlich ist die blaugrünliche Färbung. Auch bei 200fach so gut wie keine Strukturen erkennbar, mittig ganz leicht dunkler, ansonsten gleichmäßige Helligkeitsverteilung, kreisrund.
Off. Sternhaufen NGC 6939:
An der südwestlichen Ecke vom Kepheus gelegen, bei 48fach nur ein paar Sterne auflösbar vor nebligen Hintergrund. Erst bei deutlich über 100fach kann man die Einzelsterne hervorlocken. Aber auch da nicht besonders eindrucksvoll, da der Nebel einfach klein und schwach ist.
Nur 1 Grad entfernt: Galaxie NGC 6949:
Nicht allzuviel los bei diesem Fuzzeldings. Nur eine leichte Aufhellung erkennbar, aber schon im direkten Sehen. Runde Form, strukturlos.
Über den schönen kräftig orangeleuchtenden Granatstern steuere ich dann IC1396 an, ein großer Sternhaufen mit helleren Sternen, trotzdem eher unscheinbar, da die Sterne weit verstreut auseinander liegen. Dann noch eine tolle Überraschung: Ich schraube den UHC-Filter rein und übers ganze Gesichtsfeld werden Strukturen sichtbar. Der Sternhaufen wird von einem großen Gasnebel umschlossen, im Zentrum konnte ich keinen Nebel erkennen. Der Gasnebel ist so groß, daß er locker vier mal das Gesichtsfeld des 25er TAL-Plössl umfaßt, sehr strukturreich mit helleren und wieder dunkleren Gebieten. Ich löse die Klemmschraube am TAL etwas und kann wie bei einem Dobson den Nebel abfahren. Er ist nicht allzuhell, aber sollte man versuchen.
Trotz klarem Himmel bin ich heute nicht raus, noch kälter als gestern (-8°) und der Wind ist auch noch deutlich stärker als gestern, hoffentlich wird das nicht mal bestraft. Jedenfalls werde ich, wenn ich jetzt ins Bett steige, an alle denken, die jetzt vielleicht noch fröstelnd draußen stehen.
*hatte ich mit der Digitalkamera auch fotografiert:
http://home.vr-web.de/rudolfprinz/venusamtag.jpg
Sternengrüße
Rudi
Teleskop: TAL2M (6 Zoll Newton, 1200mm Bw)
Ort: Südbayern
Hallo frierende Astrogemeinde,
Das Wetter hatte nicht zuviel versprochen, ein strahlend schöner Tag ging zu Ende und die Nacht sollte noch besser werden (astromäßig). Der Mond stand tief und ging schnell unter, das einzige was doch arg störte, war dieser völlig überflüssige Wind, der die -4° Grad viel kälter erscheinen ließ. Was soll's, dem TAL war der Wind sowieso egal und wurde nach der Venusschau vom Mittag* wieder rausgestellt. Ziel war die äußerste nordöstliche Ecke vom Schwan Sieben Objekte in einem Bereich von nur 8°x5° hatte ich mir ausgesucht, dazu einige im Cepheus.
Zu Beginn ein Schlenker zu den Cirrusnebeln, dann Nordamerikanebel, alles noch da, gut so. Das Zielgebiet lag noch gut 10° östlich vom NAN. Start ist der OS M39 mit hellen Sternen, die etwas verstreut sind, mit etwas Phantasie könnte man einen sitzenden Dackel erkennen. Der Haufen ist in einem Meer von schwachen Sternen in der Milchstraße eingebettet, schöner Anblick.
Gut ein Grad südlich davon liegt der OS NC7082, er fällt in der sternreichen Milchstraße kaum auf, weil die Sterne des OS nicht viel heller sind, als die der Milchstraße im Hintergrund, nur wenige heben sich deutlich ab, die den Buchstaben 'Z' bilden.
Der Wind pfeift mir jetzt ganz schön um die Ohren, die Augen tränen mir etwas, nicht gerade ideal, aber es geht weiter. Leider mit einer Enttäuschung, der OS NGC7150 soll angeblich wie ein Hufeisen aussehen, aber meine Phantasie reicht nicht so weit, in diesem Sterngewimmel diese Form zu erkennen, obwohl ich mir sicher bin, an der richtigen Stelle zu sein.
Jetzt kommt mal was ganz anderes: der Dunkelnebel Barnard 168. Ist nicht ganz einfach zu erkennen, weil man was sucht, was gar nicht vorhanden ist. Staubwolken verhindern den Blick auf dahinterliegende Sterne, der Dunkelnebel hat die Form eine Zigarre und ist mit 2° x 0,3° zu groß, um ihn mit einmal im Teleskop zu sehen. Ein paar schwache Sternchen haben sich darin verirrt, in der Mitte wird der Nebel fast durchbrochen von ein paar helleren Sternen.
Jetzt werd' ich aber sauer, ständig bläßt mir der Wind den Karkoschka um. Ich halte zwar dagegen, aber erst eine Wäscheklammer hält mir die Blätter zusammen und verhindert lautstarke Fluchrufe.
Am östlichen Ende von B168 soll der Cocoonnebel liegen, puuh, bin mir nicht ganz sicher. Mit UHC meine ich zwischen zwei Sternen eine leichte Aufhellung erkennen zu können. Etwas weiter östlich davon mit NGC7209 ein recht ansehnlicher nicht dicht gedrängter OS, der von vier hellen Sternen, an jeder Ecke einer, wie eingekreist wirkt. Interessante Sternenkette in Form einer mehrfach geschwungenen Schlange, mit Kopf, dessen Maul gefräßig weit offen steht.
Wenn man sonst nicht's zu tun hat, kann man noch raufschwenken zu NGC 7243 wieder ein OS. Etwa so groß wie der vorherige, aber etwas hellere Sterne, die vier Gruppen bilden. Scheinbar geht quer durch den Sternhaufen ein Dunkelnebel hindurch, sieht komisch aus.
Blauer Schneeball NGC 7662:
Dieser planetarische Nebel liegt über den Pegasusquadrat und läßt sich schon im 25 mm TAL-Plössl bei 48fach als winziges Scheibchen erkennen. Deutlich ist die blaugrünliche Färbung. Auch bei 200fach so gut wie keine Strukturen erkennbar, mittig ganz leicht dunkler, ansonsten gleichmäßige Helligkeitsverteilung, kreisrund.
Off. Sternhaufen NGC 6939:
An der südwestlichen Ecke vom Kepheus gelegen, bei 48fach nur ein paar Sterne auflösbar vor nebligen Hintergrund. Erst bei deutlich über 100fach kann man die Einzelsterne hervorlocken. Aber auch da nicht besonders eindrucksvoll, da der Nebel einfach klein und schwach ist.
Nur 1 Grad entfernt: Galaxie NGC 6949:
Nicht allzuviel los bei diesem Fuzzeldings. Nur eine leichte Aufhellung erkennbar, aber schon im direkten Sehen. Runde Form, strukturlos.
Über den schönen kräftig orangeleuchtenden Granatstern steuere ich dann IC1396 an, ein großer Sternhaufen mit helleren Sternen, trotzdem eher unscheinbar, da die Sterne weit verstreut auseinander liegen. Dann noch eine tolle Überraschung: Ich schraube den UHC-Filter rein und übers ganze Gesichtsfeld werden Strukturen sichtbar. Der Sternhaufen wird von einem großen Gasnebel umschlossen, im Zentrum konnte ich keinen Nebel erkennen. Der Gasnebel ist so groß, daß er locker vier mal das Gesichtsfeld des 25er TAL-Plössl umfaßt, sehr strukturreich mit helleren und wieder dunkleren Gebieten. Ich löse die Klemmschraube am TAL etwas und kann wie bei einem Dobson den Nebel abfahren. Er ist nicht allzuhell, aber sollte man versuchen.
Trotz klarem Himmel bin ich heute nicht raus, noch kälter als gestern (-8°) und der Wind ist auch noch deutlich stärker als gestern, hoffentlich wird das nicht mal bestraft. Jedenfalls werde ich, wenn ich jetzt ins Bett steige, an alle denken, die jetzt vielleicht noch fröstelnd draußen stehen.
*hatte ich mit der Digitalkamera auch fotografiert:
http://home.vr-web.de/rudolfprinz/venusamtag.jpg
Sternengrüße
Rudi