August 2025 - IC 349 - Barnards Merope Nebel

Galeriemaster

Mitarbeiter
Galerie-Moderator
adm-2025-08.jpg

Nahe dem Stern Merope in den Plejaden befindet sich ein kleines Reflexionsnebelchen, welches im visuellen Licht eine Flächenhelligkeit höher als die der umgebenden größeren Plejadennebel besitzt. Dieser kleine Nebel wurde von Oliver Schneider, Mitglied der VdS-Fachgruppe Astrofotografie, am 03.11.2024 sehr schön abgebildet. Das Problem dabei: Der helle B6-Stern Merope mit V = 4,18 mag überstrahlt mit seinem hellen, blauen Licht seine unmittelbare Umgebung. Dem Bildautor kam daher die Idee, eine Reihe von Kurzzeitbelichtungen zu wählen, dann ist die auf den Sternpunkt treffende Lichtenergie nicht zu groß und das Seeing bleibt im Rahmen. Aufnahmeteleskop war ein Celestron 11 mit Reducer auf 1860 mm Brennweite, daher sind auch keine Beugungsstreben zu sehen. Kamera war eine Planetenkamera, eine ungekühlte ZWO ASI715mc, Belichtung 450 x 2 s. Aufnahmeort war die heimische Terrasse in Leopoldshöhe. Das Bildfeld von 6,3' x 4,7' hat Norden oben, Osten links.

Um die Kinematik zu diesem Bild zu verstehen, müssen wir zuerst etwas ausführlicher die Plejaden abhandeln. Die Plejaden sind als heller offener Sternhaufen ein oft beobachtetes Deep-Sky-Objekt. Der Sternhaufen ist eingebettet in eine größere Zahl einzelner Reflexionsnebel, die z.T. auch eigene Katalognummern tragen (z.B. der Merope-Nebel = NGC 1435, der Maia-Nebel = NGC 1432). Das beweist: Hier ist also Staub vorhanden. Man ist sich unter Astronomen aufgrund einer Vielzahl von Beobachtungen seit Ende des 19ten Jahrhunderts darin einig, dass die Plejaden derzeit die Taurus-Molekülwolke passieren (engl.: Taurus Molecular Cloud). Daher ist eine Wechselwirkung zwischen Plejaden und der Materie der Molekülwolke mit Gewissheit vorhanden.

Insofern scheint eines plausibel: Beobachtungen der Kinematik von Sternhaufen und umgebender Materie anhand interstellarer Absorptions- und Emissionslinien haben bewiesen, dass zwischen den Plejaden und dem nahegelegenen Gas und Staub keine stabile Verbindung besteht, sondern dass die Gas- und Staubkomponente in Bewegung ist. Frühe Beobachtungen, sowohl visuell als auch fotografisch, zeigten, dass der Nebel um die Plejaden groß und von Filamenten durchsetzt ist. 1890 entdeckte der amerikanische Astronom E. Barnard etwa 36 Bogensekunden (damals) südsüdöstlich des Plejadensterns Merope einen kleinen Filamentnebel, der seitdem als IC 349 geführt wird und zu Ehren des Entdeckers auch englisch "Barnard´s Merope Nebula" genannt wird. Schließlich gelang dem amerikanischen Astronomen V.M. Slipher 1912 der Nachweis, dass die Plejadennebel das Licht der Sterne reflektieren. Seitdem ist klar: Der Sternhaufen ist tatsächlich in die Plejadennebel eingebettet (Astronomen verlangen stets einen Nachweis, optische Eindrücke reichen nicht als Erklärung).

Untersuchungen in verschiedenen Wellenlängenbereichen (Radiostrahlung, neutraler Wasserstoff, Natriumlinie, CO, NIR) ergaben, dass die Materiebewegungen in Bezug auf die Plejadensterne sehr kompliziert sind und an verschiedenen Positionen in und außerhalb der Plejaden auch recht unterschiedlich ablaufen. Eines der plausiblen Modelle ist dies: Zwei Gasströme wechselwirken mit den Plejaden - also ein Dreikörpermodell (Richard E. White, 2003: "Interstellar Matter Near the Plejades. VI. Evidence for an Interstellar Three-Body Encounter"; Astrophys. J. Suppl. Ser. 148, pp. 487–517).

Was ist nun mit IC 349 los? Zunächst dachte man, diese filamentöse Staubwolke sei der Rest des Materials, aus dem die Plejaden vor etwa 100 Millionen Jahren entstanden sind. Das aber ist nun völlig anders. Messungen der Radialgeschwindigkeit von IC 349 weisen stark darauf hin, dass das Nebelchen den Rest des Westteils der Taurus-Molekülwolke darstellt, die kompakt ein wenig weiter östlich der Plejden liegt. Der nahe heiße Stern Merope sorgt mit seinem Sternwind und seiner Strahlungsenergie für die "lädierte" dreiecksähnliche Gestalt von IC 349.

Interessantes ergibt sich nun aus der Bildanalyse von Olivers Aufnahme (tja, so ist das … nicht nur pretty Picture kucken und toll, schön, gut aufgelöst - sondern auch Bildanalyse betreiben). Barnard gab bei seiner Entdeckung, die er 1890 in der deutschen Fachzeitschrift Astronomische Nachrichten veröffentlichte, auch den gemessenen Abstand zwischen Merope und "seinem Nebel" an. Das waren 36,85". Zwei Jahre später veröffentlichte S.W. Burnham - auch in den Astronomischen Nachrichten - seine Messungen (S.W. Burnham, 1892: "Measures of Barnard's new Merope nebula"; Astronom. Nachr. 129, S. 17-18). Die Distanz wurde zu 37,1" bestimmt. Burnham schreibt darin -jetzt ins Deutsche übersetzt: “Diese Messungen werden künftig von mehr Interesse sein, wenn es möglich ist, durch wiederholte sorgfältige Messungen sicherzustellen, ob der neue Nebel im Raum mit Merope und den anderen Sternen dieses berühmten Haufens gemeinsam läuft.”

Im AdM messe ich einen Abstand von 30,5". Das ist ein deutlich geringerer Abstand für 2024 als für 1890. Nun darf man fragen, ob sich der Nebel auf Merope zubewegt hat oder ob Merope aufgrund ihrer Eigenbewegung sich relativ zum ortsfesten Nebel bewegt. Interessante Aufgabe, gelle?

Oliver Schneider beschert uns mit seinem kleinen Ausschnitt um Merope ein aufschlussreiches und interessantes Astrofoto. Er hat aber auch verstanden, das Licht von Merope zu dämmen und nicht wie für Deep-Sky-Motive üblich, lange zu belichten. Dabei kam ihm zu Hilfe, dass IC 349 recht hell ist. Bei diesem AdM muss jetzt nicht über die Bildbearbeitung diskutiert werden - es gibt diesmal aufgrund der Idee zur Bildgewinnung ein dickes Lob.

Und dazu dann die Gratiulation des AdM-Teams!!!



Peter Riepe
Bildautor: Oliver Schneider



Koordinaten (J2000) für IC 349:
RA = 03 h 46 min 21,3 s, DEC = +23° 56' 28''


Vollbild unter: https://www.astronomie.de/aktuelles...eite/august-2025-ic-349-barnards-merope-nebel



Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Leider können wir im Forum nicht mitmachen. Scheuen Sie sich also nicht, den direkten Kontakt zu uns zu wählen: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach auf den Namen. Sie können auch den Autornamen anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

Mitmachen beim Astrofoto des Monats

Ihr möchtet Euch für das Astrofoto des Monats bewerben? Dann schickt uns Euer Bild. Jetzt zum Formular gehen!







Mailingliste der VdS-Fachgruppe Astrofotografie​

Die VdS-Fachgruppe Astrofotografie bietet allen Interessierten eine Mitgliedschaft in einer aktiven Mailingliste an.
Weitere Informationen erhalten Sie unter http://astrofotografie.fg-vds.de/mailingliste.php3
 
Zurück
Oben