Re: Auskunft über den Skywatcher SK102/1000 EQ3-2
Hallo Melanie,
OK, jetzt wird's lang aber hoffentlich auch lehrreich <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
Also die Zahlenkombination 150/1200 bedeutet ja 150mm Öffnung und 1200mm Brennweite. Dabei ist die Öffnung, also die erste Zahl schonmal der wichtigste Parameter. Öffnung ist durch nichts zu ersetzen ausser durch mehr Öffnung. Je mehr Öffnung desto mehr Licht sammelt das Teleskop und desto schärfer wird das Bild, also mehr Vergrößerung. Aber die damit man die Vergrößerung auch nutzen kann, sollte das Gerät eine Gewisse Brennweite haben. Eine lange Brennweite ist im Allgemeinen für die Bildqualität besser, denn je kürzer die Brennweite, desto schwieriger ist das Teleskop herzustellen.
Das gilt besonders für Linsenteleskope. Die Achromaten (oder Achromaten nach Fraunhofer) haben das Problem, daß die Brennweite einer Linse nicht für alle Farben gleich ist. Und weil die Brennweite auch den Abstand zwischen Linse und Okular bestimmt, damit es ein scharfes Bild gibt, bedeutet das, daß man bei einem solchen Achromaten ein scharfes Bild nur für die Farben Grün und Gelb bekommt, während rot ein klein wenig und blau-violett ein wenig unscharf ist. Dadurch hat ein heller Stern dann einen kleinen, blau-violetten Farbsaum. Das stört die Detail-Erkennbarkeit. Und dieser Effekt wird immer stärker, je kürzer die Brennweite des Teleskopes ist.
Bei einem APO nimmt man spezialgläser um diesen Farbfehler auf ein unmerkliches Maß wegzukorrigieren. Das macht den APO so teuer. Ein Spiegel hat dieses Problem einfach nicht. Bei einem Spiegel gibt es aber andere Probleme, wenn die Brennweite kürzer wird, das ist die Obstruktion durch den Fangspiegel und das ist die dann nötige Parabelform, die teuer herzustellen ist.
Da nun für die Planetenbeobachtung die Schärfe des Teleskopes das wichtigste ist, werden Dir nun von uns Geräte mit relativ langer Brennweite empfohlen. "Relativ lang", das drückt das Öffnungsverhältnis aus. Also zum Beispiel f/8, was bedeutet, 8 mal soviel Brennweite wie Öffnung. Also 150/1200.
Wenn Du nun einen 150/1200 Refraktor auf EQ-6 nennst, dann bist Du schonmal in einer anderen Preisklasse als vorher. Ein 150/1200 Linsenteleskop mit f/8 hat aber mit dem Farbfehler wesentlich stärkere Probleme als ein 100/800 Linsenteleskop. Auch f/8 aber der Farbfehler wächst mit dem Quadrat der Öffnung, also ist der Farbfehler bei einem solchen Linsenteleskop schon sehr kräftig. Man kann damit tolle Planetenbeobachtungen machen, aber der Farbfehler stört dabei.
Deshalb würde ich hier einen Newton, also ein Spiegelteleskop ohne Farbfehler, empfehlen, und zwar wie schon gesagt den 150/1200 Newton. Den kannst Du als einen Dobson kaufen und dann vom Händler mit Rohrschellen auf die EQ-6 schnallen lassen, oder aber Du wählst zum Beispiel einen Leichtbau Newton von Orion UK und lässt ihn dann auf eine Montierung der GP-Klasse, das wäre eine HEQ-5, eine EQ-5, eine Astro-5 oder wie sie alle heissen. Ich glaube die HEQ-5 ist die stabilste aus dieser Aufzählung, aber wohl auch die schwerste.
Die von Antares vorgeschlagene Alternative Maksutov ist auch interessant. Ein sehr schönes Maksutov-Cassegrain ist das Ylenna 150, welches ich mal testen durfte:
http://www.svenwienstein.de/HTML/ylena_150.html
Das Gerät würde auch auf eine Montierung wie EQ-5, HEQ-5, usw. passen. Und es gibt noch ein paar andere Maks, ich würde da die Firmen Intes, Intes Micro und STF (Mirage) nennen. Etwas kleiner, etwas weniger Planetenleistung, aber auch sehr schön wäre von Skywatcher der 127/1540, der unter "Travelmax" oder SKM 127 läuft. Das Gerät ist handlicher.
Gegenüber dem Newton und auch dem Linsenfernrohr haben diese Maksutov-Cassegrains den Vorteil einer sehr kompakten Bauweise. Während Newton und Refraktor in etwa so lang sind, wie ihre Brennweite, kommt ein Maksutov-Cassegrain gut mit einem Viertel der Baulänge aus. Das kann durchaus praktisch sein, zum einen auf einem engen Balkon, zum anderen auch weil man zum Beispiel mit einer EQ-6 und dem 150/1200 Newton auf eine Bierkiste klettern muß, wenn man im Zenit beobachtet (oder Du bist SEHR groß gewachsen, was ja vorkommen soll <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />). Beim Linsenteleskop mit dem Einblick unten wiederum braucht man schon einen sehr niedrigen Hocker oder man legt sich gleich auf den Bauch, was auch wieder unangenehm ist. Das heisst je nachdem wie das Teleskop geschwenkt wird, zwischen Horizont und Zenit, liegt grob die halbe Baulänge an Höhenunterschied. Hier also 60 Zentimeter. Man beobachtet also mal im stehen und mal auf einem kleinen Hocker. Beim kompakten Maksutov-Cassegrain ändert sich die Einblickhöhe nur so um 20cm bis 25cm, das kann man gut ausgleichen indem man den Stuhl etwas verrückt.
Tja, das deutet alles daraufhin, daß Du Dir mal solche Geräte life anschauen solltest. Das hiesse, Du müsstest mal bei so einer Truppe von Sternfreunden vorbeischauen, die Dich vielleicht mal mit auf den Beobachtungs-Acker nehmen, so daß Du verschiedene Teleskope life zu sehen bekommst. So was ist sehr lehrreich. Im Raum Ruhrgebiet kann ich zum Beispiel sehr den AVR, den Arbeitskreis Volkssternwarte Recklinghausen empfehlen. Auf diese Weise sind schon einige Sternfreund zu uns gestossen. Wenn unsere Truppe nicht für Dich in Reichweite liegt, tja dann müsstest Du mal auf der Startseite von Astronomie.de schauen, da gibt es nämlich eine Sammlung von Vereinen, und garantiert auch was in Deiner Nähe:
http://www.astronomie.de/gad/
Einfach mal Kontakt aufnehmen.
Ansonsten empfiehlt sich auch das eine oder andere Buch, zum Beispiel aus dem Kosmos-Verlag gibt es einige Einsteigerbücher, oder auch gern empfohlen wird der "Fernrohr-Führerschein". Ausserdem eben seien die vielen Einsteiger-Ecken auf unseren Internetseiten empfohlen. Antares hat sowas, und ich auch. Wir machen uns kräftig Konkurrenz! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
Auch wenn man Sterneschauen ganz einfach so ohne viele Gedanken betreiben kann, ist der Teleskopkauf eine Sache bei der es sich lohnt, etwas Zeit und Gedanken zu investieren. Man landet zu leicht bei einem Teleskop, was nicht zu den eigenen Interessen oder Beobachtungsgewohnheiten passt.
Clear Skies
Sven