Andreas_W
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
da ich hierzulande noch nichts drüber gelesen habe, möchte ich Euch hier einmal eine neue manuelle Alt-Azimutale Montierung vorstellen: die TTS Panther Lite.
Wie es dazu kam, dass ich zum Montierungstester mutierte? Naja, ich plante ein neues Doppel-Newton-Projekt für einen Astrokollegen und wir waren auf der Suche nach einer Alternative zu meiner Ayo Master. Da er gerne eine motorisierte Nachführung haben wollte, zogen wir unter anderem die TTS Panther 160 in Betracht. Es stellte sich zwar heraus, dass diese laut Niels Haagh (Inhaber von TTS) nicht für die zu erwartende Belastung geeignet ist, dennoch meinte Niels, er würde aktuell eine rein manuelle Variante davon entwickeln und ob ich nicht Lust hätte, einen seiner ersten Prototypen zu testen. Besonders interessant fand ich die Option, problemlos auch Großferngläser on top, also ähnlich einer Omega-Montierung, aufsatteln zu können. Aber die Panther Lite hat noch ein paar interessante weitere Features, wie z.B. das sogenannte Comfort-Balancing, was insbesondere für die Nutzer von langen Refraktoren interessant sein kann. Außerdem können bis zu drei größere Teleskope simultan betrieben werden und hochauflösende Encoder für präzises Push-To sind ebenfalls vorhanden. Bei einem Grundgewicht von nur 7 kg und recht kompakten Abmessungen ist sie darüber hinaus auch eine recht handliche Angelegenheit.
Da die Panther Lite deutlich schmaler ist als meine Ayo Master, war es nicht ohne weiteres möglich, den Doppel-10er daran zu montieren. Aber ein 120er Großfernglas und ein 6" f/8 Refraktor waren vorhanden und mit diesen sollte die Montierung ausprobiert werden.
Da ich Stative und Montierungen nur mit EQ6-Anschluss besitze, musste für die Montierung auf einem Berlebach Planet mit einem M12- auf-3/8" Adapter sowie einem Anschlussstück aus dem 3D-Drucker improvisiert werden. Wie sich später herausstellte, nicht die ideale Lösung... Die Panther Lite hat eine runde Auflagefläche von 160 mm im Durchmesser, was verglichen mit vielen anderen Mittelklasse-Montierungen sehr üppig ist.
Verwendung mit dem 120-mm-Bino:
Um das Großfernglas mit seinen beobachtungsfertig ca. 10,5 kg auszubalancieren war ein 4 kg- und ein 8 kg-Gegengewicht erforderlich. Diese Kombination funktionierte perfekt. Große Schwenks waren ebenso komfortabel wie feines Nachführen bei mittleren Vergrößerungen (bis 110x). Besonders gefiel mir, dass es keinerlei Stick-Slip-Effekt gab. Die Friktionsverstellung lässt sich sehr fein dosieren. Wenn das Instrument gut ausbalanciert is, kann man buchstäblich mit der Nase nachführen. Die Vibrationsdämpfung war gut. Alles in allem eine sehr angenehme Kombination, auch wenn die nötigen 12 kg Gegengewicht recht schwer ist.
Verwendung mit der 152-mm-Refraktor:
Wie auf den Fotos zu sehen ist, habe ich den langen Refraktor seitlich an die Montierung geschnallt und ihn zusammen mit dem Baader Mk V Binoansatz und zwei Delos-Okularen (Vergrößerungen 150-250x) verwendet (Gesamtgewicht ca. 13 kg). Zusätzlich wurde noch ein kleines 6x30 Sucherfernrohr installiert. In dieser Konfiguration ist eigentlich gar kein Gegengewicht notwendig. Um den Schwenkbereich der Okulare aber zu verringern, wurde ein 8 kg schweres Gegengewicht an der kurzen Komfort-Balancing-Schiene angebracht. Dies verringerte den Abstand der Okulare zur Alt-Achse, so dass der Schwenkradius angenehm verkürzt wurde. Man kann das sogar noch weiter treiben, denn die langen Gegengewichtsarme lassen sich um 90° versetzt montieren, so dass das Moment noch weiter vergrößert werden kann. Die Okulare rücken dann sehr nahe an die Alt-Achse heran, so dass man schon fast wie bei Cassegrain-Teleskopen beobachtet. Auch den hochgelegten Schwerpunkt durch Bino-Ansatz und Okulare kann man kompensieren, so dass auch bei Zenitbeobachtungen die Friktion minimal bleiben kann.
Das lange Teleskop und das recht hohe Gesamtgewicht brachten meine improvisierte Adaption allerdings an ihre Grenzen. Während bei mittleren Vergrößerungen noch alles im grünen Bereich war, wurden bei Vergrößerungen >250x die Schwingungen doch immer sichtbarer. Ich bin sicher und Erfahrungen anderer User bei CN zeigen das auch, dass dieses Problem bei passender Adaption nicht auftritt. Wie schon beim Großfernglas war die manuelle Nachführung butterweich und ohne Stick-Slip-Effekt, also sehr angenehm.
Insgesamt eine sicher sehr interessante Montierung und Alternative zu den bekannten Modellen. Da ich aber schon gut versorgt bin und aktuell keinen Bedarf an einer weiteren größeren Alt-Az-Monti habe, schickte ich die Montierung nach Dänemark zurück. Niels Haagh danke ich für die Möglichkeit seine neue Montierung zu testen!
Hier noch ein Link auf die Website zur TTS-Panther Lite: Link.
Viele Grüße
Andreas
PS: nein, ich wurde nicht bezahlt und ich bin auch nicht mit Niels verwandt oder verschwägert ;-)
da ich hierzulande noch nichts drüber gelesen habe, möchte ich Euch hier einmal eine neue manuelle Alt-Azimutale Montierung vorstellen: die TTS Panther Lite.
Wie es dazu kam, dass ich zum Montierungstester mutierte? Naja, ich plante ein neues Doppel-Newton-Projekt für einen Astrokollegen und wir waren auf der Suche nach einer Alternative zu meiner Ayo Master. Da er gerne eine motorisierte Nachführung haben wollte, zogen wir unter anderem die TTS Panther 160 in Betracht. Es stellte sich zwar heraus, dass diese laut Niels Haagh (Inhaber von TTS) nicht für die zu erwartende Belastung geeignet ist, dennoch meinte Niels, er würde aktuell eine rein manuelle Variante davon entwickeln und ob ich nicht Lust hätte, einen seiner ersten Prototypen zu testen. Besonders interessant fand ich die Option, problemlos auch Großferngläser on top, also ähnlich einer Omega-Montierung, aufsatteln zu können. Aber die Panther Lite hat noch ein paar interessante weitere Features, wie z.B. das sogenannte Comfort-Balancing, was insbesondere für die Nutzer von langen Refraktoren interessant sein kann. Außerdem können bis zu drei größere Teleskope simultan betrieben werden und hochauflösende Encoder für präzises Push-To sind ebenfalls vorhanden. Bei einem Grundgewicht von nur 7 kg und recht kompakten Abmessungen ist sie darüber hinaus auch eine recht handliche Angelegenheit.
Da die Panther Lite deutlich schmaler ist als meine Ayo Master, war es nicht ohne weiteres möglich, den Doppel-10er daran zu montieren. Aber ein 120er Großfernglas und ein 6" f/8 Refraktor waren vorhanden und mit diesen sollte die Montierung ausprobiert werden.
Da ich Stative und Montierungen nur mit EQ6-Anschluss besitze, musste für die Montierung auf einem Berlebach Planet mit einem M12- auf-3/8" Adapter sowie einem Anschlussstück aus dem 3D-Drucker improvisiert werden. Wie sich später herausstellte, nicht die ideale Lösung... Die Panther Lite hat eine runde Auflagefläche von 160 mm im Durchmesser, was verglichen mit vielen anderen Mittelklasse-Montierungen sehr üppig ist.
Verwendung mit dem 120-mm-Bino:
Um das Großfernglas mit seinen beobachtungsfertig ca. 10,5 kg auszubalancieren war ein 4 kg- und ein 8 kg-Gegengewicht erforderlich. Diese Kombination funktionierte perfekt. Große Schwenks waren ebenso komfortabel wie feines Nachführen bei mittleren Vergrößerungen (bis 110x). Besonders gefiel mir, dass es keinerlei Stick-Slip-Effekt gab. Die Friktionsverstellung lässt sich sehr fein dosieren. Wenn das Instrument gut ausbalanciert is, kann man buchstäblich mit der Nase nachführen. Die Vibrationsdämpfung war gut. Alles in allem eine sehr angenehme Kombination, auch wenn die nötigen 12 kg Gegengewicht recht schwer ist.
Verwendung mit der 152-mm-Refraktor:
Wie auf den Fotos zu sehen ist, habe ich den langen Refraktor seitlich an die Montierung geschnallt und ihn zusammen mit dem Baader Mk V Binoansatz und zwei Delos-Okularen (Vergrößerungen 150-250x) verwendet (Gesamtgewicht ca. 13 kg). Zusätzlich wurde noch ein kleines 6x30 Sucherfernrohr installiert. In dieser Konfiguration ist eigentlich gar kein Gegengewicht notwendig. Um den Schwenkbereich der Okulare aber zu verringern, wurde ein 8 kg schweres Gegengewicht an der kurzen Komfort-Balancing-Schiene angebracht. Dies verringerte den Abstand der Okulare zur Alt-Achse, so dass der Schwenkradius angenehm verkürzt wurde. Man kann das sogar noch weiter treiben, denn die langen Gegengewichtsarme lassen sich um 90° versetzt montieren, so dass das Moment noch weiter vergrößert werden kann. Die Okulare rücken dann sehr nahe an die Alt-Achse heran, so dass man schon fast wie bei Cassegrain-Teleskopen beobachtet. Auch den hochgelegten Schwerpunkt durch Bino-Ansatz und Okulare kann man kompensieren, so dass auch bei Zenitbeobachtungen die Friktion minimal bleiben kann.
Das lange Teleskop und das recht hohe Gesamtgewicht brachten meine improvisierte Adaption allerdings an ihre Grenzen. Während bei mittleren Vergrößerungen noch alles im grünen Bereich war, wurden bei Vergrößerungen >250x die Schwingungen doch immer sichtbarer. Ich bin sicher und Erfahrungen anderer User bei CN zeigen das auch, dass dieses Problem bei passender Adaption nicht auftritt. Wie schon beim Großfernglas war die manuelle Nachführung butterweich und ohne Stick-Slip-Effekt, also sehr angenehm.
Insgesamt eine sicher sehr interessante Montierung und Alternative zu den bekannten Modellen. Da ich aber schon gut versorgt bin und aktuell keinen Bedarf an einer weiteren größeren Alt-Az-Monti habe, schickte ich die Montierung nach Dänemark zurück. Niels Haagh danke ich für die Möglichkeit seine neue Montierung zu testen!
Hier noch ein Link auf die Website zur TTS-Panther Lite: Link.
Viele Grüße
Andreas
PS: nein, ich wurde nicht bezahlt und ich bin auch nicht mit Niels verwandt oder verschwägert ;-)
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