Hallo Starshine,
... zum anderen bedeutet der Einsatz einer Barlowlinse zusätzliche Glaskörper im Strahlengang des Teleskops und damit auch zusätzliche Abbildungsfehler.
in der Verallgemeinerung ist das unrichtig. Ein Barlow
kann
zusätzliche Abbildungsfehler einführen, sie kann aber auch
Abbildungsfehler kompensieren. Genau darum dreht es sich ja
in der Kontroverse zwischen den "Linsenzählern" und den "Barlow-
Befürwortern". In der Optik haben wir es immer mit einem Haufen
von den verschiedensten Abbildungsfehlern zu tun.
Und diese Fehler, sowohl auf der Objektiv- als auch auf der
Okularseite werden durch ein oder mehrere weitere Elemente
kompensiert.
Galileo Gallilei hatte ein Teleskop mit einer Linse und einem
primitiven einlinsigen Okular.
Aus Linsenzähler`s Sicht sollte dies ein Idealfall sein.
War es aber nicht, zwar wurden damit bahnbrechende Entdeckungen
gemacht, heutzutage wäre dieses Teleskop aber Aufgrund seiner
schlechten Abbildung praktisch unverkäuflich.
Es gibt eine Möglichkeit die Abbildungsfehler gering zu halten.
Wenn die Brennweite der Elemente sehr lang ausfällt und der
Bildwinkel gering ausfällt.
Extrem langbrennweitige einlinsige Objektive und Okulare mit
extrem kleinen scheinbaren Gesichtsfeldern wurde verwendet,
bis man endlich besseres fand.
Beim Objektiv wurde der Farbfehler durch die Verwendung
zweier Linsen aus zwei verschiedenen Gläsern stark verringert.
Beim Okular ging die Entwicklung vom einlinsigen Kelperschen
Okular üder die zweilinsigen Huigens und Ramsden Okulare
zu den auch heute noch verwendeten 3 bis 4-linsigen Okulartypen
Kellner, (Steinheil-)Monozentrisches Okular, orthoskopisches
Okular nach Abbe, orthoskopisches Okular nach Plössl, 3 und
4-Linser nach König.
Diese Okulartypen wurden an den damals üblichen Teleskopen
von f/10 bis f/20 eingesetzt.
Bei f/5 sieht die Sache aber ganz anders aus. Hier sind weitere
Fehler zu kompensieren. Das kann man durch komplett neue Okulatypen
schaffen, oder indem man den stumpfen Strahlenkegel dieser
Teleskope durch eine Brennweitenverlängernde Linsenkombination
entschärt (per Barlow oder per "Telezentrischem System").
(Fast) Niemand käme auf die Idee den Kontrast seines 3-linsigen Apo
zu verbessern indem er eine der 3 Linsen ausbaut.
Bei einem Spiegelteleskop beispielsweise tritt kein Farbfehler auf ...
Ja, aber dafür haben die wieder andere Abbildungsfehler.
Mit einem 3-Spiegel-Teleskop und 2 asphärischen Flächen
kann man fast alle Abbildungsfehler beseitigen.
Aber leider hat es eine saumäßig Große Obstruktion,
und die Brennebene liegt für visuelle Anwendung ungünstig,
der Kopf würde im ankommenden Licht sein.
Alternativ könnte man einen TCT (Schiefspiegler) mit 3 Spiegeln
oder zwei stark asphärisierten Flächen bauen. Der hat dann
aber noch Abbildungsfehler, aber keine zentrale Obstruktion.
In der Optik kann sich aussuchen welche Krankheit man wählen möchte.
Aber 100% Gesund, das geht leider nicht.
MfG,Karsten