Barnard 35 und LBN 878 mit dem NCT300

DietSky

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Hallo!

Barnard 35 ist ein Dunkelnebel im Sternbild Orion, umrahmt vom rötlich leuchtenden Emissionsnebel LBN 878, in einer Entfernung von 1500 Lichtjahren. Das Gebiet befindet sich ziemlich genau auf halber Strecke zwischen den Sternen Beteigeuze (Alpha Orionis) und Meissa (Lambda Orionis).

Innerhalb von Barnard 35 fällt der kleine gelbliche Nebel LBN 879 auf, welcher den eruptiv veränderlichen Stern FU Orionis umgibt. Dieser zeigte im Jahr 1936 einen dramatischen Helligkeitsanstieg von 16,5 auf 9,6 mag. Seither hat seine Helligkeit wieder beträchtlich abgenommen. Die Fachwelt führt dieses Verhalten auf Variationen im Materiefluss der seinen Äquator umgebenden Akkretionsscheibe zurück.

Für dieses durchaus interessante Gebiet hatte ich in der Planung ursprünglich meine Lichtenknecker Flatfieldcamera mit einer Brennweite von 760mm vorgesehen. Als ich jedoch am Aufnahmeabend das Objekt im Instrument zentrierte, musste ich leider feststellen, dass mir der helle Stern Beteigeuze einen Reflex im Bildfeld produzierte und ich somit kurzfristig eine andere Lösung finden musste.

Ich habe kurzerhand das Kamerasetup umgebaut und an meinem Newton-Cassegrain NCT300 montiert. Mit Reducer beträgt die Brennweite dieses Systems 1345mm und somit war natürlich das Bildfeld deutlich kleiner als zunächst geplant. Das Framing ist nun leider etwas suboptimal, doch besser so, als sich in der Nachbearbeitung mit der Beseitigung störender Reflektionen abmühen zu müssen (zwischenzeitlich arbeite ich an einer konstruktiven Lösung, derartige Lichteinwirkungen an meiner Flatfieldcamera zu vermeiden).

Um 19:00 Uhr konnte ich dann mit den Aufnahmen beginnen, doch schon gegen 21:30 Uhr fiel mir ein roter Schleier am nördlichen Horizont im Lifebild meiner Allsky-Kamera auf. Dieser entwickelte sich rasant zu einem der spektakulärsten Polarlichterscheinungen der vergangenen Jahre.
Nun war ich hin- und hergerissen zwischen der Kontrolle meiner Aufnahmesession an der Sternwarte und der Beobachtung bzw. Fotografie der Polarlichter. Die Intensität war zeitweise so extrem, dass selbst der Bereich um Orion herum aufgehellt wurde und ich meine Aufnahmen am Teleskop unterbrechen musste. Nun hat man schon einmal eine schöne klare Nacht in der Zeit des Neumonds und dann so etwas! Doch andererseits war natürlich die Beobachtung des Polarlichts vorrangig, denn wann wird man wieder einmal, bei derart günstigen Bedingungen, eine weitere Chance dafür haben.

Danke für Euer Interesse,

CS Dietmar

Barnard35-HaLRGB_klein.jpg


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Aufnahmedaten:
Instrument: 12" Newton-Cassegrain NCT300 (Eigenkonstruktion) im Primärfokus mit Reducer bei f=1345mm
Aufnahmekamera: QHY268M @-10°C Sensortemperatur
Guiding: Lodestar Pro am OAG
Filter: Antlia Filtersatz Ha (3nm), L, R, G, B
Belichtungszeiten: Ha: 20x900s; L: 36x120s; R: 60x100s; G: 57x100s; B: 45x100s
Gesamtbelichtungszeit: 10h42m
Aufnahmedatum: 18.01. – 20.01.2026
 
Hallo Dietmar,

spektakuläre Aufnahme! Das Objekt habe ich mir gleich ganz dick in meine To-do-Liste geschrieben.

Dank der größeren Brennweite sind die Nebelstrukturen sehr detailliert und wirken schön plastisch.

Die Polarlichter in der Nacht haben uns wohl alle ein paar Aufnahmen gekostet, aber andererseits auch ein schönes Spektakel beschert.

Der helle Stern J251 (HIP27280) hat ein paar unschöne Starnet-Artefakte hinterlassen,

aber das mindert die ausgezeichnete Bildqualität nur in einem kleinen, kaum messbaren Maße.

Grüße und CS
Karsten
 
Diese Art pixeligen Kranz um einen hellen Stern habe ich bei mir manchmal, nachdem ich die Sterne wieder einfüge.

Das muss ja nicht an Starnet oder Star Exterminator liegen, das war nur eine Vermutung.
Hallo Karsten,

da hast du aber genau hingeschaut! Das ist mir bisher bei dieser Aufnahme noch nicht aufgefallen.
Ich habe mir mal die einzelnen Starless-Zwischenschritte angeschaut und davon Nichts entdecken können.
Ich werde auf jeden Fall am Ball bleiben, um die Ursache dafür aufzuspühren.
Vielen Dank für den Hinweis!

Das Objekt habe ich mir gleich ganz dick in meine To-do-Liste geschrieben.
Wie ich schon Eingangs schrieb, braucht diese Region ein größeres Bildfeld. Bin sehr gespannt, was du daraus machen wirst.

CS Dietmar
 
Hallo Dietmar,

ein ausgesprochen schön dargestellter Nebel den ich auch noch nicht kannte und asap für meinen Epsilon 160 reserviert ist. Vielleicht nehme ich auch 800mm, da die Strukturen im Nebel damit sicher besser darstellbar sind.
Danke fürs zeigen und alle Damen hoch.

CS
Franz
 
Hallo Dietmar,
Dieses Bild erfreut mich doppelt. Nicht nur ein wunderbares Ergebnis, sondern auch eine tolle Objektauswahl. Ich finde es sehr schön, wenn auch mal sonst übersehene Bereiche vor den Vorhang geholt werden. Und hier hast Du sicher für einige Einträge in diverse ToDo-Listen gesorgt!

Gratuliere,
Manfred
 
Hallo Dietmar,

Deine Objektauswahl und die Ausarbeitung bei der hohen Brennweite ist sehr gut.
Ich kannte diese Gegend noch nicht so genau, und habe es gleich mal vorgemerkt.
Gut das Du dich von den seltenen und sicher sehenswerten Polarlichtern nicht ablenken hast lassen.
Ich wurde am Fuscher Törl August 2024 auch mal von Polarlichtern überrascht.
Danke fürs Herzeigen und alles Gute.

LG & CS, Herfried
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Franz, Manfred, Herfried und Stefan,

freut mich, das mein Bildergebnis euren kritischen Blicken standhalten konnte! ;)

Und hier hast Du sicher für einige Einträge in diverse ToDo-Listen gesorgt!
Das würde mich sehr freuen!

Ich kannte diese Gegend noch nicht so genau, und habe es gleich mal vorgemerkt.
Gut das Du dich von den seltenen und sicher sehenswerten Polarlichtern nicht ablenken hast lassen.
Auf dein Ergebnis freue ich mich ganz besonders. Mit mehr Bildfeld und Tiefe wird das sicher noch einmal eine ganz andere Nummer.

Vom Polarlicht habe ich mich schon ablenken lassen. Ich hatte kurzfristig ganz schön Stress, musste ich doch neben meiner laufenden Session an der Sternwarte noch mit der Spiegelreflexkamera und Stativ bewaffnet eine schöne Lokation für die Polarlichtaufnahmen suchen.

So plastisch wie im Bild oben habe ich den bisher noch nicht gesehen und selbst nur im Umfeld mit dem Lambda Orionis-Nebel und 200 mm Brennweite abgelichtet.
Das Objekt, bzw. diese Region, braucht einfach mehr Platz im Bild. Leider konnte ich aus den oben genannten Gründen meine Flatfieldkamera nicht dafür einsetzen.

CS Dietmar
 
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