Austauschbarer Fangspiegel sollte machbar sein
Hallo Harald,
mit dieser Idee trage ich mich auch schon einige Zeit, denn meine leider aus Zeitgründen kaum vorwärt kommende 10"-Dobson-Pläne zielen auf eine Optimierung hinsichtlich vieler Details ab, also auch einerseits auf ein vignettierungsarmes Gesichtsfeld für 2"-Okulare (31-mm-Nagler als Maximum), das evtl. auch irgendwann mal fotografisch genutzt werden könnte, und andererseits auf hohe Auflösung bei starken Vergrößerungen, wofür natürlich geringe Obstruktion eine wichtige Voraussetzung ist. Ich sehe keinen Grund, warum so eine Lösung nicht machbar sein soll.
Allerdings: Um in jedem Falle, also bei langbrennweitigen 2"-Okularen und großem Fangspiegel als auch bei kurzbrennweitigen 1,25"-Okularen und darauf abgestimmtem kleineren Fangspiegel die bestmögliche Abbildungsgüte zu erhalten, müssen beide Lösungen präzise justierbar sein. Deshalb sollte die Schnittstelle zwischen Fangspiegelspinne und Fangspiegel nicht unterhalb, sondern oberhalb der Fangspiegel-Justiereinrichtung liegen (also jeder der beiden Fangspiegel seine eigene Justageeinheit haben). Jeder der beiden Fangspiegel sollte in allen erforderlichen Freiheitsgraden (z.B. Verschiebung längs der Teleskopachse, Drehung um die Teleskopachse und Kippwinkel) INDIVIDUELL justierbar sein, nicht nur der eine, der dann zugleich die Position und Ausrichtung des anderen definiert. Wenn Du das beachtest, spricht nichts gegen die Realisierung Deiner Vorstellung, und dann könnten die Fangspiegel auch nachts und ohne Nachjustage gewechselt werden.
Alternativ wäre natürlich auch denkbar, die Vorrichtung zum Auswechseln der Spiegel unmittelbar oberhalb der Fangspiegelhalterung zu machen und die beiden Auswechselteile (Spiegel mit Halterung und Kupplung) mit so geringer Toleranz zu bauen, daß die Spiegelebenen beider Spiegel nach dem Einbau exakt in derselben Ebene liegen. Ob das in der erforderlichen Genauigkeit praktisch machbar ist, muß jeder entsprechend seinen eigenen handwerklichen Fähigkeiten, seiner Werkzeugausstattung und seinen Meßmöglichkeiten für sich entscheiden.
MfG Walter E. Schön
PS.: Da ich nach dem Einstellen dieses Beitrag sehe, daß zwei andere vor meinem hinzugekommen sind, die ich esrt jetzt sehen konnte, will ich zum letzteren von Arthur (Scotty) etwas ergänzen:
Es ist nicht richtig, daß die Fangspiegelgröße nur von der Abständen zum Hauptspiegel bzw. zur Fokusebene und der Spiegelgröße abhängt. Sie hängt, wie Harald richtig erkannt hat, auch wesentlich davon ab, wie groß das zu beobachtende Gesichtsfeld im Primärfokus sein soll und welcher Helligkeitsabfall dort am Rand zugelassen wird. Wer z.B. für visuelle Beobachtung und nicht für Fotoggrafie für seine 1,25"-Okulare kürzerer Brennweise mit z.B. max. 20 oder 25 mm Feldblendendurchmesser eine Vignettierung um 50% zuläßt, kommt zu einem viel kleineren Fangspiegel, als wenn er für visuelle Beobachtung mit 2"-Okularen bis zu max. 47 mm Feldblendendurchmesser ebenfalls 50% Vignettierung zuläßt. Und wer fotografisch für Kleinbild mit ca. 43 mm Diagonale gar nur 20% Vignettierung erlaubt, wird trotz der gegenüber 47 mm Feldblendendurchmesser kleineren Diagonale einen noch etwas größeren Fangspiegel brauchen.
Diese Verhältnisse kann man sich übrigens sehr gut mit Hilfe des Programms Newt veranschaulichen. Ich empfehle Dir, Arthur, damit mal ein bißchen herunzuspielen.
Ein möglichst flacher Auszug ist natürlich immer gut, sofern sein Hub für alle zu benutzenden Okulare, Barlows, Komakorrektoren und Kameras ausreicht. Aber auch beim flachstmöglichen Auszug erfordert ein 2"-Okular mit großer Feldblende einen größeren Fangspiegel als ein 1,25"-Okular mit seiner viel kleineren Feldblende.