Begegnung der dritten Art!

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Timm

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Beobachtung am 5.Januar 2005 von 20 bis 24 Uhr.
Ort: Hochtal bei Confrides / Costa Blanca, Höhe 950m
Temperatur +9° fallend auf +6,5°. wenig Wind
Zum zweiten mal fuhr ich mit meinem 20-Zoll Klose-Dobson
(dem low-rider) in die Berge im Hinterland von Altea,
meinem Winterdomizil in Spanien.
Diesmal mit durchwachsenen Bedingungen: viele Cirren!
Ein neuer Spechtelplatz, ganz in der Nähe meines
"Standard-Spechtelplatzes", sollte mich vor dem leichten Wind schützen.
Der low-rider war in Minutenschnelle aufgebaut und justiert.
Eigentlich wollte ich gleich wieder abbauen und heimfahren,
denn die vielen Cirren bedeckten fast den ganzen Himmel.
Nur in Zenitnähe war ein großes Stück perfekten Himmels zu sehen.
Unterhalb der Plejaden war mit bloßem Auge ein diffuser Fleck zu sehen, heller als der Andromedanebel : Komet Machholz.
Mit dem Canon 15x50 mit Stabilisator ein prächtiger Anblick mit zwei deutlichen Schweifen!
Im low-rider bei 70fach und über 7mm AP eine sehr helle diffuse Scheibe mit sehr hellem sternförmigen Kern
und beiden Schweifen. Den Staubschweif konnte man mehrere Grad weit verfolgen.
Das ging ja gut los!

Ich fing erst einmal mit den "normalen" Objekten in Zenitnähe an:
Zuerst NGC 891, im 16mm Nagler bei 130fach sehr groß mit deutlichem
Staubband und einigen schwachen Vordergrundsternchen.
Ein schnelle Schwenk zum Nachbarn M 34: eine aufgelockerte
Ansammlung heller Sterne, die das ganze Gesichtsfeld füllen.
Ein toller Anblick, der Lust auf mehr macht! Also ein Schwenk Richtung
Perseus zum Doppelcluster h und chi. Hier ist wohl die schönste
Ansammlung von hellen Sternen am Nordhimmel! Einfach genial...
und wenn man mit dem 9mm Nagler jeden Haufen getrennt
anschaut, sieht man viele rote und gelbe Sterne.
Nun ging es zu unseren Nachbarn im All: M 31 mit seinen Begleitern
M 32, NGC 205, 147 und 185. Auch M 33 durfte nicht fehlen, sehr
schön als Spirale zu sehen, mit vielen Gasnebeln und Sternanhäufungen.
M 31 ist im 20-Zöller so hell, so groß und mit so vielen Details zu sehen,
dass man alleine dafür schon zwei Seiten Platz zum Beschreiben bräuchte.
Man kann es aber auch kurz machen: S U P E R !
Neben NGC 147 findet mit den gleichen Leitsternen man die kleine
aber feine Galaxis NGC 278, die bei hoher Vergrößerung als Spirale
zu sehen ist. Von dort ist es nur ein kleiner Schwenk zum kleinen
Hantelnebel M 76. Bei hoher Vergrößerung und mit O III Filter
konnte man gut die äußere Hülle sehen.
Zum Glück verzogen sich nun die Cirren langsam, lösten sich in
Wohlgefallen auf und gaben nun auch Orion und Zwillinge frei.
Jetzt kam der 2 Zoll H-Beta-Filter zum Einsatz! Und zwar beim
Californianebel, den ich noch nie im 20-Zöller gesehen hatte.
Welch ein Anblick im 1 1/3 Grad Gesichtsfeld des 30mm Zeiss-
Superweitwinkel-Okulares! Das ganze Gesichtsfeld voll mit zarten
aber deutlichen Gasmassen! So schön hatte ich diesen Gasnebel
noch nie gesehen. Die ganze Dimension dieser Gasmassen kann
man nur mit einem langsamen Schwenk erfassen... einfach riesig!

Plötzlich sah man einen Lichtschein über die Berghänge kriechen!
Auch das noch, wo ich doch grade so schön an die Dunkelheit
adaptiert war... es kam ein Auto den Berg hoch gefahren!
Doch das Auto hielt plötzlich an, just an der Stelle, wo ich
normalerweise meine Teleskope aufbaue. Die Scheinwerfer gingen
aus und plötzlich herrschte Totenstille... nur mein Herzklopfen war
zu hören. Ich verhielt mich mucksmäuschenstill und hoffte, dass sich
die "Aliens" schnell verziehen würden. doch es folgte Türklappern,
Metallscheppern und Stimmengewirr! Wenigstens drei Wesen machten
sich da im Dunklen zu schaffen. Ab und zu blitzte rotes Licht durch die
Büsche... sollten das etwa spanische Spechtler sein?
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und ging den Weg hoch.
Meine Lidl-Stirnlampe, natürlich mit rotem Licht, zeigte mir den Weg.
Das andere rote Licht ging plötzlich aus und leises Wispern war zu hören.
Dachten die etwa auch, es kämen Aliens durch die Berge gezogen?
"Hola" rief ich den Leuten zu und mehrere Stimmen antworteten,
natürlich auf spanisch. Die drei spanischen Spechtler hatten sich
"meinen" Spechtelplatz ausgesucht, um die erste gute mondlose Nacht
zu nutzen und Jagd auf Machholz zu machen.
Zum Glück konnten alle etwas Englisch, da mein Spanisch nur zum
Bestellen im Restaurant reicht...
Sie bauten ihre Instrumente, einen 8-Zoll und einen 10-Zoll Dobson
nun neben dem low-rider auf und die tolle Beobachtung ging nun mit
drei Instrumenten weiter. Klar, dass nach kurzer Zeit meist der 20-Zöller
benützt wurde und den Rest des Abends waren viele ah's und oh's zu hören.
Gemeinsam beobachteten wir nun den Pferdekopfnebel, NGC 2023 und
den Flammennebel. Auch IC 432 und IC 435 wurden gesucht und gefunden.
Dann folgte der Orionnebel und da wollte keiner mehr weg vom Okular!
Mit allen Vergrößerungen und Filtern wurde beobachtet und dann mit den
kleineren Dobsons verglichen.
Weiter ging es mit dem Rosetten-Nebel, Hubbles Variable und dem
Chrismas-Tree. Dank dem O III Filter wurden viele Details gesehen,
vor allem beim Rosetten-Nebel war der Effekt sehr stark.
Dann folgten M 47 und M 46 mit dem kleinen, aber feinen Ringnebel
im Vordergrund.
Natürlich wollten die spanischen Spechtler auch M 31, NGC 891
und den Californianebel sehen. Der Unterschied zwischen 10-Zöller
uns 20-Zöller ist schon gewaltig! So hatten sie diese Objekte noch
nie gesehen und waren kaum vom Okular wegzubringen.
Eine Menge anderer Objekte folgte, wie z.B. NGC 2371/72,
der wie eine Erdnuss aussieht und bei hoher Vergrößerung den
Zentralstern aufblitzen ließ. Dann der Eskimonebel (mit "Parka"),
die Galaxien M 81 und M 82, M 108 , alle im UMA, NGC 2903 und
NGC 2403, die alle groß sind und mit vielen Details zu sehen waren.
Es folgte NGC 2419, der intergalaktische Wanderer, ein Kugelhaufen
in 180 000 LJ Entfernung, der eine körnige Struktur zeigte, aber
keine Einzelsterne, dann NGC 7789 und M 52, schöne offene Haufen
und NGC 7635, der Bubble-Nebel. Viele Doppelsterne, mehrfach
Komet Machholz und natürlich Saturn rundeten die schöne
internationale Beobachtung ab.
Gegen 24 Uhr zogen wieder einige Cirren auf und der low-rider
wurde zerlegt und eingepackt. Eine gute halbe Stunde nach
Mitternacht war ich wieder in Altea.
So macht das Spechteln Spass!
CS
Timm


 
Hi Roland,
das war erst die erste Nacht... zwei weitere folgten auf dem Fuß.
Nach drei Nächten in Folge bin ich nun schon leicht "überfüttert", werde aber trotzdem
heute nacht noch einmal in die Berge rauffahren.
Diesmal sind die schwachen planetarischen Nebel angesagt.
Mal sehen, ob ich ein paar von den extrem schwachen Exemplaren erwische!
Natürlich werde ich auch alle "Standardobjekte" mitnehmen... mehr davon morgen hier im Forum.
Was macht dein "Großer"? Auch viel im Einsatz?
CS
Timm
 
Hallo Timm,

Dein kurzweiliger Beobachtungsbericht hat mir sehr gefallen. Das Spechteln mit den Einheimischen war sicher eine lustige und einzigartige Beobachtungssession.
Weiterhin noch viel Spaß beim Sattsehen unter tollem spanischen Himmel wünscht Dir

Gerrit.
 
Hi Timm,
Mal sehen, ob ich ein paar von den extrem schwachen Exemplaren erwische!
dann wünsche ich dir gute Jagd, kannste vielleicht noch Abell 10 (PK 197-14.1) für mich mitbeobachten? Da kamen mir letztens die Wolken dazwischen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Was macht dein "Großer"? Auch viel im Einsatz?
ich geb mir Mühe, auch wenns hier in letzter Zeit nicht wirklich gut war sind doch schon ein paar Beobachtungen zusammen gekommen, guggst du hier


Gruß Roland
 
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