Beobachten auf dem Hochhausdach?

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MartinElsaesser

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Hallo,

Hat schon mal wer auf dem Dach eines freistehenden Hochhauses (ca 50m hoch) beobachtet?

Da das Gebäude in der Stadt liegt ist DeepSky weniger das Thema, aber wie sieht es grundsätzlich mit Schwingungen / Bewegungen des Gebäudes, zB bei böigem Wind aus? Einige cm wird sich das Teil wohl sicher bewegen und wohl nicht als reine Translation, oder? 5cm auf 50m sind ja auch schon 3.4 Bogenminuten.

Hat man vielleicht noch Stunden nach Sonnenuntergang Probleme mit aufsteigender Thermik?

Hat jemand mit sowas Erfahrungen?

Grüße, Martin
 
Hallo Martin,

auf einem Dach habe ich noch nicht beobachtet, kann also zum Schwingungsverhalten nichts sagen.

Dafür beobachte ich auf einem Balkon (3. Etage) und habe mit der Thermik Erfahrung:

Auf einem Dach musst du generell, unabhängig von der Uhrzeit, mit Luftturbulenzen rechnen, besonders wenn das Dach eine dunkle Farbe hat (Wärmespeicherung). Gerade nachts und im Winter werden Wohnungen ja geheizt, und die Wärme steigt größtenteils über das Dach (mehr als über einen Balkon) auf.

Ich habe mal für Testzwecke den Schornstein meines Nachbarhauses mit einer Webcam aufgenommen und kann dir sagen, dass das Bild permanent zitterte, viel mehr, als wenn ich die Cam vom gleichen Balkon aus bei schlechtem Seeing auf den Mond hoch am Himmel richtet.

Der Standort dürfte also für Beobachtungen mit hoher Auflösung problematisch sein.

Ich will ja keine Eigenwerbung machen, aber auf meiner Website gibt es zwei Kapitel zur Standortwahl:

www.astrofotografie.org/seeing.htm und
www.astrofotografie.org/standort.htm

VG Christian
 
Hallo Martin,

ich beobachte gerne von meinem Balkon aus in der ersten Etage.

Gerade bei Planeten mache ich meistens die Erfahrung, dass auch später in der Nacht das Seeing von den benachbarten Häusern deutlich bleibt. Dabei hängst auch stark davon ab, wie nahe die Gebäude sind. Das macht sich dann so bemerkbar das der Planet grade bei 200fach noch scharf ist und schnell unscharf wird, wenn er über den First des nähergelegenen Gebäudes tritt.

Mondbeobachtungen über 200 konnte ich praktisch noch nie durchführen, das flimmert dann immer, auch wenn das Instrument gut ausgekühlt ist.

Hochhaus kenne ich nicht, ich fürchte aber, dass es eine ähnliche Situation ist.

CS

Klaus
 
Zitat von copernicus:

Hallo Christian,

ich hab' mir eben Deine schöne Zusammenstellung durchgelesen. Hinterfragen möchte ich aber die folgende Aussage auf Deiner Webseite: "In der Nähe von Gewässern verschlechtert aufsteigendes, verdunstendes Wasser das Seeing.".

Zumindest das Big Bear Solar Observatory hat man extra in einen See gestellt, weil man sich davon besseres Seeing erwartet. Wenn man die Bilder vom BBSO ansieht, dann scheint diese Rechnung auch aufgegangen zu sein. Ich nehme an, dass sich die thermische Trägheit der grossen Wassermasse die Thermik und daher auf die Seeingturbulenzen beruhigend auswirkt. Das verdunstende Wasser hat (wenn überhaupt) wohl eher eine Auswirkung auf die Durchsicht als auf das Seeing.

Grüße, Herbert
 
Hallo Herbert,

ich habe interessanterweise genau die gegenteilige Erfahrung bei meinen Ostsee-Urlauben gemacht: Oberhalb des Meeres war das Seeing grauenhaft, in alle anderen Richtungen hingegen gut bis sehr gut. Da mir dies regelmässig passierte, kann das kein Zufall gewesen sein.

Leider habe ich für die Diskrepanz keine Erklärung.

VG Christian
 
Hallo Christian,

möglicherweise wirkt der See nur tagsüber, wenn das Wasser kühler als die Luft ist, beruhigend. Wenn die Lufttemperatur nachts unter die Wassertemperatur fällt, könnte genau das Gegenteil der Fall sein. (Mit der Verdunstung hat es aber wohl eher nichts zu tun, denke ich.)

Grüße, Herbert
 
Hallo Herbert,

das klingt logisch. Vielen Dank!

VG Christian
 
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