Beobachten auf einem Touri-Berg?

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Gelöschte Mitglieder 487

Wie Benny im vorangegangenen Bericht schon festgestellt hat – letzte Nacht war die letzte verwertbare in Sachen Frühjahr und die typischen Galaxien. Eine herrliche zuverlässige Schönwetterlage hat sich eingestellt und die Satellitenbilder zeigen, dass es nicht nur wolkenlos ist, sondern regelrecht klar. Nicht der geringste Schleier.

Ziel bei mir war der gut 1500 m hochgelegene Gipfel, der sonst nur von Touris erklommen oder begondelt wird. Das Brauneck. Ich war schon einmal nachts dort oben. Richtung Süden 0 Lichtverschmutzung. Nur Berge und darüber keine Glocken. Spitzenrundumsicht. Nur bei Gitterrohrtuben muss man aufpassen, dass Bad Tölz und eine Gemeinde südlich des Starnberger Sees einem nicht in den Fangspiegel reinleuchten.

Vom Bahnhof zur Talstation braucht man zu Fuß ca. 20 min. Bei dem Geüpäck wollte ich den Bus in Anspruch nehmen. Ich will nicht zu sehr ausschweifen. Sagen wir mal so – der Nahverkehr ist hier in der Ausführung ausnehmend besch... Also: selbst ist der Mann - Equipment (12“) geschultert und losmarschiert.
30 kg den wirklich steilen Berg hochzuschleppen ist natürlich unsinnig, also mit der letzten Gondel kurz vor 17 Uhr hinauf. 6 Stunden warten auf die Dunkelheit. Langweilig? Nicht auf einem schönen Aussichtsberg wie diesem, wo man bis zur Zuspitze schaun kann. Gemütlich ein Radler trinken auf der Hütte und den Blick schweifen lassen.

Es wehte ein überraschend frischer Wind. Eine Flagge klapperte wild an der Stange. Ein permanent wiederkehrendes Pfeifen durch unsichtbare Ritzen erfüllte die Luft. O-Ohh... ich machte mir Sorgen.War ich mit der Kleidung zu knauserig gewesen? Kann ich überhaupt beobachten bei dem Wind?

Irgendwann kamen immer mehr sportliche Jugendliche den Berg hoch - offenbar in Rekordzeiten. Die U-19 Mannschaft von 1860 München gab sich die Ehre und war im Begriff, Saisonende auf dem Berg zu feiern. Es gab für die Jungs ein spitzenmäßiges Abendessen. Mein Glück, denn ich hatte zu wenig Essen mithochgenommen – zwar musste ich hüttentypisch üppig bezahlen, aber es war schon alles fertig zubereitet, und zwar richtig lecker. Ob man das sonst so auch bekommt hier? Ich weiß nicht... Spitzensalate und frisch Gegrilltes.

Ich hatte einen „Stammplatz“ zum Sternegucken oben auf dem Höhenweg bei zwei Bänken – sonst Absprungskanzel für die Gleitschirmflieger, welche sich wie aus dem Nichts auf einmal kurz vor Sonnenuntergang dort einfanden. Das Schauspiel der Absprünge beobachteten auch einige der Fußballjungs, die sich mit Flaschen in der Hand daherschlendernd auf ihre Abendfete einstellten und den Sonnenuntergang genossen. Verflixt - eine Horde durchmachwilliger Jugendliche in direkter Nähe zu meinem Beobachtungsplatz?
Ich nahm´s gelassen, immerhin war die mir wichtigste Zeit erst gegen 0.30 Uhr, wenn ich vorher gestört würde – kein großes Problem. Glücklicherweise hatten die Jungs gegen 21 Uhr noch eine Besprechung, sodass ich in Ruhe unbehelligt aufbauen und justieren konnte. Bis zur Deepsky-zeit hatte ich eh vor, mir die Zeit mit den Planeten und dem Mond zu vertreiben - praktischerweise die idealen Objekte, um etwas zum Zeigen zu haben, wenn ein paar interessierte Jugendliche vorbeschneien... Die Jungs waren aber richtig dufte Typen wie ich festgestellt habe und so blickte ich der Ankündigung „Ich komm nachher mal vorbei und guck auch mal durch wenn ich darf“ gelassen bis gespannt entgegen. Warum nicht? Bis halb eins hab ich bestimmt die Neugierde gestillt und könnte dann entspannt alleine die Galaxien aufsuchen.

Ein glutroter Ball verschwand am Horizont. Tief unten strahlte die Venus.

Tatsächlich, kaum hatte ich aufgebaut und ein wenig selbst geguckt, kamen schon zwei Jungs, denen ich mal die Venus, den Mond und Saturn gezeigt habe. Das war ein Spaß! Besonders bei Saturn waren alle aus dem Häuschen – „WAS IST DENN DAS?“, „Boah, wie aufm Bild“ Mit Fingerzeig auf den Okularauszug: „Hast Du da was zwischengesteckt?“, Immer wieder Saturn: „Mach den nochmal rein!“

Zwei, drei der selben Jungs sind immer Zwischen Lagerfeuer (nicht sichtbar) und mir gependelt, Aufwärmen und spendabel Bier für den Sternegucker mitbringen :-) Kein olles Pils, sondern richtig gute Kellerbiere im Schnappverschluss und mit Mönch druff wurden mir angeboten. Lecker! Ich hätte mich richtig gut versorgen lassen können, aber zwei Flaschen waren in Anbetracht meiner Pläne genug...

Eine gewisse Angst hatte ich bei meinem offenenen Gitterrohrdobson in Gegenwart feierlauniger Jugendlicher von Anfang an. Natürlich gab es die Situation, wo einer fröhlich mit zwei Bier in den Händen über meinem hauptspiegel hantierte... aber eine kurze Bitte um Abstand und Vorsicht wurde anstandslos befolgt. So macht das Spaß. Ein gutes halbes Dutzend von den Jungs kam so vorbei, abwechselnd, wiederkehrend und mit einem netten Plausch. Einer fing an, von synodischer Rotation zu erzählen und ein anderer wusste von seinem Physikunterricht zu berichten, wie sich die Galaxien im Universum einordnen... Ich war baff.

Aufgrund des Windes habe ich keine Lust gehabt, meine fledderigen Karten herzunehmen und bin bei drei vier Galaxien verblieben, die ich mir vorgenommen habe: die Dreiergruppe um NGC 5985 in draco. Hier konnte ich alle drei Gx schön sehen, die kleine Kantenlage natürlich am schwächsten. Ein tolles Ensemble, welches ich bei dunklem Himmel unbedingt nochmal besuchen muss. Die Sombrero-ähnliche Ngc 5746 in Virgo enthüllte mir kein direktes Staubband, aber ein ausgesprochen schönes Spindelchen nahe eines hellen Sterns - sehr reizvoll!

Im wesentlichen habe ich beschlossen, die 1-2 Stunden einfach mit Genuss zu verbringen und nicht mit Gesuche.
So bin ich auch ziemlich schnell zu den Sommerobjekten gewechselt. Die Milchstraße zeichnete sich langsam ziemlich deutlich ab. Am genialsten fand ich den Trifid-Nebel. Die Mehrfachteilung war wunderbar zu beobachten. Am eindrücklichsten im 12mm-Okular. Bei dunklerem Himmel bin ich schon gespannt, das wird der Kracher.

Krachen tut es aber bereits in dieser Nacht – und zwar hinter den Bergen am Südhorizont – ein rotes Aufleuchten illuminiert die untere Milchstraße. Immer wieder fernes Wetterleuchten. Es war wolkenlos aber in Richtung der Alpen war es irgendwie diesig – die Berge zeichneten sich nicht gut vom Horizont ab. Es wehte seit Einbruch der Dunkelheit ein beständiger Wind aus Richtung der Berge. Als die Sonne noch schien, kam der Wind beständig aus exakt entgegengesetzter Richtung. Faszinierend.

Der Himmel war nicht wirklich besser als kürzlich auf 700 m Höhe, aber trotzdem mit 6m5 spaßkompatibel. Glücklicherweise war der permanente Wind (ca. 20 km/h) recht mild obwohl anfangs frisch, ich schätze die Temp auf 9 Grad. Sobald ich richtig gekleidet war, ging es mit der Kälte. So hat das Bild zwar gezittert, aber nicht man selbst vor Kälte... Sobald die Sonne aufging, veschwand mehr und mehr der Dunst um die Berge und der Himmel tat so, als wäre nachts die beste Transparenz gewesen – ich fühlte mich etwas veräppelt. Das letzte mal, als ich dort oben war, waren die Berge in gleidher Weise eingeschleiert, ggf. ist dies ein Mikroklima, welches die Transparenz häufig ungünstig beeinflusst, mal sehen...

Die Dämmerung setzte ein. Sowie die Sonnne aufging, schoss ich ein paar Panoramabilder, begleitet von den Rufen eines Kuckucks. Es war noch herrlich still auf dem Berg, noch keine Spur von dem bald einsetzenden Betrieb der für einen Hausberg typisch ist. Auf der Hütte wurden schon die Tische gedeckt und die Sonne begaonn, heiß zu werden. Es war 8:45 Uhr als ich aufbrach, um dem Trubel zu entfliehen.

Zu den Fußballjungs muss ich festhalten: Eine beeindruckende Truppe, die mich keineswegs gestört, sondern die Nacht vielmehr zu einem schönen Erlebnis gemacht hat. Nachts mit dem Teleskop herauszugehen, sollte immer Spaß machen. Auch wenn ich zeit- und windbedingt nicht wirklich viel beobachtet habe, Spaß hat es definitiv gemacht!

Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/ba8f8f-1338068512.jpg



CS,
Norman

 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Norman,

ein wirklich sehr schöner Bericht, deine lebendigen Beschreibungen bringen einen ganz nah auf den Berg ;)

Auch wenns ein gut besuchter Touriberg war, gelohnt hat es sich für dich wohl in jedem Fall und auch ist bei einigen deiner nächtlichen Besucher noch nicht Hopfen und Malz verloren :D

Ich ziehe meinen Hut, dass du für die dann doch recht kurze Dunkelheit die beschwerliche Anreise und das lange Warten in Kauf genommen hast, aber wenn ich mir das Panoramabild so anschaue muss ich sagen: Das würde ich für so eine Aussicht auch machen und bei 6m5 würde ich auch gar nicht von veräppelt sprechen :)

Den Wind hatten wir auch, was sicher mit ein Grund für die gute Transparenz und taufreie Optiken war.

Viele Grüße Benny
 
Hallo Benny!

Danke Dir, freut mich :)

bei einigen deiner nächtlichen Besucher noch nicht Hopfen und Malz verloren laugh

:D

Na der Wind, hm, ich meine der war wirklich speziell wegen den Bergen - Fallwindmäßig. Der hat wie gesagt eine 180Grad-Wende gemacht nach der Dämmerung. Morgens war der wieder weg...

Ja der Aufwand... musste einfach mal wieder sein, so ein Trip auf den Berg. Ich war erst mittags wieder zu Haus, dementsprechend auch heute noch ziemlich im Eimer. Obwohl ich den Rest des WUNDERSCHÖNEN Tages gedöst/ geschlafen habe. Das ist so der Preis leider...

Schöne Grüße,
Norman

 
Hallo Norman,

Benny hat es treffend beschrieben. Ein schöner Bericht!

Gruß
Christian
 
Hallo Lothar,

1. Willkommen im Forum

2. Dankeschön

3. Mit einer stinknormalen Digiknipse und einem Freeware-Panoramaprogramm: Microsoft ICE.


Servus,
Norman
 
Hi Norman,

da wär mir auch ein bissel mau geworden mit dem offenen Dobson und den heiteren Jungs! Find ich aber witzig Dein Erlebnis....welcher Sterndlgucker würde sich denn sowas träumen lassen, dass da mitten in der Nacht einer einem ein gutes Bier so aus heiterem Himmel reicht? Dafür muss man dem Himmel schon recht nahe sein wie Du.....ich hatte neulich auch ne Schulklasse mit 25 Leuten im Garten. Kaum drehte ich mich zu irgendwelchen Leuten zwecks einem Gespräch um, hatten die Kids schon den großen FH bedient und ihn einfach selbst nachgeführt. Dass sie es schafften, den Mond wieder einzufangen hat die weit mehr begeistert, als den Mond selbst zu sehen. Nur gut, dass ich das Teleskop gut austariert hatte, sonst hätten die mir garantiert die Achsen gebrochen....bibber...

Schönes Erlebnis hattest du da!!!!!!!!!!!!

LIeben Gruss von Anette
 
Auch hier nochmal Hi Anette ;)

Das war in der Tat das Beste an der Nacht - dass ich die vermeintlich so coolen Fußballer mit Saturn derart begeistern konnte... Vor allem auch, dass alles so entspannt ablief ohne Angst ums Equipment und mit netten Gesprächen gespickt...

25 Kinder in Deinem Garten? Oh man, was für ein Trubel. Da kann man auch nur hoffen, dass Du abseits der Blumenbeete aufgebaut hast ;)

LG,
Norman

 
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