Zum Thema Himmelslaternen mal etwas grundsätzliches, weil es immer wieder auftauchen wird, solange es die Dinger gibt und die Partyfreunde jene einsetzen - solange haben Astrokreise sie am Hals, ob man es mag oder nicht. Deswegen wäre es z.B. für den Tag der Astronomie gut gewesen, wenn entsprechende öffentliche Vorführungen mit diesen Objekte gemacht worden wären - bei dem Wolkenwetter ist es von wegen Saturn-zeigen so ein Problem, aber Himmelslaternen gehen fast immer (außer bei dichtem Regen):
Himmelslaternen
Derzeit werden wir mit einer wahren Flut an Meldungen konfrontiert, die sich überwiegend auf die Beobachtung von so genannten Himmelslaternen zurückführen lassen. Angesichts dieser Mengen ist es uns leider nicht mehr möglich, jede dieser Beobachtungen mit dem Aufwand zu untersuchen, den wir sonst einsetzen. Wir betrachten die Beschreibungen und Berichte der Augenzeugen und finden unsere Einschätzung aufgrund des optisches Erscheinungsbildes und dynamischen Verhaltens der Flugkörper. Himmelslaternen sind derzeit der Hauptverursacher für UFO-Erscheinungen.
Himmelslaternen...
sind den großen, bemannten Heißluftballons nachempfunden. Sie bestehen, wenn man sie käuflich erwirbt, in der Regel aus dünnem Drachen- oder Reispapier. Die Ballons sind in verschiedenen Größen und Formen erhältlich und haben meist einen Durchmesser von etwa 0,8 - 2 Meter. Hochwertige Ballons sind an der unteren Öffnung mit einem Alu-Teller ausgestattet, auf dem sich ein brennbares Material (Zip-Würfel, Grillanzünder, in Spiritus getränkte Watte, Teelichter o.ä.) befindet. Bei den preiswerten Modellen befindet sich an der Öffnung nur ein Drahtgestänge mit einem Brennkörper (z.B. Wachsring).
Nach dem Anzünden erwärmt sich die im Ballon enthaltene Luft und er beginnt sehr schnell zu steigen. Die gewerblichen Ballons haben meist eine Flugdauer von bis zu 20 Minuten und können Höhen bis zu 500 Meter erreichen.
Das optische Erscheinungsbild
Himmelslaternen...
können einzeln, in Gruppen oder in Massen auftreten. Dabei können Sie geometrische Formationen einnehmen und ein scheinbar gesteuertes Verhalten zeigen.
Ihre Form wird oft als rund, oval, oder birnenförmig beschrieben. Aus größerer Entfernung sind meistens keine genauen Strukturen mehr zu erkennen, nur ein leuchtendes Licht oder eine „helle Lichtkugel“. Gelegentlich werden sie auch als „Feuerball“ beschrieben.
Das Licht der Himmelslaternen kann flimmern, flackern, pulsieren oder gleichmäßig leuchten. Manchmal erscheint das Licht am unteren Teil des Objekts, selten auch an anderer Stelle, heller als der übrige Körper.
In der Regel können Himmelslaternen in folgenden Farben auftreten: weiß, gelb, orange, rot, grün, blau und allen Farbtönen dazwischen.
Erlöschen Himmelslaternen, können sie noch als graues oder dunkles Gebilde weiterfliegen oder zu Boden sinken.
Selbst gebastelte Modelle, in vielen Büchern findet man entsprechende Bauanleitungen, können noch zu ganz anderen Erscheinungsbildern führen.
Das dynamische Verhalten
Himmelslaternen können geräuschlos...
- mit gefühlter sehr hoher Geschwindigkeit über den Himmel ziehen
- mit gefühlter sehr langsamer Geschwindigkeit dahinschweben
- plötzliche Flugmanöver durchführen
- in unterschiedlichen Richtungen abdriften
- plötzlich stoppen
- minutenlang an selber Position verweilen
- waagerecht über den Himmel ziehen
- im schrägen Steigflug nach oben schweben
- senkrecht nach oben fliegen
- während des Fluges ihre Abstände zueinander beibehalten
- während des Fluges ihre Abstände zueinander ständig verändern
- ein chaotisches Flugverhalten zeigen
- sich überholen
- sich in ihrer Bahn kreuzen
Es gibt kaum eine Flugbewegung, die nicht schon von Zeugen beschrieben worden ist. Himmelslaternen sind relativ leichte windgetriebene Flugkörper, die schon bei geringen Winden und Böen in ihrer Flugrichtung beeinflusst werden können.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Windgeschwindigkeiten und -bewegungen je nach lokalen Gegebenheiten und Höhen, von den am Boden herrschenden Winden abweichen können. Auch die im Internet veröffentlichten Winddaten der Wetterstationen berücksichtigen nicht das zum exakten Zeitpunkt der Beobachtung herrschende Mikroklima. Eine vom Augenzeugen am Boden gefühlte Windstille, lässt keine Rückschlüsse auf die tatsächlichen Höhenwinde zu.
Grenzen unserer Wahrnehmung
Oft versuchen Augenzeugen die Größen, Entfernungen, Flughöhen und Geschwindigkeiten dieser Flugkörper zu schätzen. Leider werden dabei nicht die Grenzen unserer Wahrnehmung bedacht, denen wir Menschen alle ausgesetzt sind. So werden beispielsweise in der Regel helle Objekte vor dem dunklen Nachthimmel in ihrer Größe weit überschätzt. Zudem ist es nicht möglich, die Größen, Entfernungen und Flughöhen von unbekannten Objekten am Himmel zu schätzen, wenn man keine direkten Vergleichsmöglichkeiten (z.B. Wolken im Hintergrund des Objekts, deren wahre Höhe sich ermitteln lässt) und Orientierungshilfen hat.
Sie sehen beispielsweise zwei Objekte am Himmel, einen kleinen Körper recht nah und einen größeren Körper recht weit entfernt. Beide Objekte würden uns möglicherweise gleich groß erscheinen. Es gibt eine Vielzahl solcher Wahrnehmungstäuschungen und wir verweisen hier auf die Erkenntnisse der Wahrnehmungspsychologie.
Daraus ergibt sich, dass der optische Eindruck nicht unbedingt der realen Wirklichkeit entspricht und solche Wahrnehmungstäuschungen im Rahmen unserer Einschätzung berücksichtigt werden müssen.
Verbreitung
Besonders seit dem Jahr 2007 werden Himmelslaternen in so großen Mengen importiert und verkauft, dass sie bei vielen Händlern schon ausverkauft waren. Himmelslaternen sind mittlerweile fast überall zu bekommen, so über Internetauktionsportalen oder auch in Geschenkartikelgeschäften. Die Preise variieren und beginnen ab etwa 2,- EUR/Stück. Aufgrund der starken Verbreitung kann es durchaus vorkommen, dass Himmelslaternen anlässlich von Grillpartys, Hochzeiten und anderen Veranstaltungen, bei günstiger Wetterlage in manchen Städten an verschiedenen Stellen gleichzeitig gestartet werden.
Fehleinsätze durch Himmelslaternen
Himmelslaternen können zur Fehleinsätzen bei Feuerwehr und Polizei führen.
Beispielsweise im August 2008 im Raum Steinheim. Mehr:
Brandgefahr und Startverbote
Bei sachgerechter Verwendung und unter Einhaltung der Sicherheitsempfehlungen ist die Brandgefahr verhältnismäßig gering. Trotzdem möchten wir darauf hinweisen, dass Himmelslaternen in Ausnahmefällen ab einer bestimmten Schräglage in Brand geraten, mit offener Flamme gegen Bäume und Gebäude fliegen oder unkontrolliert zu Boden gehen können. Dabei könnten Brände entstehen. In der Nähe von Flughäfen ist eine Gefahr des Flugverkehrs möglich. Die verantwortlichen Starter könnten ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden.
Im Internet wird oft empfohlen, die Himmelslaternen nur bei Windstille in brandunempfindlichen Gebieten zu starten, da sie nach Erlöschen der Flamme wieder in unmittelbarer Nähe niedergehen sollen und so die Brandgefahr minimiert wird. Wir waren schon bei unzähligen Starts zugegen und trotz gefühlter Windstille am Boden sind die Flugkörper in allen Fällen außer Sicht geraten.
Wie ein Brand entstehen könnte, sieht man hier:
Und ein Test der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) ergab folgendes Ergebnis.
Beispiele
Auf einem Campingplatz in Diez geriet am 22.07.2008 ein Campingwagen in Brand. Mehr:
Am 1.07.2008 wurde durch Himmelslaternen ein Feld mit Wintergerste in Tuchenbach in Brand gesetzt. Mehr:
In Herzogenrath geriet der Wintergarten eines Einfamilienhauses durch eine Himmelslaterne in Brand und wurde zerstört. Mehr:
In einem Garten in Hellern entzündete eine Himmelslaterne eine Grasfläche. Mehr:
In Chemnitz das Dach einer Werkstatt. Mehr:
Und am 2.09.2008 in Fulda eine Wiese. Mehr:
Warnungen:
Feuerwehrverband warnt vor den Himmelslaternen. Mehr:
Eine weitere Warnung der Feuerwehr:
Verbote, Genehmigungen
Hierzu eine Information der Deutschen Flugsicherung DFS, siehe hier:
In den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln ist das Starten der Himmelslaternen verboten! Quelle:
In Baden-Württemberg auch, Quelle:
Und in Bayern ebenso, siehe hier: und hier:
In der Schweiz ist die Einfuhr von Himmelslaternen u. W. verboten
Wir raten allen, die beabsichtigen Himmelslaternen zu starten, sich unbedingt vorab bei den für sie örtlich zuständigen Behörden zu erkundigen. Das können die Luftfahrtbehörde (z.B. die Bezirksregierungen der Bundesländer) und/oder die Ordnungsämter sein. Für die Einholung der Genehmigung sind die Verwender der Himmelslaternen verantwortlich und tragen die volle Haftung für eventuell verursachte Schäden. Haftpflichtversicherungen können u. W. den Versicherungsschutz ablehnen.
Links
Einige Farbfotos eines solchen Ballons finden Sie beispielsweise hier:
Hier einige Video-Links, die die Himmelslaternen einzeln oder auch in Massen zeigen:
http://www.youtube.com/watch?v=fk_3zqnVQzw
http://www.youtube.com/watch?v=h-fvqU2pJ2Q
http://de.youtube.com/watch?v=CbK7IrrYffI [Einer unserer eigenen Starts]
http://www.youtube.com/watch?v=jbMsrhTpdPA [mit krassen Kommentaren ]
http://www.youtube.com/watch?v=ZCB7dZJJtW4
http://www.youtube.com/watch?v=-eKl5XLIdSY
http://de.youtube.com/watch?v=injEbv88s-A
http://www.youtube.com/watch?v=IZGfLECRsJE
http://www.youtube.com/watch?v=DNghPsZutHY
http://www.youtube.com/watch?v=_tNHscNxn_U
http://www.youtube.com/watch?v=u2EQ0WeNmlU
http://www.youtube.com/watch?v=7b1PGVGNrTY
http://www.youtube.com/watch?v=ReMj-EHGGAU
http://www.youtube.com/watch?v=J8KyqK_SIN0
http://www.youtube.com/watch?v=j0QtdpgT41k
http://www.youtube.com/watch?v=EdHcWxq9uFE
http://de.youtube.com/watch?v=cE8Nv1LRGec&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=1S9YK1LCSo4&feature=related
Bitte bedenken Sie beim Betrachten der Fotos und Videos, dass sie niemals den beeindruckenden optischen Eindruck wiedergeben können, wie er gewöhnlich im Moment der Beobachtung und manchmal auch unter Einfluss eines gewissen Erregungszustandes von den Augenzeugen erlebt wird.
Für die eigene Suche in Internetsuchmaschinen und -portalen verwenden Sie bitte den Begriff "Himmelslaternen" oder "Skylaternen".
MfG
Werner Walter