Beobachtung durch Dachfenster

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schnuppe783

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Hallo Liebe Community,

Ich habe eine etwas speziellere Frage. Und zwar genieße ich es (wie viele von euch) nachts die Sterne zu beobachten. Da ich bald ein neues Haus bauen würden wir gerne ein rießiges Dachfenster in unser neues Haus integrieren. weiß jemand wie wir das machen können und hat jemand schon ein solches integriert?

LG
Schnuppe
 
Hallo Schnuppe,

wenn ich mir's aussuchen könnte, würde ich eine Dachterrasse mit einer soliden Säule wählen. Und ganz eigentlich eine Gartensternwarte.

Wohnhäuser sind im allgemeinen zum Wohnen gebaut, und da gibt es Behaglichkeitsanforderungen, die sich mit dem Beobachten nicht so recht vertragen. Die "eingebaute" Sternwarte müsste thermisch schon sehr gut gegen die Wärme der Wohnräume darunter gedämmt sein. Im allgemeinen sagt man ja mit guten Gründen: möglichst nicht über Dächer beobachten; bei Deiner Lösung sitzt Du genau auf einem Dach. Selbst wenn keine Heizungswärme aufsteigt, bringt so eine Konstruktion thermische Unruhe, zum einen aus der Temperaturschwankungen des Baukörpers selbst, der tagsüber aufgenommene Wärme nachts wieder abgibt, zum anderen durch Abluftstutzen, Kamine, Schornsteine, die dann alle genau auf Deiner Höhe abdampfen. Und das Dachfenster erzeugt per se genau die Seeingprobleme eines Kuppelspalts.

Dazu kommt: Du bekommst eine bevorzugte Beobachtungsrichtung durch die Firstorientierung aufdiktiert. Sinnvoll wäre eine solche Lösung hauptsächlich bei Ost-West-Ausrichtung des Dachfirsts. Ist die überhaupt herstellbar? Es gibt da Bebauungspläne, die so etwas schon mal vorschreiben.

Und bautechnisch stelle ich mir so ein riesiges Dachfenster auch spannend vor. Sonderkonstruktion für Abdichtung, Rollenlager, Anbindung an die Bedachung und Wärmedämmung; statische Fragen, denn so ein Ding wäre sicher viel schwerer als die normale Dachkonstruktion...

Und wenn es "schweres Gerät" werden soll, das die Planung einer Dachsternwarte rechtfertigt, müsste man sich vielleicht sogar Gedanken machen über eine Aufstellung, die vom Fußboden des Dachbodens entkoppelt ist.

Gehen tut irgendwie alles. Ich frage mich nur, ob da die Relation aus Aufwand und Ertrag nicht etwas aus den Fugen gerät.

Grüße,

Klaus
 
Hallo,
das Seeing einer Dachsternwarte im Wohnhaus wird vorallem
durch die aufströmende Warmluft an der Aussenmauer negativ beeinflusst. Da gibt es eigentlich wirklich keine Alternative zu einem Aufstellungsort möglichst weg von warmen Quellen. Eine Terrasse, die ja auch am Abend schneller auskühlt ist eine gute Lösung. Die Terrassenerweitung, ist bestimmt auch sicherlich finanziell attraktiver und vor allem mechanisch stabiler als ein Standort unter dem Hausfirst. Da reicht es schon wenn die Kinder die Treppe hoch und runtertrollen oder die Dame des hause mal die Haustür zuknallt. so das eine
fotographische Aufnahme unscharf wird.
Auch wenn der Standort im Dach sehr bequem scheint, wenn du es richtig machen willst, dann bräuchtest ein unabhängiges Fundament. Ich beobachte auf einem Balkon im zweiten Stockwerk, die Balkons sind durch senkrechte Streben verbunden, da reicht es wenn eine Etage unter mir das Mädel abends die Wäsche vom Balkon holt und alles ein bischen vibriert.
 
Hallo,

ich habe früher von einem Balkon eines Mehrfamilienhaus beobachtet. Die Sicht war eigentlich in Ordnung, von SO über S nach WNW hatte ich freie Sicht bis in den Zenit. Aber das Seeing war unterirdisch durch die aufsteigende warme Luft des Hauses und des gepflasterten Hofs.
Jetzt beobachte ich von meiner Terrasse aus und habe viel häufiger gutes Seeing als früher. Zwischen Haus und früherer Wohnung liegen auch nur ca. 2km Luftlinie, so das die allgemeinen Bedingungen in etwa gleich sind. Nur das lokale Seeing auf dem früheren Balkon war eben durch das Haus schlechter.
Ich persönlich würde eine Terrasse bzw. Gartensternwarte einem Dachfenster vorziehen.

Gruß
Uwe
 
Hallo,

je nachdem wie gut die Bedingungen sein sollen und wie das Wohngebiet & der Garten aussehen (und wie es finanziell aussieht), würde ich mich zwischen ausgelagerter Gartensternwarte und der Loggia entscheiden.

Wieso? Ich habe eine Mietswohnung mit so einer Loggia! Diese ist zwar relativ klein, aber ich habe nur wenig mit aufsteigender Wärme zu kämpfen und habe einen wirklich großen Himmelsausschnitt zur Verfügung. Das Ganze ist im 3. Stock und wir haben vor den Haus Wiese, Spielplatz und dann niedrige, orangene und nach oben abgeschirmte Strassenlaternen. Das Wohngebiet ist nach 2000 entstanden und die Häuser relativ gut gedämmt.

Ich denke für Münchner Randgebiet mit bezahlbarer (relativ...) Mietswohnung hätte ich es nicht besser erwischen können. Bisher habe ich mit 2"/Pixel gut fotografieren können.

Da die Loggia kein vorgelagerter Balkon ist und im Prinzip wie eine Terasse gebaut ist, schwingt da fast nichts. Nur wenn ich drauf rumlaufe. Dahinter ist das Wohnzimmer und ich kann im Winter gleichzeitig fotografieren und Haushalt erledigen :-)

Besser wäre nur noch ein großes Grundstück mit Rolldachhütte. Das ist aber der Kosten wegen eine ganz andere Nummer. Gut, Du baust ein Haus... Aber wenns ins Haus integriert sein soll ist die Loggia einfach genial!

In der Hütte bist Du halt vom Haus weg, störst aber die anderen nicht und kannst je nach Grundstück komplette Rundumsicht realisieren.

VG,
Robse

Nachtrag:

Ein Vorteil, den ich auch zu schätzen weiß: Nur die Montierung bleibt eingescheinert draußen. Apo, Kamera etc.. bleiben in der Wohnung außer sie werden genutzt. Das schont das Material und ist am sichersten bzgl. Unwetter, Verwüstung und Diebstahl. Dass jemand übers Dach in den 3. Stock klettert um meine Montierung zu klauen, halte ich für extrem unwahrscheinlich.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi,

ich beobachte und filme Planeten seit Jahren vom Balkon im ersten Stock.

Solange die Nachbarn unter mir ihre Markiese tagsüber ausgefahren haben und abends sowol ihre Fenster als auch die Balkontüre dicht haben, ist das lokale Seeing über ihrer Terasse und dem anschließenden Rasen sehr brauchbar.

Aber sobald abends ein Fenster gekippt wird oder sie gar die Terassentüre wegen der kühleren Nachtluft auf haben, kann ich Planetenbeobachtung total knicken. Dann wabert alles, weil warme Luft rausblubbert...

Auch wenn die Markiese eingefahren blieb, kann ich vor Mitternacht Planetenbeobachtung im Hochvergrößerungsbereich knicken. Da reicht die gespeicherte Wärme der Terassensteine, um grusliges lokales Seeing zu generieren.

Bei einem großen Dachfenster für einen Beobachtungsplatz treten sicherlich heftige Luftverwirbelungen von den von der Sonne aufgeheizten Dachziegeln auf, die den Beobachtungsspaß kräftig einschränken. Würde ich nicht machen...

Wer ein Haus baut, hat auch Garten drum rum. Da ne Betonsäule oder ein kleines Gartenhäuschen (je nach Größe/Bundesland sogar genehmigungsfrei) hinstzen und gut ists. Kommt schlußendlich sogar günstige als ein übergroßes Dachfenster oder ne Loggia...

Nur mal so als Gedankenanstoß...

 
Hallo,

klar ist der Garten besser als nahe am oder im Haus, ich kenne aber selber mehrere Beobachter, die im Garten so starke Lichteinstrahlung von fremden Fenstern und Laternen haben, das der Balkon und die Logia oberhalb der Laternen der bessere Platz ist!
Bei einer Logia im eigen bewohntem Haus ist das mit den Fenstern darunter, dann kaum ein Problem!

Die vielen Bauberichte von Dachsternwarten zeigen, das oft die höhe über Grund, erst Beobachtungskomfort und Sicherheit zusammen, den Ausschlag dafür waren.

Gruß Günter
 
Hallo nochmal,

such doch einfach mal im Internet nach Dachsternwarte:

http://www.krannich-online.de/astronomie/dachsternwartenbau.html

http://www.privatsternwarte.net/dstw.html

http://www.astrogarten.de/Sb_Stw.htm

Da ist evtl. irgendwas dabei was Dir gefällt. Dann kannst Du ja zum jeweiligen Sternenfreund Kontakt aufnehmen. Ich denke, jeder dieser Kollegen wird gerne was zur Konstruktion preisgeben.

Was ich auch mal gesehen habe war etwas ähnliches über einer Doppelgarage mit Satteldach. Das wäre dann neben dem Haus platziert, die Garage wird - wie das Haus - sowieso gebaut (naja, evtl. nicht doppelt) - und man hat die "Baumaßnahme" nicht am Wohnhaus. Die Garage wird meist auch relativ Vandalismus- und Einbruchsicher gestaltet und nicht beheizt. Vielleicht lässt sich hiermit ein eigenes Bauwerk (Gartensternwarte) einsparen.

Am Haus würde ich wahrscheinlich nichts extra bauen. Loggia oder Terasse gehen wie gesagt auch und wären nicht so "speziell-astro".

VG,
Robse
 
Hallo Schnuppe,

Euer Plan ist toll!

Abgesehen von den schon genannten Schwierigkeiten bei der Beobachtung vom Dach und den beeindruckenden Selbstbauprojekten, kommt es auf Deine Beobachtungsbedürfnisse und Deine Beobachtungsörtlichkeit an.

Und zwar genieße ich es (wie viele von euch) nachts die Sterne zu beobachten.
Wie beobachtest Du?

Ich habe Landhimmel im Mittelgebirge, Ortsrandlage Blickrichtung zum Wald, kaum Laternen, beobachte auch vom Dach aus und für Weitfeld- und Mondbeobachtung kann eine Dachposition - wie in meinem Fall - von Ost über Süd bis West und Zenit schon herrlich sein. Mit Abstrichen sind Planeten und bei guten Bedingungen sogar lichtschwache Galaxien auszumachen. Einen bequemen Liegestuhl, Radio an und genießen. Aber auch mit meinem 6" Newton habe ich visuelle Highlights. Gut, es wabert Mal mehr, Mal weniger, je nach Vergrößerung. Mit oder ohne optische Hilfsmittel, Freude macht es immer. Der durchs Dachfenster eingeschränkte Blick eines bestimmten Himmelsausschnitts läßt mich übrigens um so genauer hinschauen und entdecken. Möchte man mehr, empfehle ich die nächstgelegene Sternwarte.

würden wir gerne ein rießiges Dachfenster in unser neues Haus integrieren. weiß jemand wie wir das machen können und hat jemand schon ein solches integriert?

Ein Panorama - Dachfächenfenster kann hier eine zweckungebundenere Möglichkeit sein. Je nach Bedarf, Region und baubedingten Einschränkungen sind hierbei sehr große Dachflächen möglich. Dies sollte mit dem Architekten Eures Vertrauens besprochen und durchkalkuliert werden.
 
Hallo Schnuppe,

ich betreibe seit 2011 Deepsky-Astrofotografie vom Dach eines 2-Etagenhauses aus.
In sehr guten Nächten messe ich FWHM-Werte bei ca 2".
Eine Gartensternwarte hat das Problem des Boden-seeing und ich bin in 10m Höhe.
Natürlich müssen unter der Sternwarte die Fenster geschlossen sein. Ich hatte das Glück, dass an der südwestlichen Hauswand ein Schornstein gebaut war, welcher nicht mehr benötigt wird.
Darauf habe ich einen Säulenkopf gebaut. So ist das gesamte Equipment beim Beobachten außerhalb der Dachhaut. Die schwarzen Tonziegel kühlen am Abend sehr schnell aus. Bei akzeptablem Wetter lasse ich die Ausrüstung auf dem Dach und decke sie mit einer 0,8mm LKW-Plane ab. Die ist so stabil, dass sie auch bei stärkeren Wind ohne nenneswerte Bewegung die Ausrüstung schützt. Die restliche Zeit nehme ich das Teleskop ab und lagere es unter dem Dach.
Beobachtungen durch ein Dachfenster würde ich eher nicht machen. Der Raum müsste sehr gut nach innen isoliert sein., anderenfalls hat man tatsächlich thermische Probleme.
Wenn Du neu baust, dürfte es machbar sein, eine 50x50cm Ziegel-Säule zu integrieren und durch alle Geschosse bis zum Dach zu führen. Ob die schwingungstechnisch vom Gebäude getrennt werden muss, ist schwer zu sagen. In meinem Altbau-Zweifamilienhaus habe ich weder die Schritte der Bewohner, noch die Waschmaschine im Keller oder die Wasserpumpe der Regenwasseranlage als Problem empfunden.

Viele Grüße
Uwe
 
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