Beobachtung eines Anfängers + Mars und Starhopping

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Sencha

Mitglied
Hallo zusammen,

erstmal nochmal ein großes Lob an das Forum und seine Member.
Ich hatte vor ca. 2 Monaten hier angefragt ob es für einen Anfänger sinnvoll ist, sich einen 102/500 Achromat zum Einstieg zu holen. Diese Idee wurde mir hier ausgeredet und ich habe mich für einen kompakten 150/750 Dobson Newton entschieden. Bisher bin ich damit vollkommen zufrieden.

Ich selbst wohne in Frankfurt, das Teleskop steht aber bei meinen Eltern im ländlichen Saarland. Bei den monatlichen Besuchen hoffe ich natürlich immer auf klares Wetter, damit ich nachts noch vom Garten (in Dorfrandlage) aus das Teleskop benutzen kann.

Im Juni sind dann das erste Mal mein monatlicher Wochenendbesuch und klare Sicht zusammengetroffen.
Was soll ich sagen, der Saturn war damals ein einfach zu findendes Ziel und hat mich sehr begeistert.

FRAGE 1:
Ich versuchte noch M13 in der damals mondlosen Nacht aufzuspüren. Leider scheiterte ich daran. Herkules konnte ich am Nachthimmel zwar finden, aber jeglicher Versuch des Starhoppings mit dem Teleskop (30 fache Vergrößerung) scheiterte einfach an der puren Anzahl von kleinen Sternen.
Kurz gesagt, ich verlor die Orientierung.
Habt ihr für einen Anfänger wie mich einen Tipp wie man das Starhopping erlernen kann?

Zur Zeit bin ich wieder bei meinen Eltern. Trotz Vollmond habe ich natürlich wieder das Teleskop aufgebaut und erhaschte gestern Abend noch einen Blick auf die Venus.
Heute morgen habe ich mir dann den Wecker für 4:30 gestellt um endlich auch mal Jupiter sehen zu können. Aufgrund seiner Helligkeit konnte ich ihn sehr schnell finden und hatte eine gute Zeit. Besonders als ich gegen 5:30 noch deutlich den Schattenwurf eines Mondes auf der Oberfläche erkennen konnte, wusste ich, dass ich ein tolles Hobby für mich gefunden habe.

FRAGE 2:
Ich versuchte noch kurz den Mars ins Okular zu bringen. Bin mir aber nicht sicher, ob ich ihn wirklich gefunden habe. Hatte ja schon gelesen, dass der Mars aufgrund seiner Größe und Entfernung zur Erde nur alle 2 Jahre gut zu beobachten ist. Allerdings ähnelte "mein" Mars im 8mm Planetary Okular mit 2-fach Barlow (knapp 200-fache Vergrößerung) einem blassem, ockerfarbenen Licht ausstrahlendem Stern.
Ist Mars derzeit wirklich so schlecht zu beobachten oder hatte ich etwas anderes gesehen?

Viele Grüße

Stefan
 
Hallo Stefan,

Link zur Grafik: http://file1.npage.de/004143/32/bilder/m13_m92.jpg

Schau dir das Bild an um M13 bzw. M92 zu finden.

Aktuell musst du am Morgenhimmel die Sterne in den Zwillingen Castor und Pollux um etwa die gleiche Strecke nach unten verlängern um auf Mars zu stoßen.

Aktuell hat er nur 4" Durchmesser und dürfte genauso erscheinen, wie du ihn beschrieben hast. Warte ab bis er 2014 in Opposition zur Erde steht, dann kannst du bei gutem Seeing Einzelheiten auf der dann ca. 15" großen Scheibe sehen.

Gruß
Lothar
 
Hallo Stefan,

das Starhopping macht man Anfangs erst einmal mit dem Sucher. Falls du den Leuchtpunksucher benutzt, der deinem Dobson beilag, peile am besten eine Sternformation an, die dem Beobachtungsobjekt am nächsten ist und die du gerade noch mit bloßem Auge sehen kannst. Dann schaust du dir die Formation durch dein Teleskop an (kleinste Vergrößerung) um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sie im Okular aussieht. Vergleiche diesen Anblick mit dem in der Sternkarte. Vermutlich ist die Formation im Okular anders ausgerichtet (liegt auf der Seite, steht auf dem Kopf, ist gespiegelt etc.). Nachdem du den Anblick am Himmel mit dem auf der Sternkarte abgeglichen hast, suchst du auf der Sternkarte weitere Sterne in der Nähe des Startpunktes zur Orientierung, die in Richtung deines Zielobjektes liegen. Diese suchst du dann auch mit deinem Teleskop am Himmel. So hangelst du dich dann bis zum Ziel.

Wichtig ist, dass du Anfangs immer einen Startpunkt findest. Beispielsweise eine hellen Stern, eine Sternreihe, ein paar Sterne die eine Figur bilden (z.B. ein Dreieck) oder einfach eine Sternformation, die du dir leicht merken kannst. So hast du immer einen Ausgangspunkt für das Starhopping zu dem du zurückkehren kannst, falls du dich verirrt hast.

In Gegenden mit wenigen auffälligen Sternen kann auch ein ordentlicher optischer Sucher von Vorteil sein. Durch die kleine Öffnung sieht man noch nicht so viele Sterne wie mit dem Teleskop und hat ein großes Gesichtsfeld. So kann man sich auch an Sternen in der Sternkarte jenseits von 6m orientieren, vorausgesetzt die Grenzgröße der Karte gibt das auch her.
 
Hallo,

vielen Dank für die Antworten.

Morgen soll das Wetter ja leider umschlagen, aber ich hoffe diese Nacht nochmal auf klare Sicht. Wäre dann bis Ende September erstmal die letzte Nacht in der ich mein Teleskop benutzen kann. Wäre super wenn ich dann noch abschließend M13 finden kann. Denkt ihr, bei dem noch immer sehr hellen Mond hätte ich eine Chance darauf?

Habe noch eine kurze Frage was ihr von Smartphone Apps zum Auffinden von Objekten haltet. Ich selbst benutze "Google Sky Maps". Anfangs dauert es einige Zeit bis das Handy "weiß" wo oben, unten, links und rechts ist. Aber dann finde ich es, als absoluter Einsteiger zumindest, nicht schlecht um den ungefähren Standort eines Planeten zu finden.
Benutzt ihr Profis solche Apps auch noch, oder habt ihr im Laufe der Zeit die ganzen Sternbilder bereits verinnerlicht?

Gruß
Stefan
 
Zitat von Sencha:
Wäre super wenn ich dann noch abschließend M13 finden kann. Denkt ihr, bei dem noch immer sehr hellen Mond hätte ich eine Chance darauf?
M13 ist hell und groß mit genügend Abstand zum Mond. Da sollte es keine Probleme geben.

Zitat von Sencha:
Habe noch eine kurze Frage was ihr von Smartphone Apps zum Auffinden von Objekten haltet.
Für die ersten Schritte vielleicht hilfreich, aber generell würde ich davon dringend abraten. Gerade bei mondlosen Nächten mit wenig Fremdlicht macht so ein Smartphone dir jegliche Dunkeladaption zunichte! Kauf dir lieber einen gescheiten Atlas mit Rotlichtlampe. Da siehst du mehr. Und wenn du mal mit anderen zusammen auf dem Feld bist: Sie werden es dir höchstwahrscheinlich danken, wenn du das Smartphone in der Tasche lässt ;)
 
Hallo,
noch ein kurzes Update zu meinen Beobachtungen gestern Nacht. Habe mithilfe der besagten App das Sternbild Herkules leicht gefunden, aber dann auch das angesprochene Problem mit der Dunkeladaption der Augen festgestellt. Trotz immernoch hellem Mond und dem Nachtmodus der App erschien das Handydisplay sehr hell.

Als ich aber dann erstmals dieses Rechteck im Herkules gefunden hatte, suchte ich die auf Lothars markierte Region ab und hatte bei 30-facher Vergrößerung direkt M13 als kleinen Fleck im Okular. Im 8mm Planetary, ähnelte er dann schon eher einem sehr feinmachigem diffusem Netz. Freue mich jetzt schon M13 nochmal in einer mondlosen Nacht zu besuchen. Vielleicht kann ich ja dann selbst in meinem 6" Newton noch mehr Details sehen.

Also nochmals vielen Dank für die Hilfe!

Stefan
 
Hallo Stefan,

ja, in mondloser Nacht solltest du mit einem Sechszöller auf jeden Fall wesentlich mehr an M13 erkennen können. An einem guten Standort konnte ich sowohl mit meinem 80mm-Refraktor als auch mit meinem 114mm-Newton bereits etliche Einzelsterne am Rand von M13 auflösen, mit 150mm sollte da schon einiges gehen, sieh dir mal die mE ziemlich realistischen Beispiele von binoviewer an:

http://www.binoviewer.at/beobachtungspraxis/teleskopvergleich_deepsky.htm

CS,
Fabian
 
Hallo Stefan!
Warum legst du dir nicht ein Telrad zu? Mit einem Telrad und der entsprechenden Literatur, ist das Aufsuchen dann überhaupt kein Problem mehr. Außerdem verlierst du dann auch die Orientierung nicht mehr so schnell. Objekte wie M 13, M 57 und nur diese beiden zu nennen sind damit ein Kinderspiel.
Ich selber versuchte mir auch vor kurzer Zeit mal wieder an einem 8x50 Sucher und dem Teleskop eines bekannten, ganz ganz schnell war ich dann wieder an meinem Teleskop.
Viele Grüße Raimund
 
Hallo Raimund,
danke für den Tipp mit dem Telrad. Mein Teleskop hat ein Standard Leuchtpunktsucher. Habe mir nun im Internet mal ein Telrad angesehen. Dies scheint auf jeden Fall eine sinnvolle Investition zu sein.

Als Anfänger habe ich aber derzeit auch noch Probleme beim navigieren durch das auf dem Kopf stehende Bild durchs Okular.
Aber denke durch etwas Übung geht das irgendwann in Fleisch und Blut über.

Gruß

Stefan
 
Hallo Stefan!
Ich bin sicherlich hier auch nicht der absolute Profi, aber für mich ist der Deep Sky Reiseatlas und der Deep Sky Reiseführer in Verbindung mit einem Telrad eine absolute Empfehlung. Mit dieser Kombination und einem Fernglas, kannst du langsam Einfache Sternbilder schon mal verinnerlichen. Das wichtigste dabei ist nicht zuviel zu wollen. Nimm dir zuerst einfache Objekte und die hellsten Sternbilder vor und dann probiere aus was du mit einem Fernglas z.B. 7x35mm und anschließend in deinem Teleskop siehst und vergleiche. Für dich geht es hier sicher nicht darum hier irgendwelche NGC .... mit 15 mag zu finden, das überlasse erst einmal den "Profis" hier. Viele von den Mitgliedern in diesem Forum haben schon sehr viele Jahre Erfahrung in dem Bereich der Deep Sky Beobachtung und da darf man sich selber nicht verrückt machen lassen.
Ein Tip noch, lege dir ein Beobachtungstagebuch an in das du deine Fortschritte und wichtige Erfahrungen aufschreiben kannst. Das hilft auch ungemein weiter. Ich persönlich habe mir eine Art Beobachtungstagebuch am PC angelegt und dort schreibe ich jeden Beobachtungstag auf. Außerdem füge ich Bilder ein die in etwa meiner Okularansicht entsprechen. Das hilft mir alles weiter! Außerdem habe ich für mich persönlich das Projekt Messier gestartet. Dort dokumentiere ich alle von mir gesehenen Messierobjekte mit allen bekannten und von mir beobachteten Details. (wenn ich dann alle gefunden hab, dann mach ich ein Faß auf) :totlach:
Das alles zusammen hat mir super weiter geholfen. Wie gesagt, die Betonung liegt auf mir, alles nur meine persönlichen Ansichten.
Viele Grüße und Erfolg Raimund
 
Hallo Raimund,
danke für den Tipp mit den Deep Sky Büchern. Diesen Winter werde ich in meinem Elternhaus im ländlichen Saarland verbringen. Dann werde ich mich auch mal an die Dokumentation meiner Beobachtungen machen.

Hat einer von euch eigentlich einen Link oder eine Übersicht ,wann (in welchen Jahren/Monaten) die Planeten die geringste Entfernung zur Erde haben, bzw. gute Beobachtungsbedingungen herrschen?

Für Mars hat mir Lothar weiter oben ja schon 2014 genannt, wenn er in Opposition zur Erde steht.

Gruß
Stefan
 
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