Patrick_Woitala
Aktives Mitglied
Beobachtungsbericht 2.30304.1900 - 2.30305.0100 (a.k.a. 4.3. 19 Uhr bis 5.3. 01 Uhr)
Standort: Astrostation AST, Südlich von München
Grenzgröße: Keine Ahnung, aber ziemlich gut
Seeing: OK
Teleskop: 80/480 Refraktor Typ William Optics Megrez, "Blind Io" (Taufdatum: 6.3.03) auf EQ-3 Montierung
Okulare: - 26 mm Nagler Typ 5 (2")
- 18 mm Meade SWA
- 8,8 mm Meade UWA
- 5,2 mm Pentax SMC XL
- 3,6 mm Kellner "Super"
- 2,5 mm Vixen LV
Sonstige anwesende Spechtler:
Stathis Kafalis (24" Kyklopas), Alex Sieck (10" Selbstbau-Dob), Meinolf Vogt (10" GSO Dob), Peter "sternengucker" (150/750 Newton auf SkyView), Peter *schlagmichtotichweißdennachnamennichtmehr* (10" Eigenbau-Dob), noch einer vom Spiegelschleifkurs - ich hab mir Namen noch nie merken können (großer Gitterrohrdobson, über den ich aber nix weiß. Sah aus wie ca. 14-16"), hoffentlich hab ich keinen vergessen.
Bereits am letzten Donnerstag zog es mich mal wieder raus zum Beobachten. In dieser transparenten, aber unruhigen Nacht habe ich mit meinem 14-Zöller "Om" viele schöne Sachen gesehen, aber leider nicht aufgezeichnet, was genau. Ich erinnere mich an diverse Standards (Saturn, M 42, M 46 (der mit dem Planetary davor), ...).
Nach dieser Beobachtungsnacht bekam ich dann am Samstag endlich mein neues Megrez und wollte es natürlich bald einsetzen. Nachdem der Himmel dann am Dienstag klar war, entschloss ich mich kurzfristig (so gegen 1800), zur AST rauszufahren. Also alles rein in's Auto und los. Nach ner halben Stunde war ich dann da - oben am Taubenberg musste ich dann mit ausgeschaltetem Licht in eine der wenigen verbleibenden Parkpositionen gelotst werden. Unglaublich, wie viel da oben los war!
Okay, kaum angekommen wurde ich dann von den diversen anwesenden Spechtlern (alle bis auf "sternengucker" kannte ich bereits) begrüßt und began hurtig mit dem Aufbau. Was soll ich sagen, inmitten all der aufgefahrenen Dobsongeschütze kam ich mir ein bisserl "klein" vor und wurde natürlich auch höhnisch belächelt, dass ich da mit nem 80 mm Refraktor ankomme und meinen 14-Zöller daheim lasse! *grins* Aber sooo leicht lasse ich mich doch nicht abbringen, also beschlossen "Io" (der zu diesem Zeitpunkt noch nicht getauft war) und ich, es den Großen zu zeigen!!!
Also, 26er Nagler in die Fockelpinne und los ging's. Insgesamt hab ich an diesem Abend über 20 Objekte beobachtet, da möge man es mir verzeihen, wenn ich die Reihenfolge ein bisschen durcheinanderbringe.
M 42 - der Große Orionnebel in seiner vollen Pracht. Klar, mit Om sehe ich mehr, aber trotzdem war das mit Io schon ein wunderschöner Anblick! Im 26er Nagler (bei 18x) war er natürlich eher klein in der Mitte, aber im Gegensatz zu Om hab ich ihn wenigstens ganz im Gesichtsfeld drin und muss nicht rumrudern. Immer wieder ein Muss!
h und chi Persei - Toll. Beide Sternhaufen in einem Gesichtsfeld. Obwohl die beiden relativ tief im Norden standen (also da, wo sich in der Ferne die Großstadt befindet) waren es zwei tolle Häufungen punktfeiner Sterne vor tiefschwarzem Hintergrund. Dahaaahaaamals, als ich vor 6,5 Jahren mit der Astronomie begann, war das eines der ersten Objekte, die ich selbständig aufgefunden hab. Mensch, ich werd alt... *grins*
M 45 - die Plejaden, "winzig" in der Mitte. Bei 4,4 Grad Gesichtsfeld (ca.) passen die ja zehnmal rein! Bei Om hab ich da schon meine Probleme. Schön, so ein kleines Richfield-Röhrchen. Das soll mir dem Stathis sein Kyklopas mal nachmachen!
M 44 - Praesepe. Auch hier galt wieder: Nadelfeine Sterne vor tiefschwarzem Hintergrund. *schwärm*
Wenn wir schonmal in der Gegend sind: Jupiter und Saturn. Saturn war ganz hübsch, war aber schon so weit unten, dass ich bald zu seinem größeren Bruder rübergeschwenkt hab. Bei Jupiter merkt man schon ganz deutlich, dass *mein* Io (also nicht der Mond ;-)) ein recht ein schneller ist, d.h. es war ein deutlicher lila Farbsaum zu sehen. Trotzdem, schlagmichtot, mich stört das einfach nicht so sehr. Jedenfalls waren natürlich die beiden äquatorialen Bänder zu sehen und auch erste Details im 5,2er Pentax (92x), aber erst deutlich später (siehe Io-Schatten) habe ich dann kapiert, dass ich noch höher vergrößern muss, um *viel* mehr an Details rauszuholen.
Jetzt folgten noch diverse offene Sternhaufen:
M 36 und 38 im Fuhrmann - beide in einem Gesichtsfeld. Toll. Meinolf hat mich dann noch drauf hingewiesen, dass unter M 38 noch ein kleinerer Haufen, NGC 1907, zu sehen war. Klar, im Vergleich hatte der keine Chance, aber war auch ganz süß.
M 37 war natürlich auch da. *hechel* Das sagt der Night Sky Observer's Guide dazu:
"NGC 2099 Messier 37 Open Cl.150*
Tr Type II 1 r (Übersetzung: II = Detached; weak concentration toward center | 1 = Small range in brightness | r = Rich (more than 100 stars)), Diameter 20', m5.6v, Brightest Star 9.21v
M 37 is the finest open cluster in Auriga with at least 150 stars from 9th to 12.6th magnitude. It is older and more evolved than M 36, the majority of its bright members being main sequence A-type stars of about -1 absolute magnitude whereas the brightest members of M 36 are B2 and B3 stars with absolute magnitudes near -3. The cluster also contains at least a dozen red giant stars while M 36 has none. Its stars have a total luminosity of about 2,500 suns spread over 25 light years. M 37 was discovered by Messier in 1764.
4/6" Scopes - 75x: This is an excellent cluster, similar in appearance to open cluster M 11 in Scutum. M 37 is bright, large, and very rich with at least 75 stars visible. The stellar density is considerably higher in the inner regions. A lone bright star stands out near the center. Several brighter stars are also noticeable in the southern part of the cluster. M 37 is noticeably richer and more compressed than either open cluster M 36 or M 38. All three clusters are visible to the naked eye under ideal skies."
Ja, Recht haben sie. Wirklich wunderschön, auch wenn ich mal davon ausgehe, dass mit meinem Teleskop etwas weniger Sterne sichtbar waren. Trotzdem: So dicht gepackte schwache, aber nadelpunktfeine Sternchen (den Begriff scheine ich ziemlich häufig zu verwenden... *grins*) sind schon was feines!
Meanwhile in Gemini: M 35. Noch ein offener Haufen. In der Ecke scheint's davon echt zu wimmeln! Daneben irgendwo war dann Collinder 89, ein Winzlingshaufen, aber auch deutlich zu sehen. Lustig: der Night Sky Observer's Guide macht sich nichtmal die Mühe, das Ding für Geräte kleiner als 12 Zoll zu beschreiben... Dabei hat mein Io nur 3,1". Ich dachte auch etwas an der Stelle gesehen zu haben, wo IC 443 (ein schwacher Emissionsnebel) sein soll, aber allmählich glaub ich nicht mehr dran. Dafür dürfte das Teil einfach zu dunkel gewesen sein.
Jetzt waren dann endlich ein paar Galaxien an der Reihe. Ich war schon sehr gespannt, zumal ich ja noch nie mit so einem "kleinen" Röhrchen auf Galaxienjagd gegangen bin. Hier meine Eindrücke:
M 81/82 - LEICHT zu finden. Man peilt einfach grob über den Tubus und schaut dann bei 4,4 Grad Gesichtsfeld durch das Teleskop. Wenn noch nix zu sehen ist, dann rudert man einfach ein kleines bisschen hin und her, und PLOPP, da stehen die beiden Musterknaben, klein aber fein. M 81 ist eindeutig heller, man sieht den hellen Kern und einen schwachen Halo aussenrum. Schön. Aber allmählich muss sich Meinundachzig auch vernachlässigt vorkommen, weil in seiner Nähe halt mein absoluter Liebling steht:
M 82. Schon im Nagler als dünne Spindel deutlich zu sehen, wollte ich doch mal sehen, was ich noch alles rausholen kann. Also, Vergrößerung Hochgeschraubt. Beim 8,8er UWA (54x) bin ich dann geblieben. Darin war M 82 dann noch immer sehr deutlich, und es kamen Details zum Vorschein. Alles natürlich nicht mit der Deutlichkeit, mit der ich ihn in Om sehe, aber der kleine Io hat sich echt wacker geschlagen! Da ich ja M 82 recht genau kenne und wusste, worauf ich achten musste, war dann auch die breite, dunkle Teilung zu sehen. Manche mögen das als Einbildung bezeichnen, glaub ich aber nicht. Io, ich bin stolz auf dich!!! *knuddel*
Dann das selbe Spiel mit M 51 ("Meinundfünfzig"), der Whirlpool-Galaxie. Im 26er Nagler springt einem das Ding einfach in's Auge. Leicht erkennt man beide Kerne (also den von M51 selbst und von NGC 5195) und um den einen Kern herum einen deutlichen Halo. Im Acht-achter UWA war dann alles wesentlich deutlicher, aber mehr Details haben sich natürlich nicht mehr gezeigt. Auch hier wieder ein großartiges "bravo!" an den kleinen Blind Io.
Auf zum Löwen und nach 65/66 gesucht. Wieder der selbe Effekt: Bisschen rumrudern (Io kriegt von mir jedenfalls noch nen Starpointer!) und PLOPP, da sind sie. Beide sehr deutlich als neblige Fleckchen. Daneben bei etwas genauerem Hinsehen dann die längliche NGC 3628. Schön, gleich drei Galaxien im Gesichtsfeld. Ich glaube auch NGC 3593 blickweise erhascht zu haben, bin mir da aber nicht so sicher.
Ein Stückerl weiter in Coma fand ich dann viele winzige Nebelfleckchen (mindestens 4 oder 5), die ich dann nicht mehr ohne weiteres identifizieren konnte. Dafür wurde ich dann von Peter Ichweißdennachnamennichtmehr auf NGC 4565 angesetzt. Hat ein Weilchen gedauert (wie gesagt, ein Starpointer muss her!), aber dann war sie da, dunkel aber eindeutig, und natürlich länglich, wie man die Galaxie halt kennt.
Genug der dunklen Funzeln, jetzt war Zeit für den Io-Schatten auf Jupiter. Gut, Jupi rein, 5,2er Pentax rein. Hmm, nix. Zwischenzeitlich hat auch Stathis sein 24" Ungetüm rüberbewegt und spechtelt delektierlich den Jupiter, also rasch rüber und schamlos ausnützen. Ah, das ist deutlich. Und diese Fülle an Details! Zwar war das Seeing nicht toll, aber momentweise stand dann die Luft richtiggehend, und dann kamen zahllose Wirbel und Knoten hervor. Der Schatten knackscharf. Soll nochmal einer sagen, für Planetenbeobachtung braucht man nen kleinen Apo! *lach*
Jetzt hat mich aber der Ehrgeiz gepackt. Also zurück zu Io (also *nicht* dem Mond...) und nochmal hingekuckt. Ah, da isser ja, der Schatten. Winzig klein, kaum zu sehen. Da kam mir die geniale (sic!) Idee: "Ich könnte ja ein bisschen höher vergrößern!" Was hab ich denn noch. Ach ja, das billige 3,6 mm Kellner, das ich auf'm ITT gekauft hab. Also, rein damit. Na *das* nenn ich deutlich. Okay, ich übertreibe, aber jetzt wo ich wusste, worauf ich achten musste, war der Schatten nicht mehr zu übersehen (bei 133x). In Momenten ruhigen Seeings war er fast wie ausgestanzt. Natürlich kein Vergleich mit Kyklopas, aber wer wird schon einen 24-Zöller mit einem Dreizöller vergleichen? Deutlich war jetzt auch im Nördlichen Äquatorialen Band (bin mit der Terminologie noch ned vertraut, ich hoffe das stimmt) ein großer Wirbel zu sehen - schön mittig. Die nächsten 20 Minuten oder so (echt schwer, die Zeit zu schätzen, wenn man mit voller Begeisterung am Spechteln ist... *smile*) hab ich dann den Jupiter beobachtet. Testweise habe ich auch mal das 2,5er LV rein (192x), aber das war dann doch zu krass für das kleine Richfield-Röhrchen. Hab zwar noch immer alle Details gesehen, aber nichts mehr zusätzlich und das Bild wurde dann doch recht matschig. Als der Mondschatten etwa zur Hälfte über den Planeten gewandert war, wurde ich dann müde und beschloss, bald aufzuhören.
Zum Abschluß habe ich nochmal einen schnellen M 51/81/82 Rundumschlag gemacht (schööööön, trotz kaputter Adaption) und dann noch tief im Osten einen Blick in den Herkules riskiert.
M 13 war superhell und deutlich, aber natürlich nicht aufgelöst - obwohl ich das Gefühl hatte, zum Rand hin bereits einzelne Sterne erahnen zu können. M 92 war schon deutlich schwächer, aber auch recht "knackig".
Jetzt aber ab nach Hause. Geschwind zamgepackt, lichtlos losgefahren (wie praktisch, dass es eine Handbremse gibt - dann müssen noch nichtmal die Bremslichter angeworfen werden!) und hinunter die enge Schotterpiste. 19 bis 01 Uhr, das ist für mich Schwächling fast schon ein Rekord. Den ich bald zu brechen gedenke... *harharhar*
FAZIT: Die alte Weisheit "Öffnung ist nur durch noch mehr Öffnung zu ersetzen" behält im Wesentlichen Recht, man sieht mit einem größeren Gerät immer mehr. Großes ABER: Bei Om stelle ich immer eine gewisse Hemmschwelle fest. Soll ich jetzt im Ernst in die Sternwarte fahren, mit dem Aufzug alle Teile runterbringen und einladen, dann rausfahren, aufbauen, und dann noch 30 Minuten warten während der Spiegel genüsslich blubbert? Das killt nun wirklich die Spantaneität. Deswegen ist Io eine wundervolle Ergänzung zu meinem Röhrenpark. Ich kann im Wesentlichen alles auf einmal in's Auto schleppen und bin vor Ort quasi sofort einsatzbereit. Außerdem: Zum einen kann Io Sachen machen, wo Om das Flattern kriegt, nämlich alles, wofür niedrige Vergrößerung gefragt ist (schon mal RichField mit 1600 mm Brennweite probiert?), und zum anderen ist nichts so wahr wie die Aussage: "Jedes Teleskop hat seinen Himmel". Mit Io beobachte ich einfach ganz anders als mit Om. Bei Om gehe ich auf's Ganze - ich will Details. Bei Io hingegen erwacht mein sportlicher Ehrgeiz: Ich will wissen, was der Kleine alles kann! Und es ist erstaunlich, was schon so ein kleines Röhrchen sehen kann - mehr als nur ein paar Messiers auf alle Fälle!!!
Orange-blaue Grüße, Patrick High Lord of M.O.R.D.O.R.
und natürlich
Blind Io of M.O.R.D.O.R.
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Standort: Astrostation AST, Südlich von München
Grenzgröße: Keine Ahnung, aber ziemlich gut
Seeing: OK
Teleskop: 80/480 Refraktor Typ William Optics Megrez, "Blind Io" (Taufdatum: 6.3.03) auf EQ-3 Montierung
Okulare: - 26 mm Nagler Typ 5 (2")
- 18 mm Meade SWA
- 8,8 mm Meade UWA
- 5,2 mm Pentax SMC XL
- 3,6 mm Kellner "Super"
- 2,5 mm Vixen LV
Sonstige anwesende Spechtler:
Stathis Kafalis (24" Kyklopas), Alex Sieck (10" Selbstbau-Dob), Meinolf Vogt (10" GSO Dob), Peter "sternengucker" (150/750 Newton auf SkyView), Peter *schlagmichtotichweißdennachnamennichtmehr* (10" Eigenbau-Dob), noch einer vom Spiegelschleifkurs - ich hab mir Namen noch nie merken können (großer Gitterrohrdobson, über den ich aber nix weiß. Sah aus wie ca. 14-16"), hoffentlich hab ich keinen vergessen.
Bereits am letzten Donnerstag zog es mich mal wieder raus zum Beobachten. In dieser transparenten, aber unruhigen Nacht habe ich mit meinem 14-Zöller "Om" viele schöne Sachen gesehen, aber leider nicht aufgezeichnet, was genau. Ich erinnere mich an diverse Standards (Saturn, M 42, M 46 (der mit dem Planetary davor), ...).
Nach dieser Beobachtungsnacht bekam ich dann am Samstag endlich mein neues Megrez und wollte es natürlich bald einsetzen. Nachdem der Himmel dann am Dienstag klar war, entschloss ich mich kurzfristig (so gegen 1800), zur AST rauszufahren. Also alles rein in's Auto und los. Nach ner halben Stunde war ich dann da - oben am Taubenberg musste ich dann mit ausgeschaltetem Licht in eine der wenigen verbleibenden Parkpositionen gelotst werden. Unglaublich, wie viel da oben los war!
Okay, kaum angekommen wurde ich dann von den diversen anwesenden Spechtlern (alle bis auf "sternengucker" kannte ich bereits) begrüßt und began hurtig mit dem Aufbau. Was soll ich sagen, inmitten all der aufgefahrenen Dobsongeschütze kam ich mir ein bisserl "klein" vor und wurde natürlich auch höhnisch belächelt, dass ich da mit nem 80 mm Refraktor ankomme und meinen 14-Zöller daheim lasse! *grins* Aber sooo leicht lasse ich mich doch nicht abbringen, also beschlossen "Io" (der zu diesem Zeitpunkt noch nicht getauft war) und ich, es den Großen zu zeigen!!!
Also, 26er Nagler in die Fockelpinne und los ging's. Insgesamt hab ich an diesem Abend über 20 Objekte beobachtet, da möge man es mir verzeihen, wenn ich die Reihenfolge ein bisschen durcheinanderbringe.
M 42 - der Große Orionnebel in seiner vollen Pracht. Klar, mit Om sehe ich mehr, aber trotzdem war das mit Io schon ein wunderschöner Anblick! Im 26er Nagler (bei 18x) war er natürlich eher klein in der Mitte, aber im Gegensatz zu Om hab ich ihn wenigstens ganz im Gesichtsfeld drin und muss nicht rumrudern. Immer wieder ein Muss!
h und chi Persei - Toll. Beide Sternhaufen in einem Gesichtsfeld. Obwohl die beiden relativ tief im Norden standen (also da, wo sich in der Ferne die Großstadt befindet) waren es zwei tolle Häufungen punktfeiner Sterne vor tiefschwarzem Hintergrund. Dahaaahaaamals, als ich vor 6,5 Jahren mit der Astronomie begann, war das eines der ersten Objekte, die ich selbständig aufgefunden hab. Mensch, ich werd alt... *grins*
M 45 - die Plejaden, "winzig" in der Mitte. Bei 4,4 Grad Gesichtsfeld (ca.) passen die ja zehnmal rein! Bei Om hab ich da schon meine Probleme. Schön, so ein kleines Richfield-Röhrchen. Das soll mir dem Stathis sein Kyklopas mal nachmachen!
M 44 - Praesepe. Auch hier galt wieder: Nadelfeine Sterne vor tiefschwarzem Hintergrund. *schwärm*
Wenn wir schonmal in der Gegend sind: Jupiter und Saturn. Saturn war ganz hübsch, war aber schon so weit unten, dass ich bald zu seinem größeren Bruder rübergeschwenkt hab. Bei Jupiter merkt man schon ganz deutlich, dass *mein* Io (also nicht der Mond ;-)) ein recht ein schneller ist, d.h. es war ein deutlicher lila Farbsaum zu sehen. Trotzdem, schlagmichtot, mich stört das einfach nicht so sehr. Jedenfalls waren natürlich die beiden äquatorialen Bänder zu sehen und auch erste Details im 5,2er Pentax (92x), aber erst deutlich später (siehe Io-Schatten) habe ich dann kapiert, dass ich noch höher vergrößern muss, um *viel* mehr an Details rauszuholen.
Jetzt folgten noch diverse offene Sternhaufen:
M 36 und 38 im Fuhrmann - beide in einem Gesichtsfeld. Toll. Meinolf hat mich dann noch drauf hingewiesen, dass unter M 38 noch ein kleinerer Haufen, NGC 1907, zu sehen war. Klar, im Vergleich hatte der keine Chance, aber war auch ganz süß.
M 37 war natürlich auch da. *hechel* Das sagt der Night Sky Observer's Guide dazu:
"NGC 2099 Messier 37 Open Cl.150*
Tr Type II 1 r (Übersetzung: II = Detached; weak concentration toward center | 1 = Small range in brightness | r = Rich (more than 100 stars)), Diameter 20', m5.6v, Brightest Star 9.21v
M 37 is the finest open cluster in Auriga with at least 150 stars from 9th to 12.6th magnitude. It is older and more evolved than M 36, the majority of its bright members being main sequence A-type stars of about -1 absolute magnitude whereas the brightest members of M 36 are B2 and B3 stars with absolute magnitudes near -3. The cluster also contains at least a dozen red giant stars while M 36 has none. Its stars have a total luminosity of about 2,500 suns spread over 25 light years. M 37 was discovered by Messier in 1764.
4/6" Scopes - 75x: This is an excellent cluster, similar in appearance to open cluster M 11 in Scutum. M 37 is bright, large, and very rich with at least 75 stars visible. The stellar density is considerably higher in the inner regions. A lone bright star stands out near the center. Several brighter stars are also noticeable in the southern part of the cluster. M 37 is noticeably richer and more compressed than either open cluster M 36 or M 38. All three clusters are visible to the naked eye under ideal skies."
Ja, Recht haben sie. Wirklich wunderschön, auch wenn ich mal davon ausgehe, dass mit meinem Teleskop etwas weniger Sterne sichtbar waren. Trotzdem: So dicht gepackte schwache, aber nadelpunktfeine Sternchen (den Begriff scheine ich ziemlich häufig zu verwenden... *grins*) sind schon was feines!
Meanwhile in Gemini: M 35. Noch ein offener Haufen. In der Ecke scheint's davon echt zu wimmeln! Daneben irgendwo war dann Collinder 89, ein Winzlingshaufen, aber auch deutlich zu sehen. Lustig: der Night Sky Observer's Guide macht sich nichtmal die Mühe, das Ding für Geräte kleiner als 12 Zoll zu beschreiben... Dabei hat mein Io nur 3,1". Ich dachte auch etwas an der Stelle gesehen zu haben, wo IC 443 (ein schwacher Emissionsnebel) sein soll, aber allmählich glaub ich nicht mehr dran. Dafür dürfte das Teil einfach zu dunkel gewesen sein.
Jetzt waren dann endlich ein paar Galaxien an der Reihe. Ich war schon sehr gespannt, zumal ich ja noch nie mit so einem "kleinen" Röhrchen auf Galaxienjagd gegangen bin. Hier meine Eindrücke:
M 81/82 - LEICHT zu finden. Man peilt einfach grob über den Tubus und schaut dann bei 4,4 Grad Gesichtsfeld durch das Teleskop. Wenn noch nix zu sehen ist, dann rudert man einfach ein kleines bisschen hin und her, und PLOPP, da stehen die beiden Musterknaben, klein aber fein. M 81 ist eindeutig heller, man sieht den hellen Kern und einen schwachen Halo aussenrum. Schön. Aber allmählich muss sich Meinundachzig auch vernachlässigt vorkommen, weil in seiner Nähe halt mein absoluter Liebling steht:
M 82. Schon im Nagler als dünne Spindel deutlich zu sehen, wollte ich doch mal sehen, was ich noch alles rausholen kann. Also, Vergrößerung Hochgeschraubt. Beim 8,8er UWA (54x) bin ich dann geblieben. Darin war M 82 dann noch immer sehr deutlich, und es kamen Details zum Vorschein. Alles natürlich nicht mit der Deutlichkeit, mit der ich ihn in Om sehe, aber der kleine Io hat sich echt wacker geschlagen! Da ich ja M 82 recht genau kenne und wusste, worauf ich achten musste, war dann auch die breite, dunkle Teilung zu sehen. Manche mögen das als Einbildung bezeichnen, glaub ich aber nicht. Io, ich bin stolz auf dich!!! *knuddel*
Dann das selbe Spiel mit M 51 ("Meinundfünfzig"), der Whirlpool-Galaxie. Im 26er Nagler springt einem das Ding einfach in's Auge. Leicht erkennt man beide Kerne (also den von M51 selbst und von NGC 5195) und um den einen Kern herum einen deutlichen Halo. Im Acht-achter UWA war dann alles wesentlich deutlicher, aber mehr Details haben sich natürlich nicht mehr gezeigt. Auch hier wieder ein großartiges "bravo!" an den kleinen Blind Io.
Auf zum Löwen und nach 65/66 gesucht. Wieder der selbe Effekt: Bisschen rumrudern (Io kriegt von mir jedenfalls noch nen Starpointer!) und PLOPP, da sind sie. Beide sehr deutlich als neblige Fleckchen. Daneben bei etwas genauerem Hinsehen dann die längliche NGC 3628. Schön, gleich drei Galaxien im Gesichtsfeld. Ich glaube auch NGC 3593 blickweise erhascht zu haben, bin mir da aber nicht so sicher.
Ein Stückerl weiter in Coma fand ich dann viele winzige Nebelfleckchen (mindestens 4 oder 5), die ich dann nicht mehr ohne weiteres identifizieren konnte. Dafür wurde ich dann von Peter Ichweißdennachnamennichtmehr auf NGC 4565 angesetzt. Hat ein Weilchen gedauert (wie gesagt, ein Starpointer muss her!), aber dann war sie da, dunkel aber eindeutig, und natürlich länglich, wie man die Galaxie halt kennt.
Genug der dunklen Funzeln, jetzt war Zeit für den Io-Schatten auf Jupiter. Gut, Jupi rein, 5,2er Pentax rein. Hmm, nix. Zwischenzeitlich hat auch Stathis sein 24" Ungetüm rüberbewegt und spechtelt delektierlich den Jupiter, also rasch rüber und schamlos ausnützen. Ah, das ist deutlich. Und diese Fülle an Details! Zwar war das Seeing nicht toll, aber momentweise stand dann die Luft richtiggehend, und dann kamen zahllose Wirbel und Knoten hervor. Der Schatten knackscharf. Soll nochmal einer sagen, für Planetenbeobachtung braucht man nen kleinen Apo! *lach*
Jetzt hat mich aber der Ehrgeiz gepackt. Also zurück zu Io (also *nicht* dem Mond...) und nochmal hingekuckt. Ah, da isser ja, der Schatten. Winzig klein, kaum zu sehen. Da kam mir die geniale (sic!) Idee: "Ich könnte ja ein bisschen höher vergrößern!" Was hab ich denn noch. Ach ja, das billige 3,6 mm Kellner, das ich auf'm ITT gekauft hab. Also, rein damit. Na *das* nenn ich deutlich. Okay, ich übertreibe, aber jetzt wo ich wusste, worauf ich achten musste, war der Schatten nicht mehr zu übersehen (bei 133x). In Momenten ruhigen Seeings war er fast wie ausgestanzt. Natürlich kein Vergleich mit Kyklopas, aber wer wird schon einen 24-Zöller mit einem Dreizöller vergleichen? Deutlich war jetzt auch im Nördlichen Äquatorialen Band (bin mit der Terminologie noch ned vertraut, ich hoffe das stimmt) ein großer Wirbel zu sehen - schön mittig. Die nächsten 20 Minuten oder so (echt schwer, die Zeit zu schätzen, wenn man mit voller Begeisterung am Spechteln ist... *smile*) hab ich dann den Jupiter beobachtet. Testweise habe ich auch mal das 2,5er LV rein (192x), aber das war dann doch zu krass für das kleine Richfield-Röhrchen. Hab zwar noch immer alle Details gesehen, aber nichts mehr zusätzlich und das Bild wurde dann doch recht matschig. Als der Mondschatten etwa zur Hälfte über den Planeten gewandert war, wurde ich dann müde und beschloss, bald aufzuhören.
Zum Abschluß habe ich nochmal einen schnellen M 51/81/82 Rundumschlag gemacht (schööööön, trotz kaputter Adaption) und dann noch tief im Osten einen Blick in den Herkules riskiert.
M 13 war superhell und deutlich, aber natürlich nicht aufgelöst - obwohl ich das Gefühl hatte, zum Rand hin bereits einzelne Sterne erahnen zu können. M 92 war schon deutlich schwächer, aber auch recht "knackig".
Jetzt aber ab nach Hause. Geschwind zamgepackt, lichtlos losgefahren (wie praktisch, dass es eine Handbremse gibt - dann müssen noch nichtmal die Bremslichter angeworfen werden!) und hinunter die enge Schotterpiste. 19 bis 01 Uhr, das ist für mich Schwächling fast schon ein Rekord. Den ich bald zu brechen gedenke... *harharhar*
FAZIT: Die alte Weisheit "Öffnung ist nur durch noch mehr Öffnung zu ersetzen" behält im Wesentlichen Recht, man sieht mit einem größeren Gerät immer mehr. Großes ABER: Bei Om stelle ich immer eine gewisse Hemmschwelle fest. Soll ich jetzt im Ernst in die Sternwarte fahren, mit dem Aufzug alle Teile runterbringen und einladen, dann rausfahren, aufbauen, und dann noch 30 Minuten warten während der Spiegel genüsslich blubbert? Das killt nun wirklich die Spantaneität. Deswegen ist Io eine wundervolle Ergänzung zu meinem Röhrenpark. Ich kann im Wesentlichen alles auf einmal in's Auto schleppen und bin vor Ort quasi sofort einsatzbereit. Außerdem: Zum einen kann Io Sachen machen, wo Om das Flattern kriegt, nämlich alles, wofür niedrige Vergrößerung gefragt ist (schon mal RichField mit 1600 mm Brennweite probiert?), und zum anderen ist nichts so wahr wie die Aussage: "Jedes Teleskop hat seinen Himmel". Mit Io beobachte ich einfach ganz anders als mit Om. Bei Om gehe ich auf's Ganze - ich will Details. Bei Io hingegen erwacht mein sportlicher Ehrgeiz: Ich will wissen, was der Kleine alles kann! Und es ist erstaunlich, was schon so ein kleines Röhrchen sehen kann - mehr als nur ein paar Messiers auf alle Fälle!!!
Orange-blaue Grüße, Patrick High Lord of M.O.R.D.O.R.
und natürlich
Blind Io of M.O.R.D.O.R.
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