Beobachtung mit dem Fernglas in der Stadt - was darf ich erwarten?

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Z-Boson

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Hallo zusammen! :)

Für meinen Einstieg in die Himmelsbeobachtung habe ich in den letzten Tagen viel über die Fernglasastronomie gelesen.
Im Buch "Astronomie mit dem Fernglas" sind viele Objekte aufgelistet, die man wohl bereits mit einem 10x50 finden kann. Hoch motiviert war ich kurz davor mir ein 10x50 Glas zu bestellen... als dann doch die Frage aufkam: Wieviel von den Objekten kann ich wohl von meinem Standpunkt aus finden? Lohnt sich die Anschaffung?

Ich wohne in Münster (Westf). Bortle 4-5 in meiner Ecke, soweit ich die Lightpollutionmap richtig gelesen habe.
Es wurde ja schon öfters die Frage gestellt "Lohnt sich ein Teleskop in der Stadt?" und oft ist die Antwort "Also Mond, Planeten und ein paar helle Deep Sky Objekte kannste schon sehen.".
Das Gleiche gilt wahrscheinlich auch fürs Fernglas!? Wieviel sind denn ein "paar helle DS Objekte" ungefähr? :unsure:
Gerade das Suchen und Finden von z.B. Messier Objekten reizt mich. Sollte es da aber nur eine Handvoll lohnenswerter Ziele geben, würde die Motivation wahrscheinlich nicht sehr lange halten.
Mobil bin ich nicht, daher werde ich auch nicht oft die Gelegenheit haben weiter raus zu fahren - höchstens mal mit dem Rad an den Stadtrand.

Ich habe mal in Stellarium ein 10x50 FG und Lichtverschmutzung "5" simuliert. Kann ich ungefähr das erwarten, was die Bilder zeigen? (natürlich nicht in Farbe und etwas unschärfer)
Hier die Screenshots (Imgur Album) - M81 & M82 / Andromeda / Omega Nebel & Sagittarius Sternwolke

Also zusammengefasst: Was kann ich von einem Fernglas in der Stadt erwarten?

Gruß
Guido
 
Mit der Öffnung eines Fernglases und dem hellen Stadthimmel ist Deep Sky fast nicht möglich - Bortle 4-5 hieße aber, die Milchstraße ist sichtbar. Ist das bei Dir so?

lg
Niki
 
Hey Niki, nein, die Milchstraße ist hier nicht sichtbar. Vielleicht müsste ich mir dafür mal ein dunkles Plätzchen in der Umgebung suchen, mir etwas Zeit zur Dunkeladaption nehmen und das überprüfen.
Die Angabe habe ich der Lightpollutionmap entnommen. Am Stadtrand wird Bortle 4 angegeben.

ms2.PNG
 
Schwierige Frage.

Grundsätzlich kann man recht viel aus der Stadt sehen. Ich schaue aus dem nördlichen Berlin und sehe mir gerne den Himmel mit dem Fernglas an. Auch mal mit 8x30 und selbst da geht eine ganze Menge. Schätzungsweise den halben Messierkatalog sollte man sehen können, plus weitere 10-20 Objekte, die nicht dazu gehören. Wenn auch häufig nur als helle Fleckchen. Aber dieses Finden macht auch schon Spaß. Und vielleicht insgesamt 20-30 Objekte sind auch aus der Stadt eindrucksvoll.

Lichtverschmutzung ist das eine, Zittern das größere und Rundumsicht ebenfalls ein gravierendes Problem in der Stadt. Ich würde mir daher zuerst ein paar andere Gedanken machen:

Von wo aus schaue ich. Wieviel Himmel kann ich sehen, wie ist die Horizontsicht. Pfeift da der Wind oder bin ich geschützt. Kann ich Sitzen oder muss ich stehen usw.

Dann die schwierigste Frage: Wie kriege ich das Bild im Fernglas ruhig. Stativ? Mit Ausleger und Liegestuhl kann das halbwegs bequem sein, es sei denn, man muss ständig aufstehen und alles herumrücken um in eine andere Richtung zu sehen. Oder Parallelogrammmontierung und stehen? Kann sogar bequemer sein, wenn man nicht stundenlang beobachten will.
Ein einfacher Neigekopf wird oberhalb von ca. 50° jedenfalls anstrengend, ein Kugelkopf nervt noch viel schneller.

Als letztes würde ich mir dann über das Fernglas Gedanken machen. Lohnt sich ein Fernglas nur für Sterne? Wieviel darf es wiegen, wenn es auch mal mitgenommen werden will? 10x ohne Stativ kann tagsüber klappen, aber Sterne sind winzige Pünktchen, an denen sich unsere gehirnbasierte Bildstabilisierung nicht recht festhalten kann. Doch lieber 7x oder ein stabilisiertes Fernglas? Oder wenn schon ein Stativ eingeplant wird, warum dann nicht 15, 16, 18 oder 20x?

Du siehst, das Thema ist komplex. Aber die Situation ist nicht aussichtslos. Ich würde einfach irgendein Fernglas ausleihen und zunächst ohne Investition anfangen. Du merkst dann schon recht schnell, ob es Dich packt. Bei mir eskalierten ein paar eindrucksvolle Blicke auf Jupiter und die Plejaden zu einem kleinen Doppelteleskop und einem Dutzend Okulare...

Viele Grüße
Sebastian
 
Hallo Sebastian, danke für deine ausführliche Antwort. Das macht ja schon wieder etwas Mut :)

Ich habe hier in der Nähe ein Feld wo die Rundumsicht recht gut ist. Das Fernglas soll ausschließlich der Himmelsbeobachtung dienen. Ein gutes Stativ mit Neigkopf und ein Klapphocker sind vorhanden und ich würde voraussichtlich auch überwiegend damit beobachten. Bei meinen Recherchen habe ich gelesen, dass bei mehr als 10facher Vergrößerung die Orientierung schwer wird.. daher habe ich erstmal an ein 10x50 gedacht. Du würdest also zu mehr Vergrößerung raten? (ein stabilisiertes sprengt leider mein Budget, ich plane so ca. 200€ für den Fernglaskauf)
 
Mit Hocker unter einem Stativ klingt schon mal plausibel, ebenso wie der vorgesehene Platz.

Übersicht und Erkennbarkeit von schwachen Objekten stehen tatsächlich etwas gegeneinander. Mein Nikon EII zeigt mit bei 8x einen Himmelsausschnitt von 8,8°, viel mehr geht mit einem Handfernglas nicht. Wegen des großen Gesichtsfeldes kann ich das auch noch gut aus der Hand nutzen. Damit sieht man halbe Sternbilder und kann sich hervorragend orientieren.

Die Sternhaufen im Fuhrmann z.B. sehen aber schon bei 12x deutlich interessanter aus. Da zeigen die meisten Gläser noch etwa 5° vom Sternhimmel. Bis etwa 2,5° kann ich mich als mäßig engagierter Amateur mit dem Gerät am Himmel noch gut orientieren. Erst darunter wird es dann ohne Hilfsmittel schwierig.

Bei 200 Euro verzieht sich mein Gesicht allerdings schmerzhaft. Nicht weil man dafür nichts irgendwie brauchbares bekäme. Aber es ist eben auch nicht wenig Geld für suboptimales Material, welches bereits zu Tausenden in irgendwelchen Schränken verstaubt. Da würde ich eher empfehlen, jemandem sein wenig gebrauchtes Olympus DPS1 für unter 50 Euro abzukaufen. Das ist einfach schon da und was deutlich besseres bekommt man auch für 200 € Neupreis eher nicht.

Oder eben ein 12x50. Da habe ich keinen konkreten Tipp in Deiner Preisklasse, aber da findet man sicher was, erst recht gebraucht.

Viele Grüße
Sebastian
 
dass bei mehr als 10facher Vergrößerung die Orientierung schwer wird..

Man kann schon das Peilen mit den Augen über und das Fernglas dann hineinschwenken... vorausgesetzt, man weiß, wo man hinzielt am Himmel. Wenn man die Lage des Objekts nicht anhand der Sternbilder ungefähr findet, dann sucht man oft lange herum mit dem Glas. Oder man montiert noch einen kleinen Leuchtpunktsucher, das ginge auch.

Ideal für Deine Vorstellung von Flexibilität wäre eventuell ein kleineres, gebrauchtes Glas mit Wechselokularen und Schrägeinblick (das ist nackenschonender), aber das liegt preislich leider wesentlich höher. Interessant wäre zB ein 70mm und später 2 verschiedene Okularbrennweiten - das würde das Spektrum der Beobachtungen (weites Feld oder größere Vergrößerung) besser abdecken. Stativ mit Neiger ist ja vorhanden. Vielleicht gibt es so etwas hie und da gebraucht...

zB APM 70mm 45° Fernglas mit Okularset UF18mm

kg
Niki
 
Servus Guido,
ich nutze seit 1 Jahr ein 10x50 für die Messierjagd- andere Optiken habe ich nicht.
Ich bin schon öfter zu Bortle 5-fast 4 Standorten rausgefahren (Neundorf, Gemeinde Sugenheim im Steigerwald).
Da fängt der Spaß aber m.E. erst an. Man sieht dann schon etliche Formunterschiede der Galaxien, z.B. Bode's vs ZigarrenGlx, Sombrero, Sculptor, Leo Triplet... ab 8,5mag sind es aber unförmige Fleckchen (WhirlpoolGlxM51, M101,63,94 beim Gr. Wagen) und bei 9mag ist mit 10x50 dort Ende.
Der Nordamerikanebel geht gerade so, auch Cirrus, Helix u (ganz schwach) Krebsnebel; Californianebel garnicht.
Der Hammer ist natürl immer das Milchstraßenzentrum.

Leider stimmt die Bortle-Angabe bei der lightpollutionmap NICHT. Sie zeigt Dir fast überall falsche Bortle 4 an.
Und somit, und da Du ja nicht mobil bist wird das mit DeepSky eher enttäuschend.
Auf angehängter Karte sollten meiner prakt. Erfahrung nach erst die grünen Zonen sicher Bortle 5, manchmal 4 bieten.
Screenshot_20200923-075825.png


und oft ist die Antwort "Also Mond, Planeten und ein paar helle Deep Sky Objekte kannste schon sehen.".
Das Gleiche gilt wahrscheinlich auch fürs Fernglas!?
Nein. Ferngläser sind relativ zu ihrer Öffnung lichtstarke, weitwinklige Optiken; sie bieten relativ zur Öffnung wenig Vergrößerung.
Sie sind ideal um entfernte dunklere Gegenden aufzusuchen, da einfach zu transportieren. Und gut als Ergänzung zu einem Teleskop mit sehr langsamen Öffnungsverhältnis (f/10-f/15 Cassegraintypen z.B.).

Was stadtnah noch geht sind die offenen Sternhaufen: Plejaden, h&chi Persei, Fuhrmannkette(schon schwächer), Praesepe im Krebs u.a.
Der Hantelnebel im Schwan u. natürlich Andromeda, M33Glx u Orion sind auch noch drin; und die zahlreichen, aber im Fg unspektakulären Kugelsternhaufen.
Für die Jupitermonde u. Mondkrater (in der Stadt natürl. kein Problem) braucht man unbedingt ein Stativ !

CS :) . Simon
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich würde einfach irgendein Fernglas ausleihen und zunächst ohne Investition anfangen.

Exakt. Das Theoretisieren darüber kann zu richtigeren oder falscheren Erwartungen führen. Wie soll man beschreiben, was Du erwartest WIE zu sehen, Guido? Macht dich ein sehr kleines, verwaschenes Fleckchen glücklich? Manche lieben es, wenn sie einen kleinen Nebel von einem Stern unterscheiden können, aber ist das genau das, was Du sehen willst? Das da etwas IST, aber sehr klein und unscharf?

Sternhaufen? Die sind prächtig und möglich, da hell genug. Wie Simon sagte. Plejaden, h&chi Persei...
Mond? Klar.

Aber warum nicht obigen Tipp von Sebastian ausprobieren - kennst Du jemanden mit einem Fernglas oder einen Händler, um mal eines auszuborgen? Oder hast Du einen Astro-Verein in Deiner Nähe? Dort würde ich in der Praxis das ausprobieren, was wir hier theoretisch beschreiben... das wäre treffsicherer. :)

lg
Niki
 
Hi Guido,

also ich finde das auch echt schwierig. Wenn du mehr beobachten willst, ist ein richtiges Teleskop meiner Meinung besser.
Ich habe (wie jeder Amateur-Astronom) ein paar FGs aber auch einige richtige Teleskope.
Ich kenne auch zu mindestens ein Buch über FG-Astronomie.
Da wird das selbstverständlich sehr motivierend und toll dargestellt (sonst bräuchte man ja so ein Buch gar nicht schreiben ;) ).

Aber ich wurde eigentlich mit FG Astronomie nie warm.
Klar zum Beobachten von Kometen und mal schnell in den Himmel schauen sind sie super und unersetzlich.
Aber um zB die Messier Objekte zu beobachten würde ich immer ein Teleskop nehmen.
Das ist moniert und du kannst das Objekt sauber finden und auch besser und länger beobachten.

Es gibt definitiv Leute die benutzen das FG sehr sehr gern und ausschließlich. Weißt du aber ob du dazu gehörst?

Sorry, macht deine Entscheidung vielleicht nicht einfacher.

Aber vergiss nicht, nur Öffnung zählt! ;)

Gruß
Peter
 
Ich bin gestern mal mit meinem 9x25 rausgegangen und habe Andromeda gefunden und zum ersten mal gesehen. Wirklich nur ein sehr kleines, verwaschenes Fleckchen.. aber irgendwie ein tolles Gefühl :)
Dabei ist mir aber auch erstmal wirklich aufgefallen, wie aufgehellt der Himmel hier ist. Bortle 4-5 kommt wirklich nicht hin.

Das ich also doch nicht allzu viel von der FG Beobachtung hier in der Stadt erwarten darf, ist mir klar geworden.
Daher werde ich mir, wie Sebastian vorgeschlagen hat, das günstige Olympus DPS1 10x50 zulegen und mein restliches Budget für ein Teleskop zurücklegen (dann hauptsächlich zur Mond & Planetenbeobachtung).

Bei nächster Gelegenheit werde ich auch mal ein Treffen der Sternenfreunde Münster besuchen.

Danke für eure Antworten und Anregungen!
Lg
Guido
 
Na das ist doch mal ein Erfolg! :y:

So komisch es klingt, aber 9x25 ist gar nicht doof für eine lichtverschmutzte Gegend.

Die Austrittspupille ist dann klein, aber das stört nicht, weil eine Anpassung ans Dunkle sowieso keine Vorteile bringt. Dunkeladaption kostet Auflösung, weil wir weniger Stäbchen als Zapfen im Auge haben. Weiter geöffnete Pupillen machen zudem Fehler Deiner Augen deutlicher, weil auch schon die Randbereiche der Augenlinsen mit genutzt werden.

Durch die kleine Austrittspupille wird der Hintergrund abgedunkelt und der Kontrast von ausreichend hellen Objekten steigt tendenziell. Den Mond, Jupiter als Scheibchen mit Mondpünktchen, offene Sternhaufen und Assoziationen wirst Du damit gut ansehen können. Selbst ein paar Galaxien, Kugelsternhaufen und die hellsten planetarischen Nebel werden sich zumindest als Fleckchen finden lassen. (Andromeda ist übrigens ein echt schwieriges Beobachtungsobjekt, da enttäuscht meistens sogar der Blick durch ausgewachsene Teleskope.)

Alles in allem würde ich vorläufig beim 9x25 bleiben, wenn Dich nicht irgendwelche Sachen daran nerven. Viel mehr wird Dir unter diesen Bedingungen auch ein 10x50 nicht zeigen. Im schlimmsten Fall wird nur der Himmelshintergrund heller und verschluckt damit die paar mehr Sterne, die das Glas eigentlich zeigen könnte.

Und dann musst Du schauen, am besten bei den Sternfreunden, wohin Deine Reise geht. Lass Dir da aber auch nichts einreden. Jeder Hobbyastronom hat irgendwann irgendwo sein persönliches Optimum gefunden und wird das als Nonplusultra ansehen. Wo Deins liegt, kannst nur Du selbst herausfinden.

Viele Grüße
Sebastian
 
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