Beobachtungen im Spessart

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Lots

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Hallo Astrofreunde,

am Samstag trafen sich Markus, Christian, Wofgang und meiner Einer zur x-ten Spessart Starparty. Es war wieder ein gelungener Abend. Ich poste hier einfach mal Christians und meine Eindrücke.

Moin miteinander,

nach laanger, sehr laaaanger Zeit der hellen Nächte war - nachdem Lots ein
Bad Orb Treffen initiiert hatte - endlich mal wieder Gelegenheit
einen prächtigen Landhimmel zu bewundern.

Leider waren zahlenmässig weniger Leute da als erwartet und die die da
waren waren nicht alle glücklich, doch im einzelnen:

Punkt 23:00 war ich diesmal der erste am Platz und hievte meinen 8" GSO
auf die Gabel, gleich darauf kamen auch Lothar&Wolfgang an und
montierten flugs den edlen 115mm TMP-Apo.

Markus hatte sich schon vor geraumer Zeit telefonisch von der Autobahn
gemeldet, kam aber merkwürdigerweise fast 45 Minuten später erst an.
Der Grund war schnell klar als wir seine Miene sahen: Innerhalb von 48h
war ihm nun schon zum 2. mal ein Hase kurz vor Bad Orb ins Auto gerannt.
Das linke Vorderrad hing nun schief. Sein Kommentar "Das glaubt mir die
Versicherung doch nicht schon wieder :-("
Zu allem Unglück hatte er auch den falschen Abweiger genommen (mea culpa
Markus!) und war - vorbei an Wildschwein-Horden und anderem Getier
- durch den Wald bis fast nach Steinau geraten bis er doch schlussendlich
bei uns ankam...

Thomas&Dirk wir haben Euch in Steinau spielen hören vom Beobachtungsplatz
aus! Insofern war klar dass Ihr nicht kommen würdet...

Der Rest war ja wohl krank (Olaf) oder musste Babysitten (Klaus) sodass
wird nur zu viert den Himmel genossen. Es wurde auch Zeit, da der Halbmond
schon bald aufzugehen drohte.

Aber die Milchstrasse zeigte sich in einer seltenen Pracht, sehr deutlich
die Teilung, Schildwolke, die Sternwolke M24 auch Nordamerika usw. mit
Auge sichtbar.
Sowohl im 8" Dob wie 4.5" TMB, wie auch 5" Bino waren alle Objekte
(Schwan- Adler- Lagune- Trifid- Nordamerika usw.) einfach eine Wucht.
Wir spechtelten relativ wahllos umher, einfach um die Objekte zu geniessen!

Wieder einmal zeigte die TMP-Optik eindrucksvoll, wie Abbildungsschärfe
einen Teil der geringeren Öffnung (im Vergleich zum 8") unter einem guten
bis sehr guten
Himmel wieder wettmachen kann. Dass ein Refraktor die ästhetischere
Sternabbildung hat versteht sich von selbst.
Mein 8" konnte dann aber wieder punkten mit UHC-Nagler Okular. Bei nur 25x
war der Nordamerika + Pelikan sowie beide Cirrusbögen oder Lagune+Trifid
komplett im über 3° grossen Gesichtsfeld zusehen und das schon ohne Filter
wie sonst nur mit Filter.
Von den Socken war ich aber selber als ich den gamma-Cygni-Nebel mit
UHC+Nagler versuchte. So hatte ich ihn zuletzt mit dem 15" Dob in den
Alpen vor 2 Jahren
gesehen. Nebelfetzen ohne Ende über mehrere Grad am Himmel.
Glücklicherweise bin ich kein Zeichner...

(Vielleicht war ich auch einfach deswegen so enthusiastisch, weil ich
schon lange keinen dunklen Himmel hatte...)

Am Besten hat mir der Lagunennebel und Nordamerika im 5" Bino gefallen.
Dort war wieder dieser misteriöse aber tollle 3D-Effekt da, der alles so
plastisch machte.

Dann leider ging der Mond auf, schnell und unerbittlich. Zwar war die
Milchstrasse immer noch da, aber mit der Pracht wars halt vorbei. Wolfgang
testete daher nun
mein 3-6mm Nagler Zoom an seinem TMP-APO und ich hatte nacher Mühe es ihm
wieder zu entreissen ;-))

Mein 8" GSO (trotz einwandfrei gestrählter Optik) machte an Mars aber
keinen Spass. Fangspiegelstreben, Obstruktion, Tubuseeing und die über
allem drohenden
f/4 Justagetoleranzen vermatschen den Mars deutlich. Welch ein Unterschied
dagegen im TMP :-)
Sinus Sabaeus (ich habs nachgeschlagen) reckte sich deutlich und die
Polkappe zeigte erste Ansätze von Substrukturen.

Im 5" Bino kam Mars naturgemäss (da f/5 Chinesen-Achro) nicht ganz so
doll, insbesondere der Violettsaum störte ästhetisch.
Verblüffend war aber nacher der Effekt, als Markus flugs aus seinem 5"
Achromat einen 3" Fluorit zauberte. Mit den passend geschnittenen Löchern
war plötzlich alle Farbe wie weggezaubert. Wenngleich mir der Effekt aus
der Theorie bekannt ist, in der Praxis ist er jedoch sehr frappant:

Das Bild war nun etwas dunkler, hatte aber den angenehmen Nebeneffekt,
dass Mars nun nicht mehr überstrahlt war.
Ich fand, dass Mars nun noch weniger zappelte und ähnlich viel Details
zeigte wie im TMP-Apo, wohl eine Ursache der 2 Röhren die
unterschiedliches Seeing sehen,
was im Auge dann gemittelt wird (also das was man sonst mit Webcam+Giotto
zu Fuss macht)
Am Mondrand - sonst Härtetest für Farbsäume - war die Farbe ebenfalls
komplett weg, so stark dass Markus nun ernsthaft überlegt, seinen 60ér
Fluorid-Tak wieder
zu verkaufen!

Damit neigte sich die Nacht zu Ende und Markus & ich liessen sie noch bei
einer leckeren Portion ChickenWings im Brugerking ausklingen, bis uns die
Putzmannschaft rausschmiss.

So long, Christian

Hi Christian,

ein sehr schöner Bericht von dir, der den Abend treffend beschreibt.
Ich fasse gerade mal kurz das Gesehen von Wofgang und mir zusammen.

Wolfgang hatte ja seinen 115f/7 Strehl 99% Apo auf GP-DX/
Berlebachholzsstativ dabei und ich war mit einem Billig 20-60/70mm
Spektiv auf einem Fotostativ dabei.

Die Milchstraße war ab 11:30 die Wucht. Die Dunkelwolken in der
Eideche/Schwan und Adler waren super zu sehen. Die visuelle
Grenzgröße lang bestimmt weit jenseits von 6m! Die Milchstraße ging
runter bis zum Schützen. M24 bei 20x im APO war fantastisch, da
klitzerten hunderte wenn nicht gar Tausende Sterne im 40mm Pentax
Okular. Besonders schön war auch M22 im 8.8mm UWA und dem 5.2mm
Pentax. Der Kugelsternhaufen war bis ins Zentrum aufgelöst und
braucht sich vor M13 wirklich nicht zu verstecken (den hatten wir zum
Abschluß um halb zwei auch noch mal im Okular). Auch der Trifid-Nebel
zeigte seine Teilung bei 91x im 8.8mm Meade UWA. Der Lagoonennebel
verbarg sich jedoch hinter einem Baum. Der Schwannennebel M17 war bei
91x atemberaubend auch M16 machte eine gute Figur.

Dann kurz ein Ausflug zu Christians 8"f/4 GSO-Newton auf einer
Gabelmontierung. Das ist wahrlich ein feines Ritsch-field Gerät. Ich
habe glaube ich NGC7000 sowie den Cirrusnebel mit Pickerings Triangle
noch nie so Detailreich gesehen. Wirklich schöne Nebelfetzen im
Okular. Auch NGC 6888, der Crescent Nebel war wunderschön sichtbar.

Zurück zu Wolfgangs Apo. Im Sternbild Drachen ginge es dann bei Jota
Draconis den beiden Galaxien NGC5982 und NGC5985 an den Kragen, zwei
neue Herschelobjekte (komme jetzt auf 220 von 400). Die beiden GX
haben eine Helligkeit von ca. 12m. Während NGC5985, die kleinere,
fast runde GX von beiden jedoch leicht direkt im Apo mit dem 14.4mm
UWA sichtbar war, war die etwas größere nur indirekt sichtbar, da
ihre Flächenhelligekit bei 14m/' liegt.

Gerade noch rechtzeitig, den um halb eins ging schon der orange rote
Halbmond im Osten auf und es wurde schlagartig heller. Die
Milchstraße fing an zu verblassen und Mars arbeitete sich langsam
höher.

Mars und Uranus.

Der Anblick von Mars ab 1 Uhr in Wolfangs Apo war berauschend. No nie
habe ich soviele Details auf unseren Nachbarplaneten gesehen wie dort.
Die Polkappe und dunkle Strukturen waren besonders schön im 5,2mm
Pentax, aber noch besser im 3-6mm Nagler Zoom zu sehen. Zeichner
hätten hier wirklich zu Blatt bringen können. Das Seeing spielt auch
mit und war ganz ordentlich. Leider hatten wir keine Marskarte vor
Ort um das Gesehene nachzuverfolgen.

Auch Uranus hatten wir kurz mal im 5,2mm Pentax drinn, immerhin war
eine grünlich-gelbe Färbung sowie die Scheibenform gut zu erkennen.

Plötzlich kam die ISS hervor und Christian und Markus ranten zu ihren
Geräten um sie durchs Fernrohr zu beobachten. Während Wolfgang und
ich uns mit dem Anblick mit dem bloßen Augen begügten.

Ach so was was den mit meinem 70mm Zoom Spektiv. Naja, M32, M51, M22
und M8 sowie M24, M25 und M23 und auch M13 habe ich damit mal kurz
anvisiert. Ich bin aber von der optischen Qualität sowie dem
Eiblickverhalten nicht sonderlich begeistert, so daß ich das Teil
wohl wieder zurück geben werde.

Es war wieder mal ein sehr schöner, gelungener Abend. Bis zum
nächsten Mal...

Gruß

Lothar
 
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