Beobachtungen mit einem feinen Zweizöller

Presto

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Gestern Abend waren bei uns nur wenige Wolken zu sehen, so dass ich meinen 50 mm f/16 Sightron D50L auf den Sternenhimmel richten konnte. Beobachtet wurden

die folgenden offenen Sternhaufen:

• NGC 869 und 884 (Doppelsternhaufen im Perseus)
• NGC 457
• M 103
• NGC 663

und die folgenden Doppelsterne:

• Beta Cygni (Albireo; mag 3.0 / 5.1; sep 34.7“)
• Gamma Delphini (mag 4.3 / 5.0; sep 8.8“)
• 15 Aquilae (mag 5.4 / 6.8; sep 39“)
• Eta Cassiopeiae (mag 3.4 / 7.4; sep 13.6“)
• Epsilon Bootis (mag 2.5 / 4.8; sep 2.9“)
• Epsilon 1 Lyrae (mag 5.0 / 6.1; sep 2.2“)
• Epsilon 2 Lyrae (mag 5.2 / 5.4; sep 2.4“)

Der Sightron D50L zeigte gestochen scharfe Sterne, wie ich sie von meinem Takahashi FC100DZ kenne. Der Doppelsternhaufen im Perseus war im 30 mm 68° TMB Paragon Okular sehr schön eingerahmt und ganz wunderbar im 20 mm 85° Masuyama. Und ich war überrascht, wie viele Sterne ich in NGC 663 erkennen konnte.

Albireo war ein Traum. Besonders bemerkenswert ist, dass die Farben der beiden Komponenten von Albireo deutlicher zu erkennen waren als mit Instrumenten größerer Öffnung, ohne dass ich das Bild leicht unscharf einstellen musste, wie es häufig zur Hervorhebung der Farben empfohlen wird.

Epsilon Bootis wurde einwandfrei getrennt. Hierfür benötigte mein fast 75 Jahre altes Beobachtungsauge allerdings eine 200-fache Vergrößerung (4 mm Takahashi TOE; Austrittspupille 0.25 mm!). Selbst bei dieser „Übervergrößerung“ waren in den Augenblicken ruhiger Luft die Beugungsscheibchen kreisrund, hart und von einem ebenfalls kreisrunden, zarten Beugungsring umgeben. Die orange Tönung der helleren Komponente und phasenweise auch die bläuliche Tönung des Begleiters waren zu erkennen.

Für Epsilon 1 und 2 Lyrae habe ich ebenfalls eine 200-fache Vergrößerung benötigt. Eps 1 Lyr war länglich, aber nicht klar getrennt zu sehen. Dagegen konnte der Sightron Eps 2 Lyr deutlich trennen; zu sehen waren zwei sich berührende Beugungsscheibchen, die einen klassischen „Schneemann“ bildeten.

Der Sightron D50L hat eine herausragende Abbildungsqualität und macht jede Menge Spaß!

D50L-2.jpg

D50L-4.jpg
 
Hallo Ulrich,

danke für Deinen schönen Bericht. Auf Deinen Fotos ist ein weiterer Vorteil eines solchen Geräts auch gut zu sehen: durch das leichte Objektiv bleibt die Einblickposition nahe an der Achse der Montierung. Das war eine Sache, die ich an meinem alten Vixen 60L aus den 1990er auch mochte.

Was mich an der Technik noch interessieren würde: hast Du kritisch untersucht, an welcher Stelle im Gesichtsfeld die Schärfe im Masuyama 85° 20mm Okular nachlässt? Ich habe das an meinem TSA 102/816 am Doppelstern Polaris untersucht, der in Bildmitte im Masuyama 20mm (41x) knackig und weit getrennt ist: an einem Punkt 75% weg vom Zentrum kann ich den Begleiter nicht mehr fassen. Der für die TSA und TOA gerechneter Takahashi 1,5x Extender (somit 61x), der nach meinem laienhaften Verständnis das Öffnungsverhältnis auf F/12 bringt, hilft nur marginal, der Begleiter ist bei 80% weg vom Bildzentrum nicht mehr zu fassen. Wie ist das mit Deinem nativen F/16?

Zurück zur visuellen Beobachtung: ich möchte Dir Almach/Alamak (Gamma And - 2m3/5m0 9,5") als Ziel für Dein 50L wärmstens empfehlen, ruhig bei hoher Vergrößerung. Mir macht es immer wieder Freude, in meinem 60mm Refraktor mit einem guten Ortho bei 150x die gestochenen, wegen der kleinen Öffnung großen Beugungsscheiben mit ihrem feinen Farbkontrast anzuschauen. Ich nehme das häufig als Abschlussobjekt in einer Beobachtungsnacht.

Beste Grüße, Christopher

PS: Habe gerade eine Besprechung im BBC Sky at Night Magazine angeschaut in der die kurze Variante, das Infini 50D, mit einer Brennweite von 540mm F/10,9 vorgestellt wird - und von der Trennung von allen vier Komponenten in Epsilon Lyrae im Spätsommer 2025 gesprochen ;)

Wo gibt's eigentlich das Sightron 50L und was kostet es? Es ist offenbar (hoffentlich!) ein ganz anderes Tier als das Vixen New Sirius 50L (ebenfalls 50/800), das den Ruf solcher Teleskope nachhaltig geschadet hat.
 
Zuletzt bearbeitet:
Guten Abend Ulrich,

wie schön, vielen Dank für Deine Zeilen!

In exakt derselben Ecke war ich gestern Abend auch unterwegs, allerdings mit dem 4-zölligen Tak.

Besonders interessant finde ich Deine Beobachtungen bezüglich der Farben an Albireo, da ich selbst sehr oft mit kleiner Apertur unterwegs bin. Da möchte ich speziell drauf achten in Zukunft.

Mich haben gestern nacht leider mein Hausgiebel (im Osten) und die Wolken (von Norden her) geärgert. So konnte ich erst spät loslegen, war am Ende aber trotzdem glücklich mit dem, was ich sah. Es ist eine hübsche Ecke am Himmel. Vor allem H & Ch persii sind halt einfach unbeschreiblich schön, in fast jedem Instrument, sofern genug drumherum ist.

Leider war ich um halb drei dann einfach zu müde, um Saturn zu zeichnen, der den Reigen gestern Nacht für mich geschlossen hat.

Da capo mit den kleinen Öffnungen!

Schöne Grüße,
Urs
 
Hallo Christopher,

mit dem F/16-Sightron ist das Bild im 20 mm 85° Masuyama nahezu bis zum Rand des Gesichtsfeldes scharf: Ich habe einen Stern bis zum Gesichtsfeldrand "wandern" lassen und festgestellt, dass die Beugungsscheibchen nur in unmittelbarer Nähe zum Gesichtsfeldrand leicht vergrößert sind. Ich schätze, dass der Durchmesser des "scharfen Gesichtsfeldes" 90 % bis 95 % beträgt.

Alamak ist einer meiner absoluten Favoriten unter den Doppelsternen. Leider war er gestern Abend noch von Bäumen verdeckt.

Den Sightron D50L gibt es in Europa meines Wissens nur bei First Light Optics, siehe hier: Sightron infini D50L Zum Kaufpreis, der nach Abzug der britischen Mehrwertsteuer 245,83 britische Pfund beträgt, kommen noch die Versandkosten sowie 19 % Einfuhrumsatzsteuer und drei kleine Gebühren (Zoll, Gebühr von DHL für die Abwicklung der Zollformalitäten sowie Gebühr der Bank für die Abwicklung der Zahlung in einer Fremdwährung).

Im Übrigen gibt es hier Sightron Infini D50 bei Cloudy Nights einen Thread zum Sightron D50 und D50DL, wo Du unter anderem meinen obigen Beitrag in englischer Sprache findest.

Klaren Himmel
Ulrich
 
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