Beobachtungen vom 5.3.2025 – mit 22 Zoll in den Alpen

Lucifugus

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Servus beinand,

in der Nacht vom 4. auf den 5. März 2025 bin ich mit meinem Dino (22" Dobson, f/3,47) in das schöne Namlostal in Tirol gefahren, um auf 1300 Meter Höhe bei sehr dunklem Himmel zu spechteln. Die Lightpollution Map zeigt hier sehr dunklen Himmel an. Ich war dort schon einmal beim Beobachten, aber da war die Luft feuch tund wenig transparent. Diesmal aber war alles perfekt. Nach Monduntergang war die Luft sehr klar und trocken(!). Ich musste in der Früh nichtmal Eis von der Scheibe kratzen. Auch die Okulare und Spiegel vereisten nicht. Mit erst minus 3°C, später minus 4°C war es zudem relativ mild für Höhe und Jahrszeit.

Das SQM-L zeigte 21m8 an. Lambda Ursae Minoris war einfach mit bloßem Auge zu sehen (6m5), später war M 13 auffällig, flächig und auch direkt mit bloßem Auge zu sehen. Ideal für Galaxien. Ein paar der Beobachtungen möchte ich hier nun zeigen (die, von denen ich Skizzen gemacht habe).

Mit NGC 2916 im Löwen fange ich an, da ich sie als erstes gezeichnet habe. Ich habe eigentlich NGC 2903 aufgesucht, mich aber erstmal mit dieser in der Nähe stehenden Galaxie warmgezeichnet. NGC 2916 ist 11m9 hell und somit ein schöner, einfacher Einstieg. Es handelt sich um eine Spiralgalaxie in 162 Millionen Lichtjahren Entfernung. Hier die Skizze:

NGC_2916_2025_03_05.jpg

Im Dino bei 108× war es ein schöner, heller Nebelfleck, der etwas asymmetrisch wirkte. Bei 224× (im 10mm-Ethos) war dann neben dem hellen Kernbereich ein hellerer Strich zu sehen, der sich am Ende etwas bog. Ein Spiralärmchen hat sich hier von seiner besten Seite gezeigt. Sein Pendant auf der anderen Seite blieb verborgen. Dass der Arm scheinbar direkt und gerade aus dem Zentrum kommt, passt nicht zu der Morphologie auf Fotos, aber vielleicht hat mein Hirn den Bogen, den ich erkennen konnte, einfach mit dem hellen Kern verbunden. So ungefähr sah es jedenfalls für mich aus. Aber noch diffuser. Beim Zeichnen überhöht man ja die Kontraste (bzw. ich mache es automatisch).

Dann auf zu NGC 2903:

NGC_2903_2025_03_05.jpg

Dass Messier sie übersehen hat, ist kaum zu glauben. 8m8 ist schon sehr hell und auffällig und dann neben dem Kopf des Löwen so prominent am Himmel... Bei 108× im 21mm Ethos sah ich erst einfach nur einen hellen, ovalen Nebelfleck mit hellerem Zentrum. Dann kam noch ein zweiter Fleck dazu. Also das 10 mm-Okular genommen und bei 224× genauer hingeschaut. Und siehe da, es zeigte sich erst etwas zögerlich zurückheltend, dann immer deutlicher, ein gar nicht so schwaches "S". Ein Bogen dieses "S" war auffallend hell, was der zweite Fleck bei 108× war. Beim weiteren Hin- und Wegschauen, mal direkt, mal indirekt, zeigten sich immer mehr Strukturen. Dunkle und helle. Also Klemmbrett genommen, schwaches Rotlicht an und Bleistift gezückt (hatte mich ja bei NGC 2916 schon warmgezeichnet). Erst die Sterne. Beim erneuten Blick ins Teleskop war die Galaxie wieder einfach nur ein Nebel. Dann kam das innere S wieder zurück, später auch die äußeren Bereiche. Dann wieder Licht an, die nächsten Sterne zeichnen... Es war krass, wie sehr das Rotlicht stört. Ich kenne das ja, aber hier war es besonders auffällig, da die Galaxie so viel Strukturen zeigte, die dann wieder weg waren. Letzten Endes habe ich weiter außen zwei weitere Bögen erkennen können. Dazwischen immer wieder mal dunkle Bereiche (Staubbänder?). Die waren aber schlecht mit dem Auge zu fixieren. Direkt gesehen waren sie weg, indirekt ist ja alles etwas unschärfer.Und das Auge macht ja eine Kontrasterhöhung schon in der Netzhaut. Fazit: Ich meine, auch ab und an Staubbandstrukturen gesehen zu haben, die sich an die Ärmchen anschmiegten, dann aber wieder weg waren. Mir insgesamt zu unsicher und zum Zeichnen nicht exakt genug örtlich fixierbar. Die Skizze hat sehr viel Zeit und Mühe gekostet, weil so viel zu sehen war, was aber in den Außenbereichen an der Grenze lag, was erkennbar ist. Es fehlen auch sicher einige Sternchen, denn auch da schlägt die Lampe zu.

Da ich ja eh schon im Löwen unterwegs bin, habe ich jetzt ein Objekt, das weit oben auf meiner Bucket-List steht, das erste Mal besuicht: Hickson 57, das Septett von Copeland. Sieben schwache NGC-Galaxien, teils stark miteinander interagierend. Wunderbare ist diese Gruppe hier aufgearbeitet: http://www.deepsky-visuell.de/Projekte/HCG34_66.htm

Ich habe die Aufzählung von dort übernommen:
  • NGC 3753 (UGC 6602, LEDA 36016); 13m7
  • NGC 3746 (UGC 6597, LEDA 35997); 14m0
  • NGC 3750 (LEDA 36011); 13m9
  • NGC 3754 (LEDA 36018); 14m3
  • NGC 3748 (LEDA 36007); 14m8
  • NGC 3751 (UGC 6601, LEDA 36017);14m3
  • NGC 3745 (LEDA 36001); 15m2
  • LEDA 36010; 17m0
Unschwer zu zählen sind es acht Galaxien. Sieben davon habe ich erkennen können. Schon im 21mm-Okular fiel sofort eine der Gruppen (die drei Galaxien inklusive NGC 3753) auf. Nicht getrennt, aber als Nebelfleck. Auch NGC 3746 war da schon zu erkennen. Also direkt das 10mm-Okular gezückt und reinvergrößert mit 224×. So cool. Alle sieben waren zu erkennen, wobei NGC 3745 die hartnäckigste war. Ich hatte mir vorher nicht die exakten Positionen angeschaut, sondern wollte schauen, was ich so erkennen kann. NGC 3753 war klar lang und schmal und je ein Fleck recht und links daben, alles in einen einheitlichen schwachen Nebel eingebettet. Indirekt konnte ich die drei dann gut trennen, direkt war es nur ein Brei. LEDA 36010 wollte nicht. Ich hatte dort doch recht genau hingesehen, da ich ja NGC 3745, NGC 3746 und NGC 3748 herausgearbeitet habe (wieder das Spielchen mit Rotlicht an, Rotlicht aus...). Aber da war kein weiterer Fleck. Nun gut, das Septett habe ich, die eine LEDA wollte halt nicht. Aber: sieben auf einen Streich. So sah es für mich etwa aus:

Hickson_57_2025_03_05.jpg


Danach habe ich im Großen Bären NGC 3079 aufgesucht. Eine ebenfalls sher helle, auffällige Galaxie, lang und schmal, dazu asymmetrisch und etwas verbogen. In ihrer Nähe sind noch NGC 3073, LEDA 28990 und der berühmte Doppelquasar Q0957+561A/B.

NGC_3079_3073_LEDA_28990_Doppelquasar_2025_03_05.jpg


NGC 3073 ist räumlich sehr nah bei NGC 3079, auch nur 53 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Mit ihren 13m0 ist sie aber deutlich lichtschwächer. Kunststück – sie ist eine elliptische Zwerggalaxie. Ich konte sie sofrt im 21mm-Ethos als Nebelfleck erkennen. Dank ihres aktiven Kerns (als Zwerggalaxie!) konnte ich auch ein helleres Zentrum erkennen (insbesondere im 10mm-Ethos).

LEDA 28990 war dann im 10 mm-Okular auch kein Problem. Kein Scheinwerfer, aber hell genug, um als Nebelfleck erkennbar zu sein. Als ich dann wusste, wo sie genau steht, habe ich sie auch im Übersichtsokular erkannt. Eine LEDA-Galaxie, die einfach zu sehen ist... Sachen gibt's... Ein schönes Trio, die drei.

Abschöießend der Doppelquasar Q0957+561A/B (Name abgekürzt, sind ja "nur" die Koordinaten). Mit 17m0 ist er / sind sie für mich mit dem Dino erreichbar und zusammen wirken sie ja noch etwas heller. Verlängert man NGC 3079 nach Norden, findet man ein kleines Sternmuster. Und schräg über einer Ecke des Musters kann man die Gravitationslinse sehen. Und ja, im 10mm bei 224× war es gar nicht so schwierig. Indirekt war da klar erkennbar "etwas". Das Etwas war länglich. Ich hätte noch das 4,7mm-Ethos nehmen können, aber ich habe den Quasar als länglich gesehen und damit als doppelt. Das hat mir bereits völlig gereicht. Ich war auch so hin und weg. 9 Milliarden Jahre Lichtlaufzeit. Und durch einen Galaxienhaufen(!), der auf halbem Weg liegt, als Doppelquasar erkennbar. Wie cool ist das denn?

Es war übrigens visuell mein erster Quasar. Fotografiert habe ich schon einige, aber visuell? Mein erster, klar als solcher wahrgenommener.

Ich habe dann noch im Kopf der Schlange ein paar Galaxien bewundert, habe hier NGC 5970 und die nah stehende, schwache IC 1131 gezeichnet. NGC 5970 ist 11m5 hell und eine aktive Balkenspirale. Einen helleren Kern habe ich erkennen können, aber ehrlich gesagt weder Balken noch Spiralarme. IC 1311 musste ich allerdings aktiv suchen, sie sprang nicht ins Auge. Diese kleine, elliptische Galaxie ist an NGC 5970 vermutlich gravitativ gebunden und sie ist nur 13m8 hell. Für den Dino kein Problem, aber sie ist eben auch klein, nur 0,7 × 0,5 Bogenminuten. Dank einer dreieckigen Sternengruppe und einer Detaillkarte, konnte ich sie dann entdecken. Nett, die beiden. Hier die Skizze dazu (viel einfacher und schneller zu machen als den PN NGC 4361):

NGC_5970_IC_1131.jpg


Ich habe in der Nacht zudem die Antennengalaxien (NGC 4038/39) und den PN NGC 4361 (einen meiner Lieblings-PN) im Raben bewundert. Die beiden Antennen habe ich nmher erahnt als wirklich gesehen, sie waren nur als sehr schwache Aufhellung "fühlbar". Der Rabe steht aber auch relativ tief. Umso hübscher war NGC 4361, im Englischen wird er auch als Rasensprenger bezeichnet. Sehr hell, mit auffallendem Zentralstern und seinen vier Lappen, die auch an eine Schiffsschraube erinnern.

Weitere Ziele waren die Galaxien NGC 5956 und 5957 in der Schlange sowie die Sternmuster Picot 1 (Napoleons Hut) und Markov 1 ("Little Tea Pot"). Letzteres habe ich im 22-Zöller genossen, weil hier das Muster auf einem Bett von sehr vielen, schwachen Feldsternen thront. Ich habe begonnen, dass zu skizzieren, musste dann aber abbrechen. Zu viele winzige Pünktchen. Es funkelte nur noch:

Markov_1.jpg


Als Abschluss dann noch M 13 genießen (inklusive der Galaxien NGC 6207 und der notorisch schwachen IC 4617 mit ihren 15m2, die heute aber einfach war). Dann noch M 57 (mit aufblitzendem Zentralstern) sowie, weil ein Offener Sternhaufen muss sein, NGC 6914 im Schwan. Der Sommer hat schon gegrüßt.

Um halb fünf Uhr habe ich dann abgebrochen und alles eingepackt, um sieben Uhr war ich daheim und habe mich ins Bett gelegt.

Fezit: eine tolle Nacht, sehr dunkel, sehr transparent. Ich meine übrigens, Leo I im Fernglas gesehen zu haben. Da hätte ich aber gerne einen Mitbeobachter dabei gehabt, der das bestätigt. Jedenfalls war die Transparenz top und der Kontrast der schwachen Nebelchen super! Um halb zwölf kam ich an, ab halb eins habe ich beobachtet und dann vier Stunden lang gestaunt und gezeichnet. Zuhause war es zwar auch sternenklar, aber sehr luftfeucht. Hätte wenig Spaß gemacht. Es geht nichts über Mobilität.

Liebe Grüße,
Christoph
 
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