Peter_Heinzen
Aktives Mitglied
Beobachtungsabend mit Meade LightBridge 12" vom Freitag, den 14. April 2006
Karfreitag, herrlichstes Frühlingswetter bei sagenhaften knapp 20°C. Was für ein Unterschied zu den letzten Tagen! Kein Wind, kein einziges Wölklein bedeckt den Himmel -> und ich darf arbeiten, bis 21:00 Uhr.
Dann aber, kaum zuhause, das Nachtessen fällt nicht nur der schlanken Linie zuliebe aus, wird der Dobson inkl. Zubehör ins Auto geladen und auf einen neu entdeckten Beobachtungsplatz gefahren. 21:45 Uhr zeigt die Uhr als ich aussteige. Was für ein Himmel! Unzählig funkelnde Punkte zeichnen sich ab. Traumhaft, wie aus 1001 Nacht kommt es mir vor. Die Stirnlampe wird auf rot geschaltet und so kann sich das Auge schon an die Dunkelheit gewöhnen. In ein paar Minuten ist der Gitterrohrdobson zusammengeschraubt, etwas später auch die Spiegel mit dem Laser justiert. Nun kann’s richtig losgehen. Da sich die Augen noch nicht richtig an die Dunkelheit gewöhnt haben wird Saturn anvisiert. Mit dem 20er Okular was einer Vergrösserung von ca. 76x entspricht zeichnet sich der Herr der Ringe messerscharf am Himmel ab. Kein Flimmern erschwert die Sicht. So etwas habe ich selten erlebt. Schnell wir das Okular gewechselt, ein TV-Nagler 11 mm wird in den OAZ gelegt was auf ca. 138x Vergrössert. Ich flippe fast aus! So deutlich und scharf habe ich den Planeten mit seinen Ringen noch nie beobachtet. Die Cassini-Teilung ist knackscharf zu sehen. Richtig plastisch erscheint der Ringplanet, schon beinahe wie ein 3D-Model. Nun wage ich den Schritt noch weiter zu Vergrössern, das 5 mm Nagler kann nun beweisen was es kann… und es kann! Und wie! Unheimlich! Förmlich zum greifen nah sehe ich den Planeten das bei ca. 305x Vergrösserung. Wieder kommt ein WOW aus meinen Lippen auch wenn es niemand hören kann. So könnte von Disney das Einstimmungsvideo für eine rasante Achterbahn ausschauen! Es stimmt einfach alles. Kein Flimmern, rein gar nichts stört das Bild. Schade dass ich davon kein Foto machen kann. Bei dieser Vergrösserung muss natürlich der Dobson fleissig nachgeschoben werden aber das passiert schon beinahe automatisch. Dennoch wechsele ich nach ca. 10 Minuten wieder auf das 11er Okular. Schliesslich lasse ich von Saturn ab und da sich das Sternbild Krebs mit seinen beiden Messier Objekten in unmittelbarer Nachbarschaft befinden werden die offen Sternhaufen M44 und M67 angefahren. Der ca. 500 LJ entfernte M44 beinhaltet ungefähr 300 Sterne welche natürlich nicht alle sichtbar sind. Die Krippe sieht aber auch durch das Fernglas beeindruckend aus, gefällt mir sogar besser als durch das Teleskop. Deshalb wird der Feldstecher herausgenommen und damit beobachtet. Nun wird wieder auf das Teleskop gewechselt und zum M67 geschubst. Dieser offene Sternhaufen ist kleiner aber nicht uninteressanter. Liegt er doch etwa 2700 LJ entfernt und enthält um ein vielfaches weniger Sterne. Er bietet einen sehr schönen Anblick. Nun ist das „Sternehaufen-Fieber“ entfacht und einen Kugelsternhaufen fehlt heute noch, wie so manches andere auch. Mit dem Leuchtpunktsucher wird Arktur im Sternbild Bärenhüter angefahren. Nun in Richtung erster Stern der Deichsel des Grossen Wagens. Schon bald entdecke ich im Übersichtsokular einen flauschigen, nebligen Fleck. Das muss der Kugelsternhaufen M3 sein. Als ich ihn mittig im Gesichtsfeld habe wird wieder das Okular gewechselt. Auch hier kann ich ohne Probleme bis zum Maximum meiner Okulare-Sammlung vergrössern was etwa 305x entspricht. Eine Pracht! Der Kugelsternhaufen ist mit circa einer halben Million Sternen ein sehr grosser Vertreter seiner Art, der nur noch durch den M13 im Sternbild Herkules übertrumpf wird. Wunderschön, dieser leuchtender Lichtball. Kaum zu glauben dass dieses prachtvolle Objekt ca. 31 000 LJ entfernt ist. Je länger man hineinschaut umso mehr Sterne werden sichtbar. Das Zentrum ist auch hier nicht ganz aufgelöst. Ich kann mich nicht satt sehen, einfach wunderbar. Ein Blick in mein Begleit-Buch gibt mir bekannt, dass sich dieser Sternhaufen im Sternbild Jagdhunde befindet. War mir nicht sicher…
Nun wird der Himmel durch den Mond allmählich erhellt. Schade. Da ich heute noch keinen Nebel beobachtet habe scheint mir der Eulennebel, M97 im Sternbild grosser Wagen, geradezu optimal. Den habe ich mit meinem Dobson bislang noch nicht ins Visier genommen und die Nähe zu dem Sternbild Jagdhund ladet förmlich ein. Schnell zum hinteren Kasten des grossen Wagens, die Vergrösserung reduziert und der fast kreisrunde Fleck des Nebels erscheint schon im Okular. Schwach aber schön erkennbar. Bin erstaunt dass ich den Nebel so leicht gefunden habe. 2500 LJ braucht das Licht bis es uns erreicht. WOW. Nun wird wieder stärker Vergrössert. Durch indirektes sehen werden dunklere Stellen sichtbar. Zwar nur schwach aber dennoch klar erkennbar. Lange kann ich mich an diesem planetarischen Nebel nicht erfreuen, der Mond hat mit seinem Licht den Himmel zu stark erhellt. Somit kann ich auch die Galaxien die ich noch in dieser Gegend sehen möchte vergessen. Der Himmel erscheint nun sogar leicht dunstig und nur noch die hellsten Hauptsterne der Sternbilder sind sichtbar. Eigentlich schade, denn was so toll angefangen hat wird nun durch das Mondlicht und leichte Schleierwolken radikal beendet. Aus diesem Grund und weil ich noch nicht nach Hause will, die Wolken können sich ja wieder verziehen, entschliesse ich mich nach Doppelsternen umzusehen. Mizar und Alkor bieten sich nahezu von selbst an. Alkor oder auch „das Reiterlein“ genannt liegt fast 81 LJ entfernt, Mizar, der selbst ein Doppelstern ist, schlägt mit 78 LJ Entfernung zu Buche. Nun wird das Teleskop zurück zum Sternbild Löwen gerichtet. Dessen Doppelstern Algieba erscheint gelblich und unterscheidet sich deutlich in der Leuchtkraft von seinem Nachbarn. Später werde ich lesen, dass die Entfernung bei ca. 125 LJ sein wird. Den relativ kurzen Schwenker zum Porrima in der Jungfrau ist schnell gemacht. Die Sterne dieses Doppelsystems sind nahezu gleich grosse weiss leuchtende Sonnen die „nur“ nicht mal 40 LJ von uns entfernt sind. Das Licht welches ich heute beobachtete war also weniger lang unterwegs als ich auf der Welt bin, ist trotzdem eine unvorstellbare Entfernung. Hmmm, wievielmal müsste ich da mein Auto auftanken? Ein Blick nach Westen verheisst leider nichts Gutes. Die Wolken verdichten sich zusehends und ich entschliesse mich meinen Beobachtungsabend da zu beenden wo ich ihn angefangen habe, beim Saturn. Nach ungefähr 10 Minuten entnehme ich das Okular und fange mit dem Abbau des Teleskops an. Zu meiner Überraschung tauchen in etwa 10 Metern Entfernung noch drei Rehe auf die mich wohl genauso verwundert anschauen wie ich sie. Genauso schnell wie sie aufgetaucht sind, sind sie wieder verschwunden. Innert kurzer Zeit ist alles abgeräumt und im Auto verladen, ich setze mich hinters Steuer und bevor ich losfahre gehe in Gedanken nochmals meinen Beobachtungsstationen durch. Hat sich gelohnt. 100%ig. Auch wenn es nur knapp 2½ Stunden waren die ich wirklich nutzen konnte. Nach kurzer Fahrt bin ich zuhause.
Freu mich schon auf den nächsten Beobachtungsabend.
Schöne Ostergrüsse Peter
Karfreitag, herrlichstes Frühlingswetter bei sagenhaften knapp 20°C. Was für ein Unterschied zu den letzten Tagen! Kein Wind, kein einziges Wölklein bedeckt den Himmel -> und ich darf arbeiten, bis 21:00 Uhr.
Dann aber, kaum zuhause, das Nachtessen fällt nicht nur der schlanken Linie zuliebe aus, wird der Dobson inkl. Zubehör ins Auto geladen und auf einen neu entdeckten Beobachtungsplatz gefahren. 21:45 Uhr zeigt die Uhr als ich aussteige. Was für ein Himmel! Unzählig funkelnde Punkte zeichnen sich ab. Traumhaft, wie aus 1001 Nacht kommt es mir vor. Die Stirnlampe wird auf rot geschaltet und so kann sich das Auge schon an die Dunkelheit gewöhnen. In ein paar Minuten ist der Gitterrohrdobson zusammengeschraubt, etwas später auch die Spiegel mit dem Laser justiert. Nun kann’s richtig losgehen. Da sich die Augen noch nicht richtig an die Dunkelheit gewöhnt haben wird Saturn anvisiert. Mit dem 20er Okular was einer Vergrösserung von ca. 76x entspricht zeichnet sich der Herr der Ringe messerscharf am Himmel ab. Kein Flimmern erschwert die Sicht. So etwas habe ich selten erlebt. Schnell wir das Okular gewechselt, ein TV-Nagler 11 mm wird in den OAZ gelegt was auf ca. 138x Vergrössert. Ich flippe fast aus! So deutlich und scharf habe ich den Planeten mit seinen Ringen noch nie beobachtet. Die Cassini-Teilung ist knackscharf zu sehen. Richtig plastisch erscheint der Ringplanet, schon beinahe wie ein 3D-Model. Nun wage ich den Schritt noch weiter zu Vergrössern, das 5 mm Nagler kann nun beweisen was es kann… und es kann! Und wie! Unheimlich! Förmlich zum greifen nah sehe ich den Planeten das bei ca. 305x Vergrösserung. Wieder kommt ein WOW aus meinen Lippen auch wenn es niemand hören kann. So könnte von Disney das Einstimmungsvideo für eine rasante Achterbahn ausschauen! Es stimmt einfach alles. Kein Flimmern, rein gar nichts stört das Bild. Schade dass ich davon kein Foto machen kann. Bei dieser Vergrösserung muss natürlich der Dobson fleissig nachgeschoben werden aber das passiert schon beinahe automatisch. Dennoch wechsele ich nach ca. 10 Minuten wieder auf das 11er Okular. Schliesslich lasse ich von Saturn ab und da sich das Sternbild Krebs mit seinen beiden Messier Objekten in unmittelbarer Nachbarschaft befinden werden die offen Sternhaufen M44 und M67 angefahren. Der ca. 500 LJ entfernte M44 beinhaltet ungefähr 300 Sterne welche natürlich nicht alle sichtbar sind. Die Krippe sieht aber auch durch das Fernglas beeindruckend aus, gefällt mir sogar besser als durch das Teleskop. Deshalb wird der Feldstecher herausgenommen und damit beobachtet. Nun wird wieder auf das Teleskop gewechselt und zum M67 geschubst. Dieser offene Sternhaufen ist kleiner aber nicht uninteressanter. Liegt er doch etwa 2700 LJ entfernt und enthält um ein vielfaches weniger Sterne. Er bietet einen sehr schönen Anblick. Nun ist das „Sternehaufen-Fieber“ entfacht und einen Kugelsternhaufen fehlt heute noch, wie so manches andere auch. Mit dem Leuchtpunktsucher wird Arktur im Sternbild Bärenhüter angefahren. Nun in Richtung erster Stern der Deichsel des Grossen Wagens. Schon bald entdecke ich im Übersichtsokular einen flauschigen, nebligen Fleck. Das muss der Kugelsternhaufen M3 sein. Als ich ihn mittig im Gesichtsfeld habe wird wieder das Okular gewechselt. Auch hier kann ich ohne Probleme bis zum Maximum meiner Okulare-Sammlung vergrössern was etwa 305x entspricht. Eine Pracht! Der Kugelsternhaufen ist mit circa einer halben Million Sternen ein sehr grosser Vertreter seiner Art, der nur noch durch den M13 im Sternbild Herkules übertrumpf wird. Wunderschön, dieser leuchtender Lichtball. Kaum zu glauben dass dieses prachtvolle Objekt ca. 31 000 LJ entfernt ist. Je länger man hineinschaut umso mehr Sterne werden sichtbar. Das Zentrum ist auch hier nicht ganz aufgelöst. Ich kann mich nicht satt sehen, einfach wunderbar. Ein Blick in mein Begleit-Buch gibt mir bekannt, dass sich dieser Sternhaufen im Sternbild Jagdhunde befindet. War mir nicht sicher…
Nun wird der Himmel durch den Mond allmählich erhellt. Schade. Da ich heute noch keinen Nebel beobachtet habe scheint mir der Eulennebel, M97 im Sternbild grosser Wagen, geradezu optimal. Den habe ich mit meinem Dobson bislang noch nicht ins Visier genommen und die Nähe zu dem Sternbild Jagdhund ladet förmlich ein. Schnell zum hinteren Kasten des grossen Wagens, die Vergrösserung reduziert und der fast kreisrunde Fleck des Nebels erscheint schon im Okular. Schwach aber schön erkennbar. Bin erstaunt dass ich den Nebel so leicht gefunden habe. 2500 LJ braucht das Licht bis es uns erreicht. WOW. Nun wird wieder stärker Vergrössert. Durch indirektes sehen werden dunklere Stellen sichtbar. Zwar nur schwach aber dennoch klar erkennbar. Lange kann ich mich an diesem planetarischen Nebel nicht erfreuen, der Mond hat mit seinem Licht den Himmel zu stark erhellt. Somit kann ich auch die Galaxien die ich noch in dieser Gegend sehen möchte vergessen. Der Himmel erscheint nun sogar leicht dunstig und nur noch die hellsten Hauptsterne der Sternbilder sind sichtbar. Eigentlich schade, denn was so toll angefangen hat wird nun durch das Mondlicht und leichte Schleierwolken radikal beendet. Aus diesem Grund und weil ich noch nicht nach Hause will, die Wolken können sich ja wieder verziehen, entschliesse ich mich nach Doppelsternen umzusehen. Mizar und Alkor bieten sich nahezu von selbst an. Alkor oder auch „das Reiterlein“ genannt liegt fast 81 LJ entfernt, Mizar, der selbst ein Doppelstern ist, schlägt mit 78 LJ Entfernung zu Buche. Nun wird das Teleskop zurück zum Sternbild Löwen gerichtet. Dessen Doppelstern Algieba erscheint gelblich und unterscheidet sich deutlich in der Leuchtkraft von seinem Nachbarn. Später werde ich lesen, dass die Entfernung bei ca. 125 LJ sein wird. Den relativ kurzen Schwenker zum Porrima in der Jungfrau ist schnell gemacht. Die Sterne dieses Doppelsystems sind nahezu gleich grosse weiss leuchtende Sonnen die „nur“ nicht mal 40 LJ von uns entfernt sind. Das Licht welches ich heute beobachtete war also weniger lang unterwegs als ich auf der Welt bin, ist trotzdem eine unvorstellbare Entfernung. Hmmm, wievielmal müsste ich da mein Auto auftanken? Ein Blick nach Westen verheisst leider nichts Gutes. Die Wolken verdichten sich zusehends und ich entschliesse mich meinen Beobachtungsabend da zu beenden wo ich ihn angefangen habe, beim Saturn. Nach ungefähr 10 Minuten entnehme ich das Okular und fange mit dem Abbau des Teleskops an. Zu meiner Überraschung tauchen in etwa 10 Metern Entfernung noch drei Rehe auf die mich wohl genauso verwundert anschauen wie ich sie. Genauso schnell wie sie aufgetaucht sind, sind sie wieder verschwunden. Innert kurzer Zeit ist alles abgeräumt und im Auto verladen, ich setze mich hinters Steuer und bevor ich losfahre gehe in Gedanken nochmals meinen Beobachtungsstationen durch. Hat sich gelohnt. 100%ig. Auch wenn es nur knapp 2½ Stunden waren die ich wirklich nutzen konnte. Nach kurzer Fahrt bin ich zuhause.
Freu mich schon auf den nächsten Beobachtungsabend.
Schöne Ostergrüsse Peter
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