Beobachtungsbericht 13.04.2007

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Tirion

Aktives Mitglied
13.4.2007 (ca. 22:45-4:00)

Bedingungen:
  • anfangs durchziehende Zirren, später klar und gute Durchsicht
  • fst mindestens 5,7 mag (kenne keine schwächeren Sterne auswendig, hatte die Karte nicht zur Hand; konnte aber definitiv noch schwächere Sterne erkennen)
  • mit der Zeit auffrischender Wind
Equipment:
  • 6“ f/5 Newton
  • 14mm Speers Waler und 5-8mm Speers Zoom
  • O-III Filter

Das unerwartet gute Wetter zum Neumondwochenende versprach Top-Bedingungen für meine erste Frühlingstour dieses Jahres. Ich fuhr die 30km zu meinem Deepsky-Beobachtungsplatz bei Oelsnitz, wo ich mich mit Geomartin zur gemeinsamen Beobachtung traf.

Los ging es mit leichten Komplikationen bei Martin... die lange Beobachtungsabstinenz hat ihn wohl einrosten lassen; jedenfalls ist er gleich noch einmal seine Montierung holen gefahren <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/laugh.gif" alt="" />.
Ich konnte derweil in Ruhe aufbauen und das Teleskop auskühlen lassen.

Das erste Objekt das Abends war ein kurzer Abstecher in das hoch stehende Leo Triplet. Alle 3 Komponenten waren einfach direkt sichtbar. M 65 erschien leicht dunkler als M 66, wies eine stärkere Elongation auf. Beide zeigten eine deutliche Aufhellung im Kernbereich. NGC 3628 war im Vergleich zu M66/65 wesentlich dunkler, zeigte sich dafür in einer wunderbaren Kantenlage mit deutlicher langgestreckter Aufhellung im Zentralbereich.
Weiter ging es mit der zweiten bekannten Galaxiengruppe im Löwen. M95 erschien recht klein, rund und zeigte einen hellen Kern mit diffusem, schwachen Halo. M96 war größer und viel heller als M95 und dazu leicht elongiert mit einem deutlichen Halo. M105 konnte als kleine, runde Galaxie mit hellem Kern beobachtet werden. Im selben Feld standen noch NGC 3384 und eine nicht im Karkoschka verzeichnete Galaxie, die sich später anhand einer Skizze als NGC 3373 identifizieren ließ.
Am Kopf des Löwen besuchte ich noch NGC 2903, welche mir sehr hell, leicht elongiert mit einem hellen, langgestreckten Zentrum erschien. Damit verabschiedete ich mich aus dem Löwen und wandte mich nach SO in die Gegend Rabe/Becher/Hydra.

Erstes Ziel hier war NGC 4351. Er war als recht dunkler und runder Planetarischer Nebel mit gleichmäßiger Helligkeitsverteilung zu beschreiben. Der erste Kugelsternhaufen des Abends wurde der mittelgroß erscheinende M68. Er ließ sich nicht in Einzelsterne auflösen und zeigte auch keinen zentrale Helligkeitsanstieg. Die Sombrero-Galaxie M104 konnte als recht helle, mittelgroße Kantenlagen-Galaxie beobachtet werden, welche bei mir lediglich einen etwas inhomogenen Eindruck in der Helligkeitsverteilung erweckte. Letztes Ziel in dieser Gegend war NGC 4697, eine sehr kleine, ausgesprochen helle, leicht elongierte Galaxie.

Jetzt stand mein erster Abstecher in den Virgo-Haufen auf dem Plan. Den Anfang machte hier die noch recht einfach aufzufindende Galaxie M61 (leicht elongiert, schwach, heller Kern). Per Starhopping ging es dann noch problemlos zu M49 (sehr hell, rund, heller Kern). In direkter Nachbarschaft konnte ich NGC 4526 (deutlich elongiert, heller Kern, schwaches Halo) beobachten, welche, zwischen zwei hellen Sternen gelegen, einen sehr schönen Anblick bot. Auf dem Weg zu M60/M59 spürte ich bei einer markanten Sternengruppe zwei Galaxien auf, welche später als NGC 4596 und NGC 4608 identifiziert wurden. NGC 4596 erschien heller als ihr Nachbar, beide waren aber als eher dunkel zu beschreiben. Endlich bei der Gruppe M59/60 angekommen, nahm das Unheil seinen Anfang: ich verwechselte beide miteinander und so kam meine ganze Navigation durcheinander <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />. Nach einigem Rumrühren brach ich meinen Besuch im Virgo-Haufen ab, der zu einer Tour ohne Karte zu werden drohte.

Ich begab mich in die etwas übersichtlicheren Gebiete in und um Coma Berenices, um die wunderbaren Bedingungen effektiv nutzen zu können. Den Anfang machte hier M64 (recht hell, groß, sehr heller Kern), deren schwarzes Auge mir allerdings verborgen blieb. Nördlich davon war NGC 4725 (klein und dunkel, elongiert, heller Kern) zu finden. Nicht weit davon steht NGC 4565, eine sehr schöne, recht helle edge-on Galaxie mit deutlich langgestrecktem Kerngebiet. Direkt im Coma-Haufen war NGC 4494 (leicht elongiert, klein, schwach, deutlich aufgehelltes Kerngebiet) zu finden. Fast genau nördlich von NGC 4565 stieß ich auf NGC 4559, welche mit drei Vordergrundsternen im ansonsten recht dunklen Halo ein interessanter Anblick war. Dieser wurde allerdings vom Galaxienpaar NGC 4656/NGC 4631 noch übertroffen: zwei Kantenlagen-Galaxien in unmittelbarer Nachbarschaft, wobei NGC 4631 etwas heller erschien. Das letzte Objekt in Coma Berenices wurde der direkt bei Alpha stehende, mittelgroße Kugelsternhaufen M53. Er erschien bei höherer Vergrößerung im Zentralbereich körnig. Im Randbereich waren einige Einzelsterne zu sehen.

Der hoch stehende Bootes bot sich als nächstes Ziel förmlich an. Die mit ca. 90 Millionen Lichtjahren fernste Galaxie des Karkoschka-Katalogs, NGC 5272 (schwach, klein, Kantenlage, länglicher aufgehellter Kern) wurde gefolgt von den beiden Kugelsternhaufen M5 und M3. Beide konnten in den Randbereichen aufgelöst werden, während die Zentren lediglich körnig erschienen. M3 war dabei etwas kleiner als M5.

Tief am Horizont sah ich nun die markante Konstellation des Skorpions aufgehen. Der Horizontnähe trotzend wollte ich wenigstens mal Hallo sagen und peilte M80 an. Durch das hier eher bescheidene Seeing erschien der recht kleine Kugelsternhaufen lediglich als homogener runder Nebel.

Der scheinbar immer kälter werdende Wind und die schwindende Konzentration ließen nun nur noch einige einfache Objekte zu. Ich besuchte dafür einige Klassiker, von denen M13 und M57 nach all den schwachen Galaxien im Vergleich einfach nur spektakulär aussahen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />.
Der Rauchring M57 war auch ohne O-III Filter sehr kontrastreich vor dem dunklen Hintergrund zu erkennen.
M13 stand sehr hoch und zeigte sich als wunderbar bis in die Zentralregion aufgelöster Kugelsternhaufen. Dieser Anblick bildete den gelungenen Abschluss einer wirklich bemerkenswert schönen Beobachtungsnacht.
 
Hallo Tirion

Ein sehr schöner detailierter Bericht, man kann formlich im gesitigen Auge mitspechteln ;-)

schönen Gruß!

Lukas
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben