Beobachtungsbericht vom 12.08.07

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AstroChristian

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"It was the best of times, it was the worst of times",

schreibt Charles Dickens in "A Tale of two Cities".
Neumond ist sicherlich die beste Zeit für uns Hobbyastronomen. Und so bin ich munter um halb Zehn raus und habe mir die langsam auftauchenden Sterne angeshen, während der 8"-f/6-Dobson auskühlte.
Gegen 22:00 bin ich dann in die Leier geschwenkt, um mir den Ringnebel (mal wieder) anzusehen. Bei 267-facher Vergrößerung sah er auch bei dieser Helligkeit und im Schein der fünf Meter entfernten Straßenlaterne beeindruckend aus: Die Ringform mit leicht verlängerter Ost-West-Ausdehnung war sehr hell zu sehen. Der vom Ring eingeschlossende Bereich war um einiges Dunkler. Östlich des Nebels befand sich ein relativ heller Stern.
Da ich gestern keinen Zugang zu einem Drucker hatte, allerdings noch ein paar Objekte beobachten wollte, die nicht im Karkoschka oder im DeepSky-Reiseatlas verzeichnet sind, habe ich mir ein paar Übersichtskarten selbst gemacht. Da ich schon einmal in der von mir aufgezeichneten Region war (dem Schlangenträger), habe ich erstmal M 9 betrachtet. Ein nicht aufgelöster, leicht asymmetrischer Kugelsternhaufen, mit einen Zentrum etwas heller als der Rand bei 200-fach.
Mit meiner Karte bin ich dann weiter zu NGC 6356, einem weiteren Kugelsternhaufen im Schlangenträger. Wiederrum war der Haufen bei 200-facher Vergrößerung nicht aufgelöst, der Haufen wies aber zum Zentrum hin einen um einiges größeren Helligkeitsanstieg als M 9 auf. Östlich des Haufens befand sich eine Sternenkette, die leicht nach Süden abknickte.
Als ich vom Okular wieder aufschaute, sah ich, dass es im Westen sehr hell war: Wolken :o ! Und da es, soweit ich weiß, keine Wolkenfilter auf dem Markt gibt ( :gutefrage: :D ), gehören diese Dinger sicherlich zu denen, die uns Hobbyastronomen die schlechtesten Zeiten bringen, vor allem bei Neumond.
Als vorbereiteter Beobachter (der nicht mit Wolken gerechnet hatte), habe ich natürlich noch eine weitere Karte parat gehabt. So wollte ich mit dem Delphin in die unendlichen Weiten des Weltraums abtauchen, um dorthin zu gehen, wo noch kein Mensch gewesen ist (zumindest physisch nicht :biggrin: ). Und was sehe ich da? Neben der großen Wolkenfront aus Westen, die den Schlangenträger bedeckt (Macht auch eigentlich jemand Fotos von solchen Arten der Sternenbedeckung? :totlach: :blush: ) war eine kleine Wolke aufgezogen, die genau den Delphin bedeckte. Ich hab' fast die Krise gekriegt. Naja, fünf Minuten tief durchgeatmet, und schon konnte ich mir doch noch NGC 6934 im Delphin ansehen. Bei 200-fach ein sehr runder, nicht aufgelöster Kugelsternhaufen mit einen etwas konzentrierteren Zentrum und einem einem hellen Stern westlich.
Mittlerweile war die Wolkenfront schon weitergezogen (und hate den Blick auf die Sommermilchstraße verdeckt), der Schlangenträger war aber wieder da. Zur Abwechslung mal ein offener Haufen, IC 4665. Bei 37,5-facher Vergrößerung bildeten die 18 hellsten Sterne des Haufens eine Art Kegel (von der Seite betrachtet), der mich verdammt an die Wolkenfront erinnert. In dem Haufen waren noch viele weitere, schwächere Sterne.
Mittlerweile war der Wassermann gut zu sehen, und so habe ich mir M 2 bei 267-facher Vergrößerung angesehen. Der Haufen war sehr symmetrisch, das Zentrum war viel heller als der gut aufgelöste Randbereich. Das schon ziemlich gesprenkelte Zentrum war im Südwesten noch etwas heller als im Rest seiner Fläche.
Wenige Minuten später war auch der Wassermann wolkenbdeckt, sodass mir nur die Flucht nach Osten bliebt. Dort war die Andromedagalaxie M 31 mit bloßem Auge als länglicher Nebel mit sternenförmigem, helleren Zentrum zu sehen. Bei 37,5-facher Vergrößerung war sie sehr gut als heller, flacher Nebel mit hellerem, flächigen Zentrum ohne weitere Strukturen zu sehen. M 32 und M 110 waren gleich mit im Gesichtsfeld. M 32 war dabei als leicht elliptischer, strukturloser Nebel mit hellem Zentrum zu sehen; M 110 war um einiges länger, das Zentrum erschien wieder heller und flächig.
Mit dem 10*50-Fernglas war dann auch M 33 zu sehen. Sie war relativ großflächig und rund mit einem hellen, punktförmigen Zentrum. Bei 37,5-fach war das Zentrum leicht asymmetrisch, wobei ich wieder keine anderen Strukturen ausmachen konnte.
Nur ein paar Minuten später war die Wolkenfront schon soweit vorgezogen, dass ich meine Sachen zusammenpacken und reingehen musste.

Beobachtet habe ich von 22:00 bis 0:45. Die Luftfeuchtigkeit war relativ niedrig, die Transparenz war gut, nur ist diese dämliche Wolkenfront aus Westen aufgezogen; fst 5m,7.

Und trotz dieser Wolken, die einem eine schöne Neumondnacht zunicht machen können, wenn ich mich dann wieder an M 13 oder M 57 erinnere, mich auf die nächste, hoffentlich wolken-und-mondlose Nacht und ihre DeeSky-Schätze, bei deren Beobachtung ich mich immer wieder entspannen kann, freue, kann ich ehrlich sagen:

"It is a far, far better thing that I do, than I have ever done; it is a far, far better rest that I go to, than I have ever known."
 
Hallo Chistian,

man kann deinen stimmungsvollen Bericht gut mitverfolgen, die Berschreibungen sind plastisch und greifbar - finde ich super!

Ich war in der gleichen Nacht unterwegs, etwa zur selben Zeit. Zwischenzeitlich hatten mir durchziehende Cirren auch Beobachtungen vergrault, dann später jedoch ein einsehen gehabt.

Ich wünsche wolkenfreie Neumondnächte!

Viele Grüße

Achim
 

Danke! Im Moment sieht es gut aus (wolkenloser, klarer Himmel), obwohl es den ganzen Tag über dicht bewölkt war. Stimmt aber mit der Wettervorhersage Überein. Was ich vergessen hatte zu schreiben: Meine selbstgemachten Aufsuchkarten waren nicht so gut. Ich hatte eine Trefferquote von 50%. Naja, für heute habe ich mir welche ausgedruckt. Kugelsternhaufen ab 9m abwärts.
Was mich noch interessiert: Kann man mit 8" Palomar 14 und 15 ausmachen?
 
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