Beobachtungsbericht vom 13/14.08.07

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AstroChristian

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Mal wieder ein Bericht von Wind und Wolken, interessant geförmten offenen Sternenhaufen und nicht gefunden Kugelhaufen.
Wenn man sich das so ansieht, hat man da nur zu 25% etwas erwünschtes drin, aber man kann ja nicht alles haben.

Am 13. bin ich wieder um 21:30 raus, um dem 8"-f/6-Dobson eine halbe Stunde Auskühlzeit zu geben. Naja, unverhofft kommt oft: Von Westen her kommt ein sehr heller Punkt angeflogen. So habe ich schnell das 15mm-Okular in den Auszug gesteckt und draufgehalten. Es war die ISS; ziemlich hell, allerdings konnte ich deutlich die beiden Sonnensegel und den Zylinderförmigen Hauptteil in der Mitte sehen. Die Nachführung war zwar hektisch, aber es ging ganz gut.
Dann konnte ich mich wieder ein bisschen hinsetzen und im Schein der Straßenlaterne (welche Größenklassen haben die Dinger eigentlich? :mauer: ) die langsam auftauchenden Sterne beobachten. Da es mittlerweile dunkel genug war, bin ich in die Milchstraße, genauer zum Schild, geschwenkt, um mir den Kugelsternhaufen NGC 6712 bei 200x anzusehen. Er war nicht aufgelöst. Nach Norden, Westen und Süden gingen Sternenausläufer ab, im Osten war ein heller Einzelstern zu sehen. Ich hatte mir zwar vorgenommen, die Nacht über insgesamt neun Kugelsternhaufen aufzusuchen, von denen ich allerdings nur diesen und einen weiteren gefunden habe :(
Da ich in interstellarum kürzlich gelesen hatte, dass M81 und M82 als OdS aufgeführt sind, habe ich beschlossen mir die beiden mal anzuschauen. Im 32mm-Okular waren diese Galaxien schön in einem Gesichtsfeld zu sehen. M81 war ein relativ heller Nebel mit einem sehr hellen Zentrum. Strukturen konnte ich keine Ausmachen. M82 war viel flacher und deutlich länglich. Im Nordosten hatte die Galaxie eine dunklere Stelle, die man auch auf Fotos gut sehen kann.
Dann habe ich mich dem Delphin zugewandt. Um mal etwas neues auszuprobieren, habe ich mir den Dunkelnebel Barnard 142-3 im 10*50-Fernglas angeshen. Es war ein langgezogener, dunkler Bereich mit drei gleich großen Segmenten, die durch relativ dünne Knoten verbunden waren. Mittlerweile war auch die Straßenlaterne aus; da ich schon bei Nebeln war, bin ich wieder zum Schild geschwenkt. Nachdem ich vor einigen Nächten erfolglos versucht hatte, mir den Cirrusnebel und den Nordamerikanebel anzusehen, habe ich dieses mal den Schwanennebel M18 aufs Korn genommen. Und siehe da: Im 15mm-Okular war er deutlich zu sehen als länglicher Nebel mit einem hellen Zentralbereich und einer nach Süden abknickenden Sektion im Westen. Den Namenspaten des Nebels kann man wirklich gut erkennen. Der Nebel wird auch Omeganebel genannt, das kann ich nur halb nachvollziehen.
Als nächstes sollte wieder eine Galaxie dran glauben: M101 im großen Bären. Schnell gefunden habe ich mit dem 9mm-Okular diese beobachtet. Einfach unglaublich, was direkt mit dem ersten Blick an Strukturen sichtbar war: Ein großer Nebel mit einem hellen Kern und einigen hellen Knoten. :o Bei weitere Beobachtung sind dann noch ein paar mehr Knoten dazugekommen. Diese Galaxie werde ich mir auf jeden Fall noch öfter ansehen. Der große Bär steht ja jetzt schon etwas niedriger, wenn die Straßenlaternen aus sind. Ich will mal sehen, ob ich es arrangieren kann, bei Neumond zu einem geeigneteren Platz zu kommen (auf meinen Roller passt der Dobson leider nicht :totlach: ); da dürfte ich wohl fasst vom Beobachtungsstuhl fallen.
Der Wassermann stand mittlerweile wieder hoch genug (aber auch nicht so hoch), sodass ich mir M72 ansehen konnte. Endlich wieder ein Kugelhaufen, es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Im 6mm-Okular war er als nicht aufgelöster, leicht asymmetrischer Haufen mit etwas hellerem Zentrum zu sehen.
Die Nacht war schon fortgeschritten, der Fuhrmann war gut sichtbar (und zwar direkt über einem schwarzen Hausdach nach einem sehr sonnigen Tag :mauer: ), und so wollte ich mir noch drei offene Haufen in ihm ansehen: M36 bestand im 32mm-Okular aus einigen Sternenketten und einem langen Ausläufer nach Nordwesten.
M38 erschien da leicht ausgefranst und in etwa "P"-förmig, auch wenn er nach einigen Beschreibungen eher als Kreiz sichtbar ist.
Um das Trio zu vervollständigen fehlt noch M37. Im 15mm-Okular sieht der Haufen leicht spiralförmig aus, mit einigen helleren Sternen im Zentrum. Wenn man Spiralgalaxien bloß so aufgelöst sehen könnte...
Ein bisschen weiter oben war der Perseus geradezu eine Paradesternbild zum beobachten. Der offene Haufen m34 war bei 37,5-facher Vergrößerung ein wenig kenzentrierter Haufen mit vielen Doppelsternen im Zentrum. Nach Süden, Nordosten und Nordwesten gliedern sich drei Ringe an das Zentrum an, die den Haufen für mich wie eine "Biogefährdung"-Schild aussehen lassen.
Mittlerweile war 3:20, und da ich um zehn los musste zur Arbeit, bin ich dann reingegangen.
Der Himmel war die ganzen fünf Stunden über wolkelos gewesen, die Durchsicht war sehr gut, mittlere Luftfeuchtigkeit; fst 5m,8.

Am Dienstag aben sah es da schon ganz anders aus. Schon in der Dämmerung zogen immer wieder einige Wolken auf, sodass ich mir meine Beobachtungsobjekte mal wieder sehr genaus aussuchen musste.
Da der Schwan gegen 22 Uhr schon schön hoch stand, habe ich mir dort als erstes den offenen Haufen NGC 6811 im 32mm-Okular angesehen. Ein lockerer Haufen mit schwachen Sternen, die deutlich an ein Omega erinnern (ganz anders als M18 von gestern).
Das war nicht der einzige offene Haufen im Schwan. M29 musste auch dran glauben, wobei dieser Haufen doch sehr unauffällig ist. NGC 6871 war da schon besser: Mehrere helle und viele schwache Sterne mit einer sehr hellen zentralen Sternenkette. Der Wind, der anfangs nur ein laues Lüftchen war, wurde nun immer stärker, bisweilen könnte ich kaum meinen Zettel für die Beobachtungen vernünftig halten, oder meinen DeepSky-Reiseatlas ruhig halten.
NGC 6802 im Vulpecula (Füchschen hört sich irgendwie doof an :D ) erinnerte mit seinen vielen Doppelsternen dann wieder an M34 von gestern. Dann musste auch mal wieder ein alter Bekannter ins Okular: M71 im Pfeil. Im 9mm-Okular ist der Kugelsternhaufen sehr symmetrisch. Der Rand ist indirekt gesprenkelt. Als ich ihn das letzte mal vor etwas mehr als einem Monat angesehen habe, war das noch nicht so. Schön, dass man auch Fortschritte so deutlich bemerkt. Südwestlich des Pfeils liegt der Schild. Der offene Haufen M29 war dort als Gruppe einiger schwacher und eines hellen Sterns bei 133x zu sehen. NGC 6712 hat seine Erscheinung gegenüber der Vornacht nicht geändert (seltsam, oder? :biggrin: ). Ebefalls im Schild liegt der offene Haufen M16. Im 15mm-Okular sind die Sterne Gesichtsfeldfüllend als "S" mit einer Verdichtung im Norden zu sehen.

Dieses mal konnte ich nur bis 0:30 beobachten. Es war zwar trockener als gestern, aber ziemlich windig (wär ich astrofotograf, hätte ich da wohl mehr Nachsehen gehabt als so) und eben um halb eins waren zu viele Wolken da.
Oben schrieb ich, das dies ein Bericht von Wind und Wolken, interessant geförmten offenen Sternenhaufen und nicht gefunden Kugelhaufen sein würde.
Ich persönlich hoffe, dass mein nächster sich um eine windstille und wolkenlose Neumondnacht mit vielen Kugelhaufen dreht.
 
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