Beobachtungsbericht vom 16.-17.02.

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Lutz_R

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Hallo Leute!

Nachdem ich nun schon so einige eurer Beobachtungsberichte mit Spannung und Vergnügen gelesen habe, möchte ich heute dann auch mal was zum besten geben.

Beobachtungsbericht vom 16.02.03-17.02.03

Instrument: Skywatcher 114/900
Monierung: EQ2 mit Nachführmotor
Okulare: Soligor Plössl 4mm, Skywatcher Super 10mm
Ort: Havetoftloit, Schleswig-Holstein (ganz oben im Norden...)
Wetter: -6°C, Klar, Seeing sehr gut

So gegen ca. 20 Uhr ein Blick aus der Tür und - klarer Himmel!!! Also das Teleskop zusammen gepackt und raus damit zum auskühlen. Noch während ich das Gerät aufbaue, gleich ein prüfender Blick in Richtung Jupiter. Jo, is noch da und schön groß und hell isser auch! Fast würde man denken, dass man die Monde des Jupiters sogar ohne Optik sieht. Das ist natürlich Unsinn, zumal unser eigener Mond unglaublich hell daneben steht. Trotzdem scheint es ein vielversprechender Abend zu werden.

Um etwa 21 Uhr wurden die dicksten Klamotten angezogen, die ich finden konnte. Das Teleskop war ausgekühlt und ich habe sofort den Jupp im 10mm Kellner angepeilt. Mann, das war jetzt schon ein super Anblick! Ohne genaueres Hinsehen konnte ich sofort das NEB und SEB identifizieren. Noch alles ohne genauere Details, aber nach einer kleinen Eingewöhnungszeit waren schon die dunkleren Pole schön zu sehen. Nach einem Augenblick Einsehphase fingerte ich mein 4mm Plössl aus der Oku-Kiste. Rein damit ins Scope und scharf ziehen. Der Erfolg war ein relativ gutes Bild, aber noch nicht so richtig der Brüller. Auf dem Planeten waren NEB und SEB noch immer nicht detailierter bis auf die Andeutung von ein oder zwei Knoten in den Bändern. Die Monde waren dagegen schon deutlich von der Größe her unterscheidbar. Während ich so auf den Jupiter mit seinen Monden starre, denke ich über Filter, größere Optiken, kleinere Brennweiten bei den Okularen und allerlei andere Spielereien nach. Man müßte jetzt... Vielleicht könnte man auch...- Na, nun versuch man erstmal ganz vorsichtig die angefrorenen Finger wieder vom Tubus zu lösen. Man wird mir eine Beobachtungspause an dieser Stelle verzeihen, immerhin war es nun schon eine gute halbe Stunde her, dass ich mich in die Kälte gestellt habe.

Gegen 1 Uhr hab ich mich dann wieder hinaus getraut. Das Wetter hat gehalten und meine EQ2 auch. Ich weiß überhaupt nicht, wer auf den Gedanken gekommen ist, das die Montierung wackeln soll. Alles Unsinn, wenn das Ding erstmal eingefroren ist, hält alles bombenfest... Mit anderen Worten: das gesamte Teleskop ist ein einziger Eisklotz! Aber die Spiegel sind frei. Es kann also weitergehen.

Den Jupiter wieder angefahren und gleich das 4mm Oku rein. DAS ist es!!! Genauso soll es aussehen! Das Seeing ist absolut spitze und ich sehe den Planeten wie eingraviert in dieser winzigen Linse. Die beiden Äquatorbänder sind nicht nur zu sehen, sondern lösen sich schon in Strukturen auf. Unter dem SEB sehe ich Fragmente eines weiteren Bandes. Io berührt schon Jupiter. Ein kurzer Blick zur Uhr: es ist ca. 1:15 Uhr. Langsam verschwindet der winzige Punkt in der Planetenscheibe. Angestrengt suche ich nach dem Mond auf dem Planeten, aber da ist wohl denn doch Schluss mit meinem Teleskop. Am Rand des Planeten dreht sich nun gaaanz langsam der GRF ins Bild. Zuerst nur die Einbuchtung im SEB zu sehen, dann kommt der eigentliche Fleck ins Bild. Was hab ich den früher schon gesucht, und jetzt kann ich den GRF bei diesem Superseeing fast ertasten. Zart orange-rosa ist er nun zusehen. Jetzt kommt ein winziger schwarzer Punkt fast genau zwischen den Äquatorbändern ins Bild. Io's Schatten! Ich finde es immer wieder unglaublich, dass ich die Möglichkeit habe, so etwas zu sehen und miterleben zu können. Bei all dieser Begeisterung schlag ich mir fast das Okular ins Auge.

Mittlerweile keucht der Motor an der EQ2 schon verdächtig und die Nachführung läuft langsam, aber sicher davon. Der Akku mag diese Temperaturen einfach nicht. Es ist in der Zwischenzeit ca. 2 Uhr geworden. Noch immer sehe ich den Schatten von Io auf dem Planeten. Aber jetzt wird es einfach Zeit abzubauen und hinein zu gehen.

Fazit: Ein gelungener Spechtelabend, meine Frau hat mir ein tolles Okular zu Weihnachten geschenkt (genau - das 4mm Plössl) und wenn das Seeing so wie heute ist, sehe ich nie gekannte Details. Io's Durchgang und der Schattendurchgang waren traumhaft zu sehen und der fast noch volle Mond blendet wie immer...

So, das war es erstmal aus dem hohen Norden. Ich hoffe, das euch mein Bericht ein wenig gefallen hat. Wenn nicht - macht nix! Beim nächsten mal wird's besser (hoffe ich).

Clear Skies
Lutz
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Lutz,

Ich hoffe, das euch mein Bericht ein wenig gefallen hat.

Dein Bericht hat mir sogar sehr gut gefallen. Erstens ist er sehr schön und lebendig geschrieben uund zweitens beschreibt er das gleiche, das auch ich gestern gesehen habe:

Bei uns war seit 2 Tagen der Himmel wolkenverhangen mit leichtem Schneefall, als sich gestern gegen 19:00 Uhr erste Lücken zeigten. Als Optimist habe ich natürlich sofort das Teleskop zum Abkühlen rausgetragen und tatsächlich war eine Stunde später kein Wölkchen mehr am Himmel. Gegen 23 Uhr hab ich dann erstmals einen Blick auf Jupiter geworfen, allerdings war das Seeeing so mies, dass ich den Balkon sofort wieder verlassen hab. Nächster Versuch um Mitternacht: Schock! Der Himmel ist wieder voller Wolken. Gegen 1 Uhr, dann noch ein Versuch: Der Himmel ist wieder frei und das Seeing hat sich stark verbessert. Io stand jetzt schon sehr nahe an Jupiter und pünktlich um 1:13 Uhr stellt er sich davor. Nach einer Viertelstunde Aufwärmpause versuchte ich den Mond vor Jupiter ausfindig zu machen und konnte auch ein weisses Pünktchen "erahnen". Ich bin mir aber icht sicher ob er es auch wirklich war. Ursprünglich wollte ich bis zum Austritt warten, um die Bestätigung zu bekommen, dass auch genau dieses Pünktchen sich wieder von Jupiter löst, aber das war mir dann doch irgendwie zu spät. Ich betrachtete mir dann noch den Schatteneintritt und beobachtete diesen "Fliegenschiss" auf Jupiter noch etwa eine Viertelstunde, bevor ich mich, zufrieden mit mir, Io und Jupiter, endlich ins warme Bett legte.

Das alles wurde gesehen mit:
200/1000-Newton
3,6mm Kellner-Okular
im Südosten Deutschhlands

Gruß
Peter
 
Hallo Lutz!

Und ob mir Dein informativ-humorvoller Bericht gefallen hat! Bei der Beschreibung der Jupiterereignisse - was fuer ein geniales Seeing - hab ich richtig mitgefiebert und an anderen Stellen laut aufgelacht. Die gewonnenen Erkenntnisse zur Stabilitaet einer EQ 2 sind einfach koestlich! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Hoffentlich lesen wir hier oefter von Dir!

Herzliche Gruesse
 
Hallo Lutz,

´Jetzt kommt ein winziger schwarzer Punkt fast genau zwischen den Äquatorbändern ins Bild. Io's Schatten! Ich finde es immer wieder unglaublich, dass ich die Möglichkeit habe, so etwas zu sehen und miterleben zu können.
Bei all dieser Begeisterung schlag ich mir fast das Okular ins Auge.´

Das Gefühl kenne ich auch. Für etwas nicht bezahlt zu haben in unserer vom Geld bestimmten Welt, in der man vieles kaufen muß und fast alles kaufen kann...
Kurz vor dem Beobachtungserlebnis fliegt mir dann das Okular fast ins Auge, manchmal mit Spitze.

Gruß
Friedrich Wilhelm
 
Moin Lutz!

Klasse Bericht! Letzte Nacht war wohl halb Schleswig-Holstein am Gucken, trotz
des brutalen Vollmonds. Es war in Kiel taghell. Ich habe mir das Aufbauen
meiner größeren Teleskope im heimischen Garten deswegen auch geschenkt. Kurz
bevor es in die Falle ging, las ich noch vom Io-Schattendurchgang und der
GRF-Passage gegen halb Zwei. Das mußte ich mir natürlich in meinem 70/900 mm-
Refri noch antun. ;-) Den GRF und Mondschatten konnte ich ab 90fach bereits
erkennen. Die Luft war stabil wie selten, aber da ich aus dem Dachfenster
beobachtete, hatte ich teilweise ordentlich Thermik im Bild. Es hat sich
trotzdem gelohnt, denn unter dem Velux-Fenster saß ich im Schatten des Rollos -
man will sich ja keinen Mondbrand holen... ;-)

Wo ich gerade lese, daß Du aus dem Gebiet zwischen SL und FL kommst: Du bist
ein geeigneter Kandidat für unsere Beobachtertruppe auf dem Aschberg/Hüttener
Berge. Schau Dich doch mal bei Torsten auf der HP um nach der Aschberg-Connection
(ABC) - http://www.astroview.de/ - außerdem laufen Vorbereitungen für das erste
Aschberg Frühjahrs-Teleskoptreffen (das WE nach Ostern, Ende April) -
http://www.aft-info.de - Vielleicht trifft man sich ja mal?!
 
Moin, Moin!

Na, das freut mich aber, dass euch mein BB gefallen hat.

@Peter
Wenn ich sehe, mit was Du beobachtet hast... Naja, kommt Zeit, kommt Teleskop. (Hab ich heute bei Wolfi bestellt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> )

@Birgit
In Zukunft werde ich sicher öfter mal einen Bericht posten. Übrigens haben mir vor allem auch Deine BB's die Entscheidung erleichtert, mal selbst etwas in dieser Hinsicht zu versuchen. Sind wirklich schöne BB's dabei <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> !

@Friedrich Wilhelm
Ist es nicht wirklich unbezahlbar? Stimmt! (Meine Frau denkt da etwas differenzierter: Sie rechnet einfach die Kosten für unser Hobby gegen... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> )

@Micha
Gerne sehe ich mich bei Euch auf der Seite mal um. Wer weiss? Vielleicht schnacken wir uns tatsächlich mal zusammen. Leider bin ich gerade abends nicht immer ganz ohne Termine. Als Musiker hat man andere Arbeitszeiten...

Bis bald und schöne Grüße an Alle
Clear Skies
Lutz
 
Hallo Lutz,

bleibt zu hoffen, daß es nicht irgendwann doch einen „Leo Kirch“ (Pay-TV) auch für Hobbyastronomen gibt, der Fernrohre und Teleskope in der Art von Münz- und Telefonkartenfernsprechern aufstellt.

Aber in Zeiten von Disney-World und Disney-Land gibt es nichts was es nicht doch irgendwann gibt.

Schade drum !

Clear Skies

Friedrich Wilhelm
 
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