R_Andreas
Aktives Mitglied
Morgen zusammen,
heute Nacht konnte ich nicht widerstehen und musste eine Beobachtungssession machen. Bedingungen: Heimischer Garten mit Blick in Richtung Süden, Osten und Westen, keine absolut dunkle Nacht, aber doch ein sehr klarer Himmel, mit Sternen bis 5m.
*entfernt*: GSO Dobson 10" f5, Okulare TS WA 25, 15, 10mm, Eudia 7,5mm, TS Barlow 2x, OIII Filter.
Gegen 20 Uhr wurde der Dob rausgeschleppt und der Lüfter angeworfen und dann erst mal 2,5 Stunden in Ruhe gelassen. Als erstes stand in der Dämmerung der Planet Jupiter auf dem Programm, wo gestern zwei Durchgänge von Monden vor der Jupiterscheibe anstanden, und zwar zu besten Zeit von 23 bis 23:45 Uhr. Genau richtig, um die Zeit bis zur Dunkelheit zu überbrücken.
Europa und Io näherten sich im spiegelnden Newton von rechts im Gleichschritt dem Jupiter, auf dem der GRF leider gerade nicht zugegen war. Die Monde sahen für mich gleich hell aus. Der Eintritt von Europa war nicht genau festzumachen, der Übergang eher fließend. Irgendwann war er soweit gewandert, dass er als heller Punkt vor dem SEB auftauchte. Interessant war, dass der Jupiterrand leicht asymmetrisch wirkte, fast wie eine kleine Phase aussehend, die ja wirklich derzeit vorhanden ist. Frage: Bei welchem Winkelabstand von der Sonne zeigt Jupiter die größte Phase?
Zwischenzeitlich war mir aufgefallen, dass man sehr hoch vergrößern und immer noch einen Schärfepunkt finden konnte.
Üblicherweise ist bei 166-fach mit dem 7,5 Eudia eine vernünftige Höchstvergrößerung erreicht. Heute konnte man mit der Barlow und dem 10mm locker auf 250-fach gehen, sogar mein Versuch Barlow 2x mit 7,5mm Okular = 333-fach hat noch Freude bereitet.
Als auch Io den Jupiterrand erreichte, hatte ich eine gute halbe Stunde, nur durch Okularwechsel "gestört", ununterbrochen den Jupiter beobachten können.
Inzwischen war es fast dunkel - nach einer Pause ging es dann um 24 Uhr weiter mit dem Beobachten.
Als erstes wurde KS M71 aufgesucht, der überraschend schwer zu finden war und recht unscheinbar ist. Der Haufen benötigt etwas mehr Vergrößerung und war bei 125-fach am schönsten. Allerdings ist er nicht zu vergleichen mit den KS im Herkules, er ist wesentlich weniger konzentriert und lichtschwächer. Bei der Recherche zu diesem Sternhaufen trifft man immer wieder auf Zweifel, ob es sich überhaupt um einen KS handelt, oder doch um einen dichten OS. Jedenfalls ist M71 für mich recht geheimnisvoll und noch lange nicht ausgereizt.
Vom M71 ist es nicht weit zum Hantelnebel M27 im Füchschen.
Im 15mm Okular war lediglich eine etwas verwaschene, nicht ganz runde Struktur am hellen Sommerhimmel zu erkennen. Mit dem Astronomic OIII Filter ändert sich der Anblick dramatisch: Eine helle Scheibe vor dunklem Hintergrund, größer im Durchmesser als zuvor, mit auslaufendenden, nicht scharf abgegrenzten Rändern.
Ich beschließe, trotz der späten Stunde heute solange weiterzumachen, bis mir die Augen zufallen.
Nachdem ich mich am Hantelnebel sattgesehen hatte, ging es zum Schwan. Meine Euphorie verflog allerdings recht schnell, da trotz Filter der Nordamarikanebel unsichtbar blieb. Einen Versuch am Cirrus war aber noch Pflicht: Und tatsächlich, nach exakter Positionierung mit Hilfe des 8x50 Winkelsuchers, konnte das westliche Filament NGC 6960 ganz zart direkt im 25mm + OIII Filter ausgemacht werden. Die Strukturen erahnt man, visuell ein wirklich interessantes Objekt, bei dem man durch intensive Beobachtung immer mehr Strukturen erkennt. Ein Schwenk nach links auf den östlichen Teil NGC 6992, 6995 und 6979 ist ebenso faszinierend.
Angespornt durch den Erfolg und die fortgeschrittene Dunkelheit versuche ich nochmals NGC 7000, ohne Erfolg. Vielleicht würde hier ein 2" Okular + OIII mehr bringen, aber meine Entscheidung auf 1 1/4" bei den Filtern zu gehen, steht.
Fast im Zenit befindet sich die Leier, M57 wird natürlich noch beobachtet - hier bringt der OIII keinen Gewinn. Bei hoher Vergrößerung wird der Donut recht deutlich, der mit knapp mag15 dunkle Zentralstern blieb mir erwartungsgemäß verborgen.
Zum Abschluss dieser schönen Nacht versuche ich Epsilon Lyrae, der bei 250-fach und nach kurzer Feinjustage des Hauptspiegels recht problemlos in seine vier Komponenten getrennt werden kann, ein Doppelsternkiller wird dieser GSO Dobson allerdings wohl nie werden.
Viele Grüße
Andreas
heute Nacht konnte ich nicht widerstehen und musste eine Beobachtungssession machen. Bedingungen: Heimischer Garten mit Blick in Richtung Süden, Osten und Westen, keine absolut dunkle Nacht, aber doch ein sehr klarer Himmel, mit Sternen bis 5m.
*entfernt*: GSO Dobson 10" f5, Okulare TS WA 25, 15, 10mm, Eudia 7,5mm, TS Barlow 2x, OIII Filter.
Gegen 20 Uhr wurde der Dob rausgeschleppt und der Lüfter angeworfen und dann erst mal 2,5 Stunden in Ruhe gelassen. Als erstes stand in der Dämmerung der Planet Jupiter auf dem Programm, wo gestern zwei Durchgänge von Monden vor der Jupiterscheibe anstanden, und zwar zu besten Zeit von 23 bis 23:45 Uhr. Genau richtig, um die Zeit bis zur Dunkelheit zu überbrücken.
Europa und Io näherten sich im spiegelnden Newton von rechts im Gleichschritt dem Jupiter, auf dem der GRF leider gerade nicht zugegen war. Die Monde sahen für mich gleich hell aus. Der Eintritt von Europa war nicht genau festzumachen, der Übergang eher fließend. Irgendwann war er soweit gewandert, dass er als heller Punkt vor dem SEB auftauchte. Interessant war, dass der Jupiterrand leicht asymmetrisch wirkte, fast wie eine kleine Phase aussehend, die ja wirklich derzeit vorhanden ist. Frage: Bei welchem Winkelabstand von der Sonne zeigt Jupiter die größte Phase?
Zwischenzeitlich war mir aufgefallen, dass man sehr hoch vergrößern und immer noch einen Schärfepunkt finden konnte.
Üblicherweise ist bei 166-fach mit dem 7,5 Eudia eine vernünftige Höchstvergrößerung erreicht. Heute konnte man mit der Barlow und dem 10mm locker auf 250-fach gehen, sogar mein Versuch Barlow 2x mit 7,5mm Okular = 333-fach hat noch Freude bereitet.
Als auch Io den Jupiterrand erreichte, hatte ich eine gute halbe Stunde, nur durch Okularwechsel "gestört", ununterbrochen den Jupiter beobachten können.
Inzwischen war es fast dunkel - nach einer Pause ging es dann um 24 Uhr weiter mit dem Beobachten.
Als erstes wurde KS M71 aufgesucht, der überraschend schwer zu finden war und recht unscheinbar ist. Der Haufen benötigt etwas mehr Vergrößerung und war bei 125-fach am schönsten. Allerdings ist er nicht zu vergleichen mit den KS im Herkules, er ist wesentlich weniger konzentriert und lichtschwächer. Bei der Recherche zu diesem Sternhaufen trifft man immer wieder auf Zweifel, ob es sich überhaupt um einen KS handelt, oder doch um einen dichten OS. Jedenfalls ist M71 für mich recht geheimnisvoll und noch lange nicht ausgereizt.
Vom M71 ist es nicht weit zum Hantelnebel M27 im Füchschen.
Im 15mm Okular war lediglich eine etwas verwaschene, nicht ganz runde Struktur am hellen Sommerhimmel zu erkennen. Mit dem Astronomic OIII Filter ändert sich der Anblick dramatisch: Eine helle Scheibe vor dunklem Hintergrund, größer im Durchmesser als zuvor, mit auslaufendenden, nicht scharf abgegrenzten Rändern.
Ich beschließe, trotz der späten Stunde heute solange weiterzumachen, bis mir die Augen zufallen.
Nachdem ich mich am Hantelnebel sattgesehen hatte, ging es zum Schwan. Meine Euphorie verflog allerdings recht schnell, da trotz Filter der Nordamarikanebel unsichtbar blieb. Einen Versuch am Cirrus war aber noch Pflicht: Und tatsächlich, nach exakter Positionierung mit Hilfe des 8x50 Winkelsuchers, konnte das westliche Filament NGC 6960 ganz zart direkt im 25mm + OIII Filter ausgemacht werden. Die Strukturen erahnt man, visuell ein wirklich interessantes Objekt, bei dem man durch intensive Beobachtung immer mehr Strukturen erkennt. Ein Schwenk nach links auf den östlichen Teil NGC 6992, 6995 und 6979 ist ebenso faszinierend.
Angespornt durch den Erfolg und die fortgeschrittene Dunkelheit versuche ich nochmals NGC 7000, ohne Erfolg. Vielleicht würde hier ein 2" Okular + OIII mehr bringen, aber meine Entscheidung auf 1 1/4" bei den Filtern zu gehen, steht.
Fast im Zenit befindet sich die Leier, M57 wird natürlich noch beobachtet - hier bringt der OIII keinen Gewinn. Bei hoher Vergrößerung wird der Donut recht deutlich, der mit knapp mag15 dunkle Zentralstern blieb mir erwartungsgemäß verborgen.
Zum Abschluss dieser schönen Nacht versuche ich Epsilon Lyrae, der bei 250-fach und nach kurzer Feinjustage des Hauptspiegels recht problemlos in seine vier Komponenten getrennt werden kann, ein Doppelsternkiller wird dieser GSO Dobson allerdings wohl nie werden.
Viele Grüße
Andreas